Privates ·Tagesnotizen 2015

Tagesnotizen

Nun ist es da, das neue Jahr. 2015, das Jahr also, in dem ich - wenn mir nicht vorher noch ein Ziegelstein auf den Kopf fällt -, das halbe Jahrhundert Leben voll machen werde. Das muss ich mir bis dahin noch ungefähr eine Million mal vorsagen, dann glaube ich es am Ende, wenn es soweit ist, vielleicht tatsächlich. Noch etwas zerknittert also beginnt das neue Jahr sich zu entfalten. Ich sah heute eine Notiz, die lautete »Page 1 of 365«, heute müsste es natürlich schon »Page 2 of 365« lauten. Ja, das Leben und die Zeit schreiben einen neuen Band unserer Lebenshistorie. Ich bin gespannt, was für ein Jahresroman für mich dabei herauskommen wird.

Nach dem Mittag habe ich mich schnell warm eingepackt und für einen Spaziergang nach draußen begeben. Das Wetter war den ganzen Tag über sehr stürmisch, mit Wechseln zwischen kurzen Episoden mit Sonnenschein und grandiosem Lichtspiel und peitschenden Regengüssen. Ich hatte Glück und erwischte zumindest für den Großteil des Weges eine trockene Phase, auch wenn der Wind heftig über die weiten Felder wehte und ein ordentliches Tosen in den Bäumen entlang des Weges und in den Waldstücken veranstaltete. Kaum Vögel zu sehen und die wenigen, die ich sah, hatten ordentlich zu kämpfen, um überhaupt vorwärts zu kommen.

Etwa auf Höhe des ersten Drittels des Weges hatte es dann einen kräftigen Ast von einem alten, dornigen Hagebuttenstrauch (fast schon ein Baum) abgerissen. Der war auf den Weg gestürzt und blockierte ihn fast völlig. Nur ganz am Rand konnte ich mich vorbei zwängen. Allerdings blieb ich doch mit dem Daumen der linken Hand an einer hinterlistigen Dornenranke hängen und vergoß so das erste Mal mein Blut im Jahr 2015. So inmitten der gerade sehr rauen und unfreundlich wirkenden Natur, fühlte ich mich an irgendwelche archaischen Blutopfer erinnert, mit denen unsere heidnischen Vorfahren hofften Mutter Erde oder sonstige Naturgötter zu beschwichtigen.

Abgesehen davon genoss ich es, den scharfen Wind zu fühlen, mich gegen die Böen zu stemmen und die mächtigen Wolkenmassen zu beobachten, die am Himmel entlang jagten. Erst auf dem Rückweg auf dem letzten Drittel des Weges fing es wieder leicht an zu tröpfeln, was mich aber nicht weiter störte. Ordentlich durchgelüftet (aber nicht, wie es durchaus hätte kommen können, komplett durchgeweicht) erreichte ich den heimischen Hof und war froh mich trotz des eher abschreckenden Wetters auf den Weg gemacht zu haben.

4 Gedanken zu „Tagesnotizen

  1. Blutopfer? Nicht schlecht! Erstaunlich was manche Menschen alles tun um die Götter gnädig zu stimmen. Aber du solltest ja nun ein tolles Jahr vor dir haben! 🙂

  2. @ spontiv - Ich schrieb »ich fühlte mich erinnert« … das ist etwas anderes als »Ich vergoss mit voller Absicht zum Zwecke der Beschwichtigung irgendwelcher Naturgötter … « ;-))

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