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Findlinge

Diese Woche hatte ich noch mit den Auswirkungen des Hexenschusses zu kämpfen, aber jetzt scheint alles wieder in Ordnung zu sein. Inzwischen ist es in und um’s Haus adventlich geworden und ich warte sehnsüchtig auf den ersten Schnee. Die weltbeste WG-Genossin hat ihre OP am Montag auch gut überstanden und wird heute aus dem Krankenhaus entlassen. Dann heißt es zwar noch 4 Wochen liegen aber das kann man zuhause doch besser als im Krankenhaus. Wir werden es uns schön gemütlich machen.

Anfang der Woche habe ich zum ersten Mal einen sog. »Simmer Pot« aufgesetzt. Darin frische Cranberries, Granatapfelkerne, Mandarinenhälften, Vanilleschote und -aroma, Zimtstangen, ganze Gewürznelken, ein Stückchen frischen Ingwer, (wer Lakritzgeruch mag, kann auch noch etwas Anis hinzufügen, ich hab den Anis weggelassen, erinnert mich zu sehr an Hustenbonbons) frische kleine Tannenzweige, Apfel Cidre und Wasser. Das ganze einmal kurz zum Kochen bringen, dann die Temperatur herunterdrehen und alles nur noch vor sich hin simmern lassen, solange man möchte. Natürlich muss man den Topf ein bisschen im Auge behalten und ab und an etwas Wasser nachfüllen. Kurze Zeit später riecht es im Haus angenehm weihnachtlich und bringt einen in gute Stimmung. Man kann den Topf nach ein paar Stunden abkühlen lassen und am nächsten Tag erneut erhitzen und simmern lassen (Wasser auffüllen nicht vergessen!). Wer mag, kann das ganze dann durchseihen und die reine Flüssigkeit in ein geeignetes Gefäß abfüllen und z.B. in kleinen Mengen in einer Duftlampe verdampfen lassen.
Es könnte eine neue adventliche Tradition bei uns werden, in der Advents- und Weihnachtszeit ab und an mal so einen Simmer Pot aufzusetzen.

In der nächsten Woche läuft mit »Die Schlacht der fünf Heere« der letzte Teil der Verfilmung von »Der Hobbit« in den deutschen Kinos an. Ich freu mich schon sehr darauf den Film hoffentlich noch vor Weihnachten zu sehen. Kommt ein bisschen darauf an, wann er hier bei uns auf dem platten Land gezeigt wird.

Als kleine »Vorbereitung« habe ich diese Woche die Doku »Herr der Worte, Herr der Welten« über J.R.R. Tolkien gesehen, die bei ARTE gezeigt wurde. Wirklich eine interessante Doku inklusive Originalaufnahmen von Tolkien in denen er sich selbst äußert. Zugleich verschaffte mir die Doku einen heftigen Sehnsuchtsschub nach Oxford. Ich würde gerne nochmal dorthin reisen und vielleicht sogar mal in der Adventszeit, wenn dort auch die tollen Konzerte stattfinden und überhaupt hachz!

Außerdem zeigt ARTE gerade eine weitere fünfteilige Doku mit dem Titel »Auf den Spuren der Hobbits«. John Howe, der als Illustrator der Werke Tolkiens und als Concept Artist bei den Verfilmungen von Peter Jackson bekannt wurde, hat sich auf die Reise gemacht und nach den Orten und Geschichten gesucht, die J.R.R. Tolkien inspiriert haben könnten, die Hobbits zu erfinden.
Jeden Sonntag gibt es eine neue Folge, die natürlich jeweils weitere 7 Tage lang in der ARTE-Mediathek abgerufen werden kann.

Dann konnte ich diese Woche endlich anfangen John von Düffels »Wassererzählungen« zu lesen, die mir die liebe Smilla geschenkt hat. Schon mit der ersten Erzählung hat mich John von Düffel wieder am Haken, aber dazu hoffentlich in Kürze mehr.

In (fast aller Munde) ist diese Woche der erste Teil von #1000Tode. Christiane Frohmann, die 2012 den Frohmann Verlag gegründet hat, hat das ambitionierte Projekt »1000 Tode schreiben« initiiert. Sie selbst beschreibt das Projekt folgendermaßen:

»Die Idee war und ist, in Form von tausend kurzen Texten tausend höchst subjektive Ansichten auf den Tod zu versammeln, damit diese zusammenwirkend einen transpersonalen Metatext über den Tod schreiben, aus dem wiederum ein plausibles Bild dessen entsteht, wie der Tod in der heutigen Gesellschaft wahrgenommen wird, welche Realität er hat, wie und was er ist. Ich habe Autor*inn*en angesprochen und Menschen, die beruflich oder privat mit dem Tod zu tun haben. Viele dieser Menschen haben weitere Mitwirkende dazugeholt. …«

Nun ist also der erste Teil mit 135 Texten veröffentlicht und kann gelesen werden. Es sind sehr unterschiedliche, sehr persönliche und berührende Texte, die viel Stoff zum Nachdenken liefern. Nach und nach werden weitere Teile veröffentlicht bis (wohl zur Leipziger Buchmesse) alle 1000 Texte beieinander sind. Schon jetzt gibt es an einigen Orten erste Lesungen ausgewählter Texte. Das ebook kostet ? 4,95 und wer das eBook einmal gekauft hat, erhält die folgenden Ausgaben als aktualisierte Version. Sehr schön fnde ich, dass die Autor- und Herausgeberanteile am Erlös als Spende an das Kinderhospiz Sonnenhof in Berlin-Pankow gehen.
https://minimore.de/shop/christiane-frohmann-hg-tausend-tode-schreiben-version-14/

Ich bin sehr selten neidisch, aber diese Woche war es mal wieder soweit. Ja, ich bin neidisch auf Zach Baron. Warum? Weil der das Glück hatte Tilda Swinton in Schottland besuchen zu dürfen und zwar nicht in einem Pulk mit weiteren Journalisten sondern nur er und Tilda! Wie cool ist das denn bitte? Gut, die Anreise war etwas schwierig und er musste dafür das schottische Nationalgericht »Haggis« probieren aber was tut man nicht alles für eine persönliche Begegnunge mit Tilda Swinton? Wenigstens hat er einen ausführlichen Artikel über seinen Besuch und die Begegnung mit Tilda geschrieben und den hab ich gerne gelesen.

Wenn Ihr Paris-Liebhaber seid oder in absehbarer Zeit einen Parisbesuch plant, hab ich noch folgenden Linktipp für Euch. Schaut mal bei »My Little Paris« vorbei, da erfahrt Ihr, wo der älteste Baum (411 Jahre! Wen und was hat der alles in seinem Leben gesehen und gehört?!) in Paris steht, wo ihr über den Dächern von Paris in einem privaten Pool schwimmen und von dort den Ausblick über die Stadt und auf den Eiffelturm genießen könnt, wo die besten Patisserie in der Stadt zu finden sind und vieles vieles mehr.

Zum Abschluß für heute gibt’s noch das Christmas Special von Simon’s Cat »Catnip«

Euch allen einen wunderbaren 2. Advent und eine gute neue Woche!

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Film ·Findlinge ·Fotografie ·Kultur ·Kunst ·Literatur & Lyrik

Findlinge

Gerade rechtzeitig für die Findlinge, bin ich wieder online. Ich war ja Donnerstag vor einer Woche erst von einigen Tagen an der Ostsee zurückgekehrt und hab dann die Findlinge für letzte Woche hochgeladen. Kurz danach war’s das dann mit Telefon und Internet im Haus. Ihr kennt das! Erst ein Feiertag, gleich anschließend Wochenende. Dann warten, dass der Techniker vorbeikommt. Dann warten auf das Ersatzteil, etc. etc. Erst seit gestern Nachmittag sind wir wieder online. Daher gibt’s von der vergangenen Woche auch nicht so viele Instagram-Favoriten und daher diesmal nur ein Foto, dafür aber ein besonders schönes. Sowas sehen wir hier gerade oft, denn die Kraniche und Wildgänse ziehen in Massen über uns hinweg.

Tja, was hab ich sonst noch für Euch? Zum Beispiel habe ich diesen Artikel hier von Christine Hyung-Oak Lee gelesen. Sie hatte mit 33 Jahren einen Schlaganfall und erzählt, wie sie ihn erlebt hat und über die Zeit danach.

Auch gelesen habe ich die Multimedia-Reportage »Stirb nicht« Erschütternd! Mich jedenfalls! Ich komme langsam aber sicher gar nicht mehr raus aus dem Schämen über unser Verhalten gegenüber Flüchtlingen. Ein Hohn, wie sich die EU (immerhin erst vor zwei Jahren mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet!), verhält! Ich frage mich mittlerweile, ob unsere Kinder und Enkel uns mal fragen werden »Wie konntet Ihr das zulassen?« »Ja, habt Ihr denn nichts davon gewusst?«

Gut gefallen hat mir die Fotoserie »Two Sisters« von Nadia Sablin. Darin portraitiert sie ihre beiden altgewordenen Tanten, die gemeinsam in einem alten Haus leben. Wunderbare stille Fotos!

Außerdem bin ich auf das Interview-Foto-Projekt »Im Augenblick« von Nicola Holtkamp gestoßen. Sie portraitiert darin Menschen aus ihrem Umfeld und stellt ihnen zusätzlich fünf Fragen. Sowas ist ja immer interessant zu lesen.

Gesehen habe ich den Trailer des Films »In No Great Hurry« über den Fotografen Saul Leitner. Den Film würde ich gerne komplett sehen.
Genauso wie den gerade in unseren Kinos angelaufenen Film »Mr.Turner - Meister des Lichts« von Mike Leigh. Die recht umfangreiche Turner-Ausstellung in Hamburg von vor ein paar Jahren, ist mir noch lebhaft in Erinnerung. Ein grandioser Maler!

Vom relativ neuen Podcast »Fehlfarben« habt Ihr vielleicht schon gehört. Da unterhalten sich Anke (@ankegroener), Felix (@sammykuffour), Florian (@munifornication) und Kai (@probek) über Ausstellungen bzw. Kulturereignisse, die sie besucht haben. Nebenbei trinken sie anonymisierten Wein und fällen am Ende auch über die Weine ihr Urteil, bevor enthüllt wird, um welche Weine es sich gehandelt hat.
Inzwischen ist die dritte Folge online und darin ging es gleich um zwei Ausstellungen und Künstler. Der Teil der Unterhaltung über die Ausstellung »Stille Kulisse und wandernde Komparsen« von Hans op de Beeck in der Sammlung Goetz in München hat mich neugierig gemacht. Nun ist München natürlich sehr weit weg von mir. Glücklicherweise gibt es aber eine Webseite von Hans op de Beeck und da kann man viele (alle?) seiner Werke sehen. Ist natürlich nicht dasselbe wie direkt in der Ausstellung, aber immerhin mehr als gar nix.
Total bezaubert bin ich bisher jedenfalls von »Staging Silence I und II« (wobei mir Version II etwas besser gefällt). Zwei kleine, wunderbare Filme, für die man sich etwas Zeit nehmen muss darf, vielleicht mit einer guten Tasse Tee. Ich werde glaube ich noch eine Weile damit beschäftigt sein, seine Seite durchzuschauen und mir das ein oder andere seiner Werke genauer anzuschauen. Jedenfalls bin ich sehr dankbar, durch den tollen Fehlfarbenpodcast auf diesen Künstler aufmerksam geworden zu sein.

Zufällig bin ich noch auf das Buch »Why Did The Chicken Cross The World« von Andrew Lawler gestoßen. Eine Kulturgeschichte des Huhns also. Mit sowas kriegt man mich ja leicht. Es ist auf jeden Fall gleich auf meine Bdignlw-Liste gekommen. *Bdignlw = Bücher, die ich gerne noch lesen würde

Für alle von Euch, die sich noch ein bisschen oder sogar viel vom kindlichen Herz bewahrt haben und »Die unendliche Geschichte« von Michael Ende geliebt haben bzw. sie immer mal lesen wollten, aber doch nicht geschafft haben (kann ich mir kaum vorstellen, denn gefühlt hat damals jeder, wirklich jeder, dieses Buch gelesen!), die frohe Kunde, dass es jetzt ein sechsteiliges Hörspiel gibt, das neu eingespielt wurde.
Den Besprechungen nach, muss es außergewöhnlich gut gelungen sein. Seit heute, Freitag, den 7. November, wird es jeden Freitag um 14:10 Uhr und als Wiederholung um 17:05 auf WDR 5 ausgestrahlt. Wenn Ihr jetzt wegen der Zeiten mit den Augen rollt, keine Sorge, man kann jede Folge zur genehmen Zeit für die jeweils folgenden 7 Tage nachhören und zwar hier. Ich habe die erste Folge schon gehört und mir hat’s gefallen. Ist auch was für lange dunkle Herbst- bzw. Wintertage oder nebenher beim Bügeln oder was immer ihr sonst tun wollt.

Und zum Abschluß noch für alle Katzenfreunde unter Euch, das brandneue Video von Simon’s Cat

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Film ·Nachdenkliches ·Soziales

Operation Zucker … Und nun?

Zur Einleitung: Diesen Beitrag habe ich mehrfach umgeschrieben, verändert, fast wieder gelöscht bzw. doch nicht gepostet und dann doch nochmal anders geschrieben und hin und her überlegt und verworfen und mich geärgert und beschlossen, ihn doch zu posten. Und dann war da noch diese ätzende innere Stimme, die mich anschrie, dass eh keiner so lange Texte in Blogs liest, jedenfalls nicht, wenn sie so stümperhaft geschrieben sind und nicht so toll wie X oder Y in seinem oder ihrem Blog solche Beiträge schreiben und alles so wunderbar und ausgewogen formulieren können. Egal, ich habe mich entschieden den Beitrag, so wie er jetzt ist, doch zu posten. Ich wünschte, ich hätte manches, was mir dabei auf der Seele lag besser und prägnanter in Worte fassen können. Es ist mir leider nicht besser gelungen und dafür entschuldige ich mich schon im voraus. Danke, wenn Sie an dieser Stelle trotzdem großzügig weiterlesen! Zum Thema also …

Auf vielen Kanälen wurde auf den Film »Operation Zucker« von Rainer Kaufmann hingewiesen, der gestern Abend in der ARD gezeigt wurde. Einmal in einer entschärften Version um 20:15 Uhr, einmal nach Mitternacht in der ursprünglichen, nicht entschärften Version. In der ARD Mediathek war diese Version auch schon ab 22 Uhr zu sehen.

Ich habe mir die originale Version »angetan«. Nicht aus Voyeurismus oder weil ich es nicht hart genug haben kann, sondern weil ich weiß, dass die nicht entschärfte Version immer noch ein Witz ist im Vergleich zu dem, was da mitten unter uns, in unserem Land, in unseren Städten, quasi vor unser aller (sehenden und doch nicht sehenden) Augen geschieht.

Was diesen Kindern tatsächlich zugemutet und angetan wird, ist so und noch viel schlimmer als das, was der Film zeigt bzw. andeutet und das ist auch nicht etwa eine neuere bzw. jüngere »Fehlentwicklung«, gegen die »man auch mal langsam was unternehmen müsste«, sondern das läuft schon seit Jahrzehnten so. Nein, das ist ein gut etablierter Wirtschaftszweig, bei dem nicht nur Kinder sondern eben auch viel viel Geld umgeschlagen wird.

Das System dahinter steht auf sehr stabilen Füßen, weil es auf einer ganz besonders perfiden Art der Korruption beruht. Experten sprechen nicht umsonst von einer »Hydra«, die egal wieviel Köpfe man ihr abschlägt, immer wieder neue und mehr Köpfe hervorbringt. Das Bild der Hydra passt einerseits, aber andererseits verschleiert es auch eine Wahrheit. Es suggeriert nämlich, es gäbe nur ein Wesen (bzw. weniger »Lenker« des Systems) und wenn man dem bzw. denen nur das Handwerk legen könnte, wäre das Problem gelöst.

Aber die Macht dieser Hydra basiert eben gerade darauf, dass so unfassbar viele an diesem menschenverachtenden System beteiligt sind. Und die Beteiligten stammen aus den unterschiedlichsten Schichten, Berufen, Hintergründen und sie haben eine Pakt geschlossen. Einen Schweigepakt - wohl wissend, dass »die anderen«, die nicht im System stecken (in welcher Form auch immer), sowieso lieber nicht hören (geschweige denn wirklich wissen) wollen, was sie zu erzählen hätten, wenn sie nicht schweigen würden. Jedenfalls »profitieren« alle Beteiligten - außer den Kindern natürlich - von diesem System.

Es ist ein korruptes, böses, widerliches, perverses aber perfekt funktionierendes System und wehe denen, die es auch nur im Ansatz wagen, sich diesem System in den Weg zu stellen. Sie werden gebrochen, zermalmt und notfalls schlicht aus dem Weg geräumt, sei es mit sexuellen Gefälligkeiten, Geld, Erpressung oder eben roher Gewalt. Alle wissen das und deswegen gibt es auch nur ganz wenige, die es überhaupt wagen, etwas gegen die Hydra zu unternehmen - wer risikiert schon gerne Leib und Leben oder noch genauer Leib und Leben seiner eigenen Familie? Dann ist es eben doch leichter, einfach nicht so genau hinzusehen, die Klappe zu halten, die Ermittlungen einzustellen etc. etc..

Insofern ist es zu begrüßen, dass dieser Film das Thema für etwas mehr als eine Stunde wenigstens mal wieder ins Licht der Bildschirme zerrt und damit den Zuschauern (bin gespannt auf die Quote! Nachtrag: 6,27 Millionen Zuschauer haben den Film gesehen, das ist ein Marktanteil von 18,3 %) zumindest ins Bewusstsein. Dieser Film will mehr sein als »reine Unterhaltung« oder »ein Krimi unter vielen«. Dieser Film hat »Ambitionen« hieß es. Soweit so gut. Ich frage mich aber schon, was ist die nachhaltige Wirkung dieses - wie schon gesagt, gut und sicher mit den besten Absichten gemachten - Films?

Aufklärung? Wissensvermittlung? Sicher mag sein. Der ein oder andere wird vielleicht zukünftig zumindest kurz irritiert die Stirn runzeln, wenn er Kinder auf einem Spielplatz spielen sieht, die nicht lachen, oder irgendwo am Wegesrand ein paar Kinderschuhe ohne Schnürsenkel. Aber was bringen diese (angeblichen) »Wissenshäppchen« tatsächlich für die betroffenen Kinder?

Was können diejenigen, die mit dem System nichts zu tun haben und die verabscheuen, was da mitten unter uns geschieht, denn wirklich tun? Ich bin ziemlich sicher, dass viele Zuschauer gestern Abend gedacht haben: »Ja, das ist alles furchtbar, zum kotzen widerlich, abscheulich. Die armen Kinder. Aber, ich, ich kann daran sowieso nichts ändern. Selbst die, die sich von Berufs wegen mit diesem furchtbaren Thema auseinandersetzen müssen, kommen ja den Tätern nicht bei. Was kann ich da schon ausrichten?«

Und dann rauscht das Leben weiter, ein neuer Tag, neue unsere Aufmerksamkeit fordernde Themen tauchen auf und im besten Fall bleibt uns der Film noch ein paar Tage im Gedächtnis, bevor er langsam verdrängt und vergessen wird.
Die Kinder, die tagtäglich und Nacht um Nacht, den blanken Horror erleben, bleiben weiter das Futter der Hydra, die weiterhin menschenverachtend verschlingt, was ihr zum Fraß vorgeworfen wird.

Wobei ich mir an dieser Stelle erlaube auch die Frage zu stellen, ob die deutsche Gesellschaft an sich, etwas weniger träge wäre, massiv und geschlossen gegen diese Hydra vorzugehen und sie mit allem Ernst und allen nur denkbaren Mitteln zu bekämpfen, wenn es sich um deutsche Kinder handeln würde, die ihr zum Opfer fallen. Aber die Hydra ist ja nicht dumm und deshalb werden eben Kinder quasi importiert und das aus Ländern, die hier in der Wertschätzung eh auf den »niederen Rängen« rangieren. Ein paar rumänische, bulgarische, russische - you name it - Kinder … ja tragisch, natürlich, aber (an dieser Stelle inneres Schulterzucken), da kann man halt nix machen! So eine Art »Kollateralschaden« eben. Böse Worte, die ich hier schreibe? Ja, ich bin nämlich, wenn es um dieses Thema geht, derart wütend, dass mir eigentlich die Worte fehlen (und damit kein Mißverständnis entsteht, nicht erst seit gestern Abend und diesem Film).

Nochmal: »Operation Zucker« ist ein guter und wichtiger Film aber ich (und vermutlich viele Zuschauer) bleiben danach mit der Frage zurück: »Und nun?« Ich wünschte mir, dieser Film würde wirklich auf breiter gesellschaftlicher Basis eine konstruktive Diskussion zum Thema anstossen. Eine Diskussion, die konkrete Entschlüsse und Schritte nach sich zieht, die möglichst vielen Kindern diesen blanken Horror ersparen.

Nachtrag:

Zahlen und Fakten zum Thema:

+ Jeden Tag werden weltweit mehr als 3000 Kinder Opfer von Menschenhändlern.
+ Jährlich werden mit Menschenhandel zwischen 25 und 35 Milliarden Euro umgesetzt.
+ Die meisten Opfer stammen aus Südostasien, Afrika, Latein- und Zentralamerika sowie osteuropäischen Ländern. Sie werden bevorzugt in die USA, Westeuropa, den Nahen Osten, Japan und Australien verschleppt.
+ Besonders gefährdet sind Kinder in armen Regionen, die in zerrütteten Familien leben, sowie Waisenkinder.
+ Rund zwei Drittel der weltweit entdeckten minderjährigen Opfer wurden zur Prostitution gezwungen.
+ Etwa 50 Millionen Kinder auf der Welt wurden bei ihrer Geburt nicht registriert. Sie sind besonders von Menschenhandel bedroht.
+ Im Dezember 2012 befreite die Polizei 19 Kinder aus den Fängen eines internationalen Kinderporno-Rings in Spanien. Darunter waren auch Opfer aus Deutschland. Die Verbrecher hatten jahrelang Kinderpornos in insgesamt 94 Länder verkauft - nach Asien, Amerika und Europa.
+ In Deutschland ermittelte die Polizei 2011 640 Menschenhandelsopfer, die sexuell ausgebeutet wurden. Knapp 5 % mehr als im Vorjahr. Fast alle waren weiblich (94 %).
+ Im Jahr 2011 stammte über die Hälfte (61 %) der Menschenhandelsopfer aus osteuropäischen Staaten, vor allem aus Rumänien und Bulgarien. Aber auch der Anteil der deutschen Opfer ist gestiegen, auf 21,7 %.
+ Etwas mehr als die Hälfte der Opfer in Deutschland waren jünger als 21 Jahre, davon 14 % unter 18 Jahre.
+ 73 % aller 2011 in Deutschland ermittelten Menschenhandelsopfer gaben an, gegen ihren Willen in die Prostitution gezwungen worden zu sein.
+ Die meisten Tatverdächtigen bei Menschenhandelsdelikten, die 2011 in Deutschland verfolgt wurden, hatten die deutsche Staatsbürgerschaft (28 %).
(Quelle)

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