Privates ·Tagesprosa

18 Worte am 18. (01/2018)

Endlich, der erste Schnee.
Ziemlich nass.
Egal!
Ein Schneespaziergang.
So schön,
die verschneite weite weiße Landschaft
und Rehe!

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Die liebe Oecherin schreibt schon lange jeden Tag (mindestens) 18 Worte. Dieses Jahr darf, wer möchte, jeweils am 18. eines Monats seine eigenen 18 Worte schreiben. Die Links zu den Beiträgen sammelt sie bei sich in den Kommentaren. Da mache ich gerne mit.

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Tagesprosa

In den letzten Wochen hatten wir hier in der Gegend kaum einmal Regen. Hier und da mal ein paar Tropfen oder ein ganz kurzer Guß, das war’s. Heute dann heftiger Regen. Es plätscherte von den Dächern, gluckerte durch die Rohre, eine wahre Regensinfonie hatte die Sinfonie der Vögel, die wir in den letzten Wochen ausgiebig zu hören bekommen hatten, abgelöst. Es goß für Stunden und es war schön, wirklich schön! Die frische Luft, die Farben, die nachdem der Staub der vergangenen Wochen abgewaschen war, plötzlich wieder etwas mehr strahlten. Dazu ordentlich Wind, der durch die noch belaubten mächtigen Kronen der alten Kastanien und Buchen rauschte.

Die Blätter der Kastanien sind leider schon alle braun. Seit die Miniermotte vor zwei oder drei Jahren über unsere Kastanien hergefallen ist, werden sie leider übergangslos und schon gegen Ende des Sommers braun. Wenigstens haben sich die Miniermotten hier in der Gegend dieses Jahr mit dem Einspinnen von Bäumen, Sträuchern und Hecken sehr zurückgehalten. Man hätte meinen können, alles sei wieder in Ordnung und die Miniermotte weitergezogen oder verschwunden. Tja, bis dann die Kastanienblätter plötzlich braun wurden. Schade! Nun dauert es sicher auch nicht mehr lange, bis zumindest die Kastanienblätter fallen und dann heißt es wieder warten auf das neue Frühjahr und das neue Blätterkleid in grün.

Der Seeadler hatte heute dann auch ein mühsames Geschäft, etwas für seinen Magen zu finden. Die Thermik stimmte offensichtlich nicht und so torkelte er doch ziemlich unter dem Himmel entlang und erschien mir zunehmend frustrierter, wenn ihn wieder eine Windboe vom Kurs abbrachte. Ansonsten kaum ein Vogel zu sehen und die paar, die sich doch zeigten, sahen recht naß und zerzaust aus und waren ungewöhnlich still.

Ansonsten wandern meine Gedanken immer noch zurück in die vergangene Woche und hinaus auf den Darß. Wäre es möglich und ginge es nach mir, würde ich mich dort gerne für ein Weilchen einmieten. Ein kleines Häuschen mit Reetdach, gleich hinter den Dünen und mit Blick auf die Ostsee. Dann, bei welchem Wetter auch immer im Fischland, auf dem Darß und um Zingst herumstromern. Wenn ich für den Tag genug hätte, wieder in meinen kleinen Katen, warm einmummeln, eine Tasse heißen Tee und die Ostsee beobachten oder ein gutes Buch lesen. Dumm nur, dass die Gegend so von Touristen überlaufen ist und es schwierig ist, dort überhaupt solche Unterkünfte zu bekommen. Vor allem, wenn sie auch noch bezahlbar bleiben sollen. Aber man darf ja träumen. Notfalls muss ich halt einfach mal zwischendrin für einen Tag hinausfahren auf den Darß. Ist ja kein Problem, morgens früh los und abends spät zurück oder in der jetzt bald anbrechenden Jahreszeit am späten Nachmittag.

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Tagesprosa

Der Tag ist dahingegangen, ich weiß nicht recht wie. Viel Gebrösel und Geschaffel ergibt am Ende auch einen vollen Tag.

Ein »Paradies« aufgetan und festgestellt, wie schnell sich ein Paradies in eine kleine »Hölle« verwandeln kann. Der Verlag De Gruyter bietet diesen Monat einen kostenlose Onlinezugang zu allen lieferbaren Publikationen des Oldenbourg Wissenschaftsverlags und des Akademie Verlags. Das ist das »Paradies«! Bis ich festgestellt habe, wie viele interessante eBooks ich da finde und mich entscheiden musste, welche ich nun tatsächlich herunterlade. Das war dann die »Hölle«. Wenn Ihr auch mal schauen möchtet, bitte, hier entlang!

Endlich hat mal jemand den Versuch unternommen, zu erklären, wie das mit den Daten im Internet eigentlich hinter den Kulissen geht. Sehr interessant, verständlich geschrieben und durchaus erhellend. Für den Anfang jedenfalls. (Link)

Vom sehr geschätzten Herrn Buddenbohm, dem ich auf diesem Wege einen schönen guten Morgen wünsche, den Hinweis auf einen grandiosen Fotoband bekommen. Wunderbare Bilder, die der Fotograf Ian McKell von Reisenden des 21. Jahrhunderts gemacht hat. Ich würde mich ihnen am liebsten gleich anschließen. Naja, wenigstens für eine Weile. Die Bilder erinnerten mich auch an den amerikanischen Fotografen Todd Seelie, der ähnliche Reisende (Hobos und Squatter) fotografiert hat und über den ich vor ziemlich genau drei Jahren hier im Blog schon mal schrieb.

Zum Tagesausklang noch etwas wunderbare Musik vom Tribute-Album »Sing Me The Songs - Celebrating the Works of Kate McGariggle«. Ja, DIE Kate McGariggle! Kanadische Songwriterin und Sängerin, Mutter von Rufus und Martha Wainwright und überhaupt die ganze Familie samt Freundeskreis musikalisch bis zum gehtnichtmehr. 2010 starb sie an Krebs und nun gibt es eben dieses Tribute Album mit ihren Songs gesungen von Mitgliedern ihrer Familie und ihren Freunden.

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Tagesprosa

Die Ohren waren als erste wach an diesem Morgen. Kinderstimmen aus der Ferne. Langsam regte sich auch das Gedächtnis und erinnerte sich; es sind Gäste im Haus. Noch etwas unwillig öffnen sich schließlich auch meine Augen und erblicken Sonnenstrahlen, die durch die Schlitze im Rollladen fallen und auf dem Fußboden Lichtminiaturen malen. Als der Laden hochgezogen ist, präsentiert sich eine rechte Wettermelange. Ich weiß nicht recht, was ich wettermäßig für den Tag erwarten soll

»Mehr Optimismus!« lautet meine Devise seit einiger Zeit, und so beschließe ich, den gestrigen Wetterbericht in Kombination mit dem, was ich tatsächlich vor Augen habe (was dem metereologischen Geschwurbel zu entsprechen scheint), optimistisch auszulegen. Das bedeutet, wir legen einen morgendlichen Schnellstart hin, packen unsere sieben Sachen und verlassen so früh wie möglich das Haus.

Wir begegnen uralten Lebewesen, bei deren Anblick ich nur Demut und Ehrfurcht empfinden kann. Wie winzig müssen wir ihnen erscheinen, wie kleine Kinder, die unter ihnen herumstolpern. Wie viele von uns (Kindern) sie im Laufe ihres Lebens schon haben kommen und gehen sehen.

Die älteste von ihnen war schon alt, als Kolumbus Amerika entdeckte, und noch älter, als ein Martin Luther seine Protestthesen an eine Kirchentür hämmerte.

Sie haben Stammeskriege, Kriegszüge und Weltkriege gesehen. Unzählige Stürme und Unwetter sind über sie hinweggezogen und haben ihre Kronen durchweht. Die Blitze, die sie gesehen hatben, keiner hat sie gezählt. Niemand weiß, haben sie mehr Sonnen- oder mehr Regentage in ihrem Leben erlebt. Unzähligen anderen Lebewesen haben sie ein Leben ermöglicht, haben sie genährt und ihnen Zuflucht geboten. Eine barg in ihrem hohlen Inneren den berühmten Schimmelhengst Herodot, als die Franzosen heranrückten. Sie hätte ihn nie verraten. Er hat sich selbst durch sein Wiehern verraten, wurde herausgeführt und kein anderer als Napoleon ritt ihn weiter durch das Land und durch den Krieg, den er in das Land hineintrug. Ein anderer Soldat, Marschall Blücher, brachte Herodot schließlich acht Jahre später zurück nach Mecklenburg.

Die Ivenacker Eichen haben ihr Teil Schweres erlebt und Wunden davon getragen. Bei manchen sind wulstige Narben zurückgeblieben, bei anderen Verstümmelungen, die sie aber mit großer Würde tragen. Manchen sieht man an, dass sich ihre Lebenszeit dem Ende zuzuneigen scheint, andere wirken noch überraschend rüstig. Vermutlich werden sie alle oder doch wenigstens einige immer noch da sein, wenn wir längst nicht mehr über diese Erde toben.

Ich bin überrascht von dem Verlangen, mich einfach nur eine Weile still unter sie zu setzen, mich mit dem Rücken an ihren Stamm zu lehnen, die Augen zu schließen und einfach nur still zu atmen und zu hören. Ich bin sicher, ihre Rinde wird sich warm und lebendig anfühlen. Doch die Menschen (besonders die von heute) sind immer noch Kinder. Wild und unbedacht, selbstsüchtig und rücksichtslos. Darum gibt es Gebote, die es uns heutigen Menschen verbieten, uns den Uralten zu sehr zu nähern. So bezwinge ich mein Verlangen. Ich weiß, die Gebote machen Sinn und die Uralten verdienen den Respekt und Schutz, der ihnen so gewährt wird. Vielleicht schmunzeln die Eichen einander aber auch zu und amüsieren sich, dass wir Menschenkinder wirklich glauben, sie mit ein paar auf Holz geschriebenen Geboten schützen zu müssen, zu können.

Schließlich wandern wir weiter, entdecken tatsächlich ein paar schlafende Schweine im Hutewald und freuen uns an der freilaufenden Damwildherde. Weiter geht es durch kühlen Wald hinaus in das weite Land über dem jetzt zur Mittagszeit die Sonne brütet. Zu unserer Linken kräuselt ein Wind die Wellen des Sees und lässt das Schilf rauschen. Unzählige weiße Wicken säumen seine Ufer. Rechts strecken sich die Felder, manche schon gemäht, andere noch in goldenem Ornat. Auf einem der abgemähten Felder sehen wir zwei wilde Rehe die Haken schlagend Fangen spielen, bis sie schließlich wieder im schützenden grünen Dunkel des Waldes verschwinden.

Schließlich haben wir den See umrundet und betreten wieder den Ort Ivenack. Aufgeräumt und friedlich liegt er da am See, in wahrlich sonntäglicher Ruhe. Backsteinhäuser, pittureske Bauerngärtchen, das alte Schloß, der Marstall, der Park. Wir schlagen uns durch die Büsche hinab ans Ufer des Sees, finden einen alten Anglersteg. Kichernd wie Kinder und ein bisschen zaghaft wagen wir uns über die morschen Planken. Wir setzen uns hin und lassen die Beine knapp über dem dunklen Wasser baumeln. Kein Mensch weit und breit. Nur wir, der See, das Schilf, die Wasservögel und über uns der Himmel voller Wolkenbilder.

Am Abend lese ich noch die Zeilen des Heimatdichters Fritz Reuter

»Ick weit einen Eikbom, de steiht an de See
de Nurdsturm de brust in sin Knäst;
stolz reckt hei de mächtige Kron in de Höh,
so is dat all dusend Johr wäst«
.

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Tagesprosa

Morgens um sechs ist die Welt noch in Ordnung entlädt sich ein Gewitter, dem schnell die eigene Traute ausgeht. Mit Mühe hat es ein wenig gedonnert, dann wandelt es sich verlegen in einen Landregen. Gerade und sanft fällt der Regen, bevor auch er verschämt das Feld räumt. Die Sonne brütet über Land, Vieh und Menschen.

Jetzt ist die Zeit der riesigen Mähmaschinen und der Transporter mit Überbreite, die die Mähmaschinen von Feld zu Feld transportieren und die Touristen zu nervösen Ausweichmanövern bringen. Bis weit nach Mitternacht liegt das Dröhnen der Mähmaschinen über der Landschaft. Jetzt ist nicht die Zeit zu ruhen. Jetzt muss die Getreideernte eingebracht werden. Die Felder sind riesig und immer halten alle die Luft an und hoffen, dass es nicht zu Feldbränden kommt. Ein Funke genügt und die Mühe und Arbeit vieler Monate samt der erhofften Ernte ist dahin. Die Felder hier sind voller Steine. Die großen Steine werden jedes Jahr im Frühjahr von den Feldern gesammelt. Aber die kleinen Steinen sind schlicht zu viele und bleiben liegen. So ein kleiner Stein kann viel Unheil anrichten. Wird er beim Mähen hochgeschleudert und trifft die Karosserie der Mähmaschinen, schlägt es im ungünstigsten Fall Funken und so trocken wie alles ist, helfen meist alle Löschversuche nicht mehr.

Auch der Mais ist in den letzen Tagen mächtig in die Höhe geschossen aber noch ist er nicht bereit für die Ernte. Das Getreide geht vor. Die goldenen Getreidemeere, die vor kurzem noch so schön im Wind wogten und besonders in der Nachmittags- und Abendsonne einen goldenen Schimmer über das Land warfen, sind fast verschwunden.

In jedem Spätsommer gibt es diesen einen Moment, in dem man plötzlich von der Ahnung befallen wird, dass der Herbst naht. Subtile Zeichen, die man nicht einmal konkret benennen könnte, aber unabweislich, unleugbar. Die Farben in der Landschaft, das Flirren der Luft, der Geruch, etwas ist plötzlich anders. Nur minimal aber anders. Plötzlich weiß man, der Herbst kommt, der Sommer ist fast vorüber und so etwas wie Traurigkeit streift einen wie ein Vogelflügel, bevor man sich noch einmal mit wilder Verzweiflung dem späten Sommer an die Brust wirft und dabei bemerkt, wie er von Tag zu Tag schwächer wird. Aber noch, noch wollen wir ihn nicht ziehen lassen. Das Wissen um den bevorstehenden Abschied, macht die letzten Sommertage um so kostbarer und verlockender.

Jetzt ist auch die Zeit, in der ich jedes Mal ganz bezaubert bin, wenn ich auf die Straße nach B. einbiege. Sie ist gesäumt von Ebereschen, deren Zweige und Äste fast die Menge der orange leuchtenden Beeren nicht mehr tragen können. Ein Festmahl für alle möglichen Vögel und sogar Fuchs und Dachs tun sich gütlich daran. Und auch die ersten Kraniche sammeln sich schon auf den abgeernteten Feldern. Nach und nach werden es immer mehr werden und ihre Rufe immer lauter und dringlicher durch die Luft hallen.

Die Wehmut zupft und zieht an meinem Herzen. Ich versuche sie, so lange es geht, zu ignorieren. Ich leugne, was ich fühle und sehe. Lieber suche ich aufgeregt nach den Spuren des Sommers, jage ihm nach und wenn ich ihn hinter ein paar Bäumen, auf einem Feld oder am Rande eines Sees entdecke, verbringen wir noch ein paar sonnentrunkene Stunden, jauchzen laut und tanzen einen Reigen nach dem anderen. Bloß nicht nachlassen, sonst könnte der Sommer bemerken, wie müde er schon geworden ist. Wie die Kinder schmeicheln wir dem Sommer und betteln ‘Ach nein, lieber Sommer, bleib noch ein wenig, nur ein wenig!’ Bloß nicht aufhören zu tanzen, sonst nutzt der müde Sommer den Moment und schleicht sich fast unbemerkt davon, um sich irgendwo - wo weiß keiner so genau - zum Schlafen niederzulegen.

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