Interviews ·Mecklenburg-Vorpommern

Menschen in Mecklenburg-Vorpommern vorgestellt - die Interview Serie

© Christoph Trabert

Name …
Teresa Trabert. Teresa, ohne h ? und ja, das ist wichtig!

Geboren in …
? einer ganz anderen Ecke Deutschlands, im kleinen bescheidenen Saarland. Seit ich 2008 dort weggezogen bin und auch Familie und Freunde nicht mehr dort leben, habe ich keinen wirklichen Bezug mehr und keinen Anreiz dorthin zurück zu gehen. Etwas schade daran finde ich, dass ich keinen wirklichen Heimatbezug empfinde ? gerade, weil ich diesen hier in Mecklenburg-Vorpommern sehr stark unter den Menschen spüre.

Nach Mecklenburg-Vorpommern gezogen ?
bin ich im Januar 2013, nachdem ich im November 2012 aus dem warmen Kalifornien zurückgekommen bin. Zwar war der letzte Winter sehr kalt und das Ganze ein kleiner Schock, trotzdem habe ich mich sofort sehr wohl hier gefühlt. Ich habe gleich tolle Menschen kennengelernt und die Region lieben gelernt.

Heute lebe ich in …
Rostock. Eine Stadt, die man gerade in Westdeutschland viel zu wenig auf dem Schirm hat. Man hat entweder irgendwelche Vorurteile der Gegend gegenüber oder man assoziiert so gar nichts damit. Das ist schade, ist es doch eine so wunderschöne und so vielseitige Gegend.

Meinen Lebensunterhalt ?
verdiene ich momentan beim Kreativsaison e.V. Eine Initiative, die den Kreativtourismus im Land entwickelt und kultur- und kreativwirtschaftliche Akteure, touristische Leistungsträger, Gemeindevertreter, Politiker, Bürger und Visionäre miteinander vernetzen und die Vielfalt und Potentiale des Landes nach außen tragen möchte. Dafür organisieren wir den monatlich stattfinden Kreativstammtisch, immer an welchselnden Orten, v. a. aber im ländlichen Raum. Das ist eine schöne genreübergreifende Plattform zum Vernetzen und Kontakte knüpfen.

Außerdem haben wir gerade zum zweiten Mal die Bloggerreise #balticdiscovery organisiert, bei der junge und internationale Reiseblogger und JungjournalistInnen MV in einer Woche in einem ganz abwechslungsreichen Programm entdecken, Menschen der Region treffen, kreativ tätig werden und anschließend über die Erfahrungen und Erlebnisse berichten. Hier kann man ein kleines Video von dem Projekt sehen, das tolle junge Filmemacher (RABAUKE Filmproduktion) gedreht haben.

Die Arbeit ist toll, weil sie so abwechslungsreich ist, man immer in Kontakt mit interessanten Persönlichkeiten kommt und man bei der Entwicklung des Landes nicht nur zusehen, sondern mit anpacken kann.

Über den Dächern von Bad Kleinen z.B. fand das Willkommensdinner der Bloggerreise hoch oben auf dem Silo statt, aus dem der ehemalige Bürgermeister Hans Kreher einen kreativwirtschaftlichen Standort entwickeln möchte.

© Christoph TrabertV.l.n.r. Aloys Beenke von Bad Kleinen TV, Friederike Franze von www.freiseindesign.com und Vreni Frost von www.nevereverever.me

Jemals darüber nachgedacht, in eine größere Stadt zu ziehen oder etwa Mecklenburg-Vorpommern zu verlassen?
Ich würde lügen, wenn ich etwas anderes behaupten würde. Ich bin ein sehr reiselustiger Mensch, habe bereits an verschiedenen Orten gelebt und kann noch nicht richtig still sitzen. Das heißt also, dass MV zwar einen großen Platz in meinem Herzen eingenommen hat, dass ich aber auch noch einmal weiterziehen möchte - um dann in einer gewissen Zeit höchst wahrscheinlich wieder zurückzukehren. Ich arbeite sehr projektbezogen, sehe mich also durchaus auch aus der Ferne noch hier tätig sein. Dafür liegt mir Mecklenburg-Vorpommern und dessen Entwicklung wie gesagt zu sehr am Herzen.

An einem sonnigen Sommertag …
(ich gehe mal von Freizeit aus…) bin ich natürlich gerne an der Ostsee. An kleinen versteckten Stränden. Aber ich laufe auch super gerne einfach durch den Rostocker Barnstorfer Weg, was für mich ein Weilchen dauert. Hier ein Schnack, da ein bisschen stöbern und Sektchen trinken und am nächsten Eck gleich wieder eine bekannte Person treffen. Das ist das schöne an Rostock, man lebt nicht so anonym und trifft immer Leute. Abends hänge ich dann am liebsten am Hafen oder auf dem eigenen Dach mit bestem Ausblick über den Doberaner Platz ab.

An einem verschneiten Wintertag …
(auch hier gehe ich von Freizeit aus) lunger ich erst einmal zuhause rum, lese, höre Musik, esse. Dann ziehe ich mich warm an, mache mit Kamera einen Schneespaziergang und esse köstlichen Mississippi Mud Pie im »Café A Rebours« in der östlichen Altstadt. Nur zu empfehlen und ein echter Geheimtipp. Danach geht?s wieder unter die warme Decke und ich gucke mir einen Film an. Alleine oder mit den besten Freunden.

© Christoph Trabert

Gut essen …
kann man bei all unseren »Zu Tisch in MV«-Kandidaten!

© Christoph Trabert

Theater, Konzerte, Museen, Festivals …
gibt es hier zuhauf. Menschen sagen, in MV sei nichts los, das ist mal absoluter Quatsch. Ständig sind kleine schöne Konzerte, Lesungen, Theateraufführungen, tolle Ausstellungen, Festivals und so weiter und so fort. Manchmal muss man sich eben etwas besser erkundigen. Okay, ein wirklich gutes Portal, dass das Angebot sammelt, gibt es wirklich nicht. Daher versuchen wir auf unsere Facebook Seite und unserem Blog ein wenig darauf aufmerksam zu machen und die verschiedenen kulturellen Highlights anzukündigen und darüber zu berichten.

© Carsten Gramatzki

Wenn ich hier etwas ändern könnte …
wäre das vermutlich keine konkrete Sache vor Ort, sondern eher die Wahrnehmung der Menschen von außerhalb. Wie oft hatte ich Besuch und habe komplett überraschte Gesichter gesehen, weil man sich nicht vorgestellt hatte, dass MV so schön sei. Dass Rostock so schön ist und so viel zu bieten hat. Ja, an der Wahrnehmung hapert es noch. Auf Themen wie Kulturpolitik, Mangel an jungen Arbeitskräften und all so ‘ne Faxen komme ich jetzt mal nicht zu sprechen ? da wissen wir alle, dass es einiges zu tun gibt.

Die Einheimischen …
Man sagt, sie haben eine harte Schale, wenn die aber erst einmal geknackt ist, dann sind es Freunde für’s Leben. Ich habe wunderbare Menschen hier kennengelernt und allein deswegen bin ich dankbar hierher gekommen zu sein.

© Christoph Trabert

Zugezogene aus anderen Bundesländern …
möchten oft aufgrund des »Luxusfaktors Ostsee« nicht mehr hier weg. Verständlich. Wir leben da, wo andere Urlaub machen. Aber man darf nicht vergessen, dass MV noch viel viel mehr zu bieten hat als schöne Strände. Hier steckt so viel kreatives Potential, hier leben so herzliche und interessante Persönlichkeiten, hier gibt es auch im Innenland die tollsten Dinge zu entdecken und erleben.

Wenn ich alt werde …
bekoche ich meine Enkelkinder, die mir währenddessen voller Begeisterung von ihrer aktuellen Theateraufführung erzählen. Abends bekommen wir gerne Besuch, essen mit Freunden zusammen auf der Terrasse, trinken Weinchen und lachen über das Leben.

Ein Tipp …
Mein Tipp ist der: kommt mich in MV besuchen, überzeugt Euch von der Schönheit und Vielfältigkeit des Landes. Und wenn ihr dann hier seid, nehmt gerne Kontakt mit mir oder jemand anderem vom Team der Kreativsaison auf und wir geben Euch zahlreiche Tipps - von Unternehmungungsmöglichkeiten, dem besten Kuchen, von Veranstaltungen und tollen Künstlerorten, von den schönsten Stränden und kleinen Szeneläden.

Ein Wunsch …
Mein Wunsch ist der, dass MV bleibt wie es ist und stetig seinen Gang geht. Es mag sein, dass hier alles fünf Jahre länger dauert, aber es geht voran. Erst neulich habe ich mich mit einem Wiener Schauspieler unterhalten und er sagte: »Ich spüre, dass Rostock eine Perle ist. Hier blüht etwas und es braucht noch ein paar Jahre. Aber wenn es dann soweit ist, dann wird die Stadt boomen«. Ich wünsche mir also, dass dieser »Boom« nachhaltig und im Einvernehmen mit den vor Ort lebenden Menschen geschieht. Der »Boom« soll sich nicht abschreckend auf die auswirken, die die Ruhe hier zu schätzen wissen.

© Christoph Trabert

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Liebe Teresa, auch Dir herzlichen Dank, dass Du Dir die Zeit für das Interview genommen und uns davon erzählt hast, mit welch unterschiedlichen Projekten und Ideen Du, bzw. das Team von Kreativsaison versucht, Menschen aus anderen Teilen Deutschlands und darüber hinaus, Mecklenburg-Vorpommern näherzubringen und für das Land zu gewinnen. Man spürt Dir Deinen Enthusiasmus und Deine Liebe zu Land und Leuten ab und ich wünsche Dir bzw. Euch, dass Eure Bemühungen auch weiterhin erfolgreich sind und Ihr, die Gäste und das Land selbst davon in guter Weise profitieren können.

Die Fotos zum Interview stammen von Teresas Bruder, Christoph Trabert, der ja hier auch schon Rede und Antwort gestanden hat. Das Foto Nr. 5 (von den Festivalbesuchern) stammt von Carsten Gramatzki.

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3 Gedanken zu „Menschen in Mecklenburg-Vorpommern vorgestellt - die Interview Serie

  1. Beispielsfrau einer neuen Generation.
    Genau beschreibt sie mein Leben in der Rubrik: Wenn ich alt werde….
    Mächtig lernen kann ich hier was, das gefällt mir!

  2. Oh, eine Saarländerin in MV. Das Porträt habe ich als Saarländer natürlich mit besonderem Interesse gelesen. 😉
    Macht Lust, Rostock und Umgebung mal kennen zu lernen.

  3. @ Markus - soll ich Dir ein Geheimnis verraten? Hier gibt’s noch mehr Saarländer! Tatsächlich sogar in unserer WG! 🙂

    Solltest Du tatsächlich mal Richtung Rostock und Umgebung kommen, gib aber auf jeden Fall vorher Bescheid!

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