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Tagesnotizen

Paprikaernte - © Liisa

Es wird langsam aber sicher immer herbstlicher. Da bin ich es noch schuldig vom Fortgang des Projekts „Das erste Mal im Leben Gemüse auf dem eigenen Balkon ziehen“ zu berichten.

Die beiden Tomatenpflanzen haben wirklich reichlich getragen. Beide Sorten haben uns sehr gemundet, wobei die „Zuckertraube“ die Nasenspitze vorne hatte. Ein paar Nachzügler reifen jetzt noch, aber die beste Zeit liegt hinter den Pflanzen.

Zu meiner großen Freude zahlte sich meine Geduld aus, und die drei Paprikapflanzen, die sich lange Zeit ließen überhaupt Früchte auszubilden und dann über Monate grüne Paprika trugen, fingen doch noch an, sich zu färben. An zweien erstrahlten die Paprika nach und nach in sattem tiefen Rot und an der verbliebenen dritten Paprika färbten sie sich in ein schönes gelb-orange. Letztere die den Namen „Corno giallo“ trägt, hat uns am meisten überzeugt. Sehr schöne große Paprika mit grandiosem Geschmack. Die beiden roten Sorten („Sweet Dreams“ und „Korosko“ brachten geschmacklich eher durchschnittliche Paprika hervor, und die auch nicht so zahlreich und größtenteils eher klein. Ich bin nicht sicher, wie ich sie beurteilen soll, da ich den Verdacht hege, dass die Ernte bei den beiden sehr stark vom eher ungünstigen Wetter dieses Jahr beeinflusst war. Unter Umständen tragen sie unter besseren Umständen deutlich mehr, größere und schmackhaftere Paprika.

Aber egal! Das Projektziel war (sehr bescheiden formuliert) von jeder Sorte wenigstens eine Frucht ziehen und selber essen können. Das ist bei zwei von drei Tomatenpflanzen (die grüne Zebra ist ja leider einen tragischen frühen Tod gestorben) und den drei Paprikapflanzen gelungen, und es gab sozusagen noch reichlich Bonuspunkte bzw. Bonusernte.

Ich bin also insgesamt sehr glücklich und zufrieden mit dem Experiment, das über Monate hinweg für viel Spannung und Freude gesorgt hat. Schön, dass ich wenigstens einmal im Leben selber Gemüse auf dem Balkon gezogen habe … und vielleicht ja nicht zum letzten Mal.

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Ansonsten mache ich mir gerade sehr viele Gedanken, wie wahrscheinlich (fast) jeder. Themen und Anlässe gibt es ja reichlich dieser Tage. So beobachte ich mit einer Mischung aus Entsetzen und Nichtglaubenkönnenwollen, wie die Politik in Deutschland und in ganz Europa sowas von versagt, dass es … eben! … kaum zu glauben ist! Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob das Methode hat oder ob die wirklich so unfähig sind.

Gleichzeitig freue ich mich über die vielen Beispiele von Bürgern, die überall mit anpacken und versuchen das Versagen der Politik, Behörden und Verantwortungsträger, etwas abzufedern bzw. auszugleichen. Das ist wirklich sehr beeindruckend zu sehen und mitzuerleben.

Über die vergangenen Wochen hinweg, kam mir sogar der sich erhärtende Verdacht, dass es vielleicht sogar ganz gut ist, dass die Politik und Behörden vor Ort sich so „vornehm“ zurückhalten. Denn da, wo sie sich irgendwann doch berappelt haben und mit eingeschalten haben, brach sofort das Chaos aus. Sie schalteten sich nämlich ein mit? Na, raten Sie es? Richtig, Bürokratie! Und mit dieser Bürokratie brachten sie innerhalb kürzester Zeit reibungslos funktionierende Systeme ins Trudeln und teilweise sogar zum (vorläufigen) Stillstand. Was natürlich blöd ist, wenn Menschen davon abhängen.

Ein weiterer Gedanke, der mich in diesem Zusammenhang streifte, war dass das, was die Politik da gerade an Trauerspiel abliefert, nicht gerade dazu beiträgt, das Vertrauen der Bevölkerung in die Politik zu stärken. Ich bin gespannt auf die kommenden Wahlen und ob sich dieser Vertrauensverlust in noch niedrigerer Wahlbeteiligung abbildet. Ich fürchte ja.

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Haben Sie schon mal darauf geachtet, wie oft Sie binnen eines Tages „für dumm verkauft“ werden oder zumindest der Versuch unternommen wird? Ich hab mal bewusst darauf geachtet und war über das Ergebnis doch einigermaßen erschüttert. Es ist unglaublich, wer alles glaubt, es ja mal versuchen zu können: die Politik, die Werbung, bestimmte Medien (gut, das ist nichts neues, die üblichen Verdächtigen halt, aber das Ausmaß hat deutlich zugenommen) und ja, auch Hinz und Kunz.

Wann ist das eigentlich gesellschaftsfähig geworden? Offenbar funktioniert es ja prächtig, sonst würden nicht so viele zu diesem Mittel greifen. Ich bin es ehrlich gesagt ziemlich müde und satt. Wollen wir etwa belogen und betrogen werden? Oder sind wir alle so gestresst und unter Druck, dass wir schlicht nicht mehr die Energie haben, uns gegen all diese Versuche zu wehren, und akzeptieren es inzwischen bis zu einem gewissen Grad? Unglaublich, wie viel Energie wir im Grunde verpulvern müssen, um solchen Versuche a) erstmal auf die Schliche zu kommen (manche kommen sehr plump daher, andere sind sehr raffiniert angelegt) und sie b) dann abzuwehren.

Achten Sie mal darauf!

3 Gedanken zu „Tagesnotizen

  1. Ja liebe Liisa,
    was zur Zeit los ist macht mich wütend und bereitet mir große Sorgen, es könnte alles ins wanken geraten, aber vielleicht ist das auch ein natürlicher Verlauf der Dinge.
    Sei lieb gegrüßt,
    Patricia

  2. Das mit dem für Dumm verkaufen, habe ich auch schon beobachtet.
    Allerdings habe ich mich dann immer gefragt, ob ich so etwas provoziere. Weil ich zu gutgläubig bin, weil ich die positive Absicht hinter Dingen suche, weil mir ein gewisser grad an Ellenbogenmentalität einfach nicht zu eigen ist.

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