Privates ·Tagesnotizen 2015

Tagesnotizen

Da mein aktuelles Kreativ-Projekt in absehbarer Zeit abgeschlossen sein wird (davon demnächst sicher mehr), hab ich mir überlegt, was nun? Nach drei Decken, wollte ich mal etwas anderes machen. Nun bin ich, glaube ich, fündig geworden und hab am Wochenende sogar schon mit etwas Wolle, die ich zufällig zur Hand hatte, angefangen. Leider bin ich aber damit auch wieder mit einem Problem konfrontiert, das mich gerade etwas frustriert sein lässt.

So schön das Leben auf dem Land nämlich ist, wenn es um solche Dinge geht, ist es eher katastrophal. Ich brauche für mein neues Projekt Wolle und einige andere »Zutaten«. An die ist hier extrem schwer ein Herankommen. Das nächst gelegene richtige Wollgeschäft ist in Rostock (1 Stunde Autofahrt pro Strecke) und das Angebot dort ist halt auf bestimmte Wollmarken beschränkt. Ist ja logisch; die haben ja nur beschränkt Platz. Brauche ich also Wolle, die von einer anderen Marke ist, bin ich aufgeschmissen.

Dann heißt es online ordern, was ich bei Wolle oft schwierig finde. Die Farben werden halt auf dem Monitor nicht 100%ig korrekt dargestellt. Je nachdem, wie dann noch fotografiert wurde, weichen die Farben sogar gewaltig ab. Außerdem fass ich eine Wolle ganz gern auch mal an, bevor ich mich entscheide, sie zu kaufen und zu verarbeiten oder eben nicht. Jedesmal wenn ich eine Wolle quasi »blind« via Internet kaufe, ist das innerlich für mich ein riesen Stress und Akt. Jedesmal die Angst, mich zu »verkaufen« und damit Geld, »verschwendet« zu haben, das ich vorher eh schon dreimal umgedreht habe.

Brauche ich noch andere kleinere »Zutaten« für ein kreatives Projekt wird es ganz übel. Die eine Zutat finde ich dort, die andere dort und die dritte ganz woanders. Und jedesmal zahle ich natürlich die teuren Zustellungskosten, die im Ernstfall teurer ausfallen, als die Zutaten. Frust hoch 10! Das sind die Momente, wo ich alle beneide, die in Berlin, Hamburg, München oder anderen größeren Städten wohnen, wo es gleich mehrere Wollgeschäfte gibt und man obendrein auch problemlos an weitere Zutaten für solche Projekte kommt.

Selbst, wenn ich mal in eine größere Stadt mit entsprechenden Läden komme, nutzt mir das relativ wenig, weil ich ja noch nicht, weiß, was für Projekte ich zukünftig machen werde, und was ich dann für Wolle oder sonstige Zutaten brauchen könnte. Einfach mal auf Verdacht kaufen, halte ich für keine allzu gute Idee und kann ich mir im Prinzip auch nicht leisten. Dann stehe ich also in einer Art Wollparadies und es hilft mir auch nix (oder nicht viel).

****************************

Im nächstgelegenen Städtchen gibt es ein Lädchen, das zumindest Wolle (einer einzigen Marke), ein paar Häkel- oder Stricknadeln, etc. im Sortiment hat. D.h. es gibt eine kleine »Handarbeitsecke«. Einmal war ich schon dort und hatte zumindest drei, vier Knäuel Catania Wolle dort bekommen. Heute bin ich wieder hingefahren, in der Hoffnung, vielleicht vielleicht, könnte es ja dort doch die Wolle geben, die ich bräuchte. Als ich hinkam, stellte ich fest, dass es dort eine ausgedehnte Mittagspause gibt. Also erst noch anderes erledigt. Dann wieder zum Lädchen, noch etwa 12 Minuten bis wieder geöffnet werden sollte. In der Kälte gewartet. Zum angegebenen Zeitpunkt blieb die Tür verschlossen. Nichts rührte sich. In meiner Verzweiflung beschloß ich noch etwas zu warten. 15 Minuten später, als ich gerade unverrichteter Dinge abziehen wollte, kam endlich jemand und schloß den Laden auf.

V: Sonst bin ich immer pünktlich. Nur heute nicht! Kann man ja nicht ahnen, dass heute jemand kommt!

L: Ähm, ja. Ist ja gut, dass Sie jetzt da sind. Ich wollte gerade wieder gehen.

Der Verkäufer ging in den Laden und verstaute erstmal seine offenbar gerade gekauften süßen Teilchen für den Kaffee. Ich stand etwas verloren im Laden herum und orientierte mich langsam in die »Woll-Ecke«.

V: Brauchen Sie Hilfe?

L: Ja, das wäre sehr nett. Ich suche die und die Wolle!

V: Nö, ham wir nicht. Hab ich hier im Laden auch noch nie gesehen!

Wohlgemerkt, eine Wolle der einen Marke, die der Laden führt.

V: Gibt’s die wirklich? (murmelt die Farbnummern, die ich ihm vorher genannt hatte vor sich hin) Ich glaub nicht, die gibt’s. Die Nummern sagen mir nix.

L: Ja, entschuldigung, das sind die Nummern, die mir genannt wurden.

V: Ich hol mal den Katalog.

Der Verkäufer verschwand und kam nach einiger Zeit mit einem Katalog wieder und begann den durchzublättern auf der Suche nach den entsprechenden Nummern. Ich schaute mir das bis ungefährt Seite 4 oder 5 an.

L: Also die Farben, die hinter den Nummern stecken wären die Farben x und y (wohlgemerkt keine exotischen Farben, kein Farbenmix oder so)

V: Aha. (blättert weiter durch den Katalog) dann: Also das hier sind ja ganz andere Nummern. Ich glaub nicht, dass es die Nummern gibt, die Sie mir genannt haben!

L: Ich glaube schon.

Verkäufer entdeckt nach längerem Weiterblättern tatsächlich eine der Nummern.

V: Ach, tatsächlich, die gibt’s. Na sowas. Ja, aber die hier haben wir nicht da. Könnte ich ihnen bestellen.

L: Ja, und was ist mit der zweiten Farbe.

V: Ich glaube nicht, dass es die gibt. Die Nummer sieht ja noch komischer aus (weiteres wildes Herumblättern im Katalog).

L: Wie lange würde es denn dauern, bis die Wolle in der einen Farbe da wäre, wenn Sie sie für mich bestellen würden?

V: (überlegt eine Weile) Naja, so 1 1/2 bis 2 Wochen. Aber nur, wenn es die wirklich gibt.

L: Sie ist doch im Katalog aufgeführt, dann wird es sie wohl auch geben!

V: Naja

L: Ich glaube, ich überleg mir das nochmal.

V: Also ich bestell dann die Wolle.

L: Nein, lassen Sie mal. Mir nutzt es nur was, wenn ich auch die andere Wollefarbe dazu bekomme.

V: Ja, ich glaube eigentlich gibt’s die Farben gar nicht.

L: Okay, dann auf Wiedersehen tschüss.

Palim palim

Wenn ich nicht so ein zurückhaltender Mensch wäre, hätte ich an dieser Stelle mal kurz laut geschrieen. Stattdessen bin ich nach Hause gefahren, hab die Wolle im Internet gesucht, die eine hier, die andere dort gefunden. Bestellt (je 1 Knäuel) und natürlich zweimal die volle Ladung Zustellungsgebühren (1x fast derselbe Betrag wie das Knäuel kostet, 1x der halbe Betrag der Kosten für das Wollknäuel). Die weiteren Zutaten habe ich noch nicht gefunden oder bestellt. Jetzt hoff ich erstmal, dass die Anbieter, bei denen ich bestellt habe, seriöse und nicht dubiose Händler sind und dass sie die Wolle auch wirklich in der angegebenen Zeit (1-3 Tage) liefern.

Unter solchen Bedingungen könnte man sich kreative Tätigkeiten auf dem Land glatt abgewöhnen.

7 Gedanken zu „Tagesnotizen

  1. Vielleicht tröstet es Dich ja ein wenig, aber auch ich (ja nun wirklich sehr nahe Berlin wohnend und in Berlin arbeitend) kaufe Wolle auch nur noch per Internet.
    Auch wenn mir das manchmal zuwider ist und ich gern die kleineren Läden unterstützen würde - ich schaffe es einfach nicht, quer durch die Stadt zu fahren, nur, um dann nicht das vorzufinden, was ich suche. Das gibt mein Alltag einfach nicht her.
    Ich mache es deshalb genau umgekehrt und suche erst gar nicht mehr: Wenn mir ein Sonderposten Wolle über den Weg läuft und mir Farbe und Material zusagen, dann kaufe ich den (meist zu einem Bruchteil des ursprünglichen Preises) und lasse das Material sich dann selbst und ohne Anleitung zu etwas entwickeln. Klingt jetzt etwas merkwürdig, aber mir sind so schon einige Lieblingsstücke entstanden, die ich später getragen habe, bis sie auseinandergefallen sind. (Aktuell ist es ein aus Trachtenwolle gestrickter, langer grauer Trägerrock, der mich schon den gesamten Herbst und Winter über gut wärmt (Hosen konnte ich wegen der offenen Knieverletzung ja lange gar nicht tragen). An dem habe ich fast zwei Jahre lang gestrickt (abends immer mal eine halbe Reihe) und irgendwie passt er wie angegossen.)

  2. Hachja, Leben auf dem Lande…. seufz. (bloß gut, daß ich nie Wolle brauche.) (Allerdings brauche ich manchmal anderes. Naja.)

  3. @pepa - Wolle einfach so - auf Verdacht - zu kaufen, kann ich mir fürchte ich nicht erlauben. Wenn ich voll der Handarbeits-Crack wäre, dann könnte ich es vielleicht so machen. Aber sooo kreativ bin ich dann auch wieder nicht in dieser Hinsicht. Da hätte ich dann irgendwann vermutlich zwar ein Wolllager aber mehr auch nicht. Ich »klebe« sozusagen an den Anleitungen. Es gibt ja auch Leute, die in der Lage sind, wenn da z.B. steht »nehmen Sie diese und diese Wolle«, und sie können die nicht bekommen, alternative Wollen zu kaufen, die aber irgendwie trotzdem die gleichen Eigenschaften haben wie die angegebenen Wolle, nur dass sie eben von einem anderen Hersteller sind. Das krieg ich z.B. nicht auf die Reihe. Ich hab schon zig Erklärungen etc. gelesen von wegen Lauflänge und worsted weight und all sowas, aber ich kapier’s einfach nicht. Und da ich mir jede Ausgabe wirklich dreimal überlegen muss, ist mir das Risiko, dass ich mich am Ende doch vertue und die falsche Wolle kaufe, schlicht zu hoch.

  4. Liebe Liisa, genau so ist es: Wolllager, Stofflager, Kurzwarenlager.
    (Fühle mich durchschaut. 😉 ).
    Dass Du aus Deiner Situation und Persönlichkeit heraus eine ganz andere Herangehensweise hast und mein Kommentar dort oben ganz sicher nicht wirklich hilfreich war, ist mir aufgefallen, nachdem ich ihn abgeschickt habe. Das tut mir leid, da war ich mal wieder voreilig.

    Dass ich die Handarbeitsmaterialien quasi erstmal hamstere, hat mit der Kriegskindermacke meiner Mutter zu tun, die ich zu nahezu 100% übernommen habe. Denn genau so habe ich sie von klein auf agieren sehen. Sie hat immer Stoffe, Wolle, Reißverschlüsse etc. in Sonderangeboten aufgestöbert und sich selbst und mir aus ihrer Beute fast die gesamte Gardrobe hergestellt. Ihre besten, kreativsten Stücke sind dabei aus Resten, die eigentlich zu knapp bemessen waren entstanden, aber auch aus alten Kleidungsstücken hat sie wirklich schöne Kindersachen gefertigt (z.B. einen wunderschönen Dufflecoat für das damals 1-jährige Sohnkind aus einem alten Mantel meines Vaters). Mit Stricksachen hat sie ALLE Kinder der Familie versorgt, also nicht nur die eigenen Enkel. Ich finde das nach wie vor sehr schön und halte hier besondere Stücke von ihr (wenn sie nicht schon vor lauter Dauertragen auseinandergefallen sind) in Ehren.

    Dass ihre Vorgehensweise tendenziell so nachmache, ist nur zum Teil eine bewußte Entscheidung. Wir sind halt sehr ähnlich gestrickt, auch wenn meine Lebenswirklichkeit eine ganz andere ist, als die der Hausfrau, die sie fast ihr Leben lang war.

  5. @ pepa - Erstmal grundsätzlich: Ich hab mich über Deinen Kommentar gefreut. An und für sich ist das nämlich eine gute Anregung, von der vielleicht andere LeserInnen hier durchaus etwas haben.

    Ich habe sicher nichts dagegen, wenn Kommentare sich als »hilfreich« herausstellen, aber diese »Kategorisierung« nehme ich nicht grundsätzlich vor. Also, nix »vorschnell«! Von mir aus kannst Du ruhig kommentieren, ohne erst lange abzuwägen, ob ein Kommentar nun »hilfreich« sein könnte oder nicht.

    Das Vorbild, das wir haben prägt uns ja oft viel mehr, als uns bewußt (und manchmal auch lieb) ist. Kreativität war bei uns zuhause zum Beispiel ein Fremdwort. Nähen, Stricken, Häkeln o.ä. kam so gut wie nie vor. Da fiel ich dann mal wieder »aus der Art«. Wobei ich das in jüngeren Jahren auch nicht extrem betrieben habe.

    Im Nachhinein hätte ich mir manchmal gewünscht, dass es mehr Kreativität gegegen hätte, und ich auf diesem Wege vielleicht das ein oder andere hätte lernen können. So musste ich mir das bisschen, was ich kann, alles mühsam selbst aneignen.

    Manchmal wünschte ich mir eine Freundin, die über diese Art der Kenntnisse, Fähigkeiten und Kreativität verfügt und obendrein die Geduld hätte, mir das ein oder andere beizubringen. Gut, Kreativität hat man oder man hat sie nicht. Aber zur Kreativität gehört doch auch immer ein gewisses Maß an Kenntnis und Fähigkeit, sonst kann die Kreativität sich nicht ausdrücken.

  6. Zum Thema: Anregungen… Da kann ich auch noch etwas beisteuern. Kennst du ravelry? http://www.ravelry.com. Schon mal davon gehört? Aber Achtung! Hoher Suchtfaktor! Ein Strick- und Häkelforum mit über 3 Mio Mitgliedern weltweit, d.h. also viele Anregungen und Muster, viele Ideen, viele Informationen… Die Mitglieder gehören Gruppen an, so gibt es z.B. die Rostocker Stricklieseln oder die Greifswald Knitters. Allein in Mecklenburg-Vorpommern gibt es also 6 Gruppen (die man dann z.B. auch fragen kann, wo man gute Wollgeschäfte findet), bundesweit 546 Gruppen etc. etc. etc. Es macht Spaß zu sehen, was so alles gestrickt und gehäkelt wird und bei Problemen kann man fragen und findet Hilfe.

    Viele gute Anleitungsfilmchen findet man übrigens auch auf YOU TUBE.

    Und dann noch: Gute Erfahrungen beim Wollekauf im Internet habe ich gemacht bei »mylys« - einem Wollgeschäft in Hamburg.

    Viel Spaß beim Stöbern im Internet 🙂 Holunder

  7. @ Holunder - Ja, ich kenne Ravelry, bin dort auch registriert. Anregungen und Ideen habe ich dort auch schon gefunden. Allerdings in Gruppen bin ich bisher nicht allzu viel aktiv geworden, weil das wieder zusätzlich Zeit kostet, die ich meist nicht habe.
    Was die Gruppen in MV angeht, so sind das alles eher kleine Gruppen, in denen auch sehr wenig los ist. Letzte Diskussionen liegen 4 Monate oder gar Jahre zurück.

    Tutorials auf youtube habe ich ebenfalls schon oft genutzt und einiges dabei gelernt.

    Danke sehr für die Erinnerung an Mylys. Von dem Laden habe ich schon mal gehört. Als ich das letzte Mal in Hamburg war, wollte ich dort auch mal vorbeigehen aber das hat nicht geklappt. Mir war aber bis heute nicht klar, dass man bei denen auch online Wolle bestellen. Toll. Da werde ich mal schauen!!

Kommentare sind geschlossen.