‹ Schönen Sonntag allerseits! •
Ich habe am Wochenende etwas gelesen, was mich gedanklich doch ziemlich beschäftigt.
Geo Special hat eine repräsentative Umfrage in Deutschland und Polen durchgeführt mit Fragen zum Verhältnis der beiden Länder bzw. Völker zueinander. Auszüge aus der Befragung bzw. ein Teil der Ergebnisse hier:
1. Wie sympathisch sind Ihnen die Polen?
Junge Deutsche bewerten Polen weit negativer als ältere. Nur 6,6 Prozent der Schüler und 11,9 Prozent der 14-29jährigen gaben den Polen Bestnoten, während ausgesprochen negative Gefühle von immerhin 21,4 Prozent der 14-29jährigen und 31,7 Prozent der 30-39jährigen genannt werden. Den höchsten Sympathiewert erzielt Polen bei den ab 60jährigen Deutschen. 22 Prozent in dieser Altersgruppe vergaben Höchstnoten.
Ganz anders die Polen: Sie bringen Deutschland viel größere Sympathien entgegen als umgekehrt. Best-Noten erhält Deutschland von gut ausgebildeten, gut verdienenden Polen (63,3 bzw. 64,7 Prozent), von den 30-39jährigen (60,2 Prozent) und von den Bewohnern Oberschlesiens (62,4 Prozent). Die geringsten Sympathien für Deutschland empfinden die über 60jährigen Polen (16,3 Prozent) und solche mit niedriger Schulbildung (13,3 Prozent)
2. Haben Sie Ihren Nachbarn schon einmal besucht?
Fast ein Drittel der Deutschen war schon einmal in Polen (32,9 Prozent), wobei der Anteil der 30 bis 39jährigen am geringsten, der der 50 bis 59jährigen am höchsten ist (24,9 bzw. 40 Prozent). Menschen mit geringem Einkommen fahren eher nach Polen als Gutverdiener, Singles häufiger als Familien.
Die Polen sind etwas neugieriger als ihre deutschen Nachbarn. 43,1 Prozent kennen Deutschland aus eigener Erfahrung, bei den mittleren Jahrgängen (40 bis 60jährige) sind es rund 50 Prozent. Vor allem Polen mit sehr guter Ausbildung und sehr gutem Einkommen (70,2 und 72,7 Prozent) sowie die Einwohner Westpolens (64,6 Prozent) waren schon im Nachbarland. Polen unter 30 besitzen die geringste Deutschlanderfahrung (33,4 Prozent).
3. Was meinen Sie: Wie sympathisch finden uns die anderen?
So wie wir die Polen einschätzen, so glauben wir, schätzen uns auch die Polen ein. Wobei die 30 bis 39jährigen Deutschen und die Gutverdiener die größte Mißgunst auf der anderen Seite vermuten. Blamable 8 bzw. 8,2 Prozent von ihnen glauben, daß die Polen uns sehr sympathisch finden. An ein gutes Bild von uns Deutschen im Nachbarland glauben am ehesten die ab 60jährigen (18,2) und die Baden-Württemberger (23,6), die selber aber Polen mit am negativsten beurteilen. Am stärksten davon überzeugt, daß uns die Polen nicht mögen, sind die Schüler (26,6 Prozent), die ungelernten Arbeiter (28,8) und die Berliner (31,1)
Anders die Polen: Sie glauben, daß die Deutschen sie besser einschätzen, als es tatsächlich der Fall ist. Über ein Viertel der Polen sind der Auffassung, die Deutschen würden ihnen Bestnoten geben, Gebildete und Oberschlesier glauben dies sogar zu 32,6 bzw. 38,7 Prozent, während die Ostpolen und die im Raum Posen Lebenden nur zu 12,5 bzw 14,2 Prozent davon überzeugt sind, daß sie von den Deutschen gemocht werden.
4. Wie wird sich das deutsch-polnische Verhältnis durch die gemeinsame EU-Mitgliedschaft entwickeln?
An eine Verbesserung des deutsch-polnischen Verhältnisses glauben fast 40 Prozent der Deutschen, wobei hier SPD-Anhänger (51,4 Prozent) optimistischer sind als CDU/CSU-Anhänger (39,5). Westdeutsche (42,1) trauen der EU mehr Ausgleich zu als Ostdeutsche (31,5). An eine Verschlechterung des Verhältnisses glauben nur knapp 20 Prozent, wobei die 14- bis 29jährigen (26,9) und die Schüler (31,9) erheblich pessimistischer sind als der Durchschnitt.
Auf polnischer Seite sind die Befürchtungen deutlich geringer. Am wenigsten Sorgen machen sie die unter 30jährigen (9,3 Prozent), während die ab 60jährigen eine gewisse Skepsis nicht verhelen (17,7 Prozent).
Die komplette Umfrage kann im GeoSpecial, Nr. 4, August/September 2004 nachgelesen werden.
Ich muß sagen, daß mich einige der Ergebnisse doch sehr überrascht und nachdenklich gemacht haben. Ich hätte z.B. nicht gedacht, daß gerade die jungen Deutschen Polen gegenüber so negativ empfinden. Da sie ja vom Krieg unbelastet sind, hätte ich da gedacht, daß sie offener und positiver wären. Und da sie ja auch am wenigsten schon in Polen waren bzw. Erfahrungen mit Polen gesammelt haben, frage ich mich, wo diese negative Haltung herkommt.
Ich hab mich auch gefragt, wie meine eigenen Antworten ausgesehen hätten. Bei Frage 1 wäre ich positiver gewesen als die Gruppe meiner Altersklasse. Bei Frage zwei hätte ich leider leider mit »nein« antworten müssen, obwohl Polen schon länger ganz hoch oben auf meiner Liste der Länder steht, die ich gerne mal besuchen würde. Bei Frage 3 hätte ich glaube ich ziemlich realistisch geantwortet, sprich ich hätte vermutet, daß die älteren Polen eher noch Schwierigkeiten damit haben, uns sympathisch zu finden, als die jungen Polen. Und bei Frage 4 hätte ich ebenfalls geantwortet, daß ich denke (und sehr hoffe), daß sich das deutsch-polnische Verhältnis durch die gemeinsame EU-Mitgliedschaft positver entwickeln wird … allerdings nach den Ergebnisse der gesamten Umfrage beschleichen mich leichte Zweifel, denn offenbar sind die »Gräben« doch noch wesentlich größer als ich gedacht hätte. Da ich ja davon ausging, daß die jungen Deutschen den jungen Polen gegenüber aufgeschlossener wären, hatte ich gedacht, da könne etwas heranwachsen, was ein besseres Miteinander nach sich zieht, aber wie gesagt, so wie die jungen Deutschen offenbar denken, dürfte das schwierig werden und wenn die jungen - uns noch sehr positiv gegenüberstehenden Polen - erstmal realisieren, daß ihre ausgestreckte Hand eher mißtrauisch beäugt wenn nicht gar ausgeschlagen wird, kann die positive Haltung irgendwann auch ins Gegenteil umschlagen und wieder wäre eine Chance zu einem besseren Miteinander ausgeschlagen worden, bzw. ungenutzt geblieben. Das finde ich persönlich schon sehr schade.
