Cat and Co Content ·Privates ·Tagesnotizen 2015

Traurige Nachrichten

Aljoscha - © Liisa

Aljoscha
* 07. April 2007 - 10. Dezember 2015

Du kamst als zartes puscheliges Katerchen zu uns. Dein Fell war und blieb samtig weich und so hattest Du schnell Deinen ersten Spitznamen weg: »Samtelchen«.

Du warst mit Sicherheit der intelligenteste aller Kater, die je bei uns gelebt haben. Du hast immer alles höchst aufmerksam beobachtet und Dir ist nichts aber auch gar nichts entgangen. Zusammen mit Deinem fröhliches Gemüt und Deinen Fähigkeiten, die die der anderen Kater in vielem übertrafen, hattest Du bald einen weiteren Spitznamen. Du warst unser »Jolly Jumper«.

Mit Deiner Gelassenheit und Nervenstärke hast Du sogar unseren Casimir, der bis dahin die Position als nervenstärkster unserer Kater hielt, um Klassen geschlagen. Dich konnte wirklich gar nichts erschüttern. Wo Du lagst, da lagst Du. Mussten wir Menschen eben über Dich hinwegsteigen, oder um Dich herum staubsaugen oder putzen. Kamen fremde Menschen oder kleine Kinder, die begeistert loskreischten bei Deinem Anblick, bliebst Du als einziger der Kater gelassen liegen, hast Dich streicheln lassen, auch wenn es anfänglich manchmal bei den kleinen Kindern etwas ruppiger ausfiel. Es konnte Donnern und Krachen, es konnte Feuerwerken, Du warst nicht zu erschüttern.

Du warst neugierig ohne Ende, immer bereit für das nächste Abenteuer. Wenn sich auch nur die kleinste Gelegenheit für Dich ergab, Dein »Revier« zu erweitern, hast Du sie blitzschnell genutzt. Nach unserem Umzug nach Mecklenburg, hast Du das Haus wirklich bis zum letzten Winkel in Keller und Dachboden erkundet. Manchmal, ohne dass wir es mitbekommen haben. Einen klitzekleinen Dämpfer bekam Deine Abenteuer- und Expeditionslust allerdings, als Du einmal hinter unserem Rücken auf den Dachboden geklettert bist, wir wieder runterstiegen und die Klappe schlossen. Erst nach einer Weile fiel mir auf, dass es so verdächtig still war und ich Dich länger nicht gesehen hatte. Wir suchten Dich erst überall in der Wohnung, fanden aber keine Spur. Irgendwann fiel mir dann ein, dass wir auf dem Dachboden gewesen waren. Ich kletterte hoch, öffnete die Tür und da standest Du und maunztest mich ein bisschen vorwurfsvoll aber auch erleichtert an. Diese Erfahrung hat Dich aber nicht davon abgehalten, es jedes Mal wieder zu versuchen, Dich hinter unserem Rücken auf den Dachboden zu schleichen.

Begeistert warst Du, wenn es in den Garten ging und hast dort Deine ausgiebigen Erkundungstouren gemacht, nicht ohne dabei Unmengen an Gras zu futtern. Gerne hast Du neben mir auf der Terrasse oder direkt auf dem Rasen gelegen und die Sonne genossen.

In Deinen letzten Jahren hast Du Dich zu einem kleinen Brot-Fanatiker entwickelt. Wehe wir ließen irgendwo ein Brot liegen oder stehen. Wir haben Dich mehr als einmal dabei erwischt, wie Du versucht hast ein Brot zu rauben und zu verschleppen - notfalls sogar aus dem Toaster - wohlgemerkt, ohne Dir dabei die Pfoten zu verbrennen!

Du warst ein großer Schmuser und konntest das hingebungsvoll und lange tun, dabei wunderbaren Schnurren und uns so hingebungsvolle Blicke zuwerfen, dass wir völlig willen- und widerstandslos streichelten und streichelten und streichelten …

Leider bist Du mit einer wohl angeborenen Schwäche Deiner Bauchspeicheldrüse zur Welt gekommen. Das führte dazu, dass wir Dich schon gleich am Anfang fast verloren haben. Nur dem unermüdlichen Einsatz von mehreren sehr engagierten Ärzten in einer Tierklinik bei Tübingen war es zu verdanken, dass Du damals - nur wenige Wochen alt - überlebt hast. Von da an war auch klar, dass Du immer eine Spezialdiät bekommen musstest. Das in einer ganzen Schar von Katern zu gewährleisten, war eine besondere Herausforderung für uns Menschen. So gern Du vom Futter der anderen gefressen hättest, so gern, wie Du Trockenfutter mochtest, wir mussten hart bleiben und Du hast es dann auch relativ schnell gelernt, dass das Futter der anderen Kater für Dich tabu war … also, so lange wir in Sichtweite waren, natürlich nur. Wenn sich doch mal die Chance ergab, hast Du Dich blitzschnell über Trockenfutter, das wir aus Versehen nicht gleich wieder verräumt hatten, her gemacht. Leider musstest Du die Rechnung dafür dann recht schnell selbst bezahlen. Das tat uns leid, aber ab und an, hast Du Dir dieses zweifelhafte Vergnügen gegönnt.

Aufgrund Deiner angeborenen Schwäche und den damit zusammenhängenden Erkrankungen hast Du mehr gespuckt als alle unsere anderen Kater zusammen. Wir waren Dir sehr dankbar, dass Du Dir früh angewöhnt hast, das im Katzenklo zu erledigen. Nur in Ausnahmefällen, wenn es wirklich nicht anders ging, hast Du auch mal irgendwo anders hingespuckt.

Noch zweimal ging es Dir gesundheitlich wirklich übel, so dass nicht sicher war, ob Du es schaffen würdest oder nicht. Aber Du hast alle Prognosen Lügen gestraft und Dich zu aller Überraschung jedesmal schnell wieder gefangen und Dich erstaunlich schnell davon erholt. In Deinen guten Phasen, warst Du wie jeder andere Kater und tatsächlich haben wir uns manchmal gefragt, ob Du ohne Deine gesundheitliche Schwäche überhaupt zu bändigen gewesen wärst. Wir hätten Dir trotzdem gewünscht, dass Du gesund und ohne Beeinträchtigungen Dein Leben hättest leben können. Du hast aber wirklich das Allerbeste aus Deinen Möglichkeiten gemacht. Das fanden wir toll.

Deine letzte Großtat, die in die Katzen-Historie in diesem Haus eingegangen ist, liegt noch nicht lange zurück und hat Dir einen weiteren (liebevoll gemeinten) Spitznamen eingebracht: »Mämö«

In den letzten sechs Monaten hast Du deutlich an Gewicht verloren. Bei Dir gab es aufgrund Deiner Erkrankung ja immer starke Gewichtsschwankungen aber diesmal war klar, das geht darüber hinaus. In den letzten Wochen wurdest Du ruhiger und hast schließlich mehr geschlafen als wir es von Dir kannten.

Vergangenen Freitag sind wir mit Dir zur Tierärztin gefahren - mal wieder. Blut wurde abgenommen und die Tierärztin hat zum X-ten Mal geäußert, was für ein toller und ungewöhnlicher Kater Du bist, denn Du hast alles gut mitgemacht und klaglos über Dich ergehen lassen. Das Ergebnis der Blutuntersuchung war nicht gut, aber - wie wir dachten, auch (noch) nicht lebensbedrohlich. Du hattest eine schwere Anämie entwickelt. Wir wollten mit Dir in die nächstgelegene Tierklinik fahren, um dort herausfinden zu lassen, was die Ursache dafür war und ob man Dir helfen könnte.

Gestern Nachmittag ging es Dir mit einem Mal rapide schlechter. Ich habe es zum Glück sofort mitbekommen und mich um Dich gekümmert, so gut es ging. Wir mussten zusehen, wie sich Dein Zustand von Minute zu Minute verschlimmerte. Ein Anruf bei der Tierärztin, in dem wir uns mit Dir als Notfall ankündigten. Dann fingst Du an nach Luft zu ringen, zuwenig Sauerstoff in Deinem Blut. Es hat weh getan, Dich so leiden zu sehen. Du hast zweimal erbärmlich geschrieen. In dem Moment habe ich das allererste Mal so etwas wie Angst in Deinem Blick gesehen. Ich habe Dich auf den Arm genommen und mit Dir geredet und versucht Dich zu beruhigen und es hat funktioniert. Du hast mich angeschaut und angeschaut und hast Dich etwas beruhigt. Ich habe Dich auf meinen Armen ins Auto getragen, wir sind zur Tierärztin gerast. Sie hat sofort gesehen, dass Dir mit keiner Therapie und Medikamentengabe mehr geholfen werden konnte. Wir wollten nicht, dass Du jämmerlich erstickst und sich in Deinen Augen wieder diese panische Angst zeigt. So haben wir die Entscheidung getroffen, Dir zu helfen und Dich gehen zu lassen.

Ich habe Dich auf meinen Armen zurück ins Auto getragen und den ganzen Weg zurück nach Hause weiter gestreichelt, während meine Tränen auf Deinen kleinen, nun ruhigen und nicht mehr von Zuckungen geschüttelten Körper, getropft sind. Du liegst nun neben Deinem alten Freund Galileo, der Dir vorletztes Jahr vorausgegangen ist.

Wir können es noch nicht fassen, dass Du nicht mehr hier bei uns bist. Den gestrigen Tag mit unserem Erleben müssen wir erstmal verarbeiten und Deine beiden Kumpel Jaromir und Filippo trösten, die auch noch nicht verstanden haben, dass Du für immer weg bist.

Wir haben trotz aller Herausforderungen, die Deine gesundheitliche Kondition mit sich brachte, keinen Tag bereut, das Du Teil unseres Lebens geworden bist und hätten Dich zu gerne noch länger bei uns gehabt. In unseren Herzen und Erinnerungen wirst Du immer bleiben.

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Tagesnotizen

Paprikaernte - © Liisa

Es wird langsam aber sicher immer herbstlicher. Da bin ich es noch schuldig vom Fortgang des Projekts »Das erste Mal im Leben Gemüse auf dem eigenen Balkon ziehen« zu berichten.

Die beiden Tomatenpflanzen haben wirklich reichlich getragen. Beide Sorten haben uns sehr gemundet, wobei die »Zuckertraube« die Nasenspitze vorne hatte. Ein paar Nachzügler reifen jetzt noch, aber die beste Zeit liegt hinter den Pflanzen.

Zu meiner großen Freude zahlte sich meine Geduld aus, und die drei Paprikapflanzen, die sich lange Zeit ließen überhaupt Früchte auszubilden und dann über Monate grüne Paprika trugen, fingen doch noch an, sich zu färben. An zweien erstrahlten die Paprika nach und nach in sattem tiefen Rot und an der verbliebenen dritten Paprika färbten sie sich in ein schönes gelb-orange. Letztere die den Namen »Corno giallo« trägt, hat uns am meisten überzeugt. Sehr schöne große Paprika mit grandiosem Geschmack. Die beiden roten Sorten (»Sweet Dreams« und »Korosko« brachten geschmacklich eher durchschnittliche Paprika hervor, und die auch nicht so zahlreich und größtenteils eher klein. Ich bin nicht sicher, wie ich sie beurteilen soll, da ich den Verdacht hege, dass die Ernte bei den beiden sehr stark vom eher ungünstigen Wetter dieses Jahr beeinflusst war. Unter Umständen tragen sie unter besseren Umständen deutlich mehr, größere und schmackhaftere Paprika.

Aber egal! Das Projektziel war (sehr bescheiden formuliert) von jeder Sorte wenigstens eine Frucht ziehen und selber essen können. Das ist bei zwei von drei Tomatenpflanzen (die grüne Zebra ist ja leider einen tragischen frühen Tod gestorben) und den drei Paprikapflanzen gelungen, und es gab sozusagen noch reichlich Bonuspunkte bzw. Bonusernte.

Ich bin also insgesamt sehr glücklich und zufrieden mit dem Experiment, das über Monate hinweg für viel Spannung und Freude gesorgt hat. Schön, dass ich wenigstens einmal im Leben selber Gemüse auf dem Balkon gezogen habe … und vielleicht ja nicht zum letzten Mal.

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Ansonsten mache ich mir gerade sehr viele Gedanken, wie wahrscheinlich (fast) jeder. Themen und Anlässe gibt es ja reichlich dieser Tage. So beobachte ich mit einer Mischung aus Entsetzen und Nichtglaubenkönnenwollen, wie die Politik in Deutschland und in ganz Europa sowas von versagt, dass es … eben! … kaum zu glauben ist! Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob das Methode hat oder ob die wirklich so unfähig sind.

Gleichzeitig freue ich mich über die vielen Beispiele von Bürgern, die überall mit anpacken und versuchen das Versagen der Politik, Behörden und Verantwortungsträger, etwas abzufedern bzw. auszugleichen. Das ist wirklich sehr beeindruckend zu sehen und mitzuerleben.

Über die vergangenen Wochen hinweg, kam mir sogar der sich erhärtende Verdacht, dass es vielleicht sogar ganz gut ist, dass die Politik und Behörden vor Ort sich so »vornehm« zurückhalten. Denn da, wo sie sich irgendwann doch berappelt haben und mit eingeschalten haben, brach sofort das Chaos aus. Sie schalteten sich nämlich ein mit? Na, raten Sie es? Richtig, Bürokratie! Und mit dieser Bürokratie brachten sie innerhalb kürzester Zeit reibungslos funktionierende Systeme ins Trudeln und teilweise sogar zum (vorläufigen) Stillstand. Was natürlich blöd ist, wenn Menschen davon abhängen.

Ein weiterer Gedanke, der mich in diesem Zusammenhang streifte, war dass das, was die Politik da gerade an Trauerspiel abliefert, nicht gerade dazu beiträgt, das Vertrauen der Bevölkerung in die Politik zu stärken. Ich bin gespannt auf die kommenden Wahlen und ob sich dieser Vertrauensverlust in noch niedrigerer Wahlbeteiligung abbildet. Ich fürchte ja.

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Haben Sie schon mal darauf geachtet, wie oft Sie binnen eines Tages »für dumm verkauft« werden oder zumindest der Versuch unternommen wird? Ich hab mal bewusst darauf geachtet und war über das Ergebnis doch einigermaßen erschüttert. Es ist unglaublich, wer alles glaubt, es ja mal versuchen zu können: die Politik, die Werbung, bestimmte Medien (gut, das ist nichts neues, die üblichen Verdächtigen halt, aber das Ausmaß hat deutlich zugenommen) und ja, auch Hinz und Kunz.

Wann ist das eigentlich gesellschaftsfähig geworden? Offenbar funktioniert es ja prächtig, sonst würden nicht so viele zu diesem Mittel greifen. Ich bin es ehrlich gesagt ziemlich müde und satt. Wollen wir etwa belogen und betrogen werden? Oder sind wir alle so gestresst und unter Druck, dass wir schlicht nicht mehr die Energie haben, uns gegen all diese Versuche zu wehren, und akzeptieren es inzwischen bis zu einem gewissen Grad? Unglaublich, wie viel Energie wir im Grunde verpulvern müssen, um solchen Versuche a) erstmal auf die Schliche zu kommen (manche kommen sehr plump daher, andere sind sehr raffiniert angelegt) und sie b) dann abzuwehren.

Achten Sie mal darauf!

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