Gartenfreude ·Politik ·Privates ·Soziales ·Tagesnotizen 2015

Tagesnotizen

Paprikaernte - © Liisa

Es wird langsam aber sicher immer herbstlicher. Da bin ich es noch schuldig vom Fortgang des Projekts »Das erste Mal im Leben Gemüse auf dem eigenen Balkon ziehen« zu berichten.

Die beiden Tomatenpflanzen haben wirklich reichlich getragen. Beide Sorten haben uns sehr gemundet, wobei die »Zuckertraube« die Nasenspitze vorne hatte. Ein paar Nachzügler reifen jetzt noch, aber die beste Zeit liegt hinter den Pflanzen.

Zu meiner großen Freude zahlte sich meine Geduld aus, und die drei Paprikapflanzen, die sich lange Zeit ließen überhaupt Früchte auszubilden und dann über Monate grüne Paprika trugen, fingen doch noch an, sich zu färben. An zweien erstrahlten die Paprika nach und nach in sattem tiefen Rot und an der verbliebenen dritten Paprika färbten sie sich in ein schönes gelb-orange. Letztere die den Namen »Corno giallo« trägt, hat uns am meisten überzeugt. Sehr schöne große Paprika mit grandiosem Geschmack. Die beiden roten Sorten (»Sweet Dreams« und »Korosko« brachten geschmacklich eher durchschnittliche Paprika hervor, und die auch nicht so zahlreich und größtenteils eher klein. Ich bin nicht sicher, wie ich sie beurteilen soll, da ich den Verdacht hege, dass die Ernte bei den beiden sehr stark vom eher ungünstigen Wetter dieses Jahr beeinflusst war. Unter Umständen tragen sie unter besseren Umständen deutlich mehr, größere und schmackhaftere Paprika.

Aber egal! Das Projektziel war (sehr bescheiden formuliert) von jeder Sorte wenigstens eine Frucht ziehen und selber essen können. Das ist bei zwei von drei Tomatenpflanzen (die grüne Zebra ist ja leider einen tragischen frühen Tod gestorben) und den drei Paprikapflanzen gelungen, und es gab sozusagen noch reichlich Bonuspunkte bzw. Bonusernte.

Ich bin also insgesamt sehr glücklich und zufrieden mit dem Experiment, das über Monate hinweg für viel Spannung und Freude gesorgt hat. Schön, dass ich wenigstens einmal im Leben selber Gemüse auf dem Balkon gezogen habe … und vielleicht ja nicht zum letzten Mal.

*

Ansonsten mache ich mir gerade sehr viele Gedanken, wie wahrscheinlich (fast) jeder. Themen und Anlässe gibt es ja reichlich dieser Tage. So beobachte ich mit einer Mischung aus Entsetzen und Nichtglaubenkönnenwollen, wie die Politik in Deutschland und in ganz Europa sowas von versagt, dass es … eben! … kaum zu glauben ist! Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob das Methode hat oder ob die wirklich so unfähig sind.

Gleichzeitig freue ich mich über die vielen Beispiele von Bürgern, die überall mit anpacken und versuchen das Versagen der Politik, Behörden und Verantwortungsträger, etwas abzufedern bzw. auszugleichen. Das ist wirklich sehr beeindruckend zu sehen und mitzuerleben.

Über die vergangenen Wochen hinweg, kam mir sogar der sich erhärtende Verdacht, dass es vielleicht sogar ganz gut ist, dass die Politik und Behörden vor Ort sich so »vornehm« zurückhalten. Denn da, wo sie sich irgendwann doch berappelt haben und mit eingeschalten haben, brach sofort das Chaos aus. Sie schalteten sich nämlich ein mit? Na, raten Sie es? Richtig, Bürokratie! Und mit dieser Bürokratie brachten sie innerhalb kürzester Zeit reibungslos funktionierende Systeme ins Trudeln und teilweise sogar zum (vorläufigen) Stillstand. Was natürlich blöd ist, wenn Menschen davon abhängen.

Ein weiterer Gedanke, der mich in diesem Zusammenhang streifte, war dass das, was die Politik da gerade an Trauerspiel abliefert, nicht gerade dazu beiträgt, das Vertrauen der Bevölkerung in die Politik zu stärken. Ich bin gespannt auf die kommenden Wahlen und ob sich dieser Vertrauensverlust in noch niedrigerer Wahlbeteiligung abbildet. Ich fürchte ja.

*

Haben Sie schon mal darauf geachtet, wie oft Sie binnen eines Tages »für dumm verkauft« werden oder zumindest der Versuch unternommen wird? Ich hab mal bewusst darauf geachtet und war über das Ergebnis doch einigermaßen erschüttert. Es ist unglaublich, wer alles glaubt, es ja mal versuchen zu können: die Politik, die Werbung, bestimmte Medien (gut, das ist nichts neues, die üblichen Verdächtigen halt, aber das Ausmaß hat deutlich zugenommen) und ja, auch Hinz und Kunz.

Wann ist das eigentlich gesellschaftsfähig geworden? Offenbar funktioniert es ja prächtig, sonst würden nicht so viele zu diesem Mittel greifen. Ich bin es ehrlich gesagt ziemlich müde und satt. Wollen wir etwa belogen und betrogen werden? Oder sind wir alle so gestresst und unter Druck, dass wir schlicht nicht mehr die Energie haben, uns gegen all diese Versuche zu wehren, und akzeptieren es inzwischen bis zu einem gewissen Grad? Unglaublich, wie viel Energie wir im Grunde verpulvern müssen, um solchen Versuche a) erstmal auf die Schliche zu kommen (manche kommen sehr plump daher, andere sind sehr raffiniert angelegt) und sie b) dann abzuwehren.

Achten Sie mal darauf!

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Fotografie ·Liisas Fotos ·Mecklenburg-Vorpommern ·Politik

Im Garten von Marihn

Schloß Marihn - © Liisa

Rosen im Garten von Marihn - © Liisa

Rosen im Garten von Marihn - © Liisa

Rosen im Garten von Marihn - © Liisa

Rosen im Garten von Marihn - © Liisa

Rosen im Garten von Marihn - © Liisa

Rosen im Garten von Marihn - © Liisa

Rosen im Garten von Marihn - © Liisa

Rosen im Garten von Marihn - © Liisa

Rosen im Garten von Marihn - © Liisa

Rosen im Garten von Marihn - © Liisa

Rosen im Garten von Marihn - © Liisa

Rosen im Garten von Marihn - © Liisa

Rosen im Garten von Marihn - © Liisa

Marihn ist ein kleines etwas versteckt gelegenes und ca 260 Einwohner zählendes Dorf in Mecklenburg. Es ist für sich ein recht schönes Dörfchen, teilweise mit Buckelpflaster, alten Bauernhäuschen und Katen, die teils schön hergerichtet sind, großen Scheunen, Wiesen und natürlich eingebettet in die schöne Mecklenburger Landschaft.

Dörfchen wie Marihn gibt es im weiten Mecklenburg viele aber Marihn hat (mindestens) zwei zusätzliche Besonderheiten. Zum einen ist Marihn die kleinste »Slowcity« der Welt. Schon 2007 wurde das Dörfchen mit diesem Titel von der Cittàslow-Bewegung, einem Schwesterprojekt der Slowfood-Bewegung, ausgezeichnet. Zum anderen gibt es in Marihn »Schloß Marihn« mit dem dazugehörigen Park bzw. Garten, den »Garten von Marihn«, der ein Rosengarten der Extraklasse ist.

Wir sind gestern endlich mal da gewesen und haben herrliche Stunden dort verbracht und vor allem in Rosen und deren Duft geschwelgt. Hier eine kleine Auswahl der mitgebrachten Fotos für Euch! Schloß und Garten von Marihn sind ein typisches Beispiel dafür, was für Kleinode sich in Mecklenburg finden lassen. Einen Besuch des Gartens vor allem natürlich zur Blütezeit der Rosen kann ich nur empfehlen.

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Nachdenkliches ·Politik ·Soziales

Stell Dir vor, es ist EM (WM, Olympiade, Eurovison Song Contest, etc.) und keiner geht / guckt hin

Früher habe ich Großevents mal ganz gerne am Fernseher verfolgt: WMs, EMs, Olympiaden, hier und da mal Formel-1-Rennen oder auch den Eurovision-Songcontest. Langsam aber sicher will ich das alles nicht mehr sehen und zwar nicht, weil es mich plötzlich nicht mehr interessieren würde (naja, gut einiges muss ich auch nicht mehr unbedingt haben), sondern wegen der Begleitumstände.

Mich nervt extrem, dass es zunehmend so läuft, dass einige Wenige sich mit sowas eine goldene Nase verdienen, Korruption (z.B. in den obersten Sportgremien und in den Ländern, in denen die Veranstaltungen stattfinden) ganz normal zu sein scheint, angeblich solche Ereignisse (vor allem Sport) ja sowas von »unpolitisch« sein sollen, tatsächlich aber sehr wohl politisch sind bzw. Spuren und zwar leider eher negative in der Politik der jeweiligen »gastgebenden« Länder hinterlassen und die »normalen« Menschen in den Ländern eher Nach- als tatsächlich Vorteile davon haben und am Ende unter Umständen sogar noch mit einer Menge Schulden, weil sich die Länder an den Events finanziell verhoben haben.

Als 2008 die Olympischen Spiele in Peking stattfanden, wurden z.B. von der Regierung Häuser zwangsgeräumt und abgerissen, weil man den Platz für Stadien und andere Einrichtungen brauchte. Auch Ni Yulan und ihr Mann waren davon betroffen und wagten es, zu protestieren und sich für die Opfer dieser Landenteignungen zu engagieren. Die chinesische Regierung machte kurzen Prozeß und sperrte sie noch vor Beginn der Olympiade für zwei Jahre ins Gefängnis. Aufgrund physischer Misshandlungen und mangelhafter medizinischer Versorgung in der Haft ist Ni Yulan heute auf den Rollstuhl angewiesen. Anfang des Monats wurde sie erneut zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt worden, ihr Ehemann Dong Jiqin muss für zwei Jahre ins Gefängnis.

Und die entsprechenden verantwortlichen Gremien des Olympia-Zirkus? Sind längst weitergezogen, fühlen sich dafür nicht verantwortlich und kümmern sich nicht (soweit ich recherchiert habe). Warum auch? Sie haben ihre Spiele gehabt, ihr Geld verdient und die nächste Olympiade steht ja schon vor der Tür. Was juckt die, ob da in China ein Reissack (eine Frau, die sich gegen die Ungerechtigkeit wehrt) umfällt?

In Aserbaidschan findet bald der Eurovision Song Contest statt und ja, ich weiß, da ist schon einiges zu geschrieben worden. Und was sind die Vorwürfe? Korruption, Zwangsräumungen und Menschen, die weil sie sich wehren dafür ins Gefängnis wandern. Aber egal: Hauptsache die Party steigt, da kann man mal in ein exotisches Land reisen, wo doch die Menschen so freundlich und hilfsbereit sind und das so schöne Landschaften hat und überhaupt, sooo schlimm wird es schon nicht sein. Für viele scheint die größte Sorge zu sein, dass kein schwuler Eurovison Song Contest-Tourist in Baku zusammengeschlagen wird. Das gäbe dann echt schlechte Presse und die will doch keiner, oder?? Ein bisschen kritische Berichterstattung durch die Medien und wir haben unser Feigenblättchen fein angelegt und können einen lustigen Abend verbringen und dann wieder ab nach Hause (ob die Häftlinge nach dem Abend auch wieder nach Hause dürfen - vorausgesetzt natürlich, ihr Zuhause ist nicht inzwischen platt gemacht worden?).

Letztes Wochenende das umstrittene Formel-1-Rennen in Bahrain, während es im Hintergrund zu blutigen Zusammenstößen kommt und das Volk gegen seine politische Führungsclique demonstriert und aufsteht. Aber bitte, es geht ja schließlich nicht »nur« um Autorennen, es geht um viel viel Geld und da kann man dann wirklich nicht so zimperlich sein und so ein Rennen nicht stattfinden lassen. Und am Ende hat ja sogar Vettel gewonnen und für »uns Deutsche« hat sich das Wochenende damit ja auf jeden Fall gelohnt! Wie schön, es gab auch ein wenig kritische Berichterstattung. Na, dann ist ja alles in Ordnung!

Und die anstehende Fußball-Europameisterschaft? Die findet ja in Polen und der Ukraine statt und was hören wir aus der Ukraine? Korruption ohne Ende und man sch*sst auf die einfachen Bürger. Wer das Maul aufmacht und sich gegen Ungerechtigkeit wehrt, wandert ins Gefängnis. ARD und ZDF haben brav schon angekündigt, sie wollen »kritisch« über die Situation in der Ukraine berichten. Na, dann ist ja wieder alles in Butter und die Fußballfans können sich ganz auf das »schönste Spiel der Welt« konzentrieren. Und die Verantwortlichen der UEFA blasen eifrig mit den führenden Politikern der Ukraine ins Horn, das der Welt verkündet, dass Sport ja vöööllig unpolitisch ist und naja, vielleicht vielleicht ja sogar einen positiven Effekt auf die politische Lage im Land haben könnte (ein schon oft gemachtes Versprechen von Sportfunktionären, das meines Wissens nach selten auch wahr wurde), was die Masse von uns anscheinend immer noch gerne glauben möchte.

Ansonsten glaube ich nicht, dass die Sportfunktionäre (egal welcher Verbände) und für solche Großevents Verantwortlichen sich um solche »Peanuts« viele Sorgen machen. Sie wissen doch ganz genau, wie das Spielchen läuft. Bisschen Unruhe im Vorfeld, die man schnell mit ein paar Beruhigungstropfen in den Griff kriegt, dann das Event und große Party, ein paar wenige machen den großen Reibach und die Karawane zieht weiter … ob verbranntes Land und in Gefängnissen verrottende Menschen hinterlassen werden, interessiert die Masse dann eh nicht mehr groß. Den paar »radikalen« Menschenrechtlern von Amnesty oder Menschenrechtsbeauftragten mancher politischer Gremien, geht die Arbeit wenigstens nicht aus und gut ist. Ich könnte k*tz*n!!

Wo bitte findet das nächste gigantische, grandiose, super-duper Großevent statt??

Ehrlich, mir ist die Lust auf diese ganzen Veranstaltungen längst vergangen. Ich will kein (noch so passiver) Teil von solchen Szenarien sein. Allein der Gedanke, dass ich daheim auf dem Sofa rumlümmele, mir ein paar Chips (oder was auch immer) reinschiebe und begeistert Sport sehe oder irgendwelchen Sängern lausche, während Menschen, die wegen genau dieser Veranstaltungen ins Gefängnis gewandert und im schlimmsten Fall sogar gerade zeitgleich von irgendwelchen sadistischen Ärschen misshandelt (gefoltert) werden, dreht mir den Magen um. Es ist so leicht, diese Wahrheiten zu verdrängen und sich auf diese »Events« mit all ihrem Glitter und Glanz einzulassen, es ist so verlockend, besonders wenn man sich für die jeweiligen Sportarten auch noch interessiert aber hier ist längst etwas mächtig schief gelaufen und ich habe kein Lust mehr, Teil der weiterziehenden Karawane zu sein (weder aktiv noch passiv).

Da kann man halt nix machen? So ist es halt das Leben? Was juckt es die Verantwortlichen, wenn ich (oder einige wenige andere) uns diesen Events verweigern, wenn die Masse doch mitzieht? Egal, aber ich will mir im Spiegel noch ins Gesicht sehen können und das fällt mir in diesen Zusammenhängen immer schwerer. Was wäre, wenn immer mehr Menschen die Live-Übertragungen einfach nicht mehr anschauen? Irgendwann rechnen sich die Kosten dann auch für die Fernsehsender nicht mehr. Millionenbeträge werden da gezahlt, um Olympiaden, WMs, EMs und andere Großevents live übertragen zu dürfen. Wie tief müsste die Quote sinken, bevor die Senderverantwortlichen anfingen, sich zu fragen, ob sie wirklich diese Millionen (übrigens von unseren Gebühren bezahlt!) weiter rausfeuern wollen?

Liest noch jemand mit, oder seid Ihr inzwischen längst alle ausgestiegen und habt müde abgewunken? Ich weiß, es gibt nix Neues unter der Sonne und »Brot und Spiele«, das hat schon bei den Römern bestens gezogen, selbst wenn in der Arena die Christen oder andere »Volksfeinde« von Raubtieren zerrissen oder ans Kreuz genagelt oder bei lebendigem Leib verbrannt wurden. Was soll’s? Hauptsache es gab vernünftige Snacks und man traf seine Freunde und hatte Spaß zusammen. Wer will denn da ein Spielverderber, eine Spaßbremse oder Kassandra sein?

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