»Post« für Susanne Osthoff

»Liebe Susanne Osthoff, Deutschland ist böse auf Sie! Sie sind nicht dankbar genug und auch noch so störrisch, sich im Irak wohler zu fühlen als in Bayern, wo Sie, das stimmt allerdings, Ihre kleidsamen Kopftücher wohl nicht tragen dürften. Und dann geben Sie auch noch zuerst Al Dschazira ein Interview und nicht dem ZDF!

Was Sie nicht wissen: Wir sind im Moment alle sehr Deutschland, und Sie wollen nun einfach Irak sein, wer soll das verstehen? Wenn schon vermutlich Geld für Sie bezahlt wurde, dann hat Deutschland das Recht, Sie mit Mutter unterm Baum, mit Schwester bei Kerner, mit Außenminister bei Christiansen, als Mensch des Jahres bei Jauch und allein in dreistündiger Sondersendung bei Beckmann zu sehen, immer demütig und dankbar, Tränen wären schön. Das alles haben Sie verweigert, und das tut guten Deutschen richtig weh. Das kommt davon, wenn man Frauen zuviel eigenen Willen läßt, nicht wahr? Wahrscheinlich würden Sie nicht mal einen Orden annehmen für alles, was Sie im Irak geleistet haben, aber wahrscheinlich kriegen Sie auch gar keinen. Den kriegt man nur, wenn man nicht anders ist. Anders ist immer ganz schlecht.

Ich bin übrigens auch nicht Deutschland, ich bin einfach nur

Ihre Elke Heidenreich

Elke Heidenreich in der FAZ und damit es nicht untergeht hier zitiert - ich fürchte nur, es wird nicht wenige Deutsche geben, die die wahre Botschaft dieses Schreibens nicht verstehen.

7 Kommentare

Wieder einmal vielen Dank liebe Liisa, dass Du mich daran teilhaben lässt. Das hätte ich sonst glatt verpasst. Und das wär in diesem Fall mal wirklich schade, denn diese »Post« ist ein Lichtstrahl, den ich jetzt gerade gut gebrauchen konnte.
Mein heißer Dank gilt natürlich ebenso der wortgewandten Elke Heidenreich, falls sie das hier jemals lesen sollte ;o).

BTW Guten Rutsch und einen optimalen Start ins neue Jahr :o).

Ein Lichtstrahl in der Finsternis, danke!

Danke Liisa, dass Du den Artikel hier zitierst. Ich hätte ihn sonst nicht gelesen. In der FAZ-Online-Ausgabe von gestern gab es noch den Artikel »Bearbeitet« von Patrick Bahners, der sich ebenso wohltuend von den ganzen anderen Denunzierungen gegen Susanne Osthoff abhebt. Es gibt anscheinend noch ein paar echte Journalisten in Deutschland und nicht nur eine gleichgeschaltete Meute, die nur noch vorgefertigte Meinungen übernimmt.

Ich wünsche Dir ein schönes neues Jahr, liebe Grüße aus dem Nordosten der Republik!

Nunja. Auch die FAZ hat in dieser Sache an anderer Stelle durchaus ebenfalls Dreckschleuder-Niveau erreicht: klick

@ Mo — ich wollte mit dem Text hier auch nicht behaupten, daß die Berichterstattung der FAZ besser sei, es ging mir eher um den Text von Elke Heidenreich an sich. Mit Ruhm bekleckert hat sich die gesamte Presse in diesem Fall insgesamt nicht - die Masse der Leser aber auch nicht.

Weiß ich doch. Ich wollte nur Marions Kommentar über die Ausnahmeerscheinungen in der Medienlandschaft ergänzen.

@Mo
Ich weiß Mo, ich hatte den Artikel auch gelesen. Patrick Bahners weist in »Bearbeitet« auch noch mal darauf hin. Die Artikel von Heidenreich und Bahners in der FAZ fallen jedoch aus dem üblichen Rahmen der Einheitspresse.

Dem Chefredakteur meines Lokalblattes fiel auch nichts besseres ein als die Kosten, die Frau Osthoff verursacht hat und zukünftig verursachen wird zu bejammern. Für ihn scheint nur von Wert zu sein, was sich auch in Heller und Pfennig rechnet. Manchmal klingt er wie der Pressesprecher der INSM.

Solange in ein und derselben Zeitung noch unterschiedliche Meinungen publiziert werden ist das auch in Ordnung, und das Abendland noch nicht am untergehen. Ich wünschte mir das aber in allen Zeitungen, zumindest in den meisten. Es geht ja nicht nur um den Fall Osthoff, besonders in wirtschaftlichen Fragen scheint es nur noch eine Meinung zu geben. Wie die zu lauten hat wird Sonntagabend bei Sabine Christiansen festgelegt. Die Kommentare können wir dann Montag in den Printmedien lesen, Unterschiede gibt es dabei kaum. Manchmal sieht das schon verdächtig nach Hofberichterstattung aus.

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