Privates ·Tagesprosa

Tagesprosa

In der vergangenen Nacht muß ich irgendwie einen Zeitsprung gemacht haben. Anders kann ich mir das Gefühl, das ich beim Erwachen hatte, nämlich seit dem Einschlafen um Jahre gealtert zu sein, nicht erklären. So ungefähr müssen sich 80jährige fühlen, zumindest wenn sie nicht gerade zu der Sorte 80jähriger zählen, die für Werbespots oder -anzeigen für agile Senioren posieren. Entsprechend mühselig schleppe ich mich durch den Tag. Jede Bewegung, jeder Handgriff eine unglaubliche Anstrengung.

Der Tag hingegen legt einen Galaauftritt hin: strahlend blauer Himmel, angenehm warme Temperaturen, eine leichte kühlende Brise. Nach dem Mittagessen gebe ich endgültig auf. Wir verziehen uns in den Garten, packen uns in die Liegestühle, ruhen ein bisschen, diskutieren, lesen oder schauen den paar kleinen weißen Wolken zu, die am Himmel vorbeiziehen.

Die Terrasse ist schon sehr schön mit Weinlaub umrankt und überdeckt. Ich bin erstaunt, wie schnell der Wein wächst. Er trägt auch recht viele Reben, deren Trauben aber noch klein sind. Alles was man hört, ist das Rascheln des Grases und der Blätter im leichten Sommerwind, das leise Gebimmel der aufgehängten Klangscherben und hier und da Vogelgezwitscher. Ab und an kräht der verwirrte Nachbarshahn. Die Spatzen nehmen ihre Sandbäder, dass es nur so staubt.

Am Nachmittag erzählt mir E. dass sie in B. noch etwas zu erledigen habe, ob ich mitkommen wolle. Kurzentschlossen fahre ich mit. Während sie ihre Sachen erledigt, laufe ich ein bisschen herum und mache ein paar Fotos. Dann fahren wir noch an den Malchiner See. Eine kleine Bucht mit einem kleinen aber feinen Bootssteg. Rechts und links rauscht der Wind im hohen Schilfgras und treibt die Wellen zum Ufer. In Ufernähe segeln die gelben Köpfe der »Nuphar lutea« über den großen grünen Blättern, bekannt als »Mummel« oder noch besser bekannt als »gelbe Teichrose«, eine Seerosenart, die vom Aussterben bedroht ist. Nun, hier hat sie offenbar ein Plätzchen gefunden, wo sie gut gedeiht.

Die Nachmittagssonne gibt alles und nach kurzer Zeit rufen wir B. an. Sie kommt und bringt unsere Schwimmsachen mit. Ab geht es für E. und mich in den See. Das Wasser ist angenehm kühlend. Unter Wasser viel Geschlinge von Seegras und ähnlichen Gewächsen. E. macht das nichts aus, sie stapft munter durch das Unterwassergrün. Ich versuche möglichst nicht groß damit in Berührung zu kommen. Soviel »Naturkind« bin ich dann doch noch nicht. Mich gruselt es (leicht bis heftig), wenn beim Schwimmen plötzlich dieses Grünzeig über meine Waden streicht, zwischen den Zehen oder an meinen Armen kitzelt. Meine Phantasie ist da schlicht zu überbordend und nicht bereit zu akzeptieren, dass es wirklich nur harmloses Grünzeug ist. In meinem Kopfkino flüstert eine Stimme etwas von bösartigen Schlingpflanzen, die ahnungslose Schwimmer umgarnen und nicht mehr freigeben oder von einem verirrten Riesenkraken, dessen Tentakel schon nach mir tasten, um mich in sein Unterwasserreich zu reißen. Nach einer knappen halben Stunden sind wir ausreichend abgekühlt und meine Nerven genug strapaziert. Glücklich erreiche ich wieder den Bootssteg und somit rettenden Grund.

Wir sitzen in der Sonne auf dem Bootssteg, lassen die Beine ins Wasser hängen und genießen einfach nur den Blick auf den See, den blauen Himmel mit den herrlichen weißen Wolken, die meine Phantasie mit immer neuen Formen und Bildern wieder beruhigen. Ab und an zieht eine Möwe über uns hinweg. Eine einsame Schwalbe jagt knapp über dem Wasser dahin und fängt sich hier und da einen Wasserläufer.

Die Sonne zieht ihre Bahn und senkt sich langsam, der Wind lässt etwas nach, die Wellen laufen langsam aus und die Seeoberfläche wird etwas ruhiger. Langsam wagen sich auch die Bläßhühner und Haubentaucher aus dem Schilf. Das aufgeregte Gefiepe der kleinen Bläßhuhnküken schallt weit über den See. Auch die Wildenten beginnen nach und nach einzufliegen und landen elegant etwas weiter draußen auf dem See.

Vor dieser Idylle genießen wir ein abendliches Picknick. Ganz schlicht aber hier inmitten der Natur und in der frischen Luft und der abendlichen Sonne schmeckt es grandios. Als die Sonne so niedrig steht, dass unsere Seeseite im Schatten liegt, packen wir unsere sieben Sachen und machen uns auf den Heimweg.

Wir leben in einem kleinen Paradies und die Zeit am See (übrigens nicht »unser« See, den ich auch schon erwähnte) hat ihn als einen dieser sagenumwobenen Jungbrunnen erwiesen. Das Gefühl, eine 80jährige zu sein, das mir den ganzen Tag wie eine Klette anhing, hat sich verflüchtigt. Ich hoffe auf eine bessere Nacht. Vielleicht wache ich ja morgen früh auf und habe mich über Nacht zur Abwechslung in der Zeit rückwärts bewegt und fühle mich wie eine 20jährige.

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Schon um 9 Uhr legt sich der Sommer als warme Decke über das Land und mich. Der Himmel so blau, wie es nicht blauer geht und kein Wölkchen zu sehen. Die Blumen im Garten lassen ihre Köpfchen ergeben hängen. Fast glaube ich ihren leisen kollektiven Seufzer zu hören. Nur der Oleander und die Bougainvillea scheinen sich wohlig der gleißenden Sonne an den Hals zu werfen.

Als nächstes erfahre ich, dass die New Yorker schon seit Monaten von einem neuen Wahn bzw. einer Hysterie ergriffen sind. Einerseits bin ich nicht sonderlich überrascht, das zu lesen. Niemand hat je die Unglücklichen gezählt, die diese Stadt um ihren Verstand gebracht hat. In dieser Stadt zählt nur der Erfolg und für jeden, der dort sein Glück gemacht hat, gibt es vermutlich sehr viele die in ihr, still und leise, untergegangen sind, wenn ihnen nicht rechtzeitig die Flucht gelang. Andererseits vermag es mich immer noch in Erstaunen zu versetzen, was Menschen den Verstand verlieren lässt oder in Hysterie zu versetzen mag.

Diesmal ist es ein »Gebäckhybrid«. »Gebäckhybrid«! Ich meine »Gebäckhybrid«!? Das Gebäck trägt den Namen »Cronut« und ist im Grunde ein Mischling aus Croissant und Donut. Dafür stellen sich die New Yorker am frühen Morgen stundenlang beim Erfinder-Bäcker an und bilden eine Warteschlange über mehrere Straßenzüge hinweg. »Cronut Craze« nennen sie das inzwischen in New York. 5(!) Dollar zahlen die New Yorker für ein solches Teil und manche sogar noch viel mehr, denn: die findigen Geschäftlemacher sind längst auch zur Stelle und versuchen ein bisschen vom finanziellen Erfolg des Bäckers abzuzwacken. So werden Plätze in der Warteschlange teuer verkauft. In Abwandlung eines berühmten Spruches kann ich nur sagen »Die spinnen, die New Yorker!« (Link)

Das Abo auf’s Spinnen ist natürlich nicht auf die New Yorker allein gebucht. In Berlin hat das (angeblich) erste Katzen-Café eröffnet. Die Betreiberin verkündet, das Konzept stamme aus Japan! Oho! Aus Japan also! Und was ist das Konzept? Also das ist ein ganz großartiges Konzept, wirklich! Die Betreiberin hat zwei Kater, und die sollen sich frei durch das Café bewegen dürfen. Während die Gäste Muffins oder vielleicht ja sogar bald Cronuts (die nur anders heißen werden, weil sich der New Yorker Erfinderbäcker den Namen schon hat schützen lassen!) verspeisen und Kaffee trinken. Also das nenn ich jetzt mal wirklich revolutionär und sensationell! Auf so eine Geschäftsidee muss man wirklich erstmal kommen! Katzen, einfach so durch ein Café laufen lassen! Exotisch! Naja, kommt ja aus Japan! Ich sehe schon wie sich lange Warteschlangen vor diesem Katzen-Café bilden. So richtig lange, über mehrere Straßenzüge hinweg! Das nennen wir dann KaCa Wahnsinn/Hysterie oder besser, damit es die New Yorker dann auch verstehen, wenn sie in der Zeitung darüber lesen »Caca Craze«. Die Wiener hat’s auch schon erwischt! Gleich zweifach. Wenn wir uns anstrengen, reicht die Warteschlange vor dem Berliner Katzen-Café ja bald nahtlos bis zu den zwei Wiener Katzen-Cafés. Um mich nicht dauernd zu wiederholen, drück ich es aus, wie es bei Twitter immer so schön heißt: »Alle bekloppt!«, die New Yorker, die Berliner, die Wiener und ach, die Menschen überhaupt! (Link)

Ein Genuß, das Schwimmen im abendlichen See. Die Sonne stand immer noch hoch und strahlend. Das Wasser angenehm temperiert, nicht zu kalt, nicht zu warm. Aber jedes Paradies hat auch seinen Schatten. In diesem Fall: stechwütige Bremsen. Weit und breit kein Pferd in Sicht aber das interessierte die Bremsen nicht weiter. Es waren ja genug Menschen da. Bis weit auf den See hinaus flogen sie und versuchten an ihre Mahlzeit zu kommen. Da half im Fall der Attacke nur ein rasches Abtauchen. Familie Bläßhuhn wagte sich auch wieder aus dem Schilf. Die Kleinen schienen sehr hungrig zu sein, so ausdauernd schrien sie nach ihrem abendlichen Mahl.

Sonnengesättigt und wenigstens ein wenig abgekühlt dann später abends noch den Blick hinauf in den nächtlichen Himmel genossen. An der Sternenpracht hier werde ich mich wohl auch nie sattsehen. Jetzt nur noch ein wenig lesen und dann ab ins Land der Träume.

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Bedeckter Himmel am 1. August, die Temperaturen immer noch erträglich. Ich genieße es einige Zeit auf dem Balkon zu stehen und den Schwalben zuzusehen, wie sie so elegant rasant vorbeisegeln und einander dabei ununterbrochen zuzwitschern. Schwalben haben sich scheint’s immer viel zu erzählen. Nun, was mögen Schwalben zu erzählen haben? »Ätsch, ich war wieder schneller als Du!« oder »Hast Du mein tolles Abbremsmanöver gesehen, hast Du?« oder »Wer zuerst einen Kilometer in die Höhe geflogen ist, hat gewonnen!« oder »Vorsicht, die Krähen kommen wieder!« Vielleicht diskutieren sie aber auch ganz lässig irgendwelche naturwissenschaftlichen Fragen oder philosophische Themen. Wer weiß das schon? Überlege, ob schon mal jemand Alternativ-Philosophien entworfen hat. Also z.B. eine Vogel-Philosophie oder eine Katzen-Philosophie oder eine Kakteen-Philosophie.

Die Kühe der ansässigen landwirtschaftlichen Genossenschaft schlendern gemächlich auf dem »Deich«. Eigentlich ist es gar kein echter Deich aber von uns aus sieht der Teil der Weidefläche, den wir sehen können, aus wie ein Deich. Ein schmaler Grat, auf dem die Kühe in einer Reihe oder höchstens mal zu zweit nebeneinander dahinwandern. Ich höre das Meer dahinter rauschen, aber es ist ein grünes Meer, ein Meer aus Gras. Wenn sich die Kühe dort blicken lassen, rufen wir uns gerne zu »Die Kühe sind wieder auf dem Deich!«, und freuen uns diebisch.

Auf dem Land ist man für andere Dinge dankbar, als in der Stadt. Wir sind gerade dankbar, dass die Windrichtung günstig steht, denn seit Tagen fahren die Bauern Gülle auf die Felder. Wir bleiben von dem alles durchdringenden Dunst verschont und ich habe unsinnigerweise etwas Mitleid mit denen, die in der Windrichtung wohnen. Unsinnigerweise, weil die Menschen hier den Geruch gewohnt sind und ihn hinnehmen wie das Wetter. Wir alten Städter zucken nicht mit der Wimper, wenn es um Benzingeruch und Abgase geht, aber wehe die Gülle-Geruchsschwaden legen sich wie eine Decke über das Land.

Irgendwann am Nachmittag kommt die Meldung über die Nachrichtenticker, dass Edward Snowden vorläufig Asyl in Russland erhält und nach mehr als einem Monat die Transitzone des Moskauer Flughafens Scheremetjewo verlassen konnte. In den USA schäumt man derweil.
Die zweite große Nachricht des Tages: Silvio Berlusconi ist endgültig wegen Steuerbetrugs verurteilt. Von den vier Jahren Haft, werden ihm drei wegen einer allgemeinen Strafamnestie erlassen. Ins Gefängnis muss er wohl trotzdem nicht. Wegen seines hohen Alters wird er das verbliebene Haftjahr wohl im Hausarrest zubringen dürfen. Das ebenfalls gegen ihn erlassene Verbot in den nächsten fünf Jahren ein politisches Amt zu bekleiden, muss allerdings erneut verhandelt werden.

Ansonsten ist der Tag ziemlich dahingeplätschert. Irgendwann habe ich meinen Beitrag für die Blogparade »Das Leben ist kein Ponyhof« geschrieben und online gestellt und einen Gutteil des Abends haben wir in trauter Runde verbracht, während ich die Beiträge zur Blogparade vorgelesen habe. Danach noch Jean Reno dabei zugeguckt, wie er in Paris einen weiteren Mord aufgeklärt hat.

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Morgens (zu früh) unter einem grauen Wolkenhimmel aufgewacht. Wenig später rauscht schon ein Sommerregen nieder. Gleichmässig und ruhig. Leuchtendes sattes Grün wohin der Blick fällt. Inmitten so üppiger Natur gelingt es sogar mir, an die Durchsetzungskraft des Lebens glauben. Optimismus steckt zaghaft seinen Kopf aus dem Schutt der Jahrzehnte und reckt zittrig aber doch entschlossen erste Blättchen dem Himmel entgegen.

Kater F. sitzt in der offenen Balkontür und kriegt nicht genug vom frischen Lüftchen. Die armen Pelzträger hier, hatten die letzte Woche einiges auszuhalten, und ich gönne ihnen die kurze Pause, bevor die Temperaturen wohl wieder steigen werden.

Der Zimmerfarn, den ich schon gestern (in der Hoffnung auf etwas Regen und weil wir immer noch keinen brauchbaren Wasserzerstäuber gefunden haben), nach draußen gestellt habe, winkt mir tropfnass dankbar aus dem Regen zu. Draußen wirkt alles gedämpft und beruhigt, die nervöse Hitze ist gewichen.

Ich schaue eine Weile den schnellen Wechseln von blauem Himmel mit Sonnenschein bis zu aschgrauem Himmel mit jagenden drohendgrauen Regenwolken zu. Traurig, dass der Juli uns heute schon sein Adieu zuruft. Ein Juli sollte immer 62 Tage haben, mindestens.

In unserem nahegelegenen Dornröschen-Städtchen haben die Stadtoberen schon vor einiger Zeit entschieden, es muss etwas geschehen. Geht ja nicht, so mehr oder weniger vor sich hin zu schlafen. Die heutige Logik: wo »Action« ist, ist etwas los. Und »Action« setzen die Stadtoberen natürlich inzwischen gleich mit dem was mit »Kon« beginnt und auf »sum« endet. Also wurde beschlossen, aus dem Dornröschen soll eine »Einkaufsstadt« werden. Jetzt rütteln also die Baubagger und Kräne schon eine Weile am Dornröschen und versuchen es recht rüde wachzuküssen. Ein neues »Einkaufszentrum« soll her und die Discounter und Drogerieketten stehen schon parat, nun aber endlich (das wahre) Leben in das kleine Städtchen zu bringen. Derweil schließen im Zentrum (man stelle sich bitte nichts großartiges vor) die kleinen Lädchen eins nach dem anderen. Bei jedem neuen Besuch dort mehr blinde Schaufenster, hinter denen noch die letzte Deko vor sich hin bleicht und staubt. Mir scheint, das Dornröschen denkt gar nicht wirklich daran aufzuwachen. Es wartet ab, bis die rüden Freier endlich von ihr ablassen, wird dann vielleicht mal kurz die Augen öffnen und neugierig auf das neue Einkaufszentrum schauen und sich dann recht bald auf die andere Seite drehen und weiterschlafen.

Den Nachmittag haben wir kollektiv im Garten genutzt. Bevor die Temperaturen wie angekündigt wieder deutlich anziehen, schnell noch ein bisschen ernten und richten. Die Ernte-Ausbeute war fein: Erbsen, Bohnen und Zwiebeln. Nur den Endiviensalat haben sich die Schnecken schmecken lassen. Stille Freude an den Stockrosen und an den nickenden Sonnenblumen gehabt.

Abends dann schließlich noch die Radfahrer auf dem Nordseeküstenradweg begleitet und in Erinnerungen geschwelgt. Wie gerne würde ich mit B. zusammen nochmal nach Großbritannien und ihr zeigen, wovon ich ihr bisher nur erzählen konnte. Einfach losfahren können müsste man, mit ausreichend Zeit zu bleiben, wo es gefällt, und weiterzufahren, wenn man genug hat, und das nächste Ziel lockt. Ach überhaupt, reisen …

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Nach sonnenheißen Tagen, heute eine willkommene leichte Abkühlung. Geschäftigkeit im ganzen Haus, ein Kommen und Gehen. Alles summt und brummt.

Gegen Abend mit B. durch’s Dorf spaziert, um das angekündigte Konzert zu besuchen. Gefreut über das Blühen und Summen in der klitzekleinen Schrebergartenkolonie am Wege. Erstaunlich großer Zulauf dann zum Konzert. Hier und da grüßten wir bekannte Gesichter. Dann knapp zwei Stunden Blechbläser vom Feinsten. Trotzdem, die zweite Hälfte fängt doch an, sich etwas zu ziehen. Ich weiß nicht recht warum. Vielleicht die enger werdende Luft, vielleicht die harten Klappstühle, vielleicht bin ich aber nach einer Weile auch der typisch amerikanischen Arrangements der Stücke etwas müde. Die abschließende zweite Zugabe versöhnt mich wieder.

Nach dem Konzert grüßen wir auch kurz A., die mich erst nicht erkennt. Sie meint, lang ist es her, seit wir uns das letzte Mal sahen. Ich hatte schon nachgerechnet, es müssen 17 oder 18 Jahre sein. Wunderlich, wo die Zeit geblieben ist. »Seither sind wir beide alt geworden«, sagt sie, und ich kann nicht glauben, was ich da höre. Älter natürlich aber alt ganz sicher noch nicht.

Kurz vor dem Schlafengehen lese ich noch, dass Bradley Manning vom Vorwurf »den Feinden der USA geholfen zu haben« freigesprochen wurde, in den meisten anderen Anklagepunkten aber schuldig. Beobachter vermuten, dass er so um die 154 Jahre Gefängnis bekommen könnte. Jemand twittert sinngemäß: hätte Manning aus amerikanischer Sicht besser aus einem Militärhubschrauber auf unbewaffnete Zivilisten geschossen, wäre er heute vermutlich ein Held.
Ich frage mich, ob man Männern wie Bradley Manning oder Edward Snowden eines fernen Tages wohl Denkmäler setzen wird? Wird es Straßen, Plätze und Schulen geben, die nach ihnen benannt sind? Oder geht die Geschichte über sie hinweg und nur ihre Familien und Freunde und vielleicht einige wenige Historiker und Alte werden sich an ihre Namen erinnern?

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