Privates ·Tagesnotizen 2015

Tagesnotizen

I.

Manchmal muss man Türen schließen. Dann, wenn sie nirgendwo mehr hinführen.

Eine Kunst, zu wissen, wann der Moment da ist, in dem man eine Tür nicht mehr wenigstens einen Spalt offenhält, sondern sie ohne Zögern und Bedauern schließt. Zu früh kann genauso verheerend sein, wie zu spät.

Es braucht Übung zu erspüren, wann der richtige Moment ist und nicht nur das, sondern dann auch zu handeln. Viel zu oft lassen wir uns verleiten, entweder zu früh oder zu spät dran zu sein.

Türen schließen schmerzt, weil es fast immer Abschied bedeutet. Abschied von Menschen, von Träumen, von Hoffnungen, die wir nur ungern loslassen.

Türen schließen befreit, wenn wir uns lösen von Menschen, Träumen und Hoffnungen, die uns nicht gut getan haben.

Sich nicht von der Angst, von vergeblicher Hoffnung oder schlichter Nostalgie bestimmen zu lassen, sondern von der Neugier und Vorfreude.

Türen schließen setzt neue Energien frei, mit denen wir uns aufmachen zu neuen Ufern, neuen Menschen, neuen Träumen und Hoffnungen.

Lernen, Türen zu schließen, um frei zu werden, neue Türen zu öffnen.

II.

Ich schloß eine Tür.
Jetzt steh ich hier
mit Fragen:
Welche Türen werde ich finden,
und welche davon will ich öffnen?

Will ich eine neue Tür öffnen?
Oder doch lieber hindurchgehen,
durch eine, die schon offen ist?

Muss ich eine weitere Tür öffnen?
Vielleicht will ich lieber weiter
wandern
in die Weite,
bis hinter den Horizont.

Wer keine Türen öffnet,
muss auch keine Türen schließen.

Eine Welt ohne Türen
ist vorstellbar
für mich.

Eine Welt ohne Türen
ist unvorstellbar
für mich.

III.

Weiterdenken?

Durch welche Tür bist Du zuletzt gegangen?

Welche Tür hättest Du schon längst schließen sollen?

Welche Tür würdest Du gerne öffnen?

Eine Welt ohne Türen oder doch voller Türen?

9 Gedanken zu „Tagesnotizen

  1. Liebe Friederike, Du musst Dir wirklich keine Sorgen machen. Mir geht’s gut! Das ganz normale Leben halt. Auf und ab, Gold und Pech, Berg und Tal, offene und geschlossene Türen. Wie heisst es so schön? „Being happy doesn’t mean, that everything is perfect. It means, that you’ve decided to look beyond the imperfections.“ 🙂

  2. Manchmal ….

    Manchmal fällt die Tür mit einem Knall zu –
    so fest, dass sie nie mehr zu öffnen ist.
    Manchmal bleibt sie angelehnt
    abwartend, hoffend auf einen Neubeginn.
    Manchmal schwingt sie ein paarmal leise wieder auf,
    um sich dann endgültig zu schließen –
    je nachdem, wie der Wind mit ihr spielt.

    *Ulla, 2011*

    Ja, es stimmt, Türen schließen schmerzt und befreit. So eine Entscheidung trifft man nicht leichten Herzens – dann ist meist schon lange die Einsicht gewachsen, dass es nicht mehr gut tut.

    Mir sagte man vor Jahren einmal in einer Freundschaft: „Ich tu was ich will – nehme keine Rücksicht – die Gefühle und Befindlichkeiten anderer Menschen interessieren mich nicht. Ich habe keine Empathie, will ich auch nicht – will mich nicht in Andere hineinfühlen, ich hab genug Eigenes. Ich möchte nur aufgefangen werden, wenn ich falle. Wer damit nicht klarkommt, muss einfach gehen.“

    Und genau das habe ich dann getan – ich bin gegangen und habe die Tür zu meinem Schutz geschlossen.

    Danke für dein Blog, ich mag es sehr und lese hier schon lange – danke besonders für diesen Blogeintrag ….. er weckt Erinnerungen in mir.

    Alles Liebe für dich.

    Deine Leserin

    Ulla

  3. …einfach weiterwandern…
    und gut is….
    Wenn es denn so einfach wäre!
    Meist hänge ich in Gedanken, oder wenn mein Blick auf gewisse Dinge fällt, noch eine lange Weile an einer aufgekündigten Freundschaft!
    Gruß in die Ferne
    Sonja

  4. @ Ulla – Vielen Dank für Deinen nachdenklichen und freundlichen Kommentar. Ich freue mich sehr darüber! Dein Gedicht passt genau zu diesem Text!

  5. @ Sonja – „einfach weiterwandern … und gut is …„, das können wohl nur die wenigsten, zumindest, wenn es Türen zwischen Menschen sind, die sich schließen bzw. die geschlossen werden müssen. So etwas reißt meistens Wunden und ist mit einer Art Trauerprozeß verbunden.

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