Privates ·Tagesnotizen 2015

Tagesnotizen

Müdigkeit. Bleiern. Mein Körper sabotiert mich und wirft Sand ins Getriebe des Gehirns.

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Sind wir Marionetten unserer Gedanken oder sind wir die Architekten unserer Gedankenwelt? Mal so, mal so? Gut, aber was überwiegt und warum?

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»Die Menschen, die sich im erschöpften Europa der frühen Nachkriegsjahre nach Auschwitz aufmachten, hatten wenig mit den Tagestouristen von heute gemeinsam, den »wilden Besuchern«, wie Szymanski sie verächtlich nennt, die in ihren Sportklamotten lärmend an den Häftlingsbaracken vorüberhasten, Horror-Sightseeing, Familienschnappschüsse in der Gaskammer inklusive. »Damals waren es noch Pilger«, sagt er, stumme Menschensäulen, denen es angesichts des Ortes jede Sprache verschlug. Und nicht selten Verzweifelte, die nach Spuren ihrer verschwundenen Angehörigen forschten.«

Noch ein lesenswerter Text zu Auschwitz, über einen der Überlebenden, der dann den Rest seines Lebens damit verbrachte, Auschwitz zu erhalten: Lebenslänglich Auschwitz

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Ich ärgere mich, weil ich gekränkt bin. Weil ich nicht verschmerzen kann, dass mich jemand ignoriert, von dem ich mir (nur wegen einer gewissen Sympathie, die ich empfinde) eigentlich Beachtung wünschen würde.

Ich ärgere mich, weil ich das als unreif und dumm empfinde. Jedesmal, wenn ich einen neuen Beweis erhalte für die Ignoranz, trifft es mich, verstimmt mich, und am Ende ärgere ich mich wieder und wieder, dass das so ist. Ich empfinde, dass ich mich selbst dadurch klein mache. Es hat irgendwie etwas Hündisches, so auf ein Zeichen der Kenntnisnahme oder des Wohlwollens zu hoffen. Jemand hat kein Interesse an mir und dem, was mir wichtig ist. Na und! Dazu hat jeder das Recht. Weiter geht’s.

Vielleicht ärgert es mich auch deshalb so, weil ich mit so einer Situation normalerweise anders umgehen kann. Ich verstehe einfach nicht, warum ich es in diesem konkreten Fall nicht so geregelt bekomme, wie sonst. Ich verstehe nicht, was diesmal anders ist.

Mein Verstand rät mir alle Verbindungen zu kappen und mögliche Begegnungen zu vermeiden. Mein Herz will nicht. Mein Verstand wird ärgerlich auf mein Herz. Mein Herz ist traurig und leidet.

Kränkung ist nur möglich, wo ich sie zulasse. Ich ärgere mich, dass ich Kränkung zulasse.

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Der Januar ist sozusagen vorüber und damit auch ein Monat Tagesnotizen. Je mehr sich der Monat seinem Ende zuneigte, desto unsicherer bin ich geworden, ob so weiter bloggen oder nicht? Der Zweifel nagt mal wieder an mir. Ein paar Stunden habe ich ja noch, eine Entscheidung zu treffen.

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