Jahresrückblick

Januar
Ein holpriger Jahresstart, Krankenhausbesuche inklusive einer improvisierten Geburtstagsfeier im Krankenhaus für die weltbeste WG-Genossin. Ich rette mich mit »Am Schreibtisch - Thomas Mann und seine Welt« von Inge Jens und Wolfgang Herrndorfs »Arbeit und Struktur« durch den Monat.
Kultureller Höhepunkt die Fahrt nach Schwerin, und dort der Besuch der Gemäldegalerie mit der Sonderausstellung »Kosmos der Niederländer - Die Schenkung Christoph Müller«
Februar
Philip Seymour Hoffman stirbt mit nur 46 Jahren.
Insgesamt ein schwieriger Monat. Ich lese »Verwüstung - Eine Geschichte des Dreißigjährigen Krieges« von Peter Englund und »Sterben« von Karl Ove Knausgård, die beide viel Stoff zum Nachdenken liefern.
Ordentlich Holz gehackt, bis der rechte Arm nicht mehr mitgemacht hat (es wird über ein halbes Jahr dauern, bis der Arm wieder komplett schmerzfrei ist). Der Winter bleibt weiterhin aus.
Wir eröffnen also kurzerhand die Grillsaison 2014.
Olympische Winterspiele in Sotschi, die bis auf einige Biathlon- und Skispring-Wettbewerbe an mir vorbeigehen.
Der erste grippale Infekt des Jahres.
März
Monatsauftakt mit einer Migräne aus der Hölle
Ein fremder Kater schafft es, man weiß nicht wie, auf meinen Balkon und gratuliert mir dort als erster Überraschungsgast zum Geburtstag.
Das erste Mal in diesem Jahr die Füße wieder in »unseren« See gehalten, das Wasser noch eiskalt
Helle Freude über den Bild- und Textband »Kempowskis Rostock«, der mich durch den Monat begleitet und viele Recherchen zur Geschichte Rostocks nach sich zieht.
Sa?a Stani?ić erhält zu meiner großen Freude den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik für seinen neuen Roman »Vor dem Fest«.
Wir feiern einen runden Geburtstag mit und essen grandiose Torten.
Das neue Album »Aftermath« von Hundreds begeistert mich.
Die erste Wanderung des Jahres durch das Burgtal.
April
Der Monat beginnt mit Sand aus der Sahara der Teile Europas überzieht , einer sehr frühen Rapsblüte und bringt viel Kopfschmerzen und Müdigkeit.
Ich lese »Der Distelfink« von Donna Tartt. Nicht schlecht, manchmal sogar richtig gut, aber in den allgemeinen Jubel kann ich nicht so recht einstimmen. Ertragreicher und für mich natürlich interessanter die Lektüre von »Reisen in Uwe Johnsons Mecklenburg« von Wolfgang Geisthövel.
Ein Highlight die Dokumentation »24h Jerusalem«
Wanderung mit anschließendem Kaffee-Picknick am Großen Glasower See inklusive Füße im See
Zunehmende Sorgen um gesundheitlich sehr angeschlagene Familienmitglieder, und diverse Versuche, so gut es geht, Hilfe und Unterstützung zu geben.
Die Natur wird zunehmend grüner, und ich freue mich wie ein kleines Kind über all das frische Grün
Der Schriftsteller Gabriel García Márquez verstirbt mit 87 Jahren.
Am Monatsende dann Aufbruch in den Urlaub in der Türkei, wo wir sehr liebe Menschen nach langer Trennung wiedersehen.
Mai
Die erste Monatshälfte zusammen mit den sehr lieben Menschen an der Ägäisküste der Türkei verbracht und dort zwei Geburtstage gefeiert.
Sonne, Wärme, türkisblaues Meer, Ginster, Zypressen, Palmen, Fischerdörfer, Artischockenfelder, Orangen- und Olivenplantagen, Zitronengärten, wilder Lavendel, frischer gegrillter Fisch, Schwimmen und Tauchen im Meer, Wanderungen entlang der noch frühlingshaft grünen Küste und durch die Berge
Kultureller Höhepunkt des Monats war der Tagesausflug in die Ruinen der antiken Stadt Ephesos
Wieder zu Hause dann leichter Urlaubskater
Badesee-Saison 2014 mit See-Durchquerung eröffnet
Juni
Ein Gartenmonat in diesem Jahr
Ich lese das »Buch des Flüsterns« von Varujan Vosganian
Etliche Besuche bei der Tierärztin unseres Vertrauens (Filippo hat ein »Blutohr«)
Ich stelle meine erste Granny Square Decke fertig.
Frank Schirrmacher ist tot. Herzinfarkt mit 54 Jahren.
Fußball-WM in Brasilien
Das neue Album »Whispers« von Passenger gefällt
Viel Überdenken des persönlichen Ist-Zustandes und einiges an Justierungen
Juli
Schönes Sommerwetter bringt Ausflüge in die Natur und vor allem an die Ostsee, streckenweise verleiden uns Gnitzen den Aufenthalt im Freien
»Das Happiness-Projekt« von Gretchen Rubin gelesen (das mir für den Rest des Jahres ausreichend Inspiration und Motivation verschafft, Dinge im persönlichen Leben anzupacken und zu verändern)
»Jerusalem - Die Biographie« von Simon Sebag Montefiore gelesen; überaus umfangreich und komplex, ein einziges Hauen und Stechen in dieser Stadt von Anfang an. (Ich argwöhne, dass Jerusalem, die heilige Stadt, zugleich die blutigste Stadt auf Erden seit Menschengedenken ist)
weitere Justierungen und Monatsprojekte
Erstmals Quinoa probiert und sehr angetan vom Geschmack
Viel Schwimmen in den Seen rundum
Grundkurs »Paddeln im Kanadier« absolviert und kurz darauf endlich die erste (und hoffentlich nicht letzte) Paddeltour die Peene hinauf
Kulturelles Highlight: der Besuch in der Künstlerkolonie Schwaan und im dortigen Kunstmuseum
Deutschland wird Fußball-Weltmeister
Dirigent Lorin Maazel stirbt im Alter von 84 Jahren
Schriftstellerin und Literaturnobelpreisträgerin Nadine Gordimer stirbt 90jährig in Südafrika
August
ein gemächlicher Sommermonat
wunderbare Wanderung im Warnow-Durchbruchstal
Schauspieler und Komiker Robin Williams nimmt sich im Alter von 63 Jahren das Leben
Ein heftiger Infekt mit lästigem Husten legt mich lahm
Meine zweite Granny Square Decke ist fertig!
Ein Findelhund, den ich schweren Herzens wieder abgeben muss (ans Tierheim, wo er nach wenigen Tagen von seiner Vorbesitzerin mit einer kruden Story wieder abgeholt wird).
September
Wie sich herausstellt, ein Küchenmonat, ich probiere viele neue Rezepte aus
Kulturelles Highlight: der Besuch im Bernsteinmuseum und im Zisterzienserinnenkloster in Ribbnitz
Spaziergang in der Rostocker Heide mit anschließendem Besuch im Jagdschloß in Gelbensande
erstmaliger Strandbesuch in Markgrafenheide und Spaziergang entlang der Küste durch die Dünen in Richtung Darß
Treffen mit lieben Menschen aus dem Internet, so schön!
Ein herrlicher Tag an der Ostsee bei Warnemünde mit der kompletten WG-Mannschaft
Der dritte Erkältungsinfekt wieder mit Husten, der sich als überaus anhänglich erweist (also der Husten)
Bei strahlendem Sonnenschein den wohl sanftesten Sprühregen meines bisherigen Lebens gesehen, ein magischer Moment
Ein Hexenschuß, der mich für zwei Tage stark beeinträchtigt
Das erste Mal Brioche gebacken
Oktober
Anfang des Monats ist das Wetter immer noch so warm, dass wir ohne Jacken auf der Terrasse Mittag essen können
Ein Todesfall
Die Nachrichten aus aller Welt werden auch immer furchtbarer, und ich immer müder und deprimierter über all die Gewalt, Kriege, etc.
Schriftsteller Siegfried Lenz stirbt im Alter von 88 Jahren
Der Chemie-Nobelpreis 2014 geht überraschend nach Deutschland
Der Nobelpreis für Literatur 2014 wird dem französischen Schriftsteller Patrick Modiano zuerkannt
Das Album »The Lancaster Orchestra« von The Lancaster Orchestra alias Carl Mathson erfreut mich überaus
Ich finde mein Wort des Jahres: »Zauberbergzeit« (für die Erkältungs- und Hustenzeit; zu verdanken habe ich es einem Tweet von @ankegroener: »Es ist wieder Zauberbergzeit: Liege bei weit geöffnetem Fenster hustend unter der Bettdecke.«)
Abschied von lieben Freunden, die für wahrscheinlich längere Zeit weit weg sein werden; zum Glück gibt es das Internet, Skype, etc.
Eine ganze Woche Urlaub in Dahme/Schleswig-Holstein mit Blick von der Ferienwohnung aus direkt auf die Ostsee
Das erste Mal im Leben bei einer Kosmetikerin gewesen (interessante Erfahrung)
Auf der Welt sind aktuell erstmals mehr Flüchtlinge unterwegs, als während bzw. unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg und ich werde immer unzufriedener, wie europäische und deutsche Politik mit den Flüchtlingen umgehen; Lippenbekenntnisse werden durch gegenteilige Aktionen entlarvt.
Gegen Ende des Monats unfreiwillig ohne Internet
November
Anfang des Monats ist es immer noch so warm, dass ich nur im Hoodie stundenlang draußen im Garten sein kann
Immer noch unfreiwillig ohne Internet
Ich finde endlich eine neue fähige Friseurin
Endlich wieder mit Internet
Zwei familiäre Todesfälle (einer erwartet, einer überraschend)
25. Jahrestag des Mauerfalls
Rundreise über Bonn, Ruhrgebiet und Hannover
Das erste Mal in meinem Leben (Mies)Muscheln gegessen (Fazit: Wenn es sein muss, kann ich sie essen, aber ich hoffe, es muss nicht noch mal sein)
Ich fange mir den (bisherigen) Hexenschuß meines Lebens, der mich eine Woche fast komplett lahmlegt.
Dezember
Wir beenden das Jahr, wie wir es angefangen haben; Krankenhaus und Krankenpflege für die weltbeste WG-Genossin
Ich lese den ersten Teil des ebooks »1000 Tode«, der mich gedanklich sehr beschäftigt
Ich lese überhaupt viel vor in diesem Monat
Auf dem Weihnachtsmarkt in Rostock esse ich die beste Bratwurst, die ich seit ich hier oben im Nordosten wohne, bisher gegessen habe!
Inspiriert durch die Journalistin, Komödiantin und Aktivistin Stella Young, die erst 32jährig plötzlich verstirbt, schreibe ich einen Brief an mein zukünftiges 80jähriges Selbst.
Der selbsterrichtet Holzbackofen im Garten ist fertig, und wir backen das erste Brot, schwäbische Dinette und Zuckerkuchen
Udo Jürgens verstirbt 80jährig und einen Tag später 70jährig auch Joe Cocker.
Wir feiern Weihnachten und ich bekomme u.a. meinen eigenen original Herrenhuter Stern geschenkt.
Der 2. Weihnachtsfeiertag beschert uns doch noch weiße Weihnachten, und ich mache einen langen herrlichen frühmorgendlichen Schneespaziergang und sehe dabei die Sonne aufgehen
Drei Tage später gibt es über Nacht noch einen kräftigen Nachschlag Schnee, die Sonne scheint am nächsten Tag und ich wandere beseelt durch die verschneite Wunderwelt.
Ansonsten:
Die Idee mir für das Jahr ein Jahresmotto zu wählen war ein Volltreffer. Ich wählte »Wagemut« und das hat mich wirklich durch das ganze Jahr hindurch begleitet, motiviert und inspiriert. Das habe ich zur Tradition erklärt und werde auch für 2015 ein Jahresmotto festlegen.
Das Jahr 2014 in drei Worten: unerwartet - erfreulich - positiv
3 Dinge, die ich 2014 gelernt habe:
- auch Dinge, die mir als »nicht (mehr) zu ändern« erscheinen, können sich ändern und manchmal sogar überraschend leicht
- einfach mal machen, etwas wagen, bereichert das Leben ungemein, selbst wenn man ein Ziel nicht ganz erreicht
- Kochen und Backen ist kein Wettkampf (auch nicht in Perfektion und auch nicht, wenn diverse Foodblogs und TV-Koch- und Backshows einem das Gegenteil zu suggerieren scheinen)! In der Küche locker bleiben und Spaß haben!
Resüme
Das erste Mal, seit ich weiß nicht wie langer Zeit, schaue ich auf ein Jahr zurück, und bin einfach nur dankbar und froh. Es war ein wirklich gutes Jahr für mich in vielerlei Hinsicht. Ein so gutes Jahr, wie ich es eigentlich nicht mehr zu hoffen gewagt hätte. Ich habe viel gelernt, einiges zum Positiven hin ändern können, einiges Negative hinter mir lassen können, und ich habe Hoffnung geschöpft à la »da geht noch mehr!« In diese Sinne schaue ich auch deutlich optimistischer auf das neue Jahr 2015 und ja, ich bin wagemutig und trau mich zu sagen: Ich freu mich auf 2015!