Interviews ·Mecklenburg-Vorpommern

Menschen in Mecklenburg-Vorpommern vorgestellt - die Interview Serie

© Vera Doneck

Name …
Vera Doneck

Geboren in …
Wismar und gleich danach emigriert.

Heute lebe ich in …
den Feldern um Dambeck - Alt Meteln - Drispeth (und Wismar ist ganz zufällig in der Nähe).

© Vera Doneck

Meinen Lebensunterhalt verdiene ich ?
freiberuflich mit Text/Textil/Musik

Jemals darüber nachgedacht, in eine größere Stadt zu ziehen oder etwa Mecklenburg-Vorpommern zu verlassen?
Nein. Hab ich alles hinter mir.

An einem sonnigen Sommertag …
bedaure ich die Menschen, die hier nur im Urlaub sein dürfen.
Das Schönste für mich: die Gluthitze über den Feldern, die Option, mal eben ans Meer fahren zu können, unter Touris sofort Urlaubsgefühle zu bekommen, selbst beim stressigsten Unterfangen, am Abend draußen sein zu können ? richtig draußen: mit Horizont, Milchstraße, Grillen, Feuer, Rosé ?

© Vera Doneck

An einem verschneiten Wintertag …
bedaure ich die Menschen, die hier nur im Urlaub sein dürfen.
Das Schönste für mich: zu wissen, dass auch die Anderen an der nächsten Schneewehe scheitern. Das weite Land genießen, das mit dem vielen Grün wieder so eng werden wird. Vom Rechner aus die Vögel beim Futtern beobachten. Über die Schneefarben staunen je nach Sonnenstand (der ist nämlich orange und rosa und blau ? also Vorsicht beim Weißabgleich!). Schneespuren legen und aufs Herdfeuer freuen.

© Vera Doneck

Gut essen …
Essen als Gesamtkunstwerk (die beste Küche ist immer noch die eigene):
Dorfladen Alt Meteln ? liebenswert ? zu Mittag brutzeln Dörfler für Dörfler Bouletten & Co.
Nixe in Binz ? kreatives Sternelokal ? statt Teller gibt?s Feldstein mit Regionalem drauf
Ich weiß ein Haus am See (das heißt so) ? no comment, selber googeln
Hafen in Wismar ? Fischbrötchen und die Beine übern Kai baumeln lassen
Zur Poeler Kogge ? ein must have am Abend: Sonnenuntergang im Meer, davor die Segler, kultige Bedienung, gediegene Küche

Theater, Konzerte, Museen …
Es gibt gut und reichlich, soviel vorab. Weil hier »nichts ist«, wird viel rangeholt: Musiksommer und Festivals aller Coleur z.B. Private etablieren ohne Ende Kino, Konzerte, Lesungen, Ausstellungen ?
Das Problem ist, dass es keine sinnvollen Veranstaltungskalender gibt (man muss im Grunde wissen, wer wo was und dann auf jeder einzelnen homepage suchen) und vor allem, dass die Presse (SVZ Schwerin vor allem) die Kulturlandschaft regelrecht boykottiert: Kultur, die was kostet, ist (natürlich nur bei den Kleinen) Kommerz und der Anbieter muss dazu eine Anzeige schalten (geht?s noch?) (sorry fürs Echauffieren).

Wenn ich hier etwas ändern könnte …
würde ich den o.g. Machern fristlos kündigen und per Dekret anordnen, dass Kultur einen höheren medialen Stellenwert bekommt.
Ich wünschte, die Bauern hier wären mehr Land-WIRTE, die auch über ihren Ackerrand hinausblicken ? ihr Anführer vorneweg.
Ich würde gern Menschen fotografieren, die so gar keinen Wert auf sich selbst legen und sie damit wachrütteln wollen (was ist von Schläfern ? nicht Pennern ? zu erwarten?!).
Ich würde an vielen Kleinigkeiten schrauben; mit ein wenig gesundem Menschenverstand wäre viel zu bewegen (durchgehende Radwege z.B., die auch von Skatern genutzt werden könnten, Feldrandgehölze nicht beseitigen, etc.). Über große Politik mag ich mich hier nicht äußern, das ist kein Landesproblem.
Ich würde allen Meckerern und Pessimisten empfehlen, dahin zu gehen, wo es besser wäre und mir ins Fäustchen lachen, wenn sich dann keiner fortbewegt.

Die Landmenschen …
würden im Vergleich zu Stadtmenschen niemals tauschen wollen. Könnten es aber ? im Vergleich zu den Städtern. Das hat was von Freiheit und Selbstbestimmtheit. Für mich eine sehr reiche Spezies (ähnlich wie Ossi/Wessi; letztere kennen nur EIN System), die auch im wörtlichen Sinne noch Boden unter den Füßen hat.

Zugezogene aus anderen Bundesländern …
ich kenne nur Leute, die erst pendeln wollten und dann hier angekommen sind. Meist mit sehr viel Energie und Background. Bereicherung und Segen für die Region. Widerliche Großklappen sind überall widerlich und gab/gibt es ebenso unter den Indigenen.

© Vera Doneck

Wenn ich alt werde …
sitze ich mit langem schwarzen Kleid im Schaukelstuhl im Garten und freue mich über das junge Gemüse um mich herum.

Ein Tipp …
Arkona abends bei Mistwetter hinter der Grenze
und ? logisch ? den dichterGarten

© Vera Doneck

Ein Wunsch für Mecklenburg-Vorpommern …
Liebe

© Vera Doneck

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Herzlichen Dank, liebe Vera, dass Du Dir trotz Deiner vielfältigen Aufgaben im dichterGarten und darüber hinaus, die Zeit für dieses Interview genommen hast. Wer mal nach Wismar reist, sollte sich den dichterGarten merken und einen Abstecher einplanen!

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5 Gedanken zu „Menschen in Mecklenburg-Vorpommern vorgestellt - die Interview Serie

  1. @ Frau Indica - ja, ich hab mich auch sehr gefreut, dass es geklappt hat sie und ihr Paradiesgärtlein in dieser Interview-Serie dabei zu haben. 🙂

    @ Sonja - wohl wahr!

    @ Patricia - vielen Dank, Patricia. Ist ja nicht mein Verdienst, dass hier im Land so interessante Menschen leben und die dann auch noch willig sind, ein Interview zu geben. 🙂

    @ Teresa - Danke für den Hinweis!

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