Privates ·Tagesnotizen 2015

Tagesnotizen

»Mut zum Versagen. Das Beste geben, auch wenn man von Vornherein denkt, es wird nicht genügen.«
- Karl Ove Knausgård, Alles hat seine Zeit [entdeckt bei der Mützenfalterin]

Das schlägt eine Saite in mir an. Mir wurde beigebracht, Fehler zu fürchten. Fehler wurden mit Versagen gleichgesetzt. Und versagt werden durfte auf keinen Fall. Weltuntergang, sozusagen. Egal ob es sich um größere oder kleinere Dinge handelte. Die wichtigen und positiven Seiten des Fehlermachens habe ich erst Jahrzehnte später entdeckt und wenigstens teilweise für mich nutzbar machen können.

Und doch, ich muss mich immer wieder neu daran erinnern. Nicht gleich aufstecken, aus Angst davor Fehler zu machen oder am Ende nicht zu genügen. Das Beste geben, unabhängig davon, wie das Endergebnis ausfallen wird. Nicht den eigenen (oder auch fremden) Prophezeiungen über das Ende glauben. Ich kann weder wissen noch voraussagen, wie etwas enden wird.

Es zählt nicht nur das Ende oder das Ergebnis, es zählt auch der Weg dorthin. Ja, ja, ich weiß, das gute alte »Der Weg ist das Ziel«. In dem Fall gilt für mich »Tausendmal gehört. Tausendmal ist nix passiert. Tausend und ein Tag
und es hat Klick gemacht
«.

Die Erfahrungen, die ich auf dem Weg sammle, sind in sich schon ein Gewinn, selbst wenn das Endergebnis nicht perfekt ist oder das anvisierte Endziel so nicht erreicht wird.

Der Wille, das Beste zu geben, soll mich antreiben, nicht die Angst. Und schon gar nicht, soll die Angst mich so hemmen, das ich am Ende gar nichts gebe, weil ich denke und fürchte, es wird sowieso nicht genügen.

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Vor einiger Zeit las ich einen Artikel in dem irgendwann ein Satz auftauchte, in dem die Rede war von drive-by- oder walk-by-kindness. Also grob übersetzt, die Freundlichkeit im Vorüberfahren oder Vorübergehen. Das hat mir sehr gefallen, und ich dachte, dass wir viel zu wenig von dieser Art Freundlichkeit praktizieren.

Solche Freundlichkeit im Vorübergehen wäre es, z.B. einer Kassiererin im Supermarkt wenigstens für ein paar Sekunden in die Augen zu sehen und ihr ein paar freundliche Worte oder wenigstens ein Lächeln zu schenken. Oder jemanden die Tür eines Ladens oder Aufzugs aufzuhalten. Oder jemandem unaufgefordert zu helfen, etwas Schweres zu tragen, oder, oder, oder.

Oder man macht jemandem (einem Fremden, oder auch einem Freund) einfach mal ein aufrichtiges Kompliment. Ich meine, wie oft bewundern wir Fähigkeiten oder Eigenarten, die ein anderer Mensch hat, aber wir verlieren nie ein Wort darüber. Alles bleibt in unserem Kopf. Wir alle sehnen uns nach Bestätigung und freuen uns über Anerkennung. Aber wir gewähren sie uns im Regelfall eher selten. Kein Wunder, das viele Menschen sich schwer tun, wenn sie dann mal ein echtes Kompliment bekommen (ich rede hier nicht von sog. »vergifteten« oder berechnenden Komplimenten).

Daran musste ich heute denken, als ich auf das Blog »A Compliment A Day« aufmerksam wurde. Vermutlich kennt das eh schon die halbe Welt, aber an mir war es bisher vorbeigegangen. Die Person hinter dem Blog ist Rosa Stark, Psychologiestudentin aus Berlin. Sie hat sich vorgenommen, ein Jahr lang jeden Tag einem Menschen ein ehrlich gemeintes Kompliment zu machen und erzählt seit Juni 2014 davon, was sie dabei erlebt. Großartig!

Ich bin motiviert, mir Rosa Stark zum Vorbild zu nehmen, und selber Komplimente zu verteilen. Es muss ja nicht gleich täglich sein, aber doch öfter als bisher. Für mich ist das zugleich eine gute Übung auf Menschen zuzugehen und sie anzusprechen, was mir eher schwerfällt. Aber, Übung macht den Meister! Einfach mal anfangen mit dem Komplimente machen, und statt gleich wieder im Kopf zu »prophezeien« wie das enden wird, mutig vorwärts und mein Bestes geben. Schlimmeres als ein paar auf’s Maul kann mir ja eigentlich nicht passieren. ;-) Und wenn es gut läuft, dann ist es eine win-win-Situation und gleich zwei haben was davon.

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Im Hinblick auf meinen »Schlafrhythmus-Umstellungs-Versuch« fand ich den Artikel »Die Diktatur der Lerchen« von Theresia Enzensberger bei den Krautreportern lesenswert.

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Was übrig blieb vom Tag:

  • Über Nacht haben wir wenigstens ein bisschen Schnee bekommen, der sogar liegen geblieben ist. Ich hab mich den ganzen Tag über am Ausblick auf die verschneite Landschaft erfreut
  • Ansonsten verlief der Tag völlig anders als gedacht und geplant, ich konnte aber problemlos umdisponieren und mich mit dem Tag anfreunden
  • Den 1000 Tode schreiben-Bonustext im Blog »erstveröffentlicht«
  • Große Ereignisse warfen ihre Schatten voraus
  • Pastinaken-Süßkartoffel-Suppe mit Speckwürfelchen und frischem Brot schmeckt überraschend gut
  • Der bestellte Tee-Nachschub von Løv ist gekommen. Ich trinke abends ganz gerne deren Grüner Rooibos Ananas-Minze-Tee. Eigentlich hatte ich noch mit dem neuen Pfirsich-Johannisbeere-Tee geliebäugelt. Aber angesichts des Preises war es mir dann zu riskant, den einfach zu bestellen. Ich hatte ein bisschen darauf spekuliert, dass vielleicht eines der drei Probetütchen, die den Bestellungen beigelegt werden, ein Pfirsisch-Johannisbeere-Tee wäre. Aber leider war das nicht der Fall. Schade, muss ich also warten, bis ich vielleicht irgendwo mal so einen Probeteebeutel in die Hände bekomme.
  • Ich darf mich weiter in Vorfreude üben (nein, die erwartete Postsendung kam auch heute nicht)
  • Mein aktuelles Häkelprojekt neigt sich langsam aber sicher dem Ende zu, und ich hab schon zwei neue mögliche Projekte im Blick. Für eines davon konnte ich heute schon erste Vorbereitungen erledigen.

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