Teterower Impressionen (VIII)

Teil des Turms der Stadtkirche St. Peter und Paul
Heute ist kirchenhistorisch gesehen ein besonderer Tag, denn nach über 1000 Jahren wird heute der letzte Gottesdienst der selbständigen Mecklenburgischen Landeskirche gefeiert. Am nächsten Sonntag (Pfingstsonntag) gründet sich die neue »Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland«. Dazu schließen sich die Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche, die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Mecklenburgs und die Pommersche Evangelische Kirche zusammen. Gleichzeitig endet damit die Kirchengeschichtsschreibung der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburg. Es mag vielen egal sein aber ich finde, das sollte heute doch mal erwähnt werden und deshalb besuchen wir auf unserem heutigen Teil des (virtuellen) Spaziergangs durch Teterow die Evangelisch-Lutherische Stadtkirche St. Peter und Paul in Teterow.
Die Stadtkirche St. Peter und Paul ist ein markanter Punkt in der Stadt und taucht bei Blicken aus verschiedensten Richtungen auf die Stadt immer wieder auf, wie Ihr ja auch schon in den vergangenen Tagen, den ein oder anderen Blick auf sie entdecken konntet.

Von der Grundsteinlegung 1215 bis zur kompletten Fertigstellung gingen gut 200 Jahre ins Land. Dadurch zeigt die Kirche zwei unterschiedliche Baustile. Während der Altarraum mit der Sakristei auf der Nordseite im spätromanischen Stil errichtet wurde, sind das Langhaus und der Turm bereits gotisch.

Die Kirche weist Merkmale einer so genannten Pseudobasilika auf, was heute noch am südlichen Seitenschiff zu sehen ist: niedrigeres Seitenschiff, angedeutete Obergaden, außen eine Dachfläche wie bei einer westfälischen Hallenkirche.

Die ältesten Teile der Kirche mit dem Chor und der Sakristei auf der Nordseite sind spätromanisch. Der Chor hat drei Fenster in der gerade ausgeführten Altarwand und zwei weitere Fensterpaare in den beiden Seitenwänden. Die beiden Chorgewölbe ruhen auf Pilastern. Der aus Backstein errichtete Altarraum hat ein Kreuzrippengewölbe.

Im 15. Jahrhundert wurden die zwei Seitenschiffe ergänzt, und dabei sehr hoch ausgeführt, so dass sie die ursprüngliche Konstruktion des Mittelschiffes überdecken. Der in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts errichtete quadratische Turm hat eine Höhe von fast 40 Metern. 1877 bis 1880 erfolgte eine größere Erneuerung im Stil der Zeit, bei dem die Nordseite stark verändert und auch die Sakristei von der Nordseite auf die Südseite verlegt wurde.



Blick durch das Kirchenschiff, Richtung Hauptaltar
Auf diesem Bild zu sehen auch das sog. große Triumphkreuz: ein Kruzifix, gerahmt von den Figuren der Jungfrau Maria und dem Evangelisten Johannes. Das Kreuz ist an den vier Enden mit den vier Evangelistensymbolen und an den Rändern mit großen Blättern besetzt.

Blick durch das Kirchenschiff, Richtung Hauptaltar mit Taufstein
Der alte große Taufstein (Fünte) aus Granit mit Verzierungen gehört zu den besten Arbeiten dieser Art im Lande, wurde aber leider teilweise beschädigt.

Die heutige Kanzel stammt aus der Zeit der neugotischen Erneuerung von 1877/80. Eine ehemalige Kanzel stammt ebenfalls aus der Renaissance und ist heute im Turmraum aufgestellt.

Der jetzige Altar stammt ebenfalls etwa aus der Zeit von 1877/80 und zeigt als Bild eine Darstellung der Auferstehung, eine Kopie nach Bernhard Plockhorst.

Ausschnitt aus der Marienkrönung des alten Altars
Der als Doppelflügelaltar gestaltete geschnitzte frühere Hauptaltar (Marienkrönungsaltar) zeigt ganz geöffnet eine Marienkrönung und die zwölf Apostel mit Paulus und Stephanus sowie weitere 17 Heilige in einem schmaleren Streifen darunter. Wird das erste Flügelpaar geschlossen, so zeigt sich ein Gemäldezyklus zur Passion in 16 Einzeldarstellungen, der dem Meister des Rostocker Dreikönigsaltars zugeschrieben wird. Die Malereien auf den Aussenflügeln, die sichtbar werden, wenn der Altar ganz geschlossen wird, sind hingegen verloren. Der Altar steht heute an der Westwand des nördlichen Seitenschiffs.

Ausschnitt der Freskenmalerei
Eine kulturhistorische Besonderheit der Kirche sind die Gewölbemalereien im Altarraum aus dem 13./14. Jahrhundert. In den acht Kappen der zwei Joche sind Motive der Geschichte Jesu mit der Schöpfungsgeschichte gemischt.

Ausschnitt der Freskenmalerei
Diese Malereien wurden bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wiederentdeckt und restauriert. 2009 wurden die Fresken dann dank modernster Laser- und Zellulosetechnik restauriert und ziehen heute viele Besucher in ihren Bann.

Orgel in der Stadtkirche St. Peter und Paul
Hinter dem historischen Orgelprospekt aus dem Jahr 1787 steht ein Neubau der Orgelbaufirma Mecklenburger Orgelbau von 1991 mit insgesamt 30 Registern auf zwei Manualen und Pedal

Gedenkstein Verrückte Kirche
Der kleine Gedenkstein erinnert an eine der Erzählungen über die Teterower Einwohner, über deren Einfältigkeit man schmunzeln kann. Das Kunstwerk wurde von Günter Kaden geschaffen und stellt den Schildbürgerstreich mit der verrückten Kirche dar. Die Sage geht so:
Wie die Teterower ihre Kirche weiter gerückt haben.
Früher stand die Kirche zu Teterow mitten auf dem Markte, gerade vor der
Straße, die vom Rostocker zum Malchiner Thor führt. Warum man sie gerade
dorthin gebaut, weiß man nicht; aber sie stand nun einmal da, und stand den
Teterowern im Wege, deshalb beschloß man, sie nach einer andern Stelle zu
schaffen. Aber wie dies anfangen? es wurde viel hin und her gerathen, der Eine
rieth dies, der Andere das; so meinte z.B. Jemand, man solle sie abbrechen und
nebenan wieder aufbauen, aber das schien doch den Meisten zu kostspielig und
zu närrisch. Endlich trat Einer auf und schlug vor, die Kirche auf Walzen zu
stellen und dann weiter zu rollen. Dieser Vorschlag fand allgemeinen Anklang
und wurde deshalb zum Beschluß erhoben. Am nächsten Tage schon ging es
frisch ans Werk. Man schlug an jedem Ende der Kirche zwei Löcher durch das
Fundament, steckte Walzen hindurch und hackte dann die ganze Ringmauer
rundum los. Als dies Alles glücklich vollbracht war, wurde ein Tag zur
feierlichen Fortrückung anberaumt. Der Küster, ein alter invalider
Kriegsmann, sollte den umgelegten Strick vorne ziehen und der ganze
Magistrat wollte selbst Hand anlegen und nachschieben. Allen sonstigen
Einwohnern der Stadt, Groß und Klein aber wurde es bei Todesstrafe verboten,
hierbei zu erscheinen, damit nicht beim etwaigen Umwurf der Kirche Jemand
zu Schaden kommen könne. So war denn Alles in Ordnung und es hieß nun
?Angefaßt!? Da aber schrie der Küster ?Halt!? und rief, er wisse nicht, wie weit
die Kirche solle. Daran hatten sie wirklich noch nicht gedacht. Der
Bürgermeister aber zog schnell seinen Rock aus, warf ihn vor der Kirche auf
die Erde und sprach ?So, just bis hier über den Kragen weg.? Der Küster aber
gedachte des schönen Bürgermeisterrockes und seines schäbigen, und wie es
doch jammerschade sei, ersteren unter der Kirche verkommen zu lassen;
darum trug er, während der Bürgermeister zurück an seinen Ort ging, eilig das
Röcklein heim, war mit einem Satze wieder da und rief ?Nun zu!? Ein Ruck
und noch einer, da schrie der Küster ?Halt! wir sind schon darüber weg!? Er
meinte, über den Rinnstein, der Bürgermeister aber dachte über den Kragen
und über seinen schönen Rock. Der Küster half ihm auch nicht aus seinem
Irrthum und sprach überhaupt nicht davon, daher denn zu Teterow die Rede
aufkam ?Uns’ Kirch steit uppen Burmeister sin’n Rock.?
Wer mag, kann sich hier noch einen zumindest kleinen Eindruck vom Geläut der Stadtkirche St. Peter und Paul verschaffen.
Auch das Geläut der Katholischen Pfarrkirche St. Petrus in Teterow kann sich, wer will, hier anhören und noch ein wenig über die Geschichte der Katholischen Gemeinde in Teterow erfahren.
Euch allen nun einen schönen Sonntag!
Teil I, II, III, IV, V, VI, VII der Teterower Impressionen und hier noch der letzte Teil IX