Liisas Fotos ·Mecklenburg-Vorpommern ·Privates ·Tagesnotizen 2015

Tagesnotizen

Blick auf die Ostsee bei Kühlungsborn - © Liisa

Das schöne Wetter heute haben wir genutzt und sind gleich früh morgens Richtung Ostsee gestartet.

Erster Halt war Bad Doberan, wo wir endlich mal das Münster besucht haben. Wir nahmen an der sehr interessanten knapp einstündigen Führung teil. Das Münster in Bad Doberan gilt als das bedeutendste mittelalterliche Bauwerk in Mecklenburg-Vorpommern und ist die Hauptgrablege der Mecklenburgischen Landesfürsten.

Gegründet wurde das dazugehörige Zisterzienserkloster im Jahr 1171 noch in in Althof-Doberan. 1179 wurde das Kloster während eines Thronfolgekrieges zerstört und die inzwischen dort lebenden 78 Mönche alle getötet. Doch so schnell gaben die Zisterzienser nicht auf. Eine neue Abordnung Mönche wurde geschickt und die begründeten das Kloster neu, diesmal direkt in Bad Doberan an der heutigen Stelle. 1280 begann der Bau des Münsters und war 1296 weitestgehend abgeschlossen. Zur Zeit der Reformation blieb das Münster von Bilderstürmern verschont, ebenso im 2. Weltkrieg nicht von Bomben getroffen. In keiner anderen Zisterzienserklosterkirche europaweit blieb eine reichere hochgotische Originalausstattung erhalten. Wir waren entsprechend beeindruckt von dem, was wir zu sehen bekamen.

Münster in Bad Doberan - © Liisa

Münster in Bad Doberan - © Liisa

Münster in Bad Doberan - © Liisa

Münster in Bad Doberan - © Liisa

Münster in Bad Doberan - © Liisa

Münster in Bad Doberan - © Liisa

Münster in Bad Doberan - © Liisa

Münster in Bad Doberan - © Liisa

Erfahren haben wir u.a., dass am Münster etwa 4 Millionen Backsteinen verbaut wurden, zuzüglich der Formsteine für Pfeiler, Dienste und Gesimse. Ein einziger Backstein wiegt knapp 8 Kilogramm und die Backsteine haben nicht das übliche sondern das sog. Klosterformat (L/B/H: 28/14/9 cm). Die Herstellung eines einzigen Backsteins dieser Art dauerte 3 Jahre!

Alles in allem eine tolle Führung mit viel sachkundigen Informationen sowie manchen Legenden und Anekdoten rund um das Münster. Einziges Manko heute, wofür aber natürlich niemand etwas konnte, es war noch sehr kalt im Münster und je länger wir dort herum wanderten, desto mehr. Als wir das Münster verließen, waren wir höchst dankbar für den strahlenden Sonnenschein, der uns empfing und bald wieder aufgewärmt hat.

Von Bad Doberan aus führen wir weiter nach Kühlungsborn und genehmigten uns dort eine Edel & Scharf Currywurst mit Pommes und Blick auf die Ostsee. Echt Kult, sowohl die Currywurst wie die Lokation und der Ausblick und zwar nicht nur für Touristen sondern durchaus auch bei den Einheimischen. Am schönsten natürlich im Sommer abends mit einem schönen Cocktail und Blick auf Ostsee und Sonnenuntergang.

Das Wetter war goßartig, blauer Himmel, kein einziges Wölkchen, strahlender Sonnenschein und so liefen wir eine ganze Weile an der Ostsee entlang. Dann gab’s mitgebrachten heißen Tee und Marmorkuchen auf die Hand, natürlich mit Blick auf die Ostsee. Die Menschenmassen hielten sich in Grenzen, ich hatte eher mehr erwartet, zumal ja Sonntag ist. Uns war’s recht, wie es war.

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Kunst ·Mecklenburg-Vorpommern ·Privates ·Rostock ·Tagesnotizen 2015

Tagesnotizen

Anna Gerresheim - Nächtliche Häuser im Winter»Nächtliche Häuser im Winter« von Anna Gerresheim

Heute ging es gleich morgens nach Rostock. Das Wetter zeigte sich freundlicher als erwartet. Zwar recht frisch aber trocken und sonnig. Erst ein paar dringende Einkäufe erledigt, darunter auch einige technische Utensilien, wie z.B. den Car Charger+Cable von belkin, damit ich in Zukunft bei längeren Touren nicht plötzlich mit leerem Aku des iPads da sitze. Nun kann ich bequem auf der Fahrt via Zigarettenanzünder das iPad mini laden. Auf der Heimfahrt hab ich das dann gleich mal getestet und war sehr angetan, wie fix da geladen wird.

Die Beziehung zwischen dem Lightning-Lade-Kabel und mir ist von Anfang an eine brüchige. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ich hatte ja schon an anderer Stelle mal darüber gebloggt. Egal wie vorsichtig ich die Kabel bisher behandelt habe, immer wieder bricht das Kabel relativ bald gleich hinter dem Stecker. Das letzte Kabel war jetzt kein Originalkabel von Apple mehr, aber ein mir empfohlenes, selbstverständlich von Apple zertifiziert. Ich war wirklich hoffnungsfroh, weil es eigentlich einen etwas stabileren Eindruck machte. Ähm, tja, Pustekuchen würde ich sagen. Dasselbe Spiel wie schon mit den anderen Kabeln. :( Nachdem es jetzt buchstäblich am »letzten Draht« hing, war dringend Ersatz gefragt, sonst sitz ich auf einmal da und kann mein iPad nur noch im Auto aufladen, was natürlich etwas unpraktisch wäre. Beim von Apple authorisierten Händler eindringlich mein Problem mit den Ladekabeln und meinen Frust darüber geschildert. Der hat mir nun ein flaches Kabel empfohlen, das angeblich daher nicht mehr so leicht »brechen« kann. Wir werden es sehen.

Nachdem ich mich auf Twitter per Frage an die Timeline vergewissert hatte, dass der Fritz!WLAN Repeater 310 mit unserem WLAN Router harmoniert, habe ich dann heute endlich einen gekauft. Der Repeater hat fast durchgängig positive bis euphorische Kritiken und soll komplikationslos zu installieren sein. Ratet, wer es nicht komplikationslos hinbekommt?? Genau, das bin ich. Ich krieg zwar hin, dass die Diode leuchtet, die bestätigt, dass der Repeater betriebsbereit ist und ebenso die Diode, die bestätigt, dass das WLAN-Modul betriebsbereit ist, die Dioden, die die Signalstärke anzeigen müssten bleiben dunkel. Eine Verbindung zur WLAN-Basis scheint zu bestehen, denn sonst würden diese Dioden blinken. Tun sie aber nicht. Sie bleiben schlicht dunkel. Keine Ahnung wieso. Auf meinem iPad wird mir der Repeater angezeigt, ich kann mich auch einloggen, aber das war’s dann auch. Versuche ich dann eine Seite aufzurufen passiert nix. *seufz* Da ist dann wohl wieder tüfteln angesagt. Und hoffen, dass ich dabei nicht unbeabsichtigt unser eigentlich funktionierendes WLAN im Haus komplett zum Erliegen bringen und mir damit den Zorn meiner WG-Genossen, die natürlich alle ebenfalls auf ein funktionierendes WLAN-Netz angewiesen sind, zuziehe.

Nachdem die Einkäufe erledigt waren, tat ich etwas, was ich schon sehr lange mal machen wollte. Wir besuchten nämlich endlich mal das Kulturhistorischen Museum in Rostock. Das befindet sich im altehrwürdigen Kloster zum Heiligen Kreuz, dem 1270 gegründeten Rostocker Zisterzienserinnenkloster. Ein sehr schönes Klosterensemble mit etlichen dazugehörigen Gebäuden, dass eigentlich sehr zentral mitten in der Altstadt liegt, aber doch ein wenig versteckt.

Das Museum wurde 1859 gegründet, zählt zu den ältesten Museen Norddeutschlands und verfügt über sehr beachtliche Sammlungen von Malerei über Grafik bis zu Kunsthandwerk, Münzen, Möbeln, Militaria bis hin zu Alltagskultur und Archäologie.

Einen ganz besonderen Schatz hat das Museum an seiner Sammlung niederländischer Malerei, die Werke von Jan Breughel d.J., Rachel Ruysch oder Willem Kalf ebenso wie von Rembrandt und van Dyck versammelt. Die Sammlung zählt mit zu den wichtigsten in ganz Norddeutschland. Während die ebenfalls beeindruckende Sammlung niederländischer Malerei in Schwerin auf fürstliche Erwerbungen zurückgeht, ist die Rostocker Sammlung Ergebnis bürgerlichen Engagements und Sammlertätigkeit.

In der Sammlung »Kunst in Mecklenburg« freute ich mich besonders, die »Gewitterstimmung über Ahrenshoop« von Carl Malchin wiederzusehen, die ich erstmals in der Eröffnungsausstellung des neuen Kunstmuseums in Ahrenshoop gesehen hatte.

Das Museum zeigt ausserdem eine sehr schöne Dauerausstellung zum Thema altes Spielzeug. Dort haben wir uns so lange herum getrieben, dass sich die Museumsangestellten lauthals freuten, dass sich mal jemand so viel Zeit für diese Sammlung nahm.

Zur Zeit laufen zudem gerade zwei sehr interessante Sonderausstellungen im Museum. Die erste »PRÄCHTIG VERMESSEN. Mecklenburg auf Karten 1600 bis 1800« hat mich als Fan historischer Karten besonders gelockt.
Pro-Tipp: Lasst Euch an der Kasse gleich eine Lupe mitgeben, dann könnt Ihr die Details auf den tollen Karten noch viel besser entdecken!

Die zweite Sonderausstellung ist dem gebürtigen Rostocker Maler und Illustrator Egon Tschirch gewidmet. Ein durchaus umstrittener Künstler auch in Rostock selbst. Sein Talent kann man ihm hingegen wirklich nicht absprechen, wenn man seine Skizzen, Bilder, Grafiken und Buchcover-Entwürfe gesehen hat. Mich haben vor allem seine Bilder direkt von der Westfront während des 1. Weltkriegs und von seiner Reise nach Tunis sehr beeindruckt.

Unser Fazit nach Verlassen des Museums: Ein wirkliches Kleinod, das zu überraschen weiß und erstaunliche Schätze birgt. Wir können einen Besuch mit ausreichend Zeit sehr empfehlen. Und übrigens, der Eintritt ist kostenlos!!

Nach dem Museumsbesuch waren wir dann doch ein bisschen platt gelaufen und brauchten eine Pause. So kehrten wir beim »Törtcheneck Schwesterherz« ein. Mit diesem Cupcake-Café haben sich die beiden Schwestern Maike und Denise vor fast einem Jahr ihren Traum erfüllt. Wir hatten dort die Qual der Wahl, denn wir mussten uns entscheiden, welche der köstlichen Cupcakes wir probieren wollten. Wir entschieden uns für Erdbeer-Cupcake, Schoko-Cupcake, Kirsch-Cupcake (Cupcake der Woche!) und Apfel-Cupcake. Alle wirklich sehr lecker, wobei Erdbeer und Schoko unsere Favoriten waren. Dazu noch je einen guten Cappuccino, was will man mehr?!

Letztes »Highlight« des Tages: Wir sind das erste Mal, seit wir hier wohnen, mit der Rostocker Straßenbahn gefahren. Zwar nur eine Station aber immerhin, ein Anfang ist gemacht. ;-)

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Gartenfreude ·Privates ·Tagesnotizen 2015

Tagesnotizen

fünf alte Erdbeersorten - © Liisa

Heute war es nun endlich so weit! Der Auftakt zum »Balkon-Garten«. Erfahrene Balkongärtner verdrehen jetzt vermutlich schon die Augen, weil bei ihnen längst alles gesät und gepflanzt ist. Aber ich bin ja »Neuling« und übe noch. Als erstes habe ich mich entschlossen, dass ich Erdbeeren auf dem Balkon haben möchte. Erdbeeren sollen relativ unkompliziert in der Pflege sein, habe ich mir sagen lassen. Da kann eigentlich nicht allzu viel schiefgehen und falls doch, erzählen Sie es mir bitte lieber nicht, sonst hab ich ab sofort Albträume, in denen meine schon jetzt heiß geliebten Erdbeerpflänzlein schrecklich dahinsiechen und umkommen.

Bei vielen Bloggern sind ja dieses Jahr Tomaten der letzte Schrei. Also zumindest bei denen, die dem Gärtnerinnen Blog folgen, wo dieses Jahr vor allem die beiden Gastblogger Charly und Martin eine Kreuzung zwischen herkömmlicher Tomatenzucht und Technik (Überwachung der Tomatenzucht mit Hilfe eines Rasberry Pi) versuchen … oder so ähnlich, so ganz hab ich es noch nicht verstanden. Ich verfolge aber sehr interessiert, wie ihr Projekt verläuft und bin mit ihnen gespannt, wie am Ende die Ernte ausfallen wird.

Aber zurück zum hiesigen Garten-Abenteuer! Nachdem also die Entscheidung gefallen war, dass ich mit Erdbeeren anfangen will, hab ich mich nochmal umgeschaut und mich dann entschieden tatsächlich einige Sorten bei einem engagierten Züchter hier in Mecklenburg zu ordern. Er ist auch Mitglied im Verein »Arche Noah«, der sich dem Erhalt seltener und vom Aussterben bedrohter Kulturpflanzen und alter Sorten widmet. So etwas finde ich grundsätzlich ja schon mal gut und fördernswert, alte Sorten erhalten und vor dem Aussterben bewahren. Ich bin ein Freund von Vielfalt und möchte nicht am Ende nur noch eine handvoll Erdbeersorten haben, die wohlmöglich auch noch alle gleich aussehen und schmecken, weil sie für den Massenmarkt kompatibel gezüchtet wurden.

Das Angebot bei »meinem« Züchter ist sehr ansehnlich, und so hatte ich die Qual der Wahl. Letztlich habe ich mich für fünf verschiedene Sorten entschieden, und die am Montag online bestellt. Heute wurden die Pflänzlein zu meiner großen Freude schon geliefert. Das Auspacken hatte was von Weihnachten! ;-) Alles wunderbar verpackt, dazu gab es noch eine DIN A4-Seite Erklärungen und Tipps, sowie das Angebot, dass man sich auch gerne telefonisch oder per E-Mail melden kann, sollte es Probleme geben oder irgendwelche Fragen auftauchen. Toll!

Die Erdbeerpflänzchen selbst sehen wirklich sehr gut aus, kräftig, und mit schönen grünen Blättern. Unter Anleitung der erfahrenen Gärtnerin hier im Haus, hieß es dann passende Töpfe suchen, die mit Erde aus dem Nutzgarten zu füllen. Dann die Erdbeerpflänzchen aus ihren Pflanzbehältern lösen und in die Töpfe einpflanzen. Ringsum noch etwas Erde nachfüllen. Die Erde etwas festdrücken und dann gut gießen.

Jetzt leben auf unserem Balkon Erdbeerpflanzen der Sorten: »Wunder von Peenemünde« (1), »Maikönigin« (2), »Direktor Paul Wallmann« (3), »Königin Luise« (4) und »Kaisers Sämling« (5).

Ich platze vor Spannung, wie sie sich entwickeln werden, wann sich die ersten Erdbeeren sehen lassen und wie viele, wie sie aussehen und wie schmecken! Hach, ich sage Ihnen, selber »gärtnern« ist spannend!

… Und ein bisschen nervenaufreibend. Ich renne alle paar Minuten und schaue, ob es den kleinen Erdbeerpflänzlein auch wirklich gut geht. Ist der Wind nicht vielleicht zu heftig für sie? Trocknet die Erde vielleicht zu schnell ab und sie leiden Durst? Wird die Nacht zu kalt für die Kleinen? Hoffentlich scheint morgen wieder die Sonne, weil Sonne ist wichtig. Aber ja nicht zu heiß!! Steht auch genug Wasser zum Gießen bereit? Am besten natürlich von der Sonne gewärmtes Regenwasser! Große Erleichterung, als mir aufgeht, dass ich hier auf dem Balkon eine evtl. Erdbeerernte nicht gegen gefrässige Schnecken werde verteidigen müssen.
Vögel? Vögel!! Gibt es vielleicht irgendwelche einheimischen Vögel, die Erdbeeren mögen und sich an meinen Erdbeeren vergreifen könnten? Sollte ich vielleicht für alle Fälle eine kleine Vogelscheuche bauen und aufstellen? Oder irgendeine andere Warneinrichtung basteln?

Und was, wenn alles gut geht und wir eine Jahrhundert(balkon)ernte einfahren? Wohin dann mit all den schönen Erdbeeren? Andererseits, Erdbeeren gehen ja immer! Pur, mit Eis, mit Quark, als Kuchenbelag, als Waffelfüllung, mit Scones, in Salaten, als Sirup, als Marmelade, als Punsch oder im Cocktail, oder oder oder … Das könnte ein Erdbeersommer werden!

Sie sehen, das werden sehr sehr aufregende Wochen hier! Und das sind ja erst die Erdbeeren!

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Privates ·Tagesnotizen 2015

Tagesnotizen

Unser Osterbesuch ist gestern wieder abgereist und die plötzlich wieder eingetretene Stille im Haus ist fast schon ein bisschen unheimlich. Anscheinend ahnten das auch die Nachbarn und bemühen sich kräftig, die Stille zumindest draußen zunichte zu machen. Rasenkantenschneider, Rasenmäher und Kettensägen lassen grüßen. Täten die Nachbarn all das nicht, wäre es draußen trotzdem alles andere als still. Die Vögel, die sich von Tag zu Tag in größerer Anzahl hier einfinden, sind dieses Jahr irgendwie lauter als in vergangenen Jahren. Es ist ein riesiges Gezwitscher, Gepfeife, Gekecker, Geschrei und Geklopfe. Ja, Geklopfe! Der oder die Spechte, scheinen gerade im Akkord eine ganz Baumhöhlensiedlung hochzuziehen bzw. zu versenken. Die Möwen kreischen, die Raben krächzen, die Elstern zetern um die Wette und die Enten und Gänse schreien sich heiser bei ihren Überflügen. Merkt Euch das, Ihr Städter, die Ihr von der Stille auf dem Lande schwärmt! Hier ist es selten wirklich still!

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Irgendwann in der letzten Woche beim Überfliegen von Twitter, Feedreader und Blogs, ist mir irgendwo der Hinweis auf einen Blog-Artikel untergekommen, den ich sehr interessant fand und der mich seither gedanklich beschäftigt. Leider weiß ich nicht mehr wo ich ihn entdeckt habe. Trotzdem möchte ich ihn hier gerne weiter empfehlen:«Vom Alt werden - Gefährliche Zeiten« von Angelika Wende. Darin schreibt sie sehr ausführlich über verschiedene Aspekte des Älter- bzw. Altwerdens und gibt viele spannende Denkanstöße.

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Immer öfter erwische ich mich dabei, wenn ich mir Wohnungseinrichtungen und Haustouren in einschlägigen Einrichtungsblogs ansehe, zu überlegen, was das wohl für Männer(typen) sind, die dort leben. Oder anders gesagt, ich frage mich bei manchen Einrichtungen und durchdekorierten Privatheimen, wie sich die dort lebenden Männer wohl darin fühlen?

Tatsächlich habe ich den Verdacht, dass manche Einrichtungen dermaßen auf das Stilempfinden, den Geschmack und die Dekowut der Frauen ausgerichtet sind, dass für die Männer und ihre Bedürfnisse kaum noch Platz bleibt. Vielleicht verziehen sich auch deshalb manche Männer in Baumärkte, ackern in Gärten, werkeln in Hobby-Werkstätten oder lassen ihre Märklin-Eisenbahn im Keller ihre Runden drehen.

Bei manchen hat man den Eindruck, die Männer dienen nur noch dazu, das benötigte Geld zu verdienen, idealerweise bei handwerklichen Veränderungen oder dem x-ten Wandanstrich im Haus Hand anzulegen (oder alternativ die Handwerkerkosten zu bezahlen), neu gekaufte oder auf irgendwelchen Flohmärkten ergatterte Möbelstücke irgendwie in die heimatliche Höhle zu transportieren und sich ansonsten möglichst still zu verhalten. D.h. nein, still dürfen sie ja auch nicht sein. Sie sollten/müssten natürlich noch ausgiebig das exquisite Stilempfinden ihrer Frauen, deren überdurchschnittliche Kreativität, und die gerade wieder neu angeordneten Dekorationsschätze zu bewundern und zu würdigen wissen.

Bei manchen Einrichtungen kann ich mir nur unter größten Anstrengungen vorstellen, dass sich ein Mann darin wirklich wohlfühlt. Das geht dann wohl nur mit weitestgehender Verdrängung und vielen Überstunden (die es aber vermutlich auch braucht, um genug Geld zu verdienen, alle Möbel- und Dekorationswünsche der Frauen zu finanzieren), der totalen Aufgabe eines eigenen Geschmacks (zumindest in den eigenen vier Wänden) oder eben einer fast übermenschlichen Liebe zu der darin herrschenden Frau.

P.S.1: Ja, ich weiß, die Masse der Paare ist durchaus in der Lage gesunde Kompromisse zu finden, wenn es um die Einrichtung der privaten vier Wände geht.

P.S.2: Die Wohnungen/Häuser, in denen mir kaum Raum für darin lebende Männer zu bleiben scheint, sind übrigens meistens auch nicht kinderkompartibel. Außer natürlich es wird darauf spekuliert, dass die Kinder die tolle Einrichtung und die Dekostücke regelmäßig in Scherben und Trümmer zerlegen und so regelmäßig neue Gelegenheiten für Umdekorationen, Neukäufe, Renovierungen, Flohmarktbeutezüge und die Umsetzung neuer kreativer Deko-Ideen eröffnen.

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Privates ·Tagesnotizen 2015

Tagesnotizen

An den Ostertagen war hier bei uns in Mecklenburg sonniges aber kühles Wetter. Das zog sowohl die Einheimischen wie angereiste Gäste viel hinaus in die frische Luft. Überall sah man Spaziergänger, Wanderer und Radfahrer. Dabei bekam ich zufällig eine interessante Szene mit.

Eine Familie war mit ihren Gästen zu einem Spaziergang unterwegs. Neben noch kleineren Kindern hatten sie zwei etwa 5 oder 6jährige Kinder dabei, die auf ihren kleinen Kinderfahrrädern vorweg radelten.

Nun unterliegt mancher einem Irrtum und denkt, da hier ja Norden ist, bei uns sei es flach und eben. Doch unsere Gegend heißt nicht ganz umsonst »Mecklenburgische Schweiz«. Hier geht es eher auf und ab. Wenn dann noch der Wind hinzu kommt, dann kann das beim Radfahren durchaus herausfordernd werden. Jedenfalls eines der beiden Kinder legte sich plötzlich ordentlich in die Pedale und radelte drauf los wie Blücher. Das andere Kind versuchte nachzukommen, doch recht schnell zeigte sich, dass es nicht genug Puste und Kraft hatte und nicht schnell genug nach kam. Der Abstand zum ersten Kind vergrößerte sich zusehends. Da rief das hinterher radelnde Kind plötzlich laut: »Ich bin übrigens nicht mehr Deine Freund!« Das erste Kind radelte weiter. Jetzt schrie das hintere Kind noch einmal: »Ich bin nicht mehr Dein Freund!«

Das vorausgeradelte Kind bremste abrupt, stieg von seinem kleinen Fahrrad und wartete, bis das andere Kind auf gleicher Höhe war, und die beiden begannen diese Ankündigung auszudiskutieren. Die Diskussion konnte ich auf die Entfernung nicht mehr ausreichend verstehen, aber die Szene ist mir nachgegangen. Je länger ich darüber nachdachte, desto mehr fand ich, sie hat in gewisser Weise etwas Exemplarisches.

Natürlich, wenn man als Erwachsener Zeuge einer solchen Szene wird, lächelt man, oder wirft sich bedeutungsvolle Blicke zu oder macht sogar eine Bemerkung à la »Typisch Kinder!« Man nimmt diesen Ruf »Ich bin nicht mehr Dein Freund!« nicht wirklich ernst. Kinder halt! Die sagen schnell mal sowas und fünf Minuten später ist es vergessen. Das stimmt ja meist auch. Aber ich dachte bei mir, das ist ein Muster, das sich bei gar nicht so wenigen Erwachsenen später wiederfindet. Natürlich in den meisten Fällen viel subtiler, aber eben doch.

Selbst unter Freunden herrscht ein gewisser Wettbewerb. Wer macht den besseren Studienabschluß? Wer legt die erfolgreichere Karriere hin? Wer findet und gewinnt den/die bessere/n Partner/in? Wer hat die besser geratenen Kinder? Wer kocht die schmackhaftesten Rezepte? Wer ist am stilvollsten eingerichtet? Wer macht am häufigsten die tollsten Tripps, etc. etc. Vieles von dem läuft unterschwellig ab. Aber es ist schon erstaunlich, wie viel Wettbewerb, Eifersucht und Neid auch unter Freunden herrscht.

Ich habe den Eindruck, dass immer weniger Erwachsene es ertragen können, das andere erfolgreicher, schneller, wohlhabender sind als sie selbst. Dass es sich andere leisten können öfter ins Konzert, Theater, Kino oder auf das tolle Festival in XY zu gehen (zu denen ich liebend gerne auch gehen würde! - Wenn mich die überhaupt nicht interessieren, dann fällt es mir natürlich leicht, es dem Freund oder der Freudin zu gönnen). Die an und für sich sympathische Kollegin geht viel häufiger und hochpreisiger essen als man selbst? Was? Der Kollege macht schon wieder einen Städtetripp mit seiner Liebsten? Die Freundin schickt schon wieder eine Postkarte aus London, Amsterdam oder Kopenhagen? Und die Freundin leistet sich, ohne mit der Wimper zu zucken, die teuere Naturkosmetik von XY mit der ich auch schon so lange liebäugle?!

Klar, gönne ich der besten Freundin, dem guten Freund alles Gute im Leben. Aber irgendwie nagt der Wurm doch an mir. Was mach ich falsch? Wieso kann sie/er sich das und jenes leisten? Wieso hat sie den erfolgreicheren Partner erwischt, oder die besser bezahlte Karriere hingelegt und nicht ich? Merkt sie/er denn nicht, dass ich kaum noch hinterher komme, ja dass ich langsam zurückbleibe?

Und irgendwann ist er da der Satz: »Übrigens, ich bin nicht mehr Dein Freund!« Jedenfalls irgendwo im Kopf oder tief im Herzen verborgen. Ich kann nicht mehr mithalten mit Dir! Du rast mir davon und das ertrage ich nicht mehr. Und nein, es hilft mir auch nicht mehr wirklich, dass Du großzügig bist und mich ganz selbstverständlich zu diesem Konzert oder dem neuen Kinofilm eingeladen hast. Ich ertrage es nicht mehr, von Dir (eigentlich um unserer Freundschaft willen - und nicht weil Du angeben willst) zum Essen eingeladen zu sein. Deine liebevoll ausgesuchten Geschenke (ohne böswillige Hintergedanken) erreichen mich nicht mehr, sie machen mich bitter und wütend. Weil meine Geschenke für Dich, die ich mir mühsam vom Mund abgespart habe, daneben nur noch lächerlich und klein wirken (jedenfalls wenn ich mit meinem schon mißtrauischen Blick darauf schaue).

Oder umgekehrt: Ich fühle mich irgendwie mies, weil es mir so gut geht und ich merke, Dir geht es weniger gut. Ich fühle mich verpflichtet, Dir Anteil an meinem »mehr« zu geben und dieses Gefühl gefällt mir nicht. Ich kann mich an meinem eigenen Wohlstand nicht mehr uneingeschränkt freuen, weil ich um Deine finanziellen Nöte weiß und mir das die Freude verdirbt. Oder ich fühle mich nicht verpflichtet, Dir Anteil an meinem »mehr« zu geben, ich möchte es gerne, einfach so, aber ich weiß nicht recht wie. Ich will Dich nicht verletzen, wenn ich Dir gebe. Ich fühle mich zunehmend unbehaglicher. Ich fange an, Dir zu verschweigen, wenn ich mir etwas gönne oder kaufe, um Dich nicht neidisch zu machen. Ich hasse es, mich so zu fühlen. Bald jedes Wort auf die Goldwaage legen zu müssen. Irgendwie stichst Du heraus aus dem Kreis der Menschen, mit denen ich zu tun habe (und die sich jedenfalls größtenteils auf meiner finanziellen Etage bewegen, während Du im Erdgeschoß oder Keller wohnst). Und irgendwann ist er dann da der Satz »Übrigens, ich bin nicht mehr Dein Freund!«

Kann sein, irgendwann wird dieser für eine Freundschaft verheerende Satz tatsächlich laut ausgesprochen. Als Endpunkt eines Wortwechsels voller Vorwürfe. Kann sein, er bleibt für immer unausgesprochen, aber seine Wirkung ist trotzdem verheerend. Weil wir uns still und leise nach und nach oder abrupt zurückziehen vom Freund, der Freundin.

Gleich und gleich gesellt sich gern, das gilt meist auch was den persönlichen Finanzrahmen angeht. Wahre Freundschaften zwischen Menschen, die finanziell aus sehr unterschiedlichen Welten kommen, ist tatsächlich eher selten. Natürlich gibt es auch die »Freundschaften«, in denen einer der protzig Gebende ist, und der andere der schmarotzernde Nehmende. Beide bekommen, was sie wollen und beide halten die Freundschaft deshalb für gut. Tatsächlich aber hält die Freundschaft nur so lange, wie es genau so weitergeht.

Es ist schwierig eine gute Balance hinzubekommen, wenn einer deutlich wohlhabender ist, als der andere. Da stehen eine Menge Fettnäpfchen mehr herum, in die man unbeabsichtigt treten kann. Sowohl als die/der Wohlhabendere, wie als die/der weniger wohlhabendere Freund. Eine schwierige Konstellation, die allen Beteiligten viel Großzügigkeit und viel Feingefühl abverlangt, damit kein böses Blut entsteht und nicht doch irgendwann der Satz »Übrigens, ich bin nicht mehr Dein Freund!« anfängt im Verborgenen zu keimen und zu wachsen, bis die Freundschaft zerstört ist.

Und je unsicherer die Verhältnisse werden, je weniger sicher wir sein können, dass z.B. unsere Karriere weiter bergauf geht, unser Einkünfte gesichert sind und unsere Leben in guten Bahnen bleibt, desto mehr ahnen wir, dass viele unserer Freundschaften längst nicht so stabil sein könnten, wie wir im Moment noch denken. Wir fürchten uns schon vorab davor, irgendwann den Satz »Übrigens, ich bin nicht mehr Dein Freund!« tatsächlich zu hören (oder selber auszusprechen).

Übrigens, es müssen nicht zwangsläufig die finanziellen Rahmenbedingungen sein, die zu solchen Konflikten und einem solchen Satz, ob nun ausgesprochen oder nur gedacht, führen. Es kann auch sein, jemand kann aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr das Lebenstempo des anderen mithalten. Jemand findet einen Partner, gründet eine Familie und seine Lebenswelt entwickelt sich weg von der der Freundin / des Freundes, der Single bleibt, sich nicht dauerhaft bindet und seinerseits in einer ganz anderen Lebenswelt unterwegs ist.

Wie viel Unterschiede halten unsere Freundschaften heutzutage noch aus? Zumal wo es jetzt das Internet mit Facebook, Twitter und ähnlichen Andockpunkten gibt, wo wir problemlos Menschen finden können, die sich auf dem gleichen oder doch wenigstens einem sehr ähnlichen Level bewegen wie wir, egal um welche Bereiche des Lebens es sich handelt. Heute ist es sagenhaft einfach, sich nur noch mit Menschen zu umgeben, die in der eigenen Filterbubble des Lebens unterwegs sind.

Klar, manche lesen gerne Blogs von Menschen aus anderen Lebenswelten. Das hat einen gewissen Reiz. »So etwas erweitert ja den eigenen Horizont!« und wir können uns dann rühmen, »das wir ja über unseren eigenen Tellerrand hinaus gucken«. Aber allzu viel wollen wir im Regelfall dann doch nicht tatsächlich mit Menschen dieser Art in Berührung kommen und wenn, dann höchstens zu unseren eigenen Bedingungen. Wirklich auf sie einlassen, dauerhaft mit ihnen leben? Das ist nochmal ein ganz anderer Schuh. Und Freundschaft, na, das überlegen wir besser nochmal sehr sehr gründlich.

Überhaupt, ist das Leben heutzutage nicht für die meisten von uns eh schon stressig genug? Wieso sollte ich mir dann Beziehungen »aufladen«, die mir noch zusätzliche Anstrengungen abverlangen? Irgendwann, muss auch mal um mich und meine Bedürfnisse gehen. Also, wenn Du es schaffst, Dich auf meinem Level des Lebens zu bewegen, wenn Du mit mir mithalten kannst, dann, ja dann können wir vielleicht Freunde sein und bleiben.

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