Tagesnotizen
»verächtlich lächeln« - eine wirklich seltsame Kombination von böse und gut. Zudem eine, bei der das Böse das Übergewicht über das Gute gewinnt. Das Verächtliche entwertet und verdirbt das Lächeln. Das Lächeln ist zu schwach, um das Verächtliche zu überstrahlen und damit wegzuwischen. Und überhaupt, wieso drückt sich beim Menschen Verachtung (zumindest manchmal) ausgerechnet in einem Lächeln aus?
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Es ist (m)eine Entscheidung, nicht die Traurigkeit, sondern die Freude zu wählen, nicht den Pessimismus, sondern den Optimismus, nicht die Resignation, sondern die Aktion, nicht die Verzweiflung, sondern die Hoffnung.
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»So called ?late-bloomers? get a bad rap. Sometimes the people with the greatest potential often take the longest to find their path because their sensitivity is a double edged sword - it lives at the heart of their brilliance, but it also makes them more susceptible to life?s pains. Good thing we aren?t being penalized for handing in our purpose late. The soul doesn?t know a thing about deadlines.«
- Jeff Brown
Spätzünder sein - auch so ein Thema. Die Zeiten sind ungünstig für Spätzünder, wenn alle nur Wunderkinder oder wenigstens hochbegabte Kinder wollen, die mit drei schon fließend in Mandarin parlieren oder ähnliche Fähigkeiten an den Tag legen.
Mit Jeff Browns vorletztem Satz stimme ich nicht überein. Heute wird bestraft, wer nicht schnell genug parat steht (»Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben die Gesellschaft«), wer nicht schnell genug zeigen kann, wozu er oder sie fähig ist, bekommt unter Umständen keine zweite Chance mehr. Ist schneller aussortiert als er oder sie »Moment« sagen kann.
Die allgemeine Ungeduld heute überall. Alles sofort und gleich und am besten schon vorgestern. Bloß nicht warten müssen, auf gar nichts! Verhasste Warteschlangen, Unmut über Alte, die mühselig ihre Cents im Geldbeutel sortieren. Ein Zug, ein Flug verspätet wird als persönliche Katastrophe empfunden und der Ärger darüber verstellt die Chance die Wartezeit sinnvoll zu nutzen.
Wer sich Zeit nimmt oder lässt, ist übelsten Verdächtigungen ausgesetzt, wenn Produktivität alles ist, Selbstoptimierung ein Ideal und Burnout fast wie ein Verdienstorden getragen wird. Nichtsnutz, Schmarotzer, Faulpelz, Versager!
Wer nicht mithalten kann im Wettrennen, wird aussortiert, ausgegrenzt, stigmatisiert und dann vergessen, weil die anderen schon längst drei Kurven weiter sind.
Alles schnell, schnell, keine Zeit für Entwicklung über lange Zeiträume. Erfolge müssen immer schneller errungen werden. Es spielt keine Rolle, wie lange die Erfolge anhalten. Kein Nachdenken über Konsequenzen, Langzeitfolgen, etc. Hauptsache jetzt, was schert mich das Morgen, denn morgen bin ich tot. Gnade einer den Nachkommen!
Wie viel Talent wird so verhindert, vernichtet, nur weil es nicht in irgendwelche Systematiken, Statistiken, 1-, 2-, 3-, 5-Jahrespläne oder die eng getakteten Zeitrahmen irgendwelcher Schul- und Studienpläne oder gar Apps paßt? Wer nicht der Entwicklungs- und Fortschrittsnorm entspricht, wird demotiviert und abgeschrieben. »Aus dem / der wird nichts mehr!« Ja, das gab es schon zu allen Zeiten und doch kommt es mir vor, wir leben in einer Zeit, wo das ins Extreme getrieben wird. Passt Du nicht in den vorgegebenen Zeitplan, kann man Dich nicht zum gewünschten Zeitpunkt brauchen und nutzen, dann bist Du uninteressant, im schlimmsten Fall »wertlos«.
Und zu viele können sich von diesem Druck nicht frei machen und glauben, was ihnen gesagt und suggeriert wird. Fühlen sich selbst unbegabt, unbrauchbar, wertlos, weil sie nicht über den Horizont hinaus schauen können und dahinter das Land entdecken, das auf sie wartet und das sie einnehmen könnten, wenn sie nur geduldig ihr Schiff weitersegeln würden, egal welche Stürme sich auftürmen, egal wer alles versucht, sie von ihrem Kurs abzubringen und egal, wie lange es dauert.