Kunst ·Privates ·Tagesnotizen 2017 ·Vogelliebe

Was schön war diese Woche

Schwimmerinnen

Der Morgen, als ich der Morgenstunde das Gold aus dem Mund holte.

Ich war sehr früh auf, zog mich an, und verließ mit Fernglas in der Hand das Haus und lief los.

Der Himmel so blau, wie ein Himmel nur sein kann. Auf den Wiesen, Äckern und auf dem Laub noch Reif von der kalten Nacht. Die Sonne warf ein sanftes Licht über alles und machte sich daran, den Reif zum Verschwinden zu bringen.

Es zog mich an unseren See und in den Wald drumherum. Die Luft war erfüllt von Vogelrufen. Überall aus den Baumwipfeln erschallte pausenloses Gezwitscher. Ich bewegte mich langsam und leise vorwärts. Blieb immer wieder stehen, lauschte, wer da zu hören war und beobachtete, wo Vögel aufflogen oder von Baum zu Baum wechselten.

Es scheint bestimmte Stellen zu geben, die für verschiedene Vogelarten sehr attraktiv sind. Dort halten sie sich mal mehr, mal weniger friedlich miteinander bevorzugt auf. Findet man heraus, wo solche Stellen sind, ist das natürlich toll, denn dort findet man dann fast immer Vögel, die man beobachten kann.

Was mich (innerlich) verrückt macht ist, wenn ich höre, dass sehr viele Vögel da sind, aber ich kann sie partout nicht entdecken oder eben nur einzelne Exemplare. Das wird, vermute und fürchte ich, immer häufiger der Fall sein, denn jetzt sind die Bäume und Sträucher ja noch ohne Laub, d.h. es sind eigentlich ideale Bedingungen, um Vögel zu entdecken. Wenn aber erstmal alles belaubt ist, wird das unter Garantie viel schwieriger.

Eine ganze Weile beobachtet ich die Kleiber, die geschäftig die Äste hinauf und hinab liefen und ihr Frühstück sammelten.

Wenig später freute ich mich, dass es mir gelang einen Buntspecht auszumachen. Auch den beobachtet ich eine ganze Weile bei seinen Geschäften.

Besonders freute ich mich, als ich zwei Singdrosseln entdeckte. Es muss Jahrzehnte her sein, dass ich das letzte Mal Singdrosseln in freier Wildbahn gesehen habe. Ich bilde mir ein, dass sie in meiner Kindheit zahlreicher und »gewöhnlicher« waren, aber inzwischen seltener zu beobachten sind. Zumindest dort, wo ich mich aufgehalten habe. Ich muss allerdings einräumen, dass ich auch nicht bewusst nach ihnen gesucht oder Ausschau gehalten habe. Aber eben, in meiner Kindheit musste man nicht nach ihnen Ausschau halten. Sie waren einfach in großer Zahl da.

Als ich mich schließlich etwas ausgekühlt doch auf den Heimweg machte, ging ich noch bei »meiner« Gimpelbande vorbei, und sah ihnen noch eine Weile beim Frühstück zu.

Schöner kann man einen Tag wohl kaum starten, und das werde ich in der nächsten Zeit sicher noch öfter tun.

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Am sonnigsten Tag dieser Woche, habe ich endlich ein Vorhaben in die Tat umgesetzt, das ich schon lange vor hatte. Zusammen mit der weltbesten WG-Genossin fuhr ich hinüber nach Waren und umwanderte endlich den Feisnecksee.

Der Feisnecksee liegt gleich am südöstlichen Stadtrand von Waren, aber man muß nicht lange laufen und man vergisst vollkommen, dass die Zivilisation nicht weit entfernt ist. Der See gehörte früher zur Stadt, aber inzwischen gehört er zum Müritz Nationalpark.

Es war schlicht großartig!! Noch sind kaum Menschen, aka Kurgäste und (Wander)Touristen dort unterwegs, so dass wir die meiste Zeit ganz allein vor uns hin wanderten. Die Landschaft der See, die Natur, alles großartig.

Natürlich war das Fernglas wieder mit dabei, und es gab viel zu sehen und zu beobachten. Eine ganze Weile beobachtete ich die Wasservögel (Stockenten, Schellenten, Bläßhühner), die sich in großer Zahl an der Burgwallinsel aufhielten. Auf der Burgwallinsel befinden sich noch letzte Reste einer typisch slawischen Inselburg aus dem 7. oder 8. Jahrhundert, ähnlich wie auf der gleichnamigen Burgwallinsel im Teterower See, über die ich schon mal berichtet habe und die sogar von der UNESCO zum »Schützenswerten Kulturgut der Menschheit« erklärt worden ist.

Schön war es, die ersten Kormorane, die ich dieses Jahr gesehen habe, zu beobachten, als sie gerade ihr Gefieder in der Sonne trocknen ließen.

Wenig später dann Kraniche auf einer Wiese und etwas weiter einige Rehe nahe dem Waldrand. Mussten natürlich auch ausgiebig beobachtet werden!

Weiter ging’s und juchheißa! drei Fischadler, die direkt über dem Waldrand und den anschließenden Wiesen kreisten, aber auch immer wieder auf den Baumwipfeln niedergingen.

Als wir uns dann irgendwann auf die andere Uferseite vor«gekämpft« hatten, war es Spätnachmittag. Auf dieser Uferseite gibt es eine hölzerne Beobachtungsplattform und dort ließen wir uns für eine Weile nieder, um das Schauspiel zu beobachen, das uns geboten wurde. Hunderte von Enten und Bläßhühnern aber auch weitere Wasservögel kamen vom See her auf uns zugeschwommen, um für die Nacht in den Buchten zu ruhen. In der schon tiefstehenden Sonne kamen sie alle langsam auf dem See zur Ruhe. Zwischendrin kamen noch mehrere Höckerschwäne eingeflogen, die sich in einiger Entfernung dazugesellten. Ich sah auch mehrere Haubentaucherpaare, von denen eines relativ nah zu uns, mit dem Balztanz beschäftigt war und sich dabei gegenseitig eifrig geeignetes Nestbaumaterial präsentierte.

Irgendwann mussten wir dann aber doch weiter und wanderten wieder los. Da offenbar gerade noch Holz- und Aufräumarbeiten im Wald in Ufernähe stattfinden, war der eigentliche Weg für Wanderer abgesperrt, so dass wir auf den etwas weiter vom See entfernten Radweg ausweichen mussten. Dort entlang lagen die frisch geschlagenen und schon entasteten Baumstämme auf mehrere hundert Metern aufgestapelt. Und die Luft war voll mit dem Geruch frisch geschlagenen Holzes. Ich trat mehrfach an die Holzstapel heran und sog diesen Geruch richtig ein. So sehr mir das Herz für die geschlagenen Bäume blutete, so schön war es, diesen Geruch mal wieder so intensiv in der Nase zu haben.

Zum Abschluß entdeckte ich noch zwei Mittelspechte, was ein schöner Abschluß der Vogelbeobachtung war.

Ziemlich müde gelaufen aber glücklich kamen wir schließlich wieder in Waren und an unserem Auto an.

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Zum ersten Mal in meinem Leben war ich in einem ornithologischen Fachvortrag. Es ging um Wiesenbrüter, wie den Kiebitz, die Bekassine, Rot- und Grünschenkel, den großen Brachvogel, die Uferschnepfe und den Wachtelkönig.

All diese Arten sind wegen der Einschränkung ihrer Lebensräume hier selten geworden, einige stehen kurz vor dem völligen Verschwinden.

Der Schutz dieser Vögel gestaltet sich mühselig, denn viele haben sich darauf verlegt, auf Äckern zu nisten. Dummerweise genau zu der Zeit, wenn der Landwirt genau diese Äcker bewirtschaften will und muss.

Es gibt Schutzprojekte, bei denen Naturschützer, Biologen und Ornithologen versuchen, herauszufinden, wo diese Vögel sich aufhalten und nisten und dann mit den betroffenen Landwirten reden, um sie zu überzeugen, die Nester mit ihren Fahrzeugen großflächig zu umfahren. Stimmen die Landwirte zu, erhalten sie gestaffelte Entschädigungen, je nachdem welche Jahreszeit es ist und wie groß die Fläche ist, auf der sie z.B. wegen verspäteter Aussaat, geringere Erträge hinnehmen müssen.

Obwohl z.B. Kiebitze gar nicht so kleine Vögel sind, sind die Eier aber ziemlich klein und zudem farblich sehr gut getarnt. Es ist also schon eine echte Kunst, diese Gelege auf einem großen Acker überhaupt zu finden. Man muss schon echtes Herzblut für die Kiebitze (oder die anderen Wiesenbrüter) haben, um wochenlang über solche Gelege zu wachen.

Die Küken der Wiesenbrüter sind in der Regel Nestflüchter, d.h. wenn sie schlüpfen sind sie schon weit entwickelt und werden meist schnell von den Vogeleltern vom Gelege weggeführt in sichere Unterschlupfe. D.h. es kann sein, dass ein Vogelschützer wochenlang so ein Gelege überwacht, und dann eines Tages zum Gelege kommt, und die Küken sind geschlüpft und schon weg, und er bekommt sie nicht mal zu Gesicht.

Hier in Mecklenburg gibt es noch Teile des Landes, die eigentlich gute Voraussetzungen für Wiesenbrüter bieten bzw. wieder bieten könnten und es gibt erste Überlegungen, wie man dafür sorgen könnte, dass diese Vögel sicher leben und brüten können, um sie so vor dem Aussterben zu bewahren. Wie viel davon tatsächlich umgesetzt werden kann, ist wie so oft auch eine Frage des Geldes und in der Hinsicht sieht es nicht sehr gut aus. Es wird spannend, ob es den Biologen, Ornithologen und Vogelschützern die sich gemeinsam für die Wiesenbrüter einsetzen wollen, gelingt hier in der Gegend bessere Voraussetzungen für sie zu schaffen.

Ich habe einige Informationen über die genannten Vogelarten aus dem Vortrag mitgenommen. Außerdem Hinweise, wo hier in der Gegend Ecken sind, wo man mit etwas Glück Wiesenbrüter beobachten kann. Ich hoffe, wenigstens den ein oder anderen davon mal mit eigenen Augen in freier Wildbahn sehen zu können.

Mit Sicherheit war das nicht der letzte ornithologische Fachvortrag den ich besucht habe.

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Diese Woche stieß ich noch auf die Arbeiten und Installationen von Cluca. Besonders gefallen mir die Bilder der Schwimmerinnen (s.o.).

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Kunst ·Mecklenburg-Vorpommern ·Privates ·Tagesnotizen 2016

Was schön war diese Woche

Er hat es wieder getan! Bereits 2013 schenkte Christoph Müller, einstiger Verleger, Kunstsammler und Mäzen dem Staatlichen Museum Schwerin seine umfangreiche Sammlung niederländischer Malerei des 16. bis 18. Jahrhunderts. Die 155 flämischen und holländischen Gemälde sind die größte Schenkung von Altmeistergemälden, die ein deutsches Museum nach dem Zweiten Weltkrieg erhalten hat. Gezeigt wurden die Gemälde damals in der Ausstellung „Der Kosmos der Niederländer. Die Schenkung Christoph Müller“ die ich besuchte.

Dieses Jahr im April schenkte Christoph Müller nun 375 Werke (152 Gemälde, 172 Zeichnungen und 50 Grafiken) dänischer Kunst aus dem 19. und 20. Jahrhundert dem Pommerschen Landesmuseum in Greifswald. Noch bis kommenden Samstag zeigt das Pommersche Landesmuseum in der Ausstellung »Kopenhagener Malerschule« ausgewählten Gemälde, Zeichnungen und Grafiken aus dieser Schenkung, die ergänzt worden sind durch einige Leihgaben aus der Alten Nationalgalerie in Berlin.

Kurz vor Toresschluß also, schaffte ich es nach Greifswald zu kommen und mir diese Ausstellung anzusehen. Sie ist als »Appetithappen« gedacht, denn es wird noch eine richtig große Ausstellung mit allen Gemälden, Zeichnungen und Grafiken aus dieser Schenkung geben. Der Appetithappen jedenfalls hat mir schon mal sehr gut gefallen und ja, das war schön diese Woche.

Ich freue mich schon sehr auf die große Ausstellung mit allen geschenkten Gemälden, Zeichnungen und Grafiken.

Nachtrag vom 22. November 2016: Heute kam die Meldung, dass das Pommersche Landesmuseum die Ausstellung »Kopenhagener Malerschule« bis zum 29. Januar 2017 verlängert hat.

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Nach Wochen bzw. Monaten habe ich endlich meinen iMac wieder.

Der hatte nämlich plötzlich angefangen Geräusche von sich zu geben, die eindeutig nicht gut klangen (1. Nervenzusammenbruch meinerseits).

Also zum Händler des Vertrauens. Die Auskunft: Der iMac muss eingeschickt werden (2. Nervenzusammenbruch meinerseits). Zum Glück stellte mir ein Freund ein Vorgängermodell als Ersatzgerät zur Verfügung.

Nach reichlich Zeit kam der iMac als repariert zurück, man habe die Festplatte ausgetauscht (1. Freudentanz meinerseits).

Doch schon während des Versuches, ihn wieder passgerecht für mich einzurichten, wieder Geräusche, die zwar leicht anders aber auch nicht gut klangen (3. Nervenzusammenbruch meinerseits).

Wieder zum Händler des Vertrauens. Die Auskunft: Der iMac muss erneut eingeschickt werden (4. Nervenzusammenbruch meinerseits).

Diesmal kam der iMac etwas schneller zurück, aber es dauert trotzdem einige Zeit bis dahin. Man habe den Lüfter/Ventilator ausgetauscht (kein Freudentanz, ich war misstrauisch).

Wie sich zeigen sollte zu Recht, denn der Rechner war zwar wieder mucksmäuschenleise (wie es sein soll), aber das passgerechte Einrichten stellte sich aus diversen Gründen als schwierig heraus. Es wurde z.B. ein Update verlangt, das wir brav initierten mit dem Ergebnis, dass gar nichts mehr ging. Das haben wir dann, weil es so schön war, zweimal durchexerziert, bevor es endlich klappte (2. Freudentanz meinerseits).

Jetzt läuft der iMac leise, und alles scheint zu funktionieren wie es soll. Ich freue mich also (wenn auch noch etwas zurückhaltend, ich traue dem Frieden noch nicht so ganz).

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Nachdem ich ja kürzlich wieder eine Häkeldecke fertig gehäkelt habe, dachte ich mir, ich könnte ja zur Abwechslung mal was Kleineres machen. Nur was? Und dann, ich weiß auch nicht, wie das passieren konnte, machte es Pling (stellen sie sich eine kleine Glühbirne über meinem Kopf vor, die plötzlich aufleuchtet) und eine Stimme wiederholte ständig: »Socken! Socken! Du kannst Socken stricken! Die sind ja (vor allem verglichen mit so einer Decke) klein und fix fertig«.

Nun muss man wissen, dassich ein eher angespanntes Verhältnis zu gestrickten Socken habe. Das kam so: In den ersten beiden Jahren auf der weiterführenden Schule nach der Grundschule hatten wir »Handarbeitsunterricht«. Die Handarbeitslehrerin war eine kleine graue Frau, die versuchte uns die Basics im Häkeln, Stricken und Nähen nahezubringen. Allerdings hatten wir nur eine Doppelstunde alle 2 Wochen, was es äußerst schwierig machte, uns da sinnvoll etwas beizubringen, und hängengeblieben ist zumindest bei mir aus diesen zwei Jahren so gut wie nichts.

Irgendwann also hieß es damals: Wir stricken ein paar Socken! Ich kann mich nicht erinnern, eine vernünftige Anleitung erhalten zu haben. Die Lehrerin teilte uns mit bis wann die Socken fertig zu sein hatten, während der Doppelstunde durften wir daran stricken und ansonsten bitte zuhause fertig stricken.

HORROR! Meine Mutter, die in ihrem ganzen Leben nicht ein einziges Paar Socken gestrickt hat, saß mir im Nacken wegen des Abgabetermins, konnte mir aber nicht erklären, wie man denn Socken strickt. Ich gab mein Bestes, produzierte aber nur ein sehr verkrummeltes, sehr hartes Gebilde, das (selbst bei größtem Wohlwollen) keinerlei Ähnlichkeiten mit einem Socken hatte. Es gab viel Geschrei ihrerseits und viele Tränen meinerseits, was den Fortgang des Projekts Stricksocken nicht zuträglich war. Die Socken wurden nie fertig, ich kassierte die Note »ausreichend« (hochgnädig gewährt, immerhin hatte ich ja wenigstens ein paar Reihen gestrickt), und ich schwor mir selbst unter Tränen, dass ich nie nie nie im Leben nochmal Socken stricken würde. Ich war fertig mit selbstgestrickten Socken, aber sowas von fertig!

Zurück zum Anfang. Sie erinnern sich: leuchtende Glühbirne über meinem Kopf und eine Stimme in meinem Kopf, die mir geradezu enthusiastisch das Stricken von Socken nahelegt! Von diesem Enthusiasmus völlig benebelt, erwärmte ich mich für diese brilliante Idee. Was tut man in so einem Fall? Man schaut mal auf Pinterest. Wow, gibt es da schöne Socken!

Ähm, tja aber wie? Beim ersten Socken-Strick-Tutorial-Video realisiert: Oh Schreck, das war das Teil mit den fünf Stricknadeln (aka Nadelspiel). Langsam rührte sich mein Sockenstricktrauma und eine weitere innere Stimme schaltete sich ein. Wirklich, Du willst Socken stricken??? Überleg Dir das lieber nochmal!!! Das kriegst Du bestimmt nicht hin!

Ich schaute eisern weitere Tutorials an und lernte zu meiner großen Überraschung, dass es diverse Methoden gibt, wie man so eine Ferse stricken kann. Da gibt es z.B. die klassische Ferse, die Käppchenferse, die Bumerangferse, die Herzchenferse, die Spiralferse und vermutlich noch ein paar mehr, die mir bisher noch nicht über den Weg gelaufen sind. Ich kramte die selbstgestrickten Wollsocken, die ich geschenkt bekommen habe, aus der Schublade, bestaunte die Fersen und versuchte zu deuten welche Methode zum Stricken angewandt worden ist. Die Anleitungen zu den erschiedenen Methoden Fersen zu stricken fand ich (bisher) eher verwirrend und/oder beängstigend.

Noch vor wenigen Jahren, hätte ich spätestens jetzt, das Projekt »Selber Socken stricken« aufgegeben. Aber, ich hab ja glücklicherweise wenigstens ein bisschen dazugelernt und meinen Wagemut etwas trainiert. Ich beschloß, trotz Sockenstricktrauma und dieser penetranten warnenden Stimme in meinem Kopf, noch einen Versuch Socken selber zu stricken zu wagen. Statt ein riesen Projekt zu sehen, dass mich einschüchtert, einfach einen Schritt nach dem anderen meistern, und dann wollen wir doch mal sehen, ob ich es nicht doch hinbekomme.

Bevor ich mit »guter Wolle« stricke, will ich erstmal »Test-« oder »Übungssocken« stricken. Als erstes musste ich herausfinden, wie man auf dem Nadelspiel Maschen anschlägt, bzw. die Maschen dann auf den Nadeln verteilt. Dank Youtube-Videos klappte das im zweiten Anlauf. Als nächstes den Sockenschaft stricken. Dabei stellte ich fest, dass ich mich leider verzählt und auf einer der Nadeln zwei Maschen zu wenig hatte. Also wieder aufribbeln. Ganz ruhig, kein Problem, ist ja eine Übungssocke und es kann nicht schaden, nochmal die Maschenaufnahme und -verteilung auf dem Nadelspiel zu üben. Die ersten Reihen gestrickt, das war dann eine relativ einfache Übung.

Mein Fazit bisher: Ich finde es schön, dass ich der warnenden Stimme und meinem Sockentrauma nicht gleich nachgegeben habe, sondern nochmal einen Versuch wage. Sollte es wieder nix werden mit selbstgestrickten Socken, dann ist es eben so und in Ordnung für mich. Aber wenn es klappt, und ich bin (noch) zaghaft zuversichtlich (bin ja noch nicht an der Ferse angelangt), dann hab ich das Sockentrauma überwunden, ein kleines Erfolgserlebnis und wieder viel gelernt, nicht nur stricktechnisch.

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Uneingeschränkt schön war diese Woche dann noch ein Kinobesuch. Ich habe den gerade angelaufenen Film »Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind« gesehen. Der basiert auf einem Drehbuch von J.K. Rowling. Ja, DER Rowling, der wir Harry Potter und seine Abenteuer verdanken. Es geht wieder um Zauberer und Muggel (wobei die diesmal No-Maj heissen, da die Geschichte in New York spielt) und es gibt weitere kleine Bezüge zum Harry Potter-Universum. Aber es ist ganz klar eine neue Geschichte mit neuen Protagonisten. Mir hat der Film gut gefallen, ich konnte mich wieder freuen an vielen kleinen fantasievollen Einfällen und Ideen, manchen Anspielungen und dem netten Trupp der Hauptfiguren. Schade, dass es nun zwei Jahre dauert, bis der zweite Teil in die Kinos kommen wird.

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Picasso und vom Aufbewahren

Heute Abend hatte ich endlich Zeit, mir die wunderbare Dokumentation »Looking for Picasso« anzusehen. Kann ich wirklich sehr empfehlen!

In der Dokumentation heisst es ziemlich am Anfang mal, Picasso habe einmal gesagt »Man ist nur, was man aufbewahrt.« Das ist natürlich so völlig aus dem Kontext gerissen, in dem er diese Aussage gemacht hat. Trotzdem denke ich seither über diesen Satz nach. Wenn dieser Satz wahr ist/wäre, was sagt das über mich aus, bzw. was sagt das, was ich aufbewahre über mich aus?

Als ich also jetzt so darüber nachdachte, fiel mir auf, dass ich, obwohl mein Leben nun schon einige Jahrzehnte zählt, nicht viel aufbewahrt habe. Vielleicht, weil ich mehr damit beschäftigt war manche Dinge, die das Leben mir so gebracht hat, wieder loszuwerden, weil es Dinge waren, mit denen ich nichts anfangen konnte oder wollte. Dinge, die für mich nicht einen solchen existentiellen Wert hatten, dass ich sie des Aufbewahrens für würdig befunden habe. Oder weil es Dinge waren, die mit Erfahrungen verbunden sind, die zwar zu einem Teil von mir geworden sind, die ich aber nicht noch durch äußere Symbole ständig vor mir haben wollte.

Eine Rolle spielt sicher auch, dass ich keine eigenen Nachkommen habe. Es gibt keine Kinder, Enkel oder Urenkel, die eventuell an manchem Interesse haben, und für die man deshalb Briefe oder Fotos oder ähnliches aufbewahren könnte.

Interessanterweise sind die meisten Dinge, die ich tatsächlich aufbewahrt habe, verbunden mit Menschen, die eine wichtige Rolle in meinem Leben gespielt haben und die entweder längst gestorben sind oder sonstwie aus meinem Leben oder an dessen Ränder verschwunden sind.

Ich besitze einen Karton (Schuhkartongröße), darin habe ich einige Erinnerungsstücke an meine Freundin Ellie, die viel zu früh starb. Es sind einige Briefe und ein selbstgestaltetes Buch von ihr für mich, Fotos unserer großen gemeinsamen England- und Schottlandreise, solche Dinge.

Ich bewahre ein für mich besonderes Schachspiel auf, das mir viel bedeutet, weil damit zum einen besondere Erinnerungen an Ellie verbunden sind, und weil ich es von zwei Freunden geschenkt bekommen habe.

Ich bewahre zwei oder drei Fotos meiner als Kleinkind verstorbenen Schwester auf.

Ich bewahre einige Fotos meiner verstorbenen Mutter und einige Schmuckstücke, von denen ich weiß, dass sie für sie eine besondere Bedeutung hatten, auf.

Ich bewahre einige Fotos von Freunden auf, die noch leben und die einen besonderen Platz in meinem Herzen haben.

Ich bewahre einige Fotos meiner früheren Kater auf.

Ich bewahre eine Handvoll Fotos aus meiner Kinderzeit auf.

Ich bewahre einige wenige Bücher auf, die einen starken Einfluß auf mich, mein Denken und Leben gehabt haben und noch haben. Natürlich habe ich noch wesentlich mehr Bücher, aber diese speziellen Bücher, die haben alle bisherigen Aussortierungsmaßnahmen überstanden, und ich bin so sicher, wie man sein kann, dass sie bis zum Ende meines Lebens meine Begleiter bleiben und dass ich mich nicht von ihnen trennen werde.

Das sind die Dinge, die ich (bisher) aufbewahre.

»Man ist, was man aufbewahrt!« … Was bedeutet das in meinem Fall? Was bin ich? Oder, was sagen die Dinge, die ich aufbewahre über mich aus? Alles zusammen, was ich aufbewahre, würde in einen mittelgroßen Karton passen. Wenn »man ist, was man aufbewahrt«, dann bin ich offenbar nicht sehr viel.

Etwas in mir sträubt sich, Picassos Aussage (wenn er sie denn tatsächlich so gemacht und gemeint hat) so zu akzeptieren. Sicher stimmt, dass das, was jemand aufbewahrt, etwas über diesen Menschen verraten oder offenbaren kann. Aber dazu müssten andere wissen, in welchem Verhältnis dieser Mensch zu diesen Dingen steht, was ihn bewogen hat, diese Dinge aufzubewahren. Dass aber das, was jemand aufbewahrt, bestimmt, was bzw. wer jemand ist, das ist dann - meiner Meinung nach - doch etwas hochgegriffen.

Und während ich über all das nachdachte, fiel mir plötzlich wieder ein, dass in der Wohnung meiner Eltern dieser Kunstdruck von einem Picasso-Gemälde hing:

picmuunki

Ich vermute stark, dass meine Mutter dieses Bild ausgewählt hat. Ich weiß, dass das Bild auch noch hing, als ich von dort auszog. Als Kind war ich von diesem Bild fasziniert, ohne dass ich heute noch sagen könnte, was es genau war, das mich so faszinierte. Ich habe mir auch nicht groß Gedanken darüber gemacht. Es hing eben einfach schon so lange ich denken konnte dort. Ich habe nie mit meiner Mutter darüber gesprochen, warum sie gerade dieses Bild ausgewählt und über so viele Jahrzehnte aufgehängt hatte. Würde sie noch leben, würde ich sie heute danach fragen.

Bei meinem nächsten Telefonat mit meinem Vater, werde ich ihn jedenfalls fragen, ob er das Bild hängen gelassen oder abgehängt hat, nachdem meine Mutter verstorben war.
Vor ca. eineinhalb Jahren ist er schließlich aus der Wohnung, die sie gemeinsam viele Jahrzehnte bewohnt haben, ausgezogen und wohnt nun in einer anderen neuen Wohnung. Bei meinem letzten Besuch, als ich seine neue Wohnung erstmals gesehen habe, habe ich nicht darauf geachtet, aber ich bin ziemlich sicher, dass er das Bild dort nicht wieder aufgehängt hat. Wäre ja für einen alten Mann auch ein etwas seltsames Motiv, aber gut aus Nostalgiegründen, vielleicht. Ich werde ihn also auch fragen, ob er das Bild in seiner neuen Wohnung wieder aufgehängt hat und wenn nicht, was er damit gemacht hat. Vielleicht bewahrt er es auch auf, als Erinnerung an … ja, an wen oder was?

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Kunst ·Mecklenburg-Vorpommern ·Privates ·Rostock ·Tagesnotizen 2015

Tagesnotizen

Anna Gerresheim - Nächtliche Häuser im Winter»Nächtliche Häuser im Winter« von Anna Gerresheim

Heute ging es gleich morgens nach Rostock. Das Wetter zeigte sich freundlicher als erwartet. Zwar recht frisch aber trocken und sonnig. Erst ein paar dringende Einkäufe erledigt, darunter auch einige technische Utensilien, wie z.B. den Car Charger+Cable von belkin, damit ich in Zukunft bei längeren Touren nicht plötzlich mit leerem Aku des iPads da sitze. Nun kann ich bequem auf der Fahrt via Zigarettenanzünder das iPad mini laden. Auf der Heimfahrt hab ich das dann gleich mal getestet und war sehr angetan, wie fix da geladen wird.

Die Beziehung zwischen dem Lightning-Lade-Kabel und mir ist von Anfang an eine brüchige. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ich hatte ja schon an anderer Stelle mal darüber gebloggt. Egal wie vorsichtig ich die Kabel bisher behandelt habe, immer wieder bricht das Kabel relativ bald gleich hinter dem Stecker. Das letzte Kabel war jetzt kein Originalkabel von Apple mehr, aber ein mir empfohlenes, selbstverständlich von Apple zertifiziert. Ich war wirklich hoffnungsfroh, weil es eigentlich einen etwas stabileren Eindruck machte. Ähm, tja, Pustekuchen würde ich sagen. Dasselbe Spiel wie schon mit den anderen Kabeln. 🙁 Nachdem es jetzt buchstäblich am »letzten Draht« hing, war dringend Ersatz gefragt, sonst sitz ich auf einmal da und kann mein iPad nur noch im Auto aufladen, was natürlich etwas unpraktisch wäre. Beim von Apple authorisierten Händler eindringlich mein Problem mit den Ladekabeln und meinen Frust darüber geschildert. Der hat mir nun ein flaches Kabel empfohlen, das angeblich daher nicht mehr so leicht »brechen« kann. Wir werden es sehen.

Nachdem ich mich auf Twitter per Frage an die Timeline vergewissert hatte, dass der Fritz!WLAN Repeater 310 mit unserem WLAN Router harmoniert, habe ich dann heute endlich einen gekauft. Der Repeater hat fast durchgängig positive bis euphorische Kritiken und soll komplikationslos zu installieren sein. Ratet, wer es nicht komplikationslos hinbekommt?? Genau, das bin ich. Ich krieg zwar hin, dass die Diode leuchtet, die bestätigt, dass der Repeater betriebsbereit ist und ebenso die Diode, die bestätigt, dass das WLAN-Modul betriebsbereit ist, die Dioden, die die Signalstärke anzeigen müssten bleiben dunkel. Eine Verbindung zur WLAN-Basis scheint zu bestehen, denn sonst würden diese Dioden blinken. Tun sie aber nicht. Sie bleiben schlicht dunkel. Keine Ahnung wieso. Auf meinem iPad wird mir der Repeater angezeigt, ich kann mich auch einloggen, aber das war’s dann auch. Versuche ich dann eine Seite aufzurufen passiert nix. *seufz* Da ist dann wohl wieder tüfteln angesagt. Und hoffen, dass ich dabei nicht unbeabsichtigt unser eigentlich funktionierendes WLAN im Haus komplett zum Erliegen bringen und mir damit den Zorn meiner WG-Genossen, die natürlich alle ebenfalls auf ein funktionierendes WLAN-Netz angewiesen sind, zuziehe.

Nachdem die Einkäufe erledigt waren, tat ich etwas, was ich schon sehr lange mal machen wollte. Wir besuchten nämlich endlich mal das Kulturhistorischen Museum in Rostock. Das befindet sich im altehrwürdigen Kloster zum Heiligen Kreuz, dem 1270 gegründeten Rostocker Zisterzienserinnenkloster. Ein sehr schönes Klosterensemble mit etlichen dazugehörigen Gebäuden, dass eigentlich sehr zentral mitten in der Altstadt liegt, aber doch ein wenig versteckt.

Das Museum wurde 1859 gegründet, zählt zu den ältesten Museen Norddeutschlands und verfügt über sehr beachtliche Sammlungen von Malerei über Grafik bis zu Kunsthandwerk, Münzen, Möbeln, Militaria bis hin zu Alltagskultur und Archäologie.

Einen ganz besonderen Schatz hat das Museum an seiner Sammlung niederländischer Malerei, die Werke von Jan Breughel d.J., Rachel Ruysch oder Willem Kalf ebenso wie von Rembrandt und van Dyck versammelt. Die Sammlung zählt mit zu den wichtigsten in ganz Norddeutschland. Während die ebenfalls beeindruckende Sammlung niederländischer Malerei in Schwerin auf fürstliche Erwerbungen zurückgeht, ist die Rostocker Sammlung Ergebnis bürgerlichen Engagements und Sammlertätigkeit.

In der Sammlung »Kunst in Mecklenburg« freute ich mich besonders, die »Gewitterstimmung über Ahrenshoop« von Carl Malchin wiederzusehen, die ich erstmals in der Eröffnungsausstellung des neuen Kunstmuseums in Ahrenshoop gesehen hatte.

Das Museum zeigt ausserdem eine sehr schöne Dauerausstellung zum Thema altes Spielzeug. Dort haben wir uns so lange herum getrieben, dass sich die Museumsangestellten lauthals freuten, dass sich mal jemand so viel Zeit für diese Sammlung nahm.

Zur Zeit laufen zudem gerade zwei sehr interessante Sonderausstellungen im Museum. Die erste »PRÄCHTIG VERMESSEN. Mecklenburg auf Karten 1600 bis 1800« hat mich als Fan historischer Karten besonders gelockt.
Pro-Tipp: Lasst Euch an der Kasse gleich eine Lupe mitgeben, dann könnt Ihr die Details auf den tollen Karten noch viel besser entdecken!

Die zweite Sonderausstellung ist dem gebürtigen Rostocker Maler und Illustrator Egon Tschirch gewidmet. Ein durchaus umstrittener Künstler auch in Rostock selbst. Sein Talent kann man ihm hingegen wirklich nicht absprechen, wenn man seine Skizzen, Bilder, Grafiken und Buchcover-Entwürfe gesehen hat. Mich haben vor allem seine Bilder direkt von der Westfront während des 1. Weltkriegs und von seiner Reise nach Tunis sehr beeindruckt.

Unser Fazit nach Verlassen des Museums: Ein wirkliches Kleinod, das zu überraschen weiß und erstaunliche Schätze birgt. Wir können einen Besuch mit ausreichend Zeit sehr empfehlen. Und übrigens, der Eintritt ist kostenlos!!

Nach dem Museumsbesuch waren wir dann doch ein bisschen platt gelaufen und brauchten eine Pause. So kehrten wir beim »Törtcheneck Schwesterherz« ein. Mit diesem Cupcake-Café haben sich die beiden Schwestern Maike und Denise vor fast einem Jahr ihren Traum erfüllt. Wir hatten dort die Qual der Wahl, denn wir mussten uns entscheiden, welche der köstlichen Cupcakes wir probieren wollten. Wir entschieden uns für Erdbeer-Cupcake, Schoko-Cupcake, Kirsch-Cupcake (Cupcake der Woche!) und Apfel-Cupcake. Alle wirklich sehr lecker, wobei Erdbeer und Schoko unsere Favoriten waren. Dazu noch je einen guten Cappuccino, was will man mehr?!

Letztes »Highlight« des Tages: Wir sind das erste Mal, seit wir hier wohnen, mit der Rostocker Straßenbahn gefahren. Zwar nur eine Station aber immerhin, ein Anfang ist gemacht. 😉

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