Fragmente ·Vogelliebe

Fragmente #20

Ich mag Vögel, manche noch ein bisschen mehr. So wie die kleine Blaumeise, die meist kommt, wenn die anderen mit Fressen am Meisenbällchen durch sind. Dann futtert sie, und dann bleibt sie noch minutenlang sachte am Meisenbällchen schaukelnd dort und träumt in die Gegend. Little Introvert!

Wenn ich sehe, dass sie da ist, nehme ich mir das meist als Anstoß selbst eine kleine mentale Pause einzulegen. Ich beobachte sie und atme ein und atme aus und entspanne meine Muskeln und beobachte sie weiter, und wenn sie dann genug geträumt hat und wieder weg fliegt, dann mach auch ich weiter. Buddies!

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Fragmente ·Frauen ·Literatur & Lyrik

Fragment #18

Quartet ist ein Online Lyrik Journal, das viermal im Jahr erscheint. Es wird publiziert von vier Frauen, die langjährige Freundinnen sind und sich zu diesem Unternehmen verschworen haben. Das Besondere an diesem Journal ist, dass es ganz der Lyrik von Frauen über 50 Jahren gewidmet ist.

»Gail, Linda, Wendy, and Jane bring a variety of experience to their poetry journal. In their lives they have been daughters, wives, mothers, grandmothers, aunts, sisters, divorcees, and widows. They have served as teachers, piano instructors, child advocates, medical supervisors, disability warriors, riding instructors, organizers, poetry teachers, and public relations mavens. As individuals they’ve been published in numerous journals, won poetry contests, been awarded fellowship grants. Among them they have published seven books/chapbooks of poetry. …

We believe that at this time in a woman’s life we begin to surge, to come into our own. We believe experience speaks for itself, that by fifty we’ve accumulated enough courage to revel in our talents. We want to read poems that tackle difficult themes, that bend or honor traditional forms, that surprise and illuminate, that are genuine, that have momentum and play with language. … We read to learn and to survive.«

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Fragmente ·Nachdenkliches

Fragmente #17

Wenn es einem in dieser Pandemie-Zeit gut geht, und sei es nur für einen Tag, oder eben mehr, dann scheinen viele zu denken, das muss einem in den Schoß gefallen sein. Dass es einem nur gut gehen kann, weil man über wer weiß was für Privilegien verfügt. Oder, dass man ignorant durch diese Welt und das Leben gehen muss, weil sonst könnte es einem ja gar nicht gut gehen.

Es ist dieses schwarz-weiß-Denken, dieses entweder-oder-Denken, das hinter vielen aktuellen Konflikten zwischen Menschen steckt.

Und natürlich, wie könnte irgendjemand in dieser Weltgegend behaupten, dass Privilegien keine Rolle spielten. Aber sie sind eben nicht alles, denn dann müssten wir alle super drauf und glücklich sein.

Wir sind alle miteinander süchtig. Süchtig nach dem Drama. So süchtig, dass wir es ohne Drama kaum aushalten. So süchtig, dass wir das Drama notfalls selbst inszenieren, oder die von anderen inszenierten Dramen dankbar aufnehmen. Nur Dauerdrama ist anstrengend und ermüdet. Aber wir können und wollen oft auch gar nicht anders. Wer Drama um sich hat, ist ja auch viel interessanter, als diejenigen, die Tag ein, Tag aus, ganz undramatisch ihr Leben leben. Die werden oft als langweilig verunglimpft.

Wir wollen die Geschichtenerzähler, vor allem die, die dramatisch erzählen können, inklusive Cliffhanger und am besten natürlich auch noch mit Happy End.

Nichts gegen Geschichten, nichts gegen gute Geschichtenerzähler, das ist Teil der Menschheits-(Achtung!)Geschichte. Aber wenn alles von möglichst allen irgendwie zur Geschichte, zum Cliffhanger und zum Drama aufgeblasen werden muss, dann stimmt irgendwas nicht mehr. Und erst recht nicht, wenn wir nicht mehr unterscheiden können, was Geschichte und was Fakt ist, was erzähltes oder gar erfundenes Drama ist, und was nicht. Wenn alle Energie, alles Engagement, alle Zeit und alles Geld dafür verbraucht werden, mit diesen Scheindramen zu agieren und umzugehen, müssen wir uns nicht wundern, wenn andere Dinge übersehen, vernachlässigt und nicht angegangen werden. Dinge, die uns wirklich weiterbringen würden, die wirklich etwas verbessern würden. Auch das können wir im Kleinen wie im Großen beobachten. Sei es im öffentlichen Leben, in der Politik oder auch im privaten Bereich.

Dieser Drama-Ansatz, diese Sucht nach Drama ist überall zu beobachten. Auf Twitter, auf Facebook und anderen Plattformen, in den Talkshows, in Nachrichtensendungen und Zeitungsartikeln, in persönlichen Gesprächen. Das schürt viel unnötige Unruhe, Ängste und auch Konflikte. Und am Ende wundern wir uns, wenn es uns allen eben nicht mehr gut geht, und fühlen uns wohlmöglich sogar irgendwie schuldig, wenn wir nicht mit Drama aufwarten können.

Manche, sind dann irgendwann so erschöpft und ermüdet von dem ganzen Drama, dass sie sich zurückziehen, dass sie die Notbremse ziehen, ihre Twitter- und Facebook-Accounts schließen, und von nichts mehr irgendwas wissen wollen. Auch über sie werden häufig vernichtende Urteile gefällt. Ignorant ist noch harmlos. Du engagierst Dich nicht? Du schürst das Feuer des Dramas nicht weiter mit an? Wie kannst Du nur?!

Warum trauen sich viele Menschen kaum zu sagen, dass es ihnen (gerade) gut oder schlecht geht? Warum können sich so wenige mitfreuen, oder aufrichtig Anteil nehmen, wenn jemand sagt, es geht im gut oder schlecht? Ist dieser jemand zufällig die beste Freundin, der beste Freund, oder jemand, der uns sympathisch ist, dann schaffen wir es vielleicht, uns mitzufreuen und das sogar zu sagen, oder demjenigen beizustehen, aber je fremder uns der oder die andere sind, desto schneller regen sich Missgunst und Anschuldigungen.

Und überhaupt dieser furchtbare Mechanismus, der überall ebenso zu beobachten ist. Jemand sagt, ihm geht es gut und schon regen sich zig andere, denen es vielleicht gerade - aus guten Gründen nicht gut geht - auf und fühlen sich angegriffen. Warum fällt es immer mehr Menschen offensichtlich immer schwerer zu ertragen, dass beides möglich ist? Warum wird auch das gleich wieder zum Konfliktfeld? Du darfst Dich nicht gut fühlen, wenn es mir gerade nicht gut geht und umgekehrt, Dir darf es nicht schlecht gehen, wenn es mir doch gerade gut geht! Tue das oder lass das, damit es Dir wie mir geht! Dass beides parallel sein kann übersteigt mittlerweile bei vielen den Vorstellungshorizont. Dass der bloße Fakt, dass es jemandem gut oder schlecht geht, noch kein Angriff auf den eigenen Befindlichkeitszustand bedeutet, kein Vorwurf ist, dass man etwas »falsch« macht, weil man nicht auch gut drauf ist (oder eben schlecht), das begreifen viele nicht (mehr).

Ja, für viele ist es schon undenkbar, dass es einem innerhalb eines Tages gut und schlecht gehen kann. Wir sind Menschen mit Gefühlen und Emotionen und die kommen und gehen. Ich kann morgens aufwachen, und es geht mir gut, und ich bin glücklich. Und dann passiert irgendeine Kleinigkeit, und es geht mir unter Umständen schon nicht mehr ganz so gut, und ich bin nicht mehr ganz so glücklich.

Dummerweise haben wir Menschen die Tendenz, dass uns das Negative stärker in Erinnerung bleibt, als das Positive. Psychologen können das ganz gut erklären und belegen. Wir haben die Tendenz, uns am Negativen festzuhaken. Das kann man ganz leicht überprüfen. Man hat eigentlich einen schönen Tag, es geht einem gut, und dann sagt oder tut irgendjemand etwas, das uns ärgert, oder verletzt, und den Rest des Tages ärgern wir uns weiter, denken daran herum und haben schlechte Laune. Fünf Minuten, oder lass es eine Stunde sein, die unangenehm und unschön war, lassen uns den ganzen Tag »in die Tonne treten«.

Wir vergessen oft, dass wir diese Tendenz haben, und so verbringen wir viel Zeit in und mit diesem Negativen.

Übrigens, wenn wir die Sucht nach dem Drama in den Griff bekommen, graben wir gleichzeitig auch all jenen das Wasser ab, die mit voller Absicht die Dramen schüren, um alle und alles zu destabilisieren und zu zerstören. Aber es ist eben leider bei vielen schon lange nicht mehr nur eine schlechte Angewohnheit, das Drama zu mögen und zu zelebrieren. Es ist eine Sucht und Menschen, die süchtig sind, verhalten sich nun mal leider meist nicht mehr rational und vernünftig. Selbst wenn sie ahnen oder wissen, das ihnen etwas sehr schadet, sie können und wollen nicht davon lassen.

Die gute Nachricht ist: Wir können uns selbst entscheiden. Wir haben eine Wahl. Wir können selbst entscheiden, wie viel Zeit und Raum wir den Dingen einräumen, wie lange wir im negativen Bereich bleiben wollen. Wir können uns entscheiden und sagen, »Okay, das war jetzt wirklich sehr unerfreulich, das hat mich geärgert oder was auch immer, aber jetzt ist auch gut damit« und uns wieder dem Positiven zuwenden.
Es geht nicht darum, das Negative zu verneinen oder nicht anzuerkennen. Es geht darum, es nicht künstlich zu verlängern, nicht aus jedem noch so kleinen Anlaß ein Drama zu machen und dann ständig das Drama weiter zu befeuern.

Wenn es uns gelingt, unsere Sucht nach dem Negativen und dem Drama zu überwinden, wird es uns besser gehen, den Menschen um uns herum ebenso, viele Konflikte werden beigelegt oder entstehen gar nicht erst, und wir haben es alle miteinander leichter.
Es sich nicht unnötig schwerer zu machen, als es gerade eh schon ist, sollte doch eigentlich unser aller Ziel sein.

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Fragmente ·Literatur & Lyrik

Fragmente #16

When Death Comes

When death comes
like the hungry bear in autumn;
when death comes and takes all the bright coins from his purse

to buy me, and snaps the purse shut;
when death comes
like the measle-pox

when death comes
like an iceberg between the shoulder blades,

I want to step through the door full of curiosity, wondering:
what is it going to be like, that cottage of darkness?

And therefore I look upon everything
as a brotherhood and a sisterhood,
and I look upon time as no more than an idea,
and I consider eternity as another possibility,

and I think of each life as a flower, as common
as a field daisy, and as singular,

and each name a comfortable music in the mouth,
tending, as all music does, toward silence,

and each body a lion of courage, and something
precious to the earth.

When it’s over, I want to say all my life
I was a bride married to amazement.
I was the bridegroom, taking the world into my arms.

When it’s over, I don’t want to wonder
if I have made of my life something particular, and real.

I don’t want to find myself sighing and frightened,
or full of argument.

I don’t want to end up simply having visited this world.
Mary Oliver

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