PROGRAMM: Magazin für Fernsehen und Kultur
Es gibt ja eine Menge, worüber man sich beklagen und meckern kann, was das Fernsehen angeht. Dasselbe gilt für die Fernsehzeitschriften, die im einschlägigen Handel käuflich zu erwerben sind.
Jetzt haben sich ein paar kompetente Leute, nämlich Martin Schmitz-Kuhl, Christian Sälzer und Andrea Ruhland, mal Gedanken darüber gemacht, wie eine Fernsehzeitschrift noch aussehen könnte und ein - wie ich finde - tolles und interessantes Konzept entwickelt.
Das fängt schon beim äußeren Erscheinungsbild an. Keine mehr oder weniger entblößten Frauen, die alle so gleich aussehen, dass man sich jedesmal im Laden wieder fragt, ob man diese Zeitschrift nicht doch schon zuhause liegen hat. Und auch inhaltlich ist diese Zeitschrift ganz anders, nämlich eigentlich ein Magazin. Es nennt sich »PROGRAMM: Magazin für Fernsehen und Kultur«, soll 14-tägig erscheinen und bietet weit mehr als nur die übliche unübersichtliche Auflistung von allem, was die Flimmerkiste so her gibt.
Jedes Heft enthält eine Aufmachergeschichte. Was das Fernsehprogramm angeht, so wird nur aufgeführt, was es wirklich wert ist, gesehen zu werden. So findet z.B. ARTE mehr Platz im Magazin als Vox. Sender wie RTL II sind erst gar nicht aufgeführt. Falls sich in deren Programme doch mal ein Zufallstreffer befindet, wird dieser in einem extra Kasten »Und sonst« genannt. Eigene Rubriken gibt es für Radio, Theater, Literatur, Musik und Kunst. Ein Magazin, dass man also auch zur Hand nehmen kann, wenn man mal nicht fernsehen will.
An die lieben Kleinen ist übrigens auch gedacht! Sie bekommen »GLOTZILLA« das dem Magazin »PROGRAMM« als Beilage hinzugefügt wird.
Die Entwickler haben ihr Konzept bei diversen einschlägigen Verlagen vorgestellt und durchweg ablehnende Bescheide bekommen. Mitten in der Zeitschriftenkrise, ist da wohl den Verlagen der letzte Mut abhanden gekommen. Eine der Begründungen lautete z.B. die Zielgruppe sei zu »spitz« (zu klein). Ich teile die Ansicht der Entwickler, dass sich tatsächlich doch wesentlich mehr Menschen für dieses Magazin interessieren könnten, als die Verlage glauben.
Klar, jetzt kann man argumentieren, dass man gar keine Fernsehzeitschrift mehr braucht, zumindest wenn man über einen Internetanschluß verfügt, denn im Internet kann man sich ganz kostenlos informieren, was im TV auf den diversen Sendern läuft. Aber dieses Magazin bietet ja viel viel mehr und ist dabei schön aufgeräumt und übersichtlich und es erspart einem »das große Rauschen«. Mir gefällt das Konzept der Konzentration auf das wirklich Wichtige und Herausragende.
Zum Glück haben sich die Entwickler nach all den ablehnenden Bescheiden dafür entschieden, das Konzept nicht einfach sang- und klanglos in irgendeiner Schublade verschwinden zu lassen oder gleich ganz zu entsorgen sondern wählen einen anderen Weg. Sie versuchen über das Internet potentielle Leser des Magazins zu finden und sie zu motivieren ein Zeichen zu setzen und so vielleicht die Verlage dazu zu bringen, sich nochmal zu überlegen, ob sie das Wagnis nicht vielleicht doch eingehen sollten.
Deshalb ist »PROGRAMM«,
»die einzige Zeitschrift auf der Welt, die man abonnieren kann, obwohl es sie noch gar nicht gibt.
Ein Abonnement ist ebenso Protest wie Bekenntnis: Protest gegen den Kleinmut der Verlage und Bekenntnis zu dem Wunsch, nicht mit Kopien von Kopien abgespeist zu werden.«
Auf der Website kann man sich einige Seiten aus einem »Dummy« ansehen und bekommt so einen ersten Eindruck, wie das Magazin aussehen könnte, würde es publiziert.
Seit Januar 2009 läuft die Abo-Kampagne und die Entwickler bekommen viel Lob und Zuspruch für diese wirklich mal innovative Idee, sowohl von der Zielgruppe (sprich potentiellen Lesern) als mittlerweile auch in diversen Medien. 700 Menschen haben bereits für ein Abo gezeichnet aber das sollen natürlich noch viel mehr werden.
Was ich nicht gefunden habe, ist eine Angabe darüber, was das Magazin am Ende in etwas kosten soll, was daran liegen könnte, dass die Entwickler das selbst noch nicht genau sagen können oder aber dass ich es schlicht übersehen habe. Mit dem Zeichnen für ein Abo gibt man übrigens nur »eine Absichtserklärung« ab,
»ein Abonnement tritt damit noch nicht in Kraft. Sobald die erste Ausgabe von PROGRAMM erscheint und Preis sowie Erscheinungsweise bekannt sind, werden Sie angeschrieben und gefragt, ob Sie PROGRAMM verbindlich abonnieren wollen.«
Ich kann nur wärmstens empfehlen, dass Ihr Euch mal - soweit ihr von dieser Idee, dem geplanten Magazin, noch nicht gehört habt, die Internetseite mal genauer anseht und noch besser wäre natürlich, wenn Ihr auch für ein Abo zeichnen würdet, denn es wäre wirklich schade, wenn diese innovative Idee nicht umgesetzt werden könnte!