Liisas Fotos ·Privates

Von brennenden Menschen, Fotofrust und zerstörerischen Mantras aber auch mit einem versöhnlichen Ende

Ranunkeln und Freesien - © Liisa

Vor kurzem habe ich einen Bericht über die aktuelle Lage in Tibet gesehen. Dort verbrennen sich seit Monaten immer wieder Mönche, Nonnen und junge Tibeter aus Protest gegen die Unterdrückung durch China. Ein extrem starke Signal, dass sie damit setzen auch wenn »die Welt« offenbar kaum Notiz davon nimmt. Seither denke ich darüber nach, was das für Menschen sind, die sich da verbrannt haben. Es gibt ja kaum einen schrecklicheren Tod, als lebendig zu verbrennen und sich das freiwillig selbst anzutun, ist für mich fast unvorstellbar. Was für Biographien haben diese Menschen? Wie verzweifelt müssen sie sein? Was bringt einen Menschen dazu, sich zu einem solch drastischen Schritt durchzuringen? Was erhoffen sie sich wirklich davon? Was für einen Willen und eine Kraft zur Selbstüberwindung müssen sie haben? Ehrlich gesagt, ich weiß immer noch noch nicht, was ich von diesen Selbstverbrennungen halte, geschweige denn, wie man (die Welt) darauf reagieren sollte oder könnte. Es kommt mir so sinnlos, so vergeblich vor - und irgendwie erschreckt mich das Potential an Gewalt gegen sich selbst, das auch dahinter steckt.

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Bei den Überlegungen, warum ich im Moment recht wenig fotografiere, darauf gekommen, dass es nicht nur daran liegt, dass ich immer noch so viel anderes zu tun habe und das Wetter auch nicht gerade dazu einlädt. Vielmehr bin ich mal wieder in der »Falle des Vergleichens« gelandet. Ich sehe so viele tolle (gestylte), nahezu perfekte Fotos von anderen. Dann schaue ich meine eigenen Fotos an und sie erscheinen mir »nicht gut genug«, um sie dem inzwischen so verwöhnten Publikum auch noch aufs Auge zu drücken.

Mich ziehen im Moment eher Fotos an, die Schnappschüsse sind, die kleine Details und Momente einfangen, ohne dabei so perfekt und gestylt daher zu kommen, oder solche, denen es gelingt, so etwas wie Atmosphäre zu transportieren oder im günstigsten Fall, mein Kopfkino in Gang zu setzen. Ich würde auch gerne so fotografieren aber ich merke immer wieder, dass ich das nicht richtig hinbekomme. Ich habe mich gefragt, woran das liegen könnte und festgestellt, dass ich in dem Moment, wo ich durch den Sucher schaue, eben doch wieder versuche ein möglichst perfektes Bild hinzubekommen (wozu mir aber weitestgehend das Handwerk und nötige Fachwissen fehlen) und am Ende steht wieder das Urteil »nicht gut genug«. Das alles frustriert mich und hält mich im Moment vom Fotografieren ab. In meiner Seele weiß ich, was ich abbilden will aber mein Kopf spult sein erlerntes Programm ab und am Ende kommen Fotos dabei heraus, die mein Seele unzufrieden und manchmal sogar traurig zurücklassen (mal von einigen wenigen highlights abgesehen).

»Nicht gut genug!« - dieses mich durch mein Leben verfolgende Mantra. Von anderen als kleines Samenkorn in mich gepflanzt und dann ab irgendeinem Punkt von mir gewässert und gehegt, bis es zu einem erstickenden Mantra-Unkraut und Mantra-Gestrüpp gewachsen ist, das mich immer wieder erstickt oder zu ersticken droht.

Irgendwann habe ich dann gemerkt, was ich da gewässert und gehegt habe und seither versuche ich es wieder loszuwerden. Aber es ist so anstrengend, immer wieder gegen dieses Unkraut anzukämpfen und sich wieder und wieder aus diesem Gestrüpp herauszuarbeiten. Immer wieder schleicht es sich in meine Tage, flüstert mir ins Ohr »nicht gut genug«, bremst mich aus, lähmt mich, lässt mich innerlich erstarren oder nimmt mir die Freude an dem, was ich tue bzw. getan habe. »Nicht gut genug!« … aber wer bitte definiert denn, was »gut genug« ist, wenn ich selber scheinbar unfähig bin, das für mich selbst zu definieren? Wenn das Maß meiner eigenen Messlatte, ein verfälschtes ist?

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Endlich habe ich Ranunkeln bekommen, die herrlich aufblühen und sich Blatt für Blatt und in voller Farbenpracht entfalten. Jedes Mal, wenn ich sie sehe, freue ich mich.

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