Kreatives ·Nordisches ·Privates

In der Zwischenzeit

Kürzlich war ich für eine gute Woche in der Nähe von Speyer und habe einiges erlebt:

+++ Nach vielen vielen Jahren habe ich mal wieder an den Ufern des Rheins gestanden. Der führte reichlich Wasser mit sich und mir war, als ob er mir verschwörerisch zugenickt hat.

+++ Ich beobachtete und bewunderte wie die Neugestaltung eines großen Gartens fortschreitet und immer mehr sehr schöne Form annimmt.

+++ Ich bin durch Speyer gelaufen, war zum zweiten Mal in meinem Leben im Dom zu Speyer, wo ich zwei Kerzen anzündete. Kerzen in Kirchen anzünden, das tue ich tatsächlich erst seit kurzem. Ich wunder(t)e mich über mich selbst.

+++ Ich stöberte recht lange in einem riesigen Biomarkt herum, ebenfalls angeregt von meiner Gastgeberin, und staunte nicht schlecht, was es da alles gab. Bei nicht wenigen Produkten hatte ich wirklich null Ahnung, was das wohl für Nahrungsmittel sein könnten. Leider war ich alleine dort und konnte meine Gastgeberin keine Löcher in den Bauch fragen. Trotzdem trug ich auch von dort einiges an Beute heim, was jetzt hier darauf wartet verzehrt zu werden.

+++ Überhaupt erfuhr meine Bildung zum Thema Vegane Ernährung und zu diversen Lebensmittelunverträglichkeiten und deren Auswirkungen auf das menschliche Wohlbefinden, einen gewaltigen Boost.

+++ Auf eine Empfehlung hin ging ich in Speyer zu Aran und genoß dort ein höchst köstliches Aran Wild Curry. Leider hatte ich nur wenig Zeit, ansonsten wäre ich gern noch etwas länger geblieben.

Leider hatte ich mir aber morgens einen Hexenschuß eingefangen und stand deshalb etwas neben mir. Deswegen reagierte ich auch nicht, als ich einen kleinen Aufsteller sah, auf dem »Goldene Milch« angeboten wurde. Das erste Mal war mir dieser Begriff im letzten Winter in meinem Twitter-Stream begegnet. Ich fragte nach, was ich mir unter »goldener Milch« vorzustellen hätte und erhielt die nötigen Informationen. Die klangen interessant, und ich beschloß, sollte ich mal irgendwo welche angeboten sehen, würde ich sie kosten wollen. Tja, und hier war sie nun angeboten, ich las den Aufsteller und … schaltete nicht schnell genug. Naja, vielleicht komme ich ja mal wieder nach Speyer oder an einen anderen Ort, wo es Aran-Niederlassungen gibt. Dann aber … spätestens!

+++ Ein Highlight war dann mein erstes eigenes Nähprojekt. In der Schule habe ich im Handarbeitsunterricht nur eine Doppel-Doppelstunde Nähen gehabt, in der wir eine Nähmaschine in Augenschein nahmen und mal eben ein paar Nähte auf einem kleinen Stück Stoff üben durften. Meine Mutter hatte zwar eine Nähmaschine, war aber selber keine Näherin, also habe ich es auch dort nicht gelernt. Durch verschiedene Umstände bin ich jetzt aber doch ein bisschen angefixt gewesen, es zumindest nochmal anzutesten.

Aber was könnte ich Nähen? Dann fiel eines Tages der Groschen. Wir brauchten neue Stuhlkissen für die Küchenstühle, weil die alten sich schon Ende des letzten Sommers ins Nirvana verabschiedet hatten. Die Stühle sind sehr alt und entsprechen nicht den heutigen Standards was die Abmessungen angeht. Das wiederum bedeutet, ich hab mir die Hacken nach Ersatz abgelaufen. Die Kissen, die ich sah, passten alle nicht. Also warum nicht neue Kissen machen und dabei gleich die Bezüge auch selber nähen! Und schwups hatte ich mein Nähprojekt.

Nachdem ich die Maße der Stühle korrekt abgenommen und eine Schablone angefertigt hatte, wurden die Schaumstoff-Rohlinge geordert, und fragte ich schließlich die Frau meines Wahlbruders, ob sie mir mit Rat und Tat zur Seite stehen könnte. Sie war bereit dazu, die Tapfere!

Also haben wir uns während meines Aufenthalts dort aufgemacht und beim Stoffbasar einen passenden Stoff ausgewählt, dazu das passende Garn und die Beute nach Hause getragen.

Dann hieß es das Schnittmuster fertigen, auf den Stoff übertragen, zuschneiden und dann kam der große Moment, in dem die alte getreue Pfaff in Betrieb genommen wurde. Vorher hatte ich daran schon etwas geübt, damit ich auch schöne Nähte hinbekomme. Das Nähen ging, wie von meiner Lehrmeisterin vorhergesagt, ziemlich fix. Ein größerer Kampf war es dann, die Rohlinge durch die kleine Öffnung in die Bezüge zu zwingen, aber schließlich war auch das geschafft. An den folgenden Tagen schloß ich dann die verbliebenen Öffnungen per Matratzenstich (das letzte Kissen im Zug auf der Rückfahrt!) und voilà fertig sind unsere neuen Stuhlkissen, die sich ganz fabelhaft in die Küche einpassen.

Es hat Spaß gemacht, dieses Projekt, aber ich bin doch ziemlich sicher, dass ich jetzt nicht zur Hobby-Näherin mutieren werde. Ich bin aus diversen Gründen wohl nicht so der Näh-Typ. Aber man soll ja nie nie sagen. Vielleicht wage ich mich zukünftig doch mal an das ein oder andere kleine und ähnlich »simple« Projekt.

+++ Außerdem machte ich noch kurz einen Abstecher in den Schwarzwald und besuchte dort Freunde, erlebte eine ausgelassene Kinderschar und führte mit einer weiteren Freundin mal wieder anregende Gespräche. Unter anderem tauschten wir uns über die Situation mit den Geflüchteten hier wie dort aus, was zu interessanten Erkenntnissen führte.

+++ Mit der Deutschen Bahn fahren, muss übrigens nicht zwangsläufig ein traumatisches Erleben sein, wie ich glaubte. Also zumindest nicht, so lange man keinen Termindruck hat und möglichst alle Anschlusszüge erwischt. Die Hinfahrt absolvierte ich sogar in der ersten Klasse, noch so ein zum ersten Mal im Leben! Und ja, das ist recht angenehm.

+++ Spaßig fand ich die Beobachtung, wie ich sobald in Berlin angekommen, automatisch und merklich in meinen »Großstadt-Modus« umschaltete. Den hab ich also zum Glück inzwischen nach all der Zeit auf dem Land noch nicht verloren. Bin eben doch ein geborenes Stadtkind, auch wenn ich mittlerweile mehr Jahre meines Lebens auf dem Land als in der Stadt zugebracht habe.

+++ Weniger toll: die Belüftungssituation in Zügen der Deutschen Bahn. Ich habe offenbar während der Rückfahrt reichlich Zug (haha) abbekommen, denn die am Tag nach der Rückfahrt vermutete Migräne war gar keine, sondern eine heftige Nervenentzündung, die bis in den Trigeminus ausstrahlte. Aua!

+++ Hexenschuß und Nervenentzündung sind mittlerweile so gut wie ausgestanden. Ich wäre fast wieder ich selbst, wenn da nicht die aktuelle Hitze wäre, die mich erneut etwas neben mir stehen lässt.

+++ Aber die Reflexe funktionieren im Notfall noch, wie ich heute feststellen konnte, als eines der kleinen Streunerkätzchen hier in der Nachbarschaft durch lautes Schreien auf sich aufmerksam machte. Mir fiel auf, dass das Schreien irgendwie anders als üblich klang, und so ging ich nachsehen und fand das bedauernswerte Kätzchen in einem gekippten Garagenfenster eingeklemmt. Der Klassiker und blanke Horror. Denn so »gefangen« brechen sich Katzen in ihrer Panik schnell mal eben das Rückgrat.

Das Kätzchen kam nicht vor und nicht zurück. Mein erster Versuch es zu befreien endete mit weiterem Geschrei, Gefauch und einem Biß in meinen Handballen. Tja, es muss der Hitze geschuldet sein, dass ich diesen Anfängerfehler machte und ohne ausreichenden Schutz an den Händen zugriff.

Also schnell zurück nach Hause, dicke Handtücher bzw. Decken geholt, Kätzchen damit vorsichtig beißunfähig eingepackt und aus dem engen Fenstertrichter, in den es gerutscht und verklemmt war, herausgehoben. Kaum auf dem Boden abgesetzt, lief es von uns weg unter die nächste alte Thuja und versteckte sich dort. Das linke Hinterbein zog es etwas nach. Da müssen wir bzw. der Nachbar später nochmal nachgucken, ob es sich das nur gezerrt hat, oder doch die Hüfte in Mitleidenschaft gezogen ist. Armes kleines Kätzchen!

Zurück zu Hause wurde ich selbst fachmännisch verarztet und mal nachgeschaut, wann eigentlich meine letzte Tetanus-Impfung war. Glück gehabt, ist gerade noch wirksam. Nächstes Jahr muss ich entweder auffrischen oder vorsichtiger sein. 😉

So, trotz Hitze ist der lange Eintrag, den ich längst geschrieben haben wollte, doch fertig geworden. Draußen brennt schon das Grillfeuer und gleich gehen wir den Midsommarabend feiern und singen vielleicht »Små grodorna«

Trevlig Midsommar och Skål!

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