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Einmal um die Halbinsel Karaburun

Karaburun-Halbinsel - © Liisa

In unserem Urlaub befanden wir uns ja auf der Halbinsel Çe?me und an dieser hängt wiederum die Halbinsel Karaburun. Einen Tagesausflug machten wir rund um Karaburun. Die Straße führt fast ständig an der Küste entlang und eröffnet nach jeder Kurve neue herrliche Ausblicke über die kleinen und großen Buchten und weit über das Mittelmeer. Teilweise kamen wir nur von Kurve zu Kurve, weil wir immer wieder anhielten, um die Ausblicke und die schöne Landschaft zu genießen. Die Landschaft der Insel selbst ist ansonsten ziemlich bergig und bewaldet. Wir sahen große Olivenhaine, Obstplantagen und Gemüsefelder (Zitronen, Trauben, Feigen, Artischocken).

Karaburun-Halbinsel - © Liisa

Karaburun-Halbinsel - © Liisa

Karaburun-Halbinsel - © Liisa

Dazu natürlich wieder viel Ginster und jede Menge Wildblumen, u.a. auch wilden Lavendel (der Geruch!). Immer wieder sahen wir auch große Ziegenherden mit ihren (halb)nomadischen Hirten. Meist ältere Männer mit tiefgebräunten und verwitterten Gesichtern, kaum noch Zähnen aber dafür umso strahlenderem Lächeln, wenn sie uns grüßten.

wilder Lavendel - © Liisa

Irgendwann kamen wir plötzlich mitten in der Landschaft an zwei Holzpfählen vorbei. An einem hingen zwei große Plastiktüten mit Brot. Wir wurden neugierig und vermuteten vielleicht eine kleine Ansiedlung. Also angehalten und mal dem kleinen Pfad gefolgt, der von den Holzpfählen wegführte. Bald stießen wir auf Bienenstöcke und kurz darauf tauchte vor uns ein weiterer alter Mann auf. Er wackelte auf uns zu. Freundlich grüßten wir uns gegenseitig „Merhaba!“ Es folgte seinerseits ein türkischer Wortschwall, dem wir natürlich nicht folgen konnten. Mit Zeichen und Winken lud er uns ein, ihm zu folgen und führte uns zu einem schlichten Zeltlager in dem er offenbar zusammen mit seiner Frau und einem weiteren alten Ehepaar lebte. Der älteste Mann aus unserer Gruppe wurde als erstes auf ein etwas erhöhtes Podest geführt, wo er dem Oberhaupt, das dort auf einer Bank (die auf einem Teppich stand) ruhte, seine Aufwartung zu machen hatte. Ich fühlte mich an orientalische Märchen erinnert, wo irgendwelche Abgesandte dem Sultan oder Großwesir ihre Aufwartung zu machen hatten. Nachdem die Begrüßung erfolgt war, führte uns der alte Mann, den wir zuerst getroffen hatten, durch das Lager. Es gab einen runden Pferch, indem die schon geborenen Zicklein lustig durcheinander sprangen und vor sich hin meckerten. Außerdem gab es freilaufende Hühner und Hähne und zu meiner Überraschung auch ein Truthahnpaar inklusive Küken. In dem Zeltlager waren die Frauen, die die Frauen unserer Gruppe eifrig hinein baten. Auf dem sandigen blanken Boden lagen Teppiche. Das große Zelt mit Anbauten aus Holzstangen war recht dunkel und verraucht. Einzelne Bereiche waren wiederum mit Teppichen, die man über die Holzstangen gehängt hatte, abgeteilt und gewährten ein bisschen Rückzugsraum und Privatsphäre. Die Frauen waren gerade dabei, Fleisch (vermutlich Ziege) zu kochen und Fett auszulassen. Freundlich baten sie uns näher und wir hatten den Eindruck, dass sie überlegten, was nun tun mit uns unerwarteten Gästen. Sollten sie uns Tee anbieten, etwas zu essen? Wir verbeugten uns und zogen uns freundlich nickend rückwärts wieder aus ihrem Wohnzelt zurück, um sie nicht weiter in Verlegenheit und Hektik zu bringen. Freundlich winkend und wiederum von dem ersten alten Mann begleitet, machten wir uns auf den Rückweg zum Auto.

Leider kann ich Euch keine Fotos direkt vom Lager und den nomadischen Hirten zeigen, weil ich keine gemacht habe. Es kam mir zu invasiv und rücksichtslos vor (uns wäre es ja auch unangenehm, wenn wir Wildfremde in unser Wohnzimmer einladen, und die beginnen sofort dort und im Rest der Wohnung oder des Hauses herumzufotografieren und auch alle anwesenden Menschen abzulichten). Aber die Episode selbst, wollte ich Euch doch erzählen. Ich fand es sehr beeindruckend, diese Menschen, die so naturverbunden unter kärgsten Umständen leben und dabei glücklich und zufrieden sind, zu treffen. Ich fand es schade, dass ich nicht genug türkisch spreche, denn ich hätte mich gerne mit ihnen unterhalten und sie über ihr Leben dort befragt.

Wildblumen - © Liisa

Wir fuhren also weiter und nahmen dann irgendwo einen kleinen Abzweig, der uns für eine Weile von der Küste Richtung Inselinneres und damit in die Berge führte. Das war dann ein recht abenteuerlicher Abstecher, denn man darf sich nicht eine wirklich ausgebaute Straße vorstellen. Sie führte immer höher hinauf, das Mittelmeer entschwand unseren Blicken und stattdessen genossen wir die bergige Landschaft. Hier fanden sich dann stellenweise kleine Kiefernwäldchen und Zedern, dazwischen die charakteristische dichte Begrünung mit Büschen, Ginster und Wildblumen. Kleine verwunschene Dörfchen natürlich mit charakteristischer Moschee und Minarett und klitzekleinen windschiefen Häuschen tauchten auf und verschwanden wieder im Rückspiegel. Langsam näherten wir uns auf abenteuerlich sich windender Straße bergab wieder der Küste und dem Hauptort der Insel, der ihr auch ihren Namen gab: Karaburun.

Blick über die Stadt Karaburun - © Liisa

Das war dann ein rechter Kontrast zum bisherigen Trip und ich war überrascht, plötzlich wieder auf eine recht große Stadt zu stoßen, in der es vor Menschen wuselte. Ich glaube, wir waren die einzigen westlichen Touristen dort und dementsprechend fielen wir auch gleich auf. Karaburun ist auch bei Türken ein beliebtes Ziel, was man sowohl an der Beschilderung für Touristen als auch an den vielen kleinen Cafés und Restaurants merkte. Wir entschieden uns für ein Restaurant mit schöner Terrasse, von der aus man über die Stadt und hinunter auf das türkisblaue Meer schauen konnte und bestellten erstmal Döner für alle! 🙂 Ich kann Euch sagen, viel Ähnlichkeit hat der original türkische Döner mit dem, was uns hier in Deutschland als Döner verkauft wird nicht und der originale schmeckt um Welten besser! Danach noch ein heisser Çay und wir waren ausgeruht und gestärkt genug, um ein wenig durch Karaburun zu laufen. Dabei stießen wir auf den „Basar“, wo wirklich alles zu bekommen war, von Haushaltsgeräten, Geschirr, Tonwaren bis zu Lebensmitteln und Kleidung und Schuhen. Uns zog es unwiderstehlich zu den Obst- und Gemüseständen. Einer unserer Gemüsefans schwor uns, noch nie in seinem Leben so großen und gut aussehenden Brokkoli gesehen zu haben und schwärmte noch abends, als wir längst wieder in unserer Villa waren, davon. Die Vielfalt und die Farben des Obstes und Gemüse waren aber auch wirklich eine Pracht.

Karaburun - © Liisa

Schließlich verließen wir Karaburun und fuhren weiter entlang der Küste. Wieder herrliche Buchten und an einem der Strände machten wir dann noch eine etwas längere Pause und ließen die Seele baumeln.

Karaburun-Halbinsel - © Liisa

Karaburun-Halbinsel - © Liisa

Karaburun-Halbinsel - © Liisa

Müde aber voller interessanter Eindrücke und Erinnerungen kehrten wir gegen Abend heim. Die Karaburun-Tour war eines der Highlights unseres Urlaubs.

2 Gedanken zu „Einmal um die Halbinsel Karaburun

  1. Fotografiert hätte ich das Zeltlager auch nicht. So bleibt es für beide Seiten eine schöne Erinnerung und gibt Raum für Spekulationen, nicht nur dir, sondern auch den Nomadenhirten. Welch‘ andere Welt! Und so müsst ihr umgekehrt den ‚anderen‘ auch vorgekommen sein.

    Ich les‘ mich jetzt mal weiter rückwärts,
    LG

  2. @ Franka – ja, ich denke für die Nomaden-Hirten war es auch eine willkommene Abwechslung in ihrer Einöde, und ich könnte mir durchaus vorstellen, dass wir später bei ihnen auch noch etwas Gesprächsstoff geliefert haben. 🙂

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