Frauen

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Feministisches Manifest erschienen als vierseitige Flugschrift um 1700

Zum Ersten soll kein Mann ohne wissen seines Weibes gantz und gar nicht aus dem Hause gehen / weder zu Bier / Wein / oder Brand-Wein / wie sie denn Namen haben mögen / sondern was er haben will / soll er seinem Weibe (wie auch die Billigkeit solches erfordert) drum fragen.

Zum 2. und also ihren Consens darüber erwarten.

Zum 3. wo er auch Geld einzunehmen hätte / ihr solches fleißig zustellen mit grossem Danck.

Zum 4. Ihr ja nicht das geringste fürhalten / und wo möglich / dahin trachten / damit er sie im geringsten nicht erzürne / sondern ihr allezeit zu gefallen stehe / (wie denn die Billigkeit an ihm selbst erfordert und haben will. )

Zum 5. soll der Mann schuldig seyn / (wenn es ihm gefällt /) Winterszeit früh Morgens eine Stunde vor seiner Frauen auffzustehen / und einzuheitzen.

Zum 6. die Stuben auskehren / und fein ausfehen.

… und so weiter und so fort … liest man die ganze Flugschrift, scheint dieses Manifest doch nicht ganz so ernst gemeint zu sein! ;o)

via Zentrifugalhafen

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Joyce Tenneson

© Joyce Tenneson

Sadie Simms Allen, 81
»I’m a bit envious of the younger generation. They have so much freedom compared to us. I got married the day I graduated! A lot of my friends are passing away now. The rest of us are worried about outliving our pensions and assets—we don’t want to be a burden on our families. Now I live alone with my cat. I’m always collecting feathers. I use them to play with him—we’re good for each other.«

© Joyce Tenneson

Trisha Brown, 65
»This is the body position that feels most like me. In a strange way, I felt like an apprentice all my life, both as a dancer and choreographer. Now I am taking my compositional skills into other arenas—opera, visual arts, drawing. As I’ve matured, I feel surrounded by a richness of sources, a new sense of freedom.«

© Joyce Tenneson

Mona Miwako Lutz, 78
»I don’t think of myself as being old. When I’m with my granddaughter China, I feel the same age. I was born in Japan. I was brought up in a very old-fashioned way. There is not the same attention to etiquette anymore. I love China’s Yves Saint Laurent outfit. It’s so different from my Fortuny dress, which is fifty years old. They are both beautiful in their own right.«

© Joyce Tenneson

Lola Santos, 76 and Granddaughter Alex
»Make use of all your faculties while you are going toward your golden years, because you want to be of service. To give yourself, to love—this is why we are on earth.«

© Joyce Tenneson

Sister Elise: »I was in the U.S. Navy for three years before being called to the religious life. Sister Mary Christabel was in the Canadian Navy. We both feel like we are grandmothers. We have nurtured more children over the last fifty years than if we had been married.«

Sister Mary Christabel: »To be authentic and real, that is what is most important. Our sense of community and prayer has continually opened me to deeper levels of understanding and love.«

© Joyce Tenneson

Betty Silverstein
»People often stop me now and tell me I’m beautiful. I never had this happen when I was younger. So for me aging has, at least on the surface, made others interested in me and who I am.«

Joyce Tenneson gilt als eine der respektiertesten und renommiertesten Portraitfotografinnen der Gegenwart in Amerika. Sie hat bereits diverse Portrait-Bildbände veröffentlicht und sowohl sog. Celebrities als auch Menschen wie Du und ich fotografiert.

Mir hat es vor allem ihre Serie »Wise Women«, die sie 2002 unter dem gleichnamigen Titel als Portrait-Bildband veröffentlicht hat, angetan. Dafür hat sie Frauen im dritten Lebensabschnitt fotografiert und lässt diese auch zu Wort kommen, d.h. die Frauen äußern sich z.B. kurz dazu, wie sie diesen Lebensabschnitt erleben und empfinden, welche neuen Horizonte sich für sie geöffnet haben, wo sie Einschränkungen erleben oder wie sie mit den körperlichen und anderen Veränderungen, wie z.B. der Verlust von Freunden, etc. umgehen.

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Aus der Serie Georgia Conflict - © Rena Effendi

Aus der Serie Georgia Conflict - © Rena Effendi

Aus der Serie Georgia Conflict - © Rena Effendi

Aus der Serie House of Happiness - © Rena Effendi

Aus der Serie Russia: Therapy Farm - © Rena Effendi

Aus der Serie Cairo Neighborhoods - © Rena Effendi

Aus der Serie Cairo Neighborhoods - © Rena Effendi

Aus der Serie Xinaliq Village - © Rena Effendi

Aus der Serie Xinaliq Village - © Rena Effendi

Rena Effendi ist eine außergewöhnliche Frau und Fotografin. Geboren wurde sie 1977 in Aserbaidschan. In ihrer Familie gab es sowohl von der Seite ihrer Mutter als auch ihres Vaters Maler bzw. Malerinnen. Auch Rena Effendi malte von Kindesbeinen an, stellte aber je länge je mehr fest, dass die Malerei nicht ausreichte, um das auszudrücken, was sie ausdrücken wollte.

Dass sie schließlich eine international Furore machende Fotografin werden würde, war eher unwahrscheinlich, nicht zuletzt, weil sie selbst eine eher traurige Vorstellung vom Leben eines Fotografen hatte. Doch sie begann zu fotografieren und fing Feuer. Doch nun hatte sie damit zu kämpfen, dass das nötige Material wie Filme, Papier, Fixierer, etc. in Aserbaidschan nur schwer zu bekommen war. Doch sie konnte alle diese und weitere Hindernisse überwinden und begann damit, zunächst in ihrer unmittelbaren Umgebung den Wandel der Lebensverhältnisse der Menschen aufgrund der vorangetriebenen Ölförderung zu dokumentieren, um dann der gesamten Pipeline (insgesamt 1700 km!) von Aserbaidschan durch Georgien bis in die Türkei zu folgen und die Menschen entlang der Route zu fotografieren und zu Wort kommen zu lassen. Damit war ihr Weg mit dem Schwerpunkt »soziale Dokumentation« quasi vorgezeichnet. Dieses Jahr (wohl im Oktober) soll ihr erster Fotoband »Pipe Dreams. Leben an der Pipeline«, der die Fotos dieser Tour zeigt, im Schweizer Benteli Verlag erscheinen. Im Moment kann man diese Fotodokumentation auch noch auf ihrer Webseite (unter »Book«) sehen.

Rena Effendi ist jedenfalls eine Fotografin, die man sich merken sollte. Sie scheut sich nicht auf ungewohnten Pfaden unterwegs zu sein und ihre Fotos zeigen, dass es ihr in erster Linie um die Menschen und deren Lebensumstände geht. So zeigt sie mit ihren Fotos, die Gesichter von Flüchtlingen und Vertriebenen im georgischen Konflikt, dokumentiert die rechtlose Situation von Frauen im Osten Usbekistans wo der radikale Islamismus wieder auf dem Vormarsch ist, zeigt das harte Leben russischer Bergmänner und besucht russische Anstalten, in denen Drogenabhängige therapiert werden. Sie überrascht mit ungewöhnlichen Einblicken, wie in das Leben junger Erwachsener (20+) in Teheran, der unterschiedlichen Nachbarschaften in Kairo oder der Bergbewohner im Xinaliq-Tal im Norden Aserbaidschans oder dokumentarischen Fotos aus dem gequälten Afghanistan. Mir gefällt an ihren Fotos besonders, die Ausrichtung auf die Schicksale der Menschen selbst und ihren großartigen Umgang mit Licht in der Komposition ihrer Fotos.

Viele Jahre fotografierte Rena Effendi, ohne damit Geld zu verdienen, doch schließlich wurde man auf sie aufmerksam. So ist der renommierte Kriegsfotograf Stanley Greene einer ihrer großen Förderer. Heute ist Rena Effendi eine professionelle Fotografin, die zur renommierten Moskauer Fotoagentur Photographer.RU gehört, mit zahlreichen Foto-Preisen ausgezeichnet ist und ihre Fotos international ausstellt.

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Shadi Ghadirian

aus der Serie Quajar - © Shadi Ghadirian

aus der Serie Quajar - © Shadi Ghadirian

aus der Serie Quajar - © Shadi Ghadirian

Diese Fotos stammen aus der Serie »Quajar« der iranischen Fotografin Shadi Ghadirian. In dieser Serie wollte sie die Dualität und Zerrissenheit der iranischen Frauen zwischen Althergebrachtem und Moderne portraitieren. Mehr zu sich selbst und ihren Gedanken zu dieser Serie sowie der Serie »Like every day« (Galerie 2) beschreibt sie in ihrem Statement auf ihrer Seite.

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Louise Firouz ist tot

Louise Firouz
*24. Dezember 1933 - † 25. Mai 2008

Vor zwei Monaten habe ich hier in der Reihe »Bemerkenswerte Frauen« die seit Jahrzehnten im Iran lebende und aus den USA stammende Louise Firouz vorgestellt. Sie gilt als Wiederentdeckerin und Retterin einer uralten Pferderasse, des sog. »Kaspischen Pferdes«, verdiente Wissenschaftlerin und herausragende Züchterin vor allem der ebenfalls sehr alten Turkmenen-Rasse.

Jetzt wurde bekannt, dass Louise Firouz am 25. Mai 2008, im Krankenhaus Borzuye in der Stadt Gonbad, 74jährig verstorben ist. Damit ist ein langes und wahrlich bewegtes Leben zu Ende gegangen.
Durch ihre jahrzehntelangen Bemühungen um das Kaspische Pferd und ihre wissenschaftlichen Arbeiten wird sie auch der Fachwelt und interessierten Pferdeliebhabern in Erinnerung bleiben.

Sie hinterläßt ihre beiden Töchter, Roshan und Atesheh, ihren Sohn Caren und sieben Enkelkinder.

Annemarie Schwarzenbach 1940 in Lenzerheide, fotografiert von Marianne Breslauer © 2008 by the Estate of Marianne Breslauer, Zürich

Heute wäre Annemarie Schwarzenbach 100 Jahre alt geworden. Tatsächlich ist sie aber schon im Alter von nur 34 Jahren am 15. November 1942 nach einem banalen Sturz vom Fahrrad in Sils in der Schweiz gestorben. Was daran so erwähnenswert ist? Nun Annemarie Schwarzenbach war alles andere als ein durchschnittlicher Mensch und hat in den 34 Jahren ihres Lebens mehr erlebt als mancher andere, der es auf achtzig oder neunzig Jahre bringt.

Geboren wurde sie am 23. Mai 1908 in Zürich in einer wohlhabenden Familie. Schon ihre Mutter Renee war eine sehr schillernde Figur und so hatte es Annemarie Schwarzenbach nie leicht ihre eigene Position zu behaupten. Aber auch Annemarie war alles andere als ein durchschnittliches Kind. Sie spielte lieber mit ihren Brüdern als mit ihrer Schwester und wollte als Kind General werden. Zunächst studierte sie Geschichte in Zürich und Paris und veröffentlichte mit 23 Jahren ihren ersten Roman »Eine Frau zu sehen« in dem sie die Liebe zu einer Frau thematisierte. Damals natürlich ein Skandal erst recht in der Schweiz. Sie selbst ist äußerst androgyn, so dass Fremde häufig zuerst nicht wissen, ob sie einen Mann oder eine Frau vor sich haben und sie liebt offen Frauen. Früh kommt Annemarie in Kontakt mit der Familie Mann und zwar zunächst mit den Kindern, Erika und Klaus, mit denen sie sich gegen den Faschismus engagiert, später aber auch mit den Eltern Mann. Es ist Thomas Mann, der sie in seinem Tagebuch als einen »verödeten Engel« bezeichnet.

Annemarie Schwarzenbach mit ihrem Hund Doktor im Engadin um 1936 - © Nachlass Annemarie Schwarzenbach, Schweizerisches Literaturarchiv, Bern

Bis 1933 lebt sie als freie Schriftstellerin in Berlin, wo sie sich ins Nachtleben stürzt, viel trinkt und bald auch an Morphium gerät. Dann beginnt die Zeit ihrer vielen Reisen. Sie selbst hat sich als »unheilbar Reisende« bezeichnet. In den folgenden Jahren fährt sie vier Mal nach Persien, vier Mal in die Vereinigten Staaten, mehrmals durch ganz Europa und 1939 in Begleitung von Ella Maillart in einem Ford von Genf bis nach Kabul. Sie reisste durch Russland und den Irak, nach Indien und schließlich auch nach Belgisch-Kongo. Von diesen Reisen bringt sie tausend Fotos und viele Aufzeichnungen mit zurück und zumindest letztere publiziert sie zum größten Teil auch. Sie schrieb Romane, Erzählungen und politische Essays.

Neben höchst aktiven und kreativen Phasen stehen aber auch viele Abstürze, große Rastlosigkeit und Krisen. Von ihrer Drogensucht kommt sie nicht mehr los und schwankt zunehmend zwischen Euphorismus und schweren Depressionen. »Das Leben zerfetzt sich mir in tausend Stücke« schrieb sie selbst an Thomas Mann.

Schon zu Lebzeiten eckt sie immer wieder an und stößt auch auf viel Ablehnung. Nach ihrem Tod gerät sie zunächst in Vergessenheit, nicht zuletzt auch durch ihre Mutter verschuldet, die noch am Tage von Annemarie Schwarzenbachs Todes gegen den testamentarischen Willen von Annemarie deren sämtliche literarischen Manuskripte, Tagebücher und die Briefe der Geschwister Mann verbrannte. Auch innerhalb der Familie wurde Annemarie Schwarzenbach nach ihrem Tod größtenteils totgeschwiegen. Doch das gelang nicht auf Dauer.

Annemarie Schwarzenbach und ihr Mercedes Mannheim, Berlin 1932 - © 2008 by the Estate of Marianne Breslauer, Zürich

In den letzten Jahren wurde Annemarie Schwarzenbach und ihr Werk wiederentdeckt, nicht zuletzt auch durch den Verdienst der Schweizer Verlags Lenos, der viele ihrer Schriften neu auflegte oder sogar erstmals veröffentlichte und nun zu ihrem 100. Geburtstag auch eine Sonderedition in sechs Bänden veröffentlicht hat. 2001 kam der Film »Die Reise nach Kafiristan« über ihre gemeinsame Reise mit Ella Maillart ins Kino und ist als DVD auch heute noch zu bekommen.

Jetzt zu ihrem 100. Geburtstag ehrt die Schweiz sie mit einer großen Ausstellung »Annemarie Schwarzenbach - Eine Frau zu sehen«, die bis zum 1. Juni noch im Zürcher Museum »Strauhof« zu sehen ist. Danach geht die Ausstellung vom 13. Juni bis 27. Juli nach Berlin ins Literaturhaus Berlin und vom 24. September bis 23. November ins Literaturhaus München.

Die Zeit veröffentlichte gerade ein Porträt über Annemarie Schwarzenbach, geschrieben von ihrem Großneffen Alexis Schwarzenbach, der dieses Jahr auch einen umfangreichen Bildband mit bisher unveröffentlichten Dokumenten, Fotos und Filmmaterial aus dem Familienarchiv über sie veröffentlicht hat. Im April erschien auch »Eine Frau zu sehen« von Annemarie Schwarzenbach.

Link-Tipp: Am Ende aller Wege - Annemarie Schwarzenbachs Reisebilder über drei Kontinente

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