Kunst ·Privates ·Tagesnotizen 2017

Was schön war diese Woche

Schwimmerinnen

Der Morgen, als ich der Morgenstunde das Gold aus dem Mund holte.

Ich war sehr früh auf, zog mich an, und verließ mit Fernglas in der Hand das Haus und lief los.

Der Himmel so blau, wie ein Himmel nur sein kann. Auf den Wiesen, Äckern und auf dem Laub noch Reif von der kalten Nacht. Die Sonne warf ein sanftes Licht über alles und machte sich daran, den Reif zum Verschwinden zu bringen.

Es zog mich an unseren See und in den Wald drumherum. Die Luft war erfüllt von Vogelrufen. Überall aus den Baumwipfeln erschallte pausenloses Gezwitscher. Ich bewegte mich langsam und leise vorwärts. Blieb immer wieder stehen, lauschte, wer da zu hören war und beobachtete, wo Vögel aufflogen oder von Baum zu Baum wechselten.

Es scheint bestimmte Stellen zu geben, die für verschiedene Vogelarten sehr attraktiv sind. Dort halten sie sich mal mehr, mal weniger friedlich miteinander bevorzugt auf. Findet man heraus, wo solche Stellen sind, ist das natürlich toll, denn dort findet man dann fast immer Vögel, die man beobachten kann.

Was mich (innerlich) verrückt macht ist, wenn ich höre, dass sehr viele Vögel da sind, aber ich kann sie partout nicht entdecken oder eben nur einzelne Exemplare. Das wird, vermute und fürchte ich, immer häufiger der Fall sein, denn jetzt sind die Bäume und Sträucher ja noch ohne Laub, d.h. es sind eigentlich ideale Bedingungen, um Vögel zu entdecken. Wenn aber erstmal alles belaubt ist, wird das unter Garantie viel schwieriger.

Eine ganze Weile beobachtet ich die Kleiber, die geschäftig die Äste hinauf und hinab liefen und ihr Frühstück sammelten.

Wenig später freute ich mich, dass es mir gelang einen Buntspecht auszumachen. Auch den beobachtet ich eine ganze Weile bei seinen Geschäften.

Besonders freute ich mich, als ich zwei Singdrosseln entdeckte. Es muss Jahrzehnte her sein, dass ich das letzte Mal Singdrosseln in freier Wildbahn gesehen habe. Ich bilde mir ein, dass sie in meiner Kindheit zahlreicher und »gewöhnlicher« waren, aber inzwischen seltener zu beobachten sind. Zumindest dort, wo ich mich aufgehalten habe. Ich muss allerdings einräumen, dass ich auch nicht bewusst nach ihnen gesucht oder Ausschau gehalten habe. Aber eben, in meiner Kindheit musste man nicht nach ihnen Ausschau halten. Sie waren einfach in großer Zahl da.

Als ich mich schließlich etwas ausgekühlt doch auf den Heimweg machte, ging ich noch bei »meiner« Gimpelbande vorbei, und sah ihnen noch eine Weile beim Frühstück zu.

Schöner kann man einen Tag wohl kaum starten, und das werde ich in der nächsten Zeit sicher noch öfter tun.

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Am sonnigsten Tag dieser Woche, habe ich endlich ein Vorhaben in die Tat umgesetzt, das ich schon lange vor hatte. Zusammen mit der weltbesten WG-Genossin fuhr ich hinüber nach Waren und umwanderte endlich den Feisnecksee.

Der Feisnecksee liegt gleich am südöstlichen Stadtrand von Waren, aber man muß nicht lange laufen und man vergisst vollkommen, dass die Zivilisation nicht weit entfernt ist. Der See gehörte früher zur Stadt, aber inzwischen gehört er zum Müritz Nationalpark.

Es war schlicht großartig!! Noch sind kaum Menschen, aka Kurgäste und (Wander)Touristen dort unterwegs, so dass wir die meiste Zeit ganz allein vor uns hin wanderten. Die Landschaft der See, die Natur, alles großartig.

Natürlich war das Fernglas wieder mit dabei, und es gab viel zu sehen und zu beobachten. Eine ganze Weile beobachtete ich die Wasservögel (Stockenten, Schellenten, Bläßhühner), die sich in großer Zahl an der Burgwallinsel aufhielten. Auf der Burgwallinsel befinden sich noch letzte Reste einer typisch slawischen Inselburg aus dem 7. oder 8. Jahrhundert, ähnlich wie auf der gleichnamigen Burgwallinsel im Teterower See, über die ich schon mal berichtet habe und die sogar von der UNESCO zum »Schützenswerten Kulturgut der Menschheit« erklärt worden ist.

Schön war es, die ersten Kormorane, die ich dieses Jahr gesehen habe, zu beobachten, als sie gerade ihr Gefieder in der Sonne trocknen ließen.

Wenig später dann Kraniche auf einer Wiese und etwas weiter einige Rehe nahe dem Waldrand. Mussten natürlich auch ausgiebig beobachtet werden!

Weiter ging’s und juchheißa! drei Fischadler, die direkt über dem Waldrand und den anschließenden Wiesen kreisten, aber auch immer wieder auf den Baumwipfeln niedergingen.

Als wir uns dann irgendwann auf die andere Uferseite vor«gekämpft« hatten, war es Spätnachmittag. Auf dieser Uferseite gibt es eine hölzerne Beobachtungsplattform und dort ließen wir uns für eine Weile nieder, um das Schauspiel zu beobachen, das uns geboten wurde. Hunderte von Enten und Bläßhühnern aber auch weitere Wasservögel kamen vom See her auf uns zugeschwommen, um für die Nacht in den Buchten zu ruhen. In der schon tiefstehenden Sonne kamen sie alle langsam auf dem See zur Ruhe. Zwischendrin kamen noch mehrere Höckerschwäne eingeflogen, die sich in einiger Entfernung dazugesellten. Ich sah auch mehrere Haubentaucherpaare, von denen eines relativ nah zu uns, mit dem Balztanz beschäftigt war und sich dabei gegenseitig eifrig geeignetes Nestbaumaterial präsentierte.

Irgendwann mussten wir dann aber doch weiter und wanderten wieder los. Da offenbar gerade noch Holz- und Aufräumarbeiten im Wald in Ufernähe stattfinden, war der eigentliche Weg für Wanderer abgesperrt, so dass wir auf den etwas weiter vom See entfernten Radweg ausweichen mussten. Dort entlang lagen die frisch geschlagenen und schon entasteten Baumstämme auf mehrere hundert Metern aufgestapelt. Und die Luft war voll mit dem Geruch frisch geschlagenen Holzes. Ich trat mehrfach an die Holzstapel heran und sog diesen Geruch richtig ein. So sehr mir das Herz für die geschlagenen Bäume blutete, so schön war es, diesen Geruch mal wieder so intensiv in der Nase zu haben.

Zum Abschluß entdeckte ich noch zwei Mittelspechte, was ein schöner Abschluß der Vogelbeobachtung war.

Ziemlich müde gelaufen aber glücklich kamen wir schließlich wieder in Waren und an unserem Auto an.

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Zum ersten Mal in meinem Leben war ich in einem ornithologischen Fachvortrag. Es ging um Wiesenbrüter, wie den Kiebitz, die Bekassine, Rot- und Grünschenkel, den großen Brachvogel, die Uferschnepfe und den Wachtelkönig.

All diese Arten sind wegen der Einschränkung ihrer Lebensräume hier selten geworden, einige stehen kurz vor dem völligen Verschwinden.

Der Schutz dieser Vögel gestaltet sich mühselig, denn viele haben sich darauf verlegt, auf Äckern zu nisten. Dummerweise genau zu der Zeit, wenn der Landwirt genau diese Äcker bewirtschaften will und muss.

Es gibt Schutzprojekte, bei denen Naturschützer, Biologen und Ornithologen versuchen, herauszufinden, wo diese Vögel sich aufhalten und nisten und dann mit den betroffenen Landwirten reden, um sie zu überzeugen, die Nester mit ihren Fahrzeugen großflächig zu umfahren. Stimmen die Landwirte zu, erhalten sie gestaffelte Entschädigungen, je nachdem welche Jahreszeit es ist und wie groß die Fläche ist, auf der sie z.B. wegen verspäteter Aussaat, geringere Erträge hinnehmen müssen.

Obwohl z.B. Kiebitze gar nicht so kleine Vögel sind, sind die Eier aber ziemlich klein und zudem farblich sehr gut getarnt. Es ist also schon eine echte Kunst, diese Gelege auf einem großen Acker überhaupt zu finden. Man muss schon echtes Herzblut für die Kiebitze (oder die anderen Wiesenbrüter) haben, um wochenlang über solche Gelege zu wachen.

Die Küken der Wiesenbrüter sind in der Regel Nestflüchter, d.h. wenn sie schlüpfen sind sie schon weit entwickelt und werden meist schnell von den Vogeleltern vom Gelege weggeführt in sichere Unterschlupfe. D.h. es kann sein, dass ein Vogelschützer wochenlang so ein Gelege überwacht, und dann eines Tages zum Gelege kommt, und die Küken sind geschlüpft und schon weg, und er bekommt sie nicht mal zu Gesicht.

Hier in Mecklenburg gibt es noch Teile des Landes, die eigentlich gute Voraussetzungen für Wiesenbrüter bieten bzw. wieder bieten könnten und es gibt erste Überlegungen, wie man dafür sorgen könnte, dass diese Vögel sicher leben und brüten können, um sie so vor dem Aussterben zu bewahren. Wie viel davon tatsächlich umgesetzt werden kann, ist wie so oft auch eine Frage des Geldes und in der Hinsicht sieht es nicht sehr gut aus. Es wird spannend, ob es den Biologen, Ornithologen und Vogelschützern die sich gemeinsam für die Wiesenbrüter einsetzen wollen, gelingt hier in der Gegend bessere Voraussetzungen für sie zu schaffen.

Ich habe einige Informationen über die genannten Vogelarten aus dem Vortrag mitgenommen. Außerdem Hinweise, wo hier in der Gegend Ecken sind, wo man mit etwas Glück Wiesenbrüter beobachten kann. Ich hoffe, wenigstens den ein oder anderen davon mal mit eigenen Augen in freier Wildbahn sehen zu können.

Mit Sicherheit war das nicht der letzte ornithologische Fachvortrag den ich besucht habe.

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Diese Woche stieß ich noch auf die Arbeiten und Installationen von Cluca. Besonders gefallen mir die Bilder der Schwimmerinnen (s.o.).

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Privates ·Tagesnotizen 2017

Die Gimpelbande vom Kirchberg

Im Dorf hinter den sieben Hügeln gibt es den Kirchberg. Kirchberge gibt es hier in vielen Dörfern.

Im Gebiet des heutigen Mecklenburg-Vorpommern siedelten einst germanische, dann aber auch slawische Stämme. In Mecklenburg waren das die Liutizen und deren Teilstämme, wie zum Beispiel die Zirzipanen, die in der Gegend hier siedelten, oder die Kessiner und die Ranen, aber vor allem aber der Stamm der Obodriten. Aus ihm erwuchs die Dynastie der Obodriten, und es waren die Obodriten-Großherzöge, die als sogenannte Bundesfürsten, bis 1918 (!) hier regierten!

Stammvater der Obodriten war Niklot, dessen eindrucksvolles Reiterstandbild noch heute die Hauptfassade des Schweriner Schlosses schmückt.

Sein Sohn Pribislaw verlor am 6. Juli 1146 die Schlacht bei Verchen am Kummerower See gegen Heinrich den Löwen. 1167 kam es zu einer Aussöhnung zwischen den beiden, Pribislaw erhielt sein Land als Lehen zurück und trat zum christlichen Glauben über.

Inwieweit er tatsächlich dem neuen christlichen Glauben anhing, ist eine ganz andere Frage. Und nur, weil der Stammesfürst zum Christentum konvertiert, folgt ihm noch lange nicht der ganze Stamm. Teilweise kam es zu gewaltsamer »Missionierung«.

Selbst in Teilen der slawischen Oberschicht wurde der christliche Glaube häufig nur als Bemäntelung für weltliche Herrschaftsansprüche genutzt. Kurz und gut, der Glaube an die slawischen Götter hielt sich noch sehr lange im Volk. Die »überzeugten« Christen blieben lange eine Minderheit unter den »Heiden«.

Der weitere Verlauf der Geschichte bis in die jüngere Zeit (Nazi-Herrschaft und SED-Herrschaft) war für das Christentum auch nicht wesentlich förderlicher.

Vielleicht ist diese Vorgeschichte, ein Grund dafür, dass hier nicht wenige Kirchen auf Erhöhungen oder Hügeln erbaut sind. Einerseits, um sie besser gegen Angriffe und Anfeindungen heidnischer Bevölkerungsgruppen verteidigen zu können, andererseits vielleicht, um ein christliches Zeichen mitten ins »Heidenland« zu setzen.

Zurück nun zu unserem Kirchberg. Der ist nun tatsächlich ein verwaister Kirchberg, denn die Kirche, die dort einmal stand, steht nicht mehr. Es gab Streitigkeiten zwischen den Anführern zweier Adelsfamilien darüber, wer denn nun der rechtmäßige Besitzer des Dorfes sei.

1520 eskalierte der Streit und einer der Streithähne riss die Kirche kurzerhand ein. Und das war nicht der Streithahn, der offiziell als Raubritter bekannt war.
Nur der Glockenstuhl mitsamt drei Glocken blieb stehen. Die bedauernswerte Kirche wurde nie wieder aufgebaut.

Doch auch den Glocken war die Geschichte nicht wohlgesonnen. Irgendwann in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges gingen die Glocken verloren.

Erst 1696 stifteten der Gutsherr des Dorfes und seine Gemahlin zwei neue Glocken und einen Glockenstuhl. Und auch diesen Glocken war kein dauerhaftes Dasein beschieden. 1944 mussten sie zu Rüstungszwecken abgeliefert werden.

Jahrzehntelang standen nur noch die Ruinen der alten Kirche auf dem Kirchberg. Erst 2001 bzw. 2002 wurden die alten Ruinen saniert und man beschloß einen neuen Glockenstuhl zu errichten und eine neue Glocke gießen zu lassen.

Neben den alten Ruinen steht nun wieder ein Glockenstuhl und aus den einstmals drei stolzen Glocken ist eine Glocke geworden. Mit ihr aber wird jeden Samstagabend, reihum, von Männern aus dem Dorf der Sonntag eingeläutet, und selbstverständlich wird sie auch an den hohen christlichen Feiertagen und zum Jahreswechsel geläutet. Die allesamt schon älteren Männer legen ihre ganze Ehre und Kraft in dieses Läuten. Ich liebe es, wenn die Glocke vom Kirchberg herüberklingt.

Wer sich als Besucher des Dorfes nicht zufällig auf den Kirchberg »verläuft«, oder auf den einen Wegweiser im Wald hinauf zur Ruine stößt, der kann nicht ahnen, dass dort oben auf dem Hügel die Ruinen einer uralten Kirche stehen und ein Glockenstuhl mit einer Glocke.

Von den Touristen, die den Weg hinauf zur Ruine finden, können allerdings die meisten nicht der Versuchung widerstehen, die alte Glocke wenigstens einmal anzuschlagen. Läutet die Glocke auf dem Kirchberg also zu fürs Dorf ungewohnter Zeit, schauen sich die Dörfler an, ziehen die Augenbrauen hoch und alle wissen, es sind wieder mal Touristen im Dorf unterwegs und sie haben die Kirchruine auf dem Kirchberg gefunden.

Der Kirchberg selbst ist umgeben von Wald, der im Laufe der Zeit direkt um ihn herum soweit ausgedünnt wurde, dass er in einen kleinen Waldpark übergeht. Uralte wild verzweigte Bäume stehen dort mit ihren mächtigen Kronen.

Der Kirchberg ist ein Ort, den ich in den vergangenen Jahren lieben gelernt habe. Er ist neben »unserem« Haussee der mir vielleicht liebste Ort im ganzen Dorf. Und in letzter Zeit ist meine Liebe für ihn noch größer geworden. Tatsächlich ist er nämlich in seiner Abgeschiedenheit (mitten im Dorf) Heimat vieler unterschiedlicher Vögel, die hier weitgehend in Frieden leben und nisten.

Seit ich mich aufs Vögel beobachten verlegt habe, zieht es mich immer wieder auf den Kirchberg, wo ich mich freue, die unterschiedlichsten Vögel zu entdecken und zu beobachten.

Erst vor wenigen Tagen entdeckte ich, dass sich auf dem Kirchberg eine kleine Gimpelbande eingerichtet hat. Es sind, soweit ich es bisher beobachten konnte, fünf oder sechs Gimpelpärchen, die zusammen etwa vier bis fünf alte Bäume in Beschlag genommen haben, und es sich dort gut gehen lassen.

Ich liebe es, wenn ich langsam und leise näher komme, ihr zartes Gezwitscher miteinander zu hören. Ich könnte ihnen stundenlang zusehen, wie sie abwechselnd oder hintereinander von einem der Bäume zum nächsten fliegen. Wie sie in den Zweigen herumhüpfen, die Männchen in ihren Prachtkleidern mit dem herrlichen Rot. Wie sie zwischendrin auf dem Waldboden im Laub des Vorjahres herumrascheln, auf der Suche nach Samen oder kleinen Würmchen, oder sich einfach von der Sonne bescheinen lassen.

Ich bin schon sehr gespannt, ob ich, wenn die Brutzeit beginnt, entdecken kann wo sie ihre Nester bauen, und vielleicht sogar die Aufzucht ihrer Vogeljungen beobachten kann.

Ich habe sie sehr ins Herz geschlossen, die kleine Gimpelbande auf dem Kirchberg!

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Nachdenkliches

Nachdenkstoff

Gebe ich etwas auf mein Bauchgefühl? Oder nehme ich es gar nicht mehr wahr? Und wenn doch, wie häufig und in welchen Situationen? Habe ich es als guten Hinweis- oder Ratgeber erfahren? Spiele ich meinen Verstand, meine Logik und meine Erfahrungen gegen mein Bauchgefühl aus? Oder folge ich meinem Bauchgefühl recht spontan?

Höre ich öfter eine(!) innere Stimme? Erfahre ich sie als hilfreich oder eher als hinderlich? Macht sie mir Mut oder bombardiert sie mich mit negativen Einwänden und Vorwürfen? Führe ich einen Dialog mit dieser Stimme oder läuft sie eher wie eine Art Radioprogramm im Hintergrund? Wie viel Macht hat diese innere Stimme über mich? Erinnert mich diese innere Stimme an jemanden, den ich mal gekannt habe oder noch kenne? Muss ich mich vielleicht von dieser inneren Stimme emanzipieren?

Folge ich meinem Instinkt oder versuche ich ihn zu unterdrücken? Warum? Hat mich mein Instinkt schon getrogen? Habe ich schon bereut, meinem Instinkt gefolgt oder nicht gefolgt zu sein? Ist der Instinkt eher ein Relikt aus der Frühgeschichte der Menschheit und damit in der heutigen Welt nicht mehr zuverlässig hilfreich?

Wem traue ich am ehesten? Meinem Bauchgefühl, der inneren Stimme oder dem Instinkt? Oder achte ich gar nicht auf sie?
Wie sähe mein Leben aus, wenn ich mehr oder weniger auf sie achten bzw. hören würde?

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Privates ·Tagesnotizen 2017

Was schön war diese Woche

Anfang der Woche waren wir in Rostock, wo wir den schon länger anstehenden Staubsaugerkauf erledigten. Der vorherige Staubsauger war doch schon sehr in die Jahre gekommen, klang inzwischen recht asthmatisch und gequält und war schon »geflickt«.

Nun wohnt ein neuer bei uns und erfreute uns diese Woche schon sehr.

Spannend ist für uns noch, dass es diesmal ein beutelloser Staubsauger geworden ist. Wir gehen also mit der Technik, sind aber noch leicht angespannt, ob das wirklich alles so gut funktioniert, wie angepriesen. Wenn ja freuen wir uns über die zukünftige Kostenersparnis, denn wir müssen dann ja nicht mehr die teuren Staubsaugerbeutel kaufen.

Der neue Staubsauger lässt sich auch viel besser bewegen und ist entweder leiser als der Vorgänger oder läuft auf einer Frequenz, die ich als wesentlich angenehmer empfinde.

Der alte Staubsauger ist auf den Dachboden umgezogen und wird dort sein Gnadenbrot erhalten gelegentlich noch zum Einsatz kommen.

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Im nächstgelegenen Kino wurde in letzter Zeit kein einziger der Filme gezeigt, auf die ich warte. Also schaute ich, bevor wir nach Rostock fuhren, was in den dortigen Kinos gezeigt wird und wurde fündig.

Nachdem wir den Staubsaugerkauf und einige andere Besorgungen erledigt hatten, begaben wir uns also ins Kino und sahen »Lion - Der lange Weg nach Hause«. Die berührende Verfilmung einer wahren Geschichte, die zum Glück nicht ins Kitschige abgleitet. Sunny Pawar, der den jungen Saroo verkörpert, spielt grandios und für mich auch Dev Patel an die Wand!

Wir diskutierten nachher noch eine ganze Weile über verschiedene Aspekte des Films, z.B. das Thema Auslandsadoptionen und Motivationen hinter Adoptionen.

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Freitag gleich nach dem Mittagessen, packte ich meinen kleinen Rucksack und fuhr nach Federow, einem der regionalen Eingangstore zum Müritz Nationalpark. Ich wohne hier nämlich in einer Gegend, in die andere Vogelliebhaber gerne in den Urlaub fahren, weil hier so viele - auch selten gewordene Vögel - noch beobachtet werden können. Mein »vor Ort sein« möchte ich natürlich nutzen.

Es war sonnig und zwar noch etwas kühl, aber erträglich. Ich wanderte frohgemut los Richtung Rederangsee, kam allerdings nur langsam vorwärts, weil ich dauernd damit beschäftigt war nach Vögeln Ausschau zu halten oder entdeckte Vögel zu beobachten. Als erstes erfreuten mich etliche Feldlerchen mit ihrem Flug und Gesangskünsten. Blaumeisen, Kohlmeisen gab es ebenfalls reichlich zu sehen.

Schließlich kam ich aber doch am Rederangsee an, beguckte mir den dort erst kürzlich erneuerten Bohlenweg zum Beobachtungsstand, und erklomm den Beobachtungsstand. Ich war zeitlich zu früh dran, also keine Kraniche an den Seeufern zu entdecken. Aber es waren schon einige über mich hinweggeflogen, und ich konnte ihre charakteristischen Rufe immer wieder hören. Die Kraniche mussten also irgendwo in der Nähe sein.

Erst einmal aß ich den mitgebrachten Schürzkuchen und trank etwas warmen Tee, dann beobachtete ich noch eine Weile die Seeufer, sah aber schließlich ein, dass es wirklich noch zu früh war. Also kletterte ich wieder vom Beobachtungsstand herunter und wanderte weiter in den Nationalpark hinein.

Es war einfach nur herrlich, die schöne Natur, die alten Bäume und außer mir kein Mensch, der mir begegnete. 🙂

In einem Waldstück, das ich durchquerte entdeckte ich insgesamt 4 Buntspechte und einen Mittelspecht, die ich eine ganze Zeit lang bei ihrer Tätigkeit beobachtete. Schließlich riss ich mich aber doch los und lief weiter.

Zum Glück, denn plötzlich entdeckte ich jede Menge Kraniche, Graugänse und Saatgänse, die gemeinsam in der Landschaft rasteten. Vorsichtig und leise näherte ich mich immer mehr. Fand schließlich einen geeigneten Aussichtspunkt und dann beobachtet ich nur noch.

Der Tag neigte sich langsam, und die ganze Szenerie wurde zunehmend in ein wunderschönes weiches goldenes Licht getaucht. Die Vögel waren völlig ungestört und spazierten langsam herum.

Ab und an ließen die Kraniche ihre Rufe hören und immer mehr Kraniche kamen eingeschwebt.

Es hatte wirklich etwas Paradiesisches. Es kam mir vor, als hätte ich plötzlich eine Art mecklenburgische Serengeti vor mir. Ich hätte die Szenerie gerne noch viel länger beobachtet, aber ich wusste, dass der Rückweg noch lang sein würde und wollte ungern im Dunkeln noch im Wald sein. Also schlich ich mich, so leise wie ich gekommen war, wieder davon.

Auf dem Rückweg flogen dann noch in drei »Geschwadern« Singschwäne direkt über mich hinweg, insgesamt 27 Exemplare. Sehr schön!

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Am Samstag nach dem Mittagessen zog es mich schon wieder hinaus. Diesmal wollte ich in den Wald rings um Burg Schlitz. Ich hatte nämlich gelesen, dass diese Wald als »spechtreich« gilt.

Mein Yoda und die weltbeste WG-Genossin wollten diesmal auch mit, und so fuhren wir das kurze Stück bis zu Burg Schlitz und wanderten von dort aus los. Diesen Herbst/Winter haben die Besitzer offenbar im Wald viel gearbeitet bzw. arbeiten lassen, und so waren die Wege ziemlich aufgewühlt und verschlammt, was das Vorwärtskommen etwas erschwerte, aber wir ließen es uns nicht verdrießen.

Leider, sah ich tatsächlich nur einen einzigen Specht, aber juchhu, es war tatsächlich ein Grauspecht! Die sieht man hier meines Wissens nicht gerade häufig. Anfängerglück, würde ich sagen. Der erste Grauspecht meines Lebens, den ich bewußt in freier Natur gesehen habe.

Mein Yoda sah noch einen Buntspecht, den ich aber partout nicht entdecken konnte. Außerdem sahen wir mehrere Kleiber, zwei Vögel, die wir leider (noch) nicht identifizieren konnten, Feldlerchen, Blau- und Kohlmeisen, zwei Rabenkrähen und ein einsamer Stockentenerpel.

Kraniche hörten wir, sahen sie aber nicht.

Und dann zu unser allergrößten Überraschung plötzlich eine Sensationsentdeckung!

Skulptur Pinguine
(fotografiert von der weltbesten WG-Genossin)

Pinguine mit Nachwuchs! Wir haben sehr gelacht!

Beifang: 8 Rehe und 1 Haselmaus.

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