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Der Mämö geht um

Morgens um kurz nach 6 Uhr irgendwo in den Weiten des ländlichen Mecklenburg. Draußen ist es zwar schon hell, doch ein dichter Nebel, der bis vor den Balkon eines Hauses reicht, hat den Rest der Welt verschluckt. Im ersten Stock gleich unter dem Dach liegen u.a. Charming Liisa und die drei Kater noch in tiefem Schlaf. Als geborene Nachteule hat sie erst um 3 Uhr in der Nacht das Licht gelöscht. Auch die restlichen Bewohner des Hauses liegen noch im besonders seligen Schlaf, der sich kurz vor Klingeln des Weckers einzustellen pflegt.

Wie Charming Liisa da also liegt und durch die Bilder eines Traumes wandert, dringt ein seltsames Geräusch langsam doch zu ihrem Unterbewussten vor. Ein kurzes Pfotengetrappel, das aber gleich wieder abbricht. Erneutes kurzes Pfotengetrappel, das erneut abbricht. Und wieder.

Das Kleinhirn meldet: »Achtung, Achtung! Kater macht Mist!« Charming Liisa denkt im Traum: »Ach, scheint aber kein großer Mist zu sein, ich wandere lieber noch ein bisschen weiter durch diesen Traum hier.« So im erneuten Absinken in den Traum begriffen, dringt wieder das Geräusch der Katerpfoten in ihr Unterbewusstes und ein weiteres seltsames Geräusch. Das Kleinhirn meldet sich wieder, diesmal in dringlicherem Ton: »Achtung, Achtung! Kater macht nicht Mist, Kater macht Jagd!«

Diese Botschaft dringt also langsam aber penetrant in Charming Liisas Unterbewusstsein und löst dort angekommen eine (fast) unglaubliche Reaktion aus. Charming Liisa steht mit einem Mal, von 0 auf 100, vor dem Bett, hört Katerpfotengetrappel und ein sehr hohes, piepsiges und anhaltendes Schreien. Mit wenigen Sätzen ist Charming Liisa beim Lichtschalter, knipst das Licht an und glaubt ihren Augen nicht zu trauen.

Vor ihren Füßen ist Kater Aljoscha damit beschäftigt, einer kleinen niedlichen Maus die möglichen Fluchtwege zu verstellen und sie mit der Pfote immer wieder abzubremsen oder beiseite zu fegen. Charming Liisa hat keine Angst vor Mäusen (auch wenn das Frauen ja häufig als geschlechtsspezifische Angst zugeschrieben wird), wohl aber Angst um das Leben des hin und her wetzenden Mäuschens. Sie versucht also irgendwie an dem Kater vorbei an die Maus zu kommen.

Doch Kater Aljoscha, (der wie die anderen beiden Kater - die ahnungslos im Flur vor sich hinträumen und deren Kleinhirn wahrscheinlich immer noch verzweifelt meldet »Aljoscha macht Mist! und »Wollt ihr nicht mitmachen?« - kein Freigänger ist oder je war), denkt gar nicht daran, sich diese einmalige Chance auf Mäusejagd nehmen zu lassen. Mit einem eleganten Sprung ist er vor Charming Liisa bei der Maus und schließt seine gewaltigen zierlichen Kiefer um den kleinen Mäusekörper.

Charming Liisa packt ohne langes Überlegen Kater Aljoscha und schüttelt ihn ein wenig in der Hoffnung, dass er daraufhin die Maus fallen lässt. Nix da. Charming Liisa läuft mit Kater Aljoscha in den Händen, der wiederum die Maus in seinen Fängen hat, zu einer der Mitbewohnerinnen und ruft diese laut aus dem Schlaf. Als sie feststellt, dass die Mitbewohnerin (aka Garten-Yoda) tatsächlich wach und auf den Beinen ist, läuft sie schnell ins Bad und lehnt dort die Tür an (für den Fall, dass der Kater die Maus doch plötzlich los läßt, damit die nicht in den unendlichen Weiten, Ecken, etc. der Wohnung verschwindet).

Die Mitbewohnerin hat immer noch keine Ahnung was los ist. Folgt aber dem fortgesetzten Rufen von Charming Liisa und findet sich ebenfalls im Bad ein. Dort wird sie mit wenigen Worten in Kenntnis gesetzt, in welches Drama sie da geraten ist und sieht ja auch das bedauernswerte Opfer in den Fängen des Raubtieres.

Was nun tun? Noch einmal schüttelt Charming Liisa den Kater leicht, der - oh Wunder - dadurch kurz irritiert den Griff seines Kiefers um die Maus kurz etwas lockert und sie dadurch verliert. Die arme kleine Maus fällt zu Boden und bleibt leblos liegen. Offenbar war der Zugriff des Katerkiefers doch zu heftig und er hat ihr dabei das Genick gebrochen - Blut oder Wunden sind nämlich nirgends zu sehen. Es könnte aber natürlich auch sein, dass das arme Mäusetier beim Zugriff durch Kater Aljoscha ob des Schocks an einem Herzkasper verschieden ist.

Die Mitbewohnerin hat blitzschnell ein großes Wischwegtuch zur Hand und nimmt die Maus damit auf, während Charming Liisa mit dem sich wie wild gebärenden Kater kämpft und ihn zu Boden lässt. Der schaut sich wild um und macht sich sofort auf die Suche nach der verschwundenen Maus, die doch eben noch in seinem Maul war. Beim kleinsten Geräusch fährt sein Kopf in die entsprechende Richtung und er rennt los. Natürlich erfolglos, denn die Maus haben ja wir. Sie wird - wenig pietätvoll - in die Mülltonne vorm Haus entsorgt.

Kater Aljoscha läuft zurück zur Ecke, in der die Maus vermutlich das erste Mal in sein Blickfeld geriet. Dort lässt er sich in Lauerstellung nieder und stiert auf die Fußleiste.

Nun muss ich noch erwähnen, dass ich zwei Nächte zuvor, als ich noch am Schreibtisch saß und arbeitete, plötzlich ein relativ lautes Scharren gehört hatte. Zuerst hatte ich Kater Aljoscha in Verdacht und da das Scharren nicht aufhörte, ging ich ihn suchen. Er und Kater Jaromir saßen in besagter Ecke vor der Fußleiste und stierten dorthin. Die Mitbewohnerin (aka Garten-Yoda) wurde von mir herbei geholt und meinte nach kurzem Lauschen: »Da ist vermutlich eine Maus hinter. Aber keine Sorge, hier rein kann die nicht kommen. Die geht auch wieder weg.«

Nun bin ich ja im großen und ganzen gegenüber Menschen, die ich gut kenne, recht leichtgläubig. Ich war also beruhigt - ich möchte an dieser Stelle nochmal betonen, dass ich persönlich keine Angst vor Mäusen habe, die weltbeste WG-Genossin hingegen schon und da sind eben auch die drei Kater - und trollte mich. In der darauffolgenden Nacht lauschte ich immer mal wieder, ob ich wieder etwas hören würde, aber es blieb still. Gestern über Tag ging ich irgendwann mal ins Wohnzimmer, um etwas zu holen und plötzlich war auch dort wieder Scharren und Getrippel zu hören.

Ich holte sofort die weltbeste WG-Genossin, damit sie die Geräusche auch mal hören konnte und mir glaubte, dass ich ihr keinen Bären (bzw. keine Maus) aufgebunden hatte. Wir machten uns aber weiter keine großen Gedanken, denn die andere WG-Mitbewohnerin (aka Garten-Yoda) hatte ja versichert, die kommt hier nicht rein. Außerdem hatte sie mit dem Hüter des Hauses gesprochen, der ebenfalls befunden und versichert hatte, wenn es eine Maus sei, käme die nicht in die Wohnräume. Soviel zur Vorgeschichte und Theorie.

Kater Aljoscha saß also in Lauerstellung noch eine ganze Weile vor der Fußleiste und stierte, bis er sich dann - doch selber sichtlich erschöpft nach dieser ungewohnten Aufregung -, von dort wegtrollte und eine Kuscheleinheit bei mir einforderte. Ich sah ihn an und teilte ihm mit, dass ich jetzt nicht so recht wisse, ob ich ihn loben oder tadeln solle. Ich entschied mich letztlich - auch im Sinne der weltbesten WG-Genossin - für ein Lob. Das allerdings etwas eingeschränkt durch den Zusatz: »… Es hätte auch gereicht, wenn Du die Maus einfach nur mit der Pfote festgehalten hättest, bis ich sie gefangen hätte. Du hättest sie nicht gleich töten müssen!«

Der Kater sah mich mit großen Augen an, in denen sich sein Unverständnis spiegelte. Ich glaube, er hat es mir ein bisschen übelgenommen, dass ich ihn seiner einzigen Chance, eine von ihm selbst erlegte Maus zu verspeisen, beraubt habe.

Jedenfalls wird er in die »Historie der Katzen in unserem Leben« eingehen, als der einzige Kater, der es als reiner Hauskater geschafft hat, eine lebende Maus zu fangen und zu töten. Offiziell trägt er jetzt einen weiteren Spitznamen, der da lautet »Mämö« (Abkürzung für »Mäusemörder«). Die beiden anderen Kater, Jaromir und Filippo, haben die ganze Aufregung glatt verpennt - nun gut, sie sind auch schon etwas ältere Herren, es sei ihnen also nachgesehen.

Wir hoffen, dass es wirklich nur eine Maus war, die sich da irgendwie bis zu uns hinauf verirrt hat und dass die Geräusche, die wir gestern im Wohnzimmer gehört haben, nicht zu einer weiteren Maus gehören, die irgendwann durch denselben Zugang in den Wohnraum kommt, wie die unglückliche kleine Maus, die ihre Abenteuerlust heute morgen mit dem Leben bezahlt hat, als sie sich unverhofft einem Kater gegenüber sah. Eine echte kleine Pechmaus, also.

10 Gedanken zu „Der Mämö geht um

  1. Wow, what a morning!! Ich kann mir schöneres Erwachen am Morgen vorstellen. Aber sei froh über Aljoscha. Wir haben keine Katzen und einmal ist mir nachts eine Maus übern Kopf geflitzt. Da bevorzuge ich dann doch lieber den leblosen Zustand.

  2. @ Sasai - Da sagste was! Und das mir, die ich normalerweise vor 10 Uhr nicht wirklich funktioniere. 😉
    Ich glaube, ich hätte es auch weniger »lustig« gefunden, wenn das Mäuschen mir über den Kopf gelaufen wäre. Und klar, sind wir froh über Aljoscha. Nicht, dass das Mäuschen irgendwo hinter Schränken oder so dahingeschieden wäre und es fängt irgendwann an zu stinken oder sowas.

  3. Oh ja, da werden Erinnerungen wach…. Ich kann mir gut vorstellen was ihr da für eine Action hattet und du hast mit soviel Humor geschrieben, das lese ich jetzt glatt noch mal 🙂

    Ich wünsche dir ein schönes mäusefreies Wochenende,
    Patricia

  4. so ist es. Mit Gestank von dahinsiechenden Mäusen, die in den Wänden gestorben sind haben wir ebenfalls aus der Studienzeit Erfahrung. Da galt es dann: Fenster auf und frieren oder erstunken :))

  5. Eine ähnliche Geschichte haben wir auch mal erlebt. Misses Little hat die Maus auf der Terrasse gefangen, fallenlassen - und das kleine Tierchen ist unversehrt abgeflitzt. Wir haben sie irgendwie eingefangen (ich glaube, es war ein Eimer im Spiel) und weit weit weg ausgesetzt. 🙂

  6. Sehr schöne Geschichte, auch wenn es an dem Morgen sicher aufregend war! Schade natürlich für die Maus, aber auf Dauer hätte sie eh keine Chance gehabt.

    Wir hatten einen Freigänger-Kater, der ständig lebende Mäuse anschleppte. Die stellten sich dann tot oder fielen in Ohnmacht und der Kater hat sich nicht mehr dafür interessiert. Das heißt, wir hatten ständig Mäuse im Haus.

    Einmal gab es einen großen Kaffeeklatsch mit vielen Frauen, auf einmal kreischt eine los: Da sitzt eine Maus - prompt standen 2 Frauen auf den Stühlen. Wir waren zum Glück erfahren im Mäuse fangen und nach draussen bringen. (kleiner Tipp: Zeitung zu einer Röhre drehen und hinhalten, die Maus denkt es ist ein Mauseloch und läuft hinein, wenn man sie ein wenig scheucht. Dann aber hinten zumachen, sonst rennt sie nur wie im Zirkus durch die Röhre und weiter gehts…)

    Und als wir umzogen, fand sich unter dem Esszimmerschrank ein kleines Mäuselager - mit Brekkies. Das fand ich dann ausgleichende Gerechtigkeit, dass sich die Mäuse im Haus vom Katzenfutter ernähren konnten.

  7. @ Mo - wenigstens war es außerhalb des Hauses. Aber von der Terrasse ins Haus ist es ja auch nicht weit, schon gar nicht wenn man um sein Leben rennt. 😉

  8. @ tine - bis ich eine Zeitung zur Hand gehabt hätte, wäre die Maus auch tot gewesen oder sonst wohin entschwunden.

    hehehe … sehr lustig, die Mäuse, die sich von Brekkies unterm Schrank ernährt haben. 🙂

  9. ja, bei Mäusen muss man verdammt schnell sein - und das wäre ich am frühen Morgen ganz sicher auch nicht.

  10. Sehr schön erzählt, die Geschichte vom MäMö!
    Erinnert mich ein wenig daran, wie meine Katze vor Jahren durch das gekippte Fenster (damals wusste ich noch nicht, wie gefährlich Kippfenster sind) einen Vogel gefangen hatte und ihn dann durch die Wohnung schleppte. Ich wollte ihn retten, doch auch er war bereits tot. Bis heute glaube ich, dass es sich bei dem seltsamen Vorgang um suicide by cat gehandelt haben muss.

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