Allgemein ·Vogelliebe

Vogelapokalypse

Die Ornithologen und Vogelfreunde bemerkten es zuerst. Erst überrascht, dann erstaunt, entdeckten sie Vögel die normalerweise in diesen Breiten nie zu sehen waren. Nicht nur eine nichtheimische Vogelart flog ein und wurde beobachtet, sondern immer mehr. Begeistert teilten sie ihre Beobachtungen in den Vogelforen und an den Birder-Stammtischen.

Es kamen immer mehr Vögel, die man hierzulande noch nie zuvor gesehen hatte. Selbst weniger Vogelkundigen fiel das nun auf. Kein Wunder, denn viele der Vögel trugen ein viel farbenprächtigeres Federkleid, als die heimischen Vögel.

Die Fachleute waren sich unsicher, was davon zu halten war. Einerseits waren sie begeistert, Vogelarten zu sehen, die sie sonst mit eigenen Augen nur gesehen hätten, wenn sie für viel Geld an Vogel-Exkursionen im Ausland teilgenommen hätten. Andererseits aber war ihnen klar, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmte.

Viele Menschen, die bisher kein Interesse an Vögeln gehabt hatten, blickten nun aufmerksam umher, um die schönen fremden Vögel zu entdecken und zu beobachten. Im Nu waren, Vogelkundebücher, Ferngläser und selbst die teuren Spektive überall ausverkauft. Früh morgens und am späten Nachmittag sah man ganze Trupps von Menschen unterwegs auf Vogelbeobachtungsspaziergängen.

Doch es kamen weiterhin immer mehr Vögel. Wo man ging und stand, überall waren sie und erfüllten die Luft mit ihren fremden Rufen und Gesängen.

Die ersten Menschen begannen sich zu beklagen. Die Terrassen, die Laternen, die Straßen und die Autos waren mit Vogelkot bedeckt und die Reinigungsunternehmen kamen nicht mehr damit nach alles wieder sauber zu machen. Es erging ihnen wie Sisyphos. Hatten sie endlich ein Stück gesäubert und begannen ein weiteres zu säubern, so war das erste wieder verdreckt noch bevor sie mit dem zweiten fertig wurden.

In den Zeitungen, im Fernsehen und auf den sozialen Medienplattformen wurde über die gesundheitlichen Risiken diskutiert. Forderungen wurden laut, der Vogelplage Einhalt zu gebieten. So könne es nicht weitergehen.

Es kamen immer mehr und mehr Vögel, an manchen Morgenden war der Himmel schwarz von den riesigen Schwärmen. Es waren nicht nur Singvögel, sondern auch Greifvögel und Meeresvögel, einfach alle Arten waren vertreten.

Kinder, die zuerst über die fremden bunten kleinen Vögel gelacht und sich gefreut hatten, begannen sich zu fürchten, weil es immer mehr Vögel wurden und manche davon waren viel viel größer, als sie es bis dahin gewohnt waren.

Aber auch bei den Erwachsenen schlug die Stimmung um. Berichte häuften sich, dass Vögel Kinder und Erwachsenen angegriffen hatten. Blut war geflossen. Einige Hartgesottene machten sich noch lustig und verwiesen lachend auf Alfred Hitchcocks »Die Vögel«. Doch auch ihnen verging das Lachen immer mehr. Die Erwachsenen begannen sich zu fürchten.

Gärten, Parks, öffentliche Plätze waren voller Vögel. Mehrere Autobahnen hatten gesperrt werden müssen, weil riesige Vogelschwärme sich darauf niedergelassen hatten und keine Anstalten zeigten, weiterzufliegen. Alle Versuche, die Vögel dauerhaft von den Autobahnen zu vertreiben, schlugen fehl. An ein Durchkommen war nicht mehr zu denken.

In mehreren Ministerien und im Bundestag wurde über die Vögel und all die Probleme, die sie verursachten debattiert, Fachleute wurden angehört und schließlich einfach jeder, der eine Lösung für das Problem versprach. Allein, es wurde keine Lösung gefunden. Und die Vögel kamen weiter und weiter.

Kinder konnten nicht mehr draußen spielen. Zu groß war die Gefahr sich entweder irgendwelche Infektionen von den Vögeln oder ihrem Kot einzufangen, oder gar gleich attackiert zu werden. Kindergärten und Schulen wurden geschlossen, weil niemand mehr die Verantwortung für die Sicherheit der Kinder übernehmen wollte.

Von den Erwachsenen ging nur hinaus, wer es unbedingt musste. Alle Wege wurden so schnell wie möglich zurückgelegt. Oft aber kamen sie gar nicht an ihr Ziel, weil die Wege von herumsitzenden Vogelscharen blockiert waren. Der öffentliche Verkehr war eingestellt worden nachdem mehrere Straßenbahnen wegen Vögeln auf den Schienen entgleist waren und auch der Bahnverkehr war fast zum Erliegen gekommen. Die Gefahr mit einem plötzlich auftauchenden Vogelschwarm zu kollidieren war zu hoch. Gleiches galt für den Flugverkehr.

Dann wurden Unternehmen, Fabriken und Geschäfte geschlossen. Entweder weil die Arbeitnehmer nicht mehr kommen konnten, oder weil schlicht kein Waren- oder Ersatzteil- oder Arbeitsmaterialiennachschub mehr ankam. Die Behörden hielten noch etwas länger durch. Krankenhäuser unterhielten noch einen Notbetrieb.

Die Felder konnten nicht mehr bestellt werden, die Obstbäume waren von den Vögeln geplündert worden, und wo immer etwas auf Feldern oder in Gärten wuchs, die Vögel waren meist schneller als die Menschen. Die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln, Obst und Gemüse wurde immer schwieriger.

Dann brach auch noch die Stromversorgung zusammen. Zu Beginn der Vogelinvasion, waren noch viele der Vögel durch Windräder umgekommen, aber die Vögel lernten hinzu und umflogen die Hindernisse. In einem Windpark hatte man sogar beobachtet, wie sich große Vogelscharen scheinbar gezielt und direkt in die Windräder gestürzt hatten, bis die Windradflügel wegen all der Vogelkadaver an ihnen ächzend zum Stehen kamen und sich nicht mehr drehen konnten.
Stromleitungen über Land brachen unter dem Gewicht unzähliger Vögel, die sich auf sie gesetzt hatten zusammen. Umspannwerke wurden von den Vögeln unbrauchbar gemacht. Reparaturtrupps waren losgeschickt worden, mussten aber alle unverrichteter Dinge zurückkehren. Die Vögel ließen sie nicht bis zu den beschädigten Umspannwerken und Leitungen vordringen oder attackierten sie so sehr, dass eine Reparatur unmöglich war. Und gelang es doch mal einem Trupp, eine Leitung wieder herzustellen, dauerte es nicht lange, bis die Vögel die Leitung wieder zerstörten.

Selbst Häuser waren nicht mehr sicher für die Menschen. Jederzeit konnte ein Vogelschwarm durch Fenster oder Glastüren fliegen und waren die erstmal zerbrochen oder aus Versehen offengelassen worden, konnte man den anfliegenden Vögeln kaum noch Herr werden. Meist besiedelten sie sofort Wohnungen und Häuser und nutzten sie als Ruhe- und Schlafplätze. Die Menschen zogen sich in Keller, Bunker und Erdlöcher zurück. Infektionen und Seuchen griffen um sich und forderten unzählige Opfer unter den Menschen.

Auch die Wälder boten keinen Zuflucht mehr. Viele Bäume brachen unter dem Gewicht der auf ihnen ruhenden Vögel zusammen. Waldbeeren und -früchte, waren von den Vögeln aufgefressen. Und wer Holz zum Kochen und Verfeuern aus dem Wald holen wollte, begab sich auf ein Himmelfahrtskommando.

Selbst den größten Vogelliebhabern verging ihre Liebe. Die Grünen erwogen drastische Maßnahmen, um die Vogelplage zu bekämpfen, konnten sich aber nicht auf eine Linie einigen, bevor größere Treffen oder gar Kommunikation gar nicht mehr möglich waren. Naturschützer versuchten sich in abwegigen Erklärungen und beschworen das baldige Ende der Vogelinvasion oder verstummten zunehmend. Einige wenige Naturschützer ergaben sich pragmatisch und fatalistisch in ihr Schicksal. Die Natur sei eben stärker als der Mensch.

Manche Pfarrer und Priester donnerten anfänglich noch von ihren Kanzeln herab, dass die Menschen dieses Gottesgericht verdient hätten. Die Unmoral und Gottesferne der Menschen habe die Katastrophe geradezu heraufbeschworen.

Hier und da bildeten sich seltsame kultähnliche Gruppierungen, die vogelähnliche Gebilde verehrten und Opfer darbrachten. In einigen Winkeln Europas ging das soweit, dass menschliches Blut vergossen wurde, weil die Kultanhänger glaubten, das würde die Vögel besänftigen. Natürlich bewirkte das alles gar nichts.

Ganz Europa war betroffen und nach einigen anfänglichen Versuchen gemeinsam das Vogelproblem anzugehen und sich gegenseitig beizustehen, hatte man sich bald zerstritten. Die Nerven lagen blank. Die Menschen bewaffneten sich und richteten ihre Waffen bald nicht mehr »nur« auf Vögel, sondern auch gegeneinander, um ihre Vorräte zu verteidigen.

Alle wissenschaftlichen Kenntnisse, aller technischer Fortschritt, alle Waffen, alles Geld nutzte rein gar nichts. Die Menschen konnten sich der Vögel nicht mehr erwehren.
Die Vögel hatten stellvertretend für die Natur zurückgeschlagen, der Untergang Europas oder zumindest eine große Dezimierung der Menschen dort war nicht mehr aufzuhalten.

Die anderen Kontinente starrten ungläubig auf das, was sich im reichen Europa abspielte. Ein ganzer Kontinent in die Katastrophe gestürzt - von Vögeln!

Der ganze Europäische Kontinent war in Bewegung. Die Europäer waren auf der Flucht. Auf der Flucht vor den Vögeln. Die Hauptrichtung der Flüchtlingsströme, die meist bei Nacht unterwegs waren, weil das noch am sichersten schien, ging Richtung Afrika. Unfassbare Szenen spielten sich an den Häfen des Mittelmeers ab, wo die Menschenmassen verzweifelt nach Möglichkeiten suchten, das Mittelmeer Richtung Afrika zu überqueren und sich endlich in Sicherheit zu bringen.

Die afrikanischen Staaten hielten zunächst ihre Häfen noch offen, und die ersten Flüchtlinge aus Europa, wenn sie es denn überhaupt zu Fuß bis ans Mittelmeer geschafft hatten, wurden gastfreundlich aufgenommen und versorgt. Doch die Flüchtlingszahlen stiegen und stiegen und bald wusste man nicht mehr wohin mit all den Menschen und noch weniger, wie man sie versorgen sollte. Die Häfen wurden geschlossen, Flüchtlingsschiffe, die es bis kurz vor die afrikanische Küste schafften, wurden beschossen und zur Rückkehr nach Europa gezwungen.

Nord- und Südamerika boten an, eine lächerlich kleine Zahl von Flüchtlingen aufzunehmen. Australien und Neuseeland winkte ab, man habe genug mit den Flüchtlingen zu tun, die wegen des steigenden Meeresspiegel kämen.

Asien nahm ebenfalls eine Anzahl Flüchtlinge auf, aber nur handverlesene Zuwanderer, bei denen zu erwarten war, dass sie sich möglichst störungsfrei in das politische System einfügen würden.

Die Vögel blieben nicht nur in Europa, sie vermehrten sich auch dort. Die Zahl der Vögel nahm zu und zu, die Lage wurde immer dramatischer.

Die anderen Kontinente wurden immer unruhiger. Was, wenn die Vögel sich entschließen würden, Europa zu verlassen und sich einen der anderen Kontinente vorzunehmen?

Vielleicht sollte man Europa einfach aufgeben und mit Atombomben auslöschen und damit zugleich die Abermillionen Vögel dort? So könnten diese wenigstens nicht noch über andere Kontinente herfallen?

Letztlich entschied man sich dafür noch etwas abzuwarten und weiter zu beobachten. Notfallpläne wurden trotzdem ausgearbeitet. Atombomber standen bereit, um im Fall der Fälle gen Europa zu fliegen und dem Spuk dort ein Ende zu bereiten, oder ihn zumindest deutlich einzudämmen. Sicher, einen ganzen Kontinent aufzugeben, über 740 Millionen Menschen die Existenz zu nehmen, klang furchtbar, aber dafür würde man viel mehr Menschen und den Rest der Welt retten. Das musste man einfach klar und sachlich sehen. Vielleicht war die Zeit der Europäer einfach vorüber?!

Inzwischen sprach man überall nur noch von der Vogelapokalypse.

Kommentar hinterlassen

Kreatives ·Privates ·Tagesnotizen 2018 ·Vogelliebe

Die Sache mit den Skizzenbüchern und frierende Vögel

Seit vergangenem September und dem berühmt-berüchtigten SepteMeer bin ich, wie treue Leser wissen, zugange mit Bleistiften, Buntstiften, Filzstiften, Aquarellfarben (letzteres noch leider viel zu selten) und doodle, kritzle, zeichne und male mit großer Freude vor mich hin.

Mein Leben ist um etliche Facetten bereichert, und wenn ich mich nicht entschlossen hätte, mich einfach darüber zu freuen, dass es nun so ist, würde ich mich in den Hintern beißen, dass es so lange gebraucht hat, bis ich zu diesen Tätigkeiten zurückgefunden habe.

Aber wie geschrieben, ärgern ist sinnlos, vergangen ist vergangen und daher freue ich mich und genieße das Jetzt.

Allerdings gibt es auch das ein oder andere, was mit dieser Entwicklung einher geht, das neue Fragestellungen und/oder Probleme aufwirft.

Eines davon treibt mich gerade etwas in die »Verzweiflung«.

Ich habe hier inzwischen so einige Skizzenbücher in unterschiedlichen Größen und Aufmachungen herumliegen. Einige habe ich sehr günstig erstanden, andere geschenkt bekommen. Die Qualität der Skizzenbücher bzw. des dafür verwendeten Papiers ist also unterschiedlich.

Soweit so gut! Bisher jedoch doodle, skizziere und zeichne ich auf »Schmier«papier bzw. in Collegeblöcken vor mich hin und zwar ausschließlich.

Zwischendrin wandert mein Blick immer mal wieder sehnsüchtig zu den Skizzenbüchern. Ich möchte eigentlich gerne endlich in diese Bücher doodeln, skizzieren, zeichnen und malen ABER ICH KANN NICHT!

Jedesmal, wenn ich es versuche, bringe ich es nicht über mich, das jungfräuliche Weiß anzutasten! Vollkommener Schwachsinn, ich weiß! Es ist ja schließlich kein von Elfen bei Vollmond handgeschöpftes Seidenpapier.

Da die Skizzenbücher unterschiedlicher Qualität sind, habe ich natürlich gedacht, ich kann mich selbst austricksen, indem ich einfach mit dem günstigsten und unspektakulärsten Skizzenbuch anfange. Leider hat der Trick nicht funktioniert.

Ihr erinnert Euch an meinen inneren Monk, der während des SepteMeer dauernd quergeschossen und genörgelt hat? Der war ja gegen Ende des SepteMeer deutlich kleinlauter und stiller geworden, und hat sich auch seither etwas zurückgehalten mit seinen Kommentaren und Sabotageversuchen. Das hat mir natürlich gefallen und vielleicht bin ich nicht aufmerksam genug gewesen, was seine Machenschaften angeht. So hat er sich also wohl klammheimlich einen neuen Plan zurechtgelegt und sich einen kleinen Bereich gesucht, um mich doch wieder zu sabotieren.

Jetzt hockt der innere Monk also garstig grinsend auf den schönen und jungfräulich weißen Skizzenbüchern, und wenn ich auch nur anfange darüber nachzudenken, jetzt doch endlich mal anzufangen, in eines dieser Bücher zu doodeln, skizzieren, zeichnen oder malen, legt er los.

»Bist Du Dir wirklich ganz ganz sicher, dass Du schon so weit bist, in ein Skizzenbuch zu ….?«

»Vielleicht solltest Du doch besser noch eine Weile (Wochen? Monate? Jahre? Jahrzehnte?) auf Schmierpapier, Collegeblockpapier oder irgendwelchem anderen losen Papier üben?«

»Nicht Dein Ernst? Du willst wirklich dieses schöne Skizzenbuch verschandeln? Du wirst es verderben und das wäre doch zu schade!!«

So geht das jedes Mal.

Vom Kopf her weiß ich eigentlich, dass das kompletter Schwachsinn ist. Es sind Skizzenbücher, keine Mappen, die ich zu einem Kunstwettbewerb einreichen will/muss.

Schon der Name »Skizzenbuch« macht klar, dass da auch mal was danebengehen kann, dass darin herumprobiert wird, dass nicht jede Seite »perfekt« aussehen muss.

Ich weiß das alles! Und trotzdem passiert jedesmal dasselbe: Ich sitze vor dem Skizzenbuch, starre auf das weiße schöne Papier und … erstarre innerlich.

Ich kann mich einfach nicht überwinden, etwas hineinzumalen. Irgenwann klappe ich das jeweilige Skizzenbuch frustriert zu, und schleiche mich zurück zum Schmierpapier oder Collegeblock.

Natürlich könnte ich jetzt sagen, ist doch egal worauf bzw. wo hinein ich male. Hab ich eben Skizzen«blöcke« statt Skizzenbücher. Was soll’s?! Hauptsache, ich doodle, skizziere, zeichne, male!

Ich könnte die Skizzenbücher, die hier ungenutzt herumliegen, einfach an andere kreative Menschen, die keine solche Skrupel kennen, bzw. keinen inneren Monk haben, weiterverschenken und Ende Gelände.

Aber erstens bin ich nicht sicher, ob mein innerer Monk (der ja damit einen gewissen Sieg errungen hätte) dann nicht sofort umschalten würde und dasselbe Spiel mit den Collegeblöcken anfangen würde. Und zweitens wurmt es mich! Ich will nicht, dass der innere Monk sich durchsetzt!

Es kann doch nicht wahr sein, dass ich nicht in der Lage bin in ein verd**m*es Skizzenbuch zu zeichnen?! Wie albern ist das eigentlich?!

Tja, und trotzdem … ich schaffe es (bisher) nicht über diese Schwelle zu springen.

Egal was ich mir vom Kopf her sage, egal wie oft ich mir selbst predige, dass es in einem Skizzenbuch nicht um Perfektion geht, wenn ich den Stift in die Hand nehme und anfangen will, erstarre ich förmlich, fange an zu überlegen, womit beginnen und was, wenn ich gleich die erste(n) Seiten vermassle? In mir zieht sich alles zusammen, meine Hand fängt an zu zittern oder verkrampfen, mir bricht der kalte Schweiß aus, …

Äh ja, klingt gestört, und ist es vermutlich auch. Ich bin selber jedes Mal fassungslos.

Ich meine, das ist nur Papier!!! Ich allein habe es in der Hand, ob jemals irgendjemand (außer mir) irgendwas sieht, dass ich in so ein Skizzenbuch hineinfabriziere. Wo bitte ist mein Problem???

Ich wusste, dass es manche Schriftsteller gibt, denen es so geht, wenn sie vor dem ersten leeren Blatt Papier für ihren neuen Roman sitzen, dass sie in eine Schreibblockade fallen können und einfach nicht in der Lage sind irgendetwas niederzuschreiben.

Dass es so etwas ähnliches auch gibt, wenn es ums Zeichnen und Malen geht, war mir dagegen nicht klar.

Nennt man das dann Mal- oder Zeichenblockade?

Ich vermute mal stark, ich bin nicht der einzige Mensch auf der ganzen Welt, dem es so geht. Was machen andere, um die Schwelle zu überwinden? Gibt es Tipps, Ratschläge?

Und ja, ich weiß, dass ist ein Luxusproblem! Aber es treibt mich langsam aber sicher abwechselnd in die Verzweiflung, den Wahnsinn oder die kalte Wut, was natürlich alles wenig hilfreich und sinnvoll ist.

Derweil liegen die unbenutzten Skizzenbücher hier herum und je nach Charakter winken sie mir, lächeln mich auffordernd und ermutigend an, schauen traurig und beklagen sich … hier ist was los!

*****

In den gerade wirklich bitterkalten Nächten hier im Mecklenburgischen, höre ich bis tief in die Nacht hinein die Kraniche, Wildgänse, Enten und Co., die sich auf dem nahegelegenen großen See immer zur Nachtruhe einfinden. Viel lauter und länger als sonst.

Es müssen Hunderte sein, die sich gerade durch die eiskalten Nächte zittern.

Der Lärm und die Dauer des Lärms, den sie veranstalten lässt mich vermuten, dass sie bei der Kälte einfach nicht zur Ruhe kommen und schlafen können.

Stattdessen haben sie sich offenbar darauf verlegt, die Nächte mit dem gemeinsamen Absingen und Abkrächzen von Shantys irgendwie zu überleben. Doch, doch, es klingt eindeutig nach Shantys!

Kommentar hinterlassen

Cat and Co Content ·Privates ·Tagesnotizen 2018 ·Vogelliebe

Februar-Fragmente

Wieder gab es Neuschnee-Nachschub. Für meinen Geschmack hätte es gerne mehr sein dürfen. Aber vielleicht haben wir ja in der kommenden Woche Glück und es fällt mal etwas mehr Schnee.

Egal, Schnee ist Schnee und ich nehme jede einzelne Flocke gerne!
Hallo Winter? Hörst Du mich? ;-)

*****

Wir sehen hier Scharen von Wildgänsen, die wie an einer Perlenkette aufgezogen, gen Norden über uns hinwegfliegen.

Das verwundert mich doch etwas, denn noch ist es durchdringend kalt und der Wetterbericht verheißt weiterhin niedrige Temperaturen. Und im Norden ist es noch viel kälter. Was wollen die alle schon hier bzw. dort im Norden?

Auch vom nahegelegenen größeren See hören wir gegen Abend und in der Nacht sehr lautes Vogelstimmengewirr. Dort müssen sich zur Nacht hunderte Wasservögel, Kraniche und Wildgänse versammeln.

Schade, dass ich kein Fernglas mit Nachtsicht habe, sonst könnte ich sicher tolle Beobachtungen machen.

Ich habe schon überlegt, mal früh morgens, also vor dem Sonnenaufgang zur Vogelbeobachtungshütte zu laufen und dann zu beobachten. Bisher konnte ich mich aber dann doch noch nicht aufraffen, weil a) noch so dunkel, b) noch soooo kalt und c) die Nacht so kurz. Andererseits reizt es mich aber schon etwas, mal selber nachzuschauen.

*****

Überraschend kamen dann schon heute die bestellten Ersatzteile für den alten, zerfledderten Kratzbaum.

Die neuen Sisalstämme sind etwas dicker als die bisherigen, dafür nicht ganz so lang. Das ist aber okay, denn es erleichtert dem Altkater den Aufstieg, weil die Tritt- und Liegeflächen damit etwas niedriger sind. Die Liegeflächen sehen natürlich top aus, mal sehen wie lange.

Beide Kater haben sehr interessiert zugeschaut, wie wir den alten Kratzbaum zerlegt, und dann mit den neuen Teilen wieder aufgebaut haben.

Für die oberste große Liegefläche (67 cm x 42 cm) stimmten die Bohrungen für unsere Bedürfnisse nicht, aber wir haben ja jemand handwerklich sehr begabten im Haus, der das schnell behoben hat.

Der neue »alte« Kratzbaum wurde gleich mit Begeisterung in Betrieb genommen, und wir Menschen sind für die Kater froh, und dass der Anblick des Kratzbaumes wieder ein Vergnügen ist.

*****

Außerdem hatte ich noch etwas zusätzliches Katzenspielzeug geordert (das vorgestern hier ankam), um Jungkater Aurelio etwas mehr bei Laune und vor allem beschäftigt zu halten.

Er ist überaus begeistert von seinem Spielzeug und nutzt es ausgiebig. Schöner Nebeneffekt, er stellt nicht mehr so viel Unsinn an. Wenn er doch wieder anfängt Sachen zu machen, die er eigentlich nicht machen soll/darf, brauche ich ihn nur wieder zu seinem Spielzeug bringen und er ist abgelenkt und spielt wieder damit.

Vorteil dieser Spielzeuge ist, dass er damit gut auch alleine spielen kann und nicht ständig von uns mit animiert werden muss. Das hat auch für uns etwas Entspannung gebracht. ;-)

Ein voller Erfolg also, was durchaus nicht so selbstverständlich ist, denn Katzen haben ja bekanntlich ihren eigenen Kopf. Er hätte das Spielzeug theoretisch auch komplett links liegen lassen können.

Wir staunten allerdings nicht schlecht, dass sich sogar Filippo von den beiden Teilen zum Spielen hinreißen (herab)ließ. Jetzt spielen die beiden Kater teils sogar zusammen damit. Ist ja auch nicht verkehrt.

*****

Überhaupt ist es schön zu sehen, wie sich Aurelio immer mehr an Filippo anschließt und aktiv dessen Nähe sucht. Filippo lässt sich das meist gefallen und balg manchmal auch kurz mit Aurelio. Allerdings ist sein Geduldsfaden da eher kurz, vor allem, wenn Aurelio vor lauter Spieleifer immer wilder wird. Aber das klären die Beiden meist gut selbst miteinander.

*****

Beste Nachricht des Tages, natürlich die Freilassung von Deniz Yücel! Das wurde aber auch Zeit! Leider sind aber noch viele andere unter ähnlich haarsträubenden Anschuldigungen und Bedingungen in türkischen Gefängnissen. So ist die Freude keine reine, sondern getrübt.

Kommentar hinterlassen