Privates ·Tagesnotizen 2017

Was schön war in letzter Zeit

Die Zeit rast dahin. Seit dem letzten Eintrag hier ist schon wieder viel zu viel Zeit vergangen. Es ist Sommer und wir genießen es, dass wieder Sommer ist. Auch der Sommer fliegt vorbei. Ich bin nicht viel online oder am Rechner. Ich will den Sommer kosten, ihn nicht vergeuden.

Eine schlechte Nachricht aus dem engeren Familienkreis hat dieses Bedürfnis noch zusätzlich befeuert. Unsere Zeit ist begrenzt und manchmal viel begrenzter als wir ahnen. Wie viele Sommer sind uns noch vergönnt? Wie viele Winter? Wie oft noch können wir mit Menschen, die wir lieben und die uns etwas bedeuten, zusammen sein, reden, lachen oder auch mal weinen? Warum also Zeit mit Dingen vertun, die keinerlei Mehrwert haben? Die uns nur die Laune verderben, uns runterziehen? Warum endlose Diskussionen, statt einfach das zu machen, was gerade zu tun ist? Anpacken, konkret und praktisch sein.

Was mir in der letzten Zeit gut getan oder gefallen hat?

Viel Sonne und Wärme natürlich. Inzwischen habe ich in »unserem« See angeschwommen. Es war zwar noch etwas frisch, aber schön und natürlich hoffe ich, diesen Sommer noch oft hineintauchen zu können.

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Die weißen Nächte, in denen am Horizont immer ein heller Streifen bleibt. Ich bilde mir dann immer ein, ich sei irgendwo noch weiter im Norden, da ist der Streifen noch viel heller.

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In den klaren Nächten habe ich unter dem unfassbaren Sternenhimmel hier gestanden und einfach nur geschaut und gestaunt. Diese Ecke hier ist einer der besten Plätze in Deutschland, um Sterne zu sehen. Dafür reisen die Sternengucker extra an. Ich kann das jederzeit sehen und bin dankbar dafür.

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Weiterhin erfreut mich das Vögelbeobachten über die Maße. Besonders natürlich die Premieren, also wenn ich bestimmte Vogelarten das erste Mal in freier Wildbahn sehe. Das waren in letzter Zeit: Stieglitz, Gartengrasmücke, Teichrohrsänger und meine beiden absoluten Highlights: Braunkehlchen und erst gestern, ein Eisvogel. Was für ein wunderschöner Vogel! Ich sah ihn völlig überraschend an einem Ort, wo ich im Leben nicht damit gerechnet hätte. Umso größer war natürlich die Überraschung und Freude. Ich war den restlichen Abend total geflashed.

Überhaupt, diese Touren! Sie haben mir ein Gefühl aus meiner Kindheit zurückgebracht. Aus der Zeit, wo man nach den Hausaufgaben nach draußen geschickt wurde mit der Ansage, dass man zum Abendessen wieder zuhause zu sein habe. Und dann ist man die Stunden bis dahin draußen herumgestromert, hat sich einfach treiben lassen. Vertraute Plätze aufgesucht, neue Plätze entdeckt, kleine Abenteuer erlebt. So wie es sich eben ergab. Häufig genug hab ich schlicht die Zeit vergessen. So geht es mir jetzt wieder mit diesen Touren. Ich habe kein festes Ziel, ich folge einfach den Vögeln und bin dann völlig überrascht, wenn meine lieben WG-Genossen Suchmeldungen aufgeben, weil ich scheinbar verschollen bin oder weil es plötzlich dunkel wird und ich feststelle, dass es schon spät am Abend ist.

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Schön waren die Vorlesestunden mit den Besuchskindern (3,5 u. 7 Jahre). Ich war ein bisschen überrascht wie lange und konzentriert sie zugehört haben. Aber es sind Kinder, denen von den Eltern viel vorgelesen wird. Sie waren also entsprechend trainiert. Und ich habe mir natürlich auch alle Mühe gegeben, denn ich wollte ihnen ja kein Vorlesetrauma verschaffen. Interessant, worüber sich Kinder von Herzen amüsieren können. Ich wiederum amüsierte mich, wie sie sich an manchen Stellen schier ausschütteten vor Lachen.

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Überhaupt, die kindliche Unbeschwertheit und Spontanität. Da ist noch kein Abwägen, ob diese oder jene Reaktion wohl angemessen ist, ob das nun wirklich so lustig oder traurig ist, ob das nun ein zu großes Wagnis ist oder nicht. Es wird einfach getan, ausprobiert und wenn sie scheitern, fließen eventuell ein paar Tränen aber Minuten später ist das wieder vorbei und sie haben schon wieder neue Vorhaben und Pläne oder eine neue Idee, wie sie das Wagnis doch noch meistern könnten.

Schade, dass wir Menschen diese Unbeschwertheit meist im Laufe des Lebens verlieren. Ich habe den Eindruck, das wird immer krasser. Bloß nicht einfach loslachen. Ich könnte mich ja blamieren, andere düpieren, verletzten, ich weiß nicht was. Sicher, Rücksichtnahme ist wichtig, aber mir scheint, wir manövrieren uns langsam aber sicher in eine Ecke, in der uns auch noch das letzte bisschen Spontanität und Unbeschwertheit verloren geht. Befindlichkeitsdiktatur ist das Wort, das mir in diesem Zusammenhang vor einigen Tagen in den Kopf schoss. Mir scheint, (fast) alle werden immer empfindlicher (nicht empfindsamer, das ist was ganz anderes!). Die Atmosphäre wird immer giftiger, die Vorwürfe häufen sich. Viele fühlen sich nicht ausreichend gewürdigt, wertgeschätzt, wahrgenommen, gelobt, geschmeichelt, gefavt, etc. etc. Lauter kleine Satelliten, die einsam durch das Universum taumeln und sich lauthals darüber beklagen oder schweigend (beleidigt?) leiden. Lauter kleine Satelliten die beständig funken, dass sie gar keine Satelliten sind, sondern strahlende Sonnen, um die sich bitte die ganze Welt drehen soll. Was ist nur los mit uns?

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Die vielen Holunderbüsche sind voller herrlicher weißer Blüten. Holunderblütengelee und Holunderblütensirup haben wir schon gemacht. Ich liebe es, den Sommer schon morgens auf dem Toastbrot zu haben.

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Es hat sich unverhofft etwas ergeben, das wohl mein nächstes großes Highlight wird. Aber davon zu gegebener Zeit mehr. Ich freue mich jedenfalls schon unglaublich darauf und ja, es ist Sommer, und ich werde diesen Sommer genießen und aus ihm rausholen, was ich nur rausholen kann! Das hab ich mir jedenfalls fest vorgenommen.

4 Gedanken zu „Was schön war in letzter Zeit

  1. Du hast so Recht! Alles aus dem Sommer holen, was geht. Nicht ehrgeizig, sondern herumstromernd und staunend.
    Auch was Du über diese vielen kleinen Sternchen schreibst, die gerne Sonnen sein möchten und immer ist irgendwer beleidigt oder gekränkt- ich empfinde es ähnlich.
    Ich versuche es wie Du zu machen, einfach zu leben und mich keinen Zwängen zu unterwerfen, denen ich mich entziehen kann. Deinen Sternenhimmel muss ichmir auch mal anschauen. Hier in der Stadt ist Dauerbeleuchtung.

    Ein schöner Text mal wieder. Danke.

  2. Der Eisvogel an überraschender Stelle. Toll!
    Mich interessiert das Buch, mit welchem du drei Kinder, altersmäßig ein wenig verschieden, derart fesseln und erfreuen konntest. War es vielleicht was von Roald Dahl? Meinen Enkel erfreut derzeit sehr das »Schönste und größte Bildwörterbuch der Welt« von Tom Schamp. Zu Lachsalven fordert ihn immer wieder der Hai im gläsernen LKW heraus.
    Dieses herrliche Leben im Sommer…
    Gruß von Sonja

    1. Nein, kein Buch von Roald Dahl, sondern »Eins, zwei, drei - ein Papagei!« von Kim Fupz Aakeson
      Aber ja, Roald Dahl ist auch immer eine gute Wahl.

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