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Ephesos - auf den Spuren der Geschichte

Ephesos - Blick über die Kuretenstraße zur Celsusbibliothek - © Liisa

Blick über die Kuretenstraße hinunter zur Fassade der Celsusbibliothek;
in der Bildmitte das Memmius Denkmal zu Ehren von Sullas Enkel Memmius

An einem Tag unseres Urlaubs fuhren wir an einen ganz besonderen und berühmten Ort, von dem ich Euch heute erzählen und Fotos zeigen möchte:

Es war einmal eine wohlhabende und einflußreiche Stadt in Kleinasien, die weit über ihre Grenzen hinaus bekannt war. Sie lag an einem Hafen und ihre Einwohner waren erfolgreiche Händler, die den Wohlstand der Stadt, mit dem Namen Ephesos, weiter mehrten. Ephesos Geschicke wurden von Kriegshelden und erfahrenen, vorausschauenden und listigen Politikern gelenkt, die es verstanden, sich das Wohlwollen der Götter und der herrschenden Kaiser zu sichern, und so den Ruhm der Stadt weiter zu mehren. Beeindruckende Bauten entstanden in und bei der Stadt. Für die von den Bewohnern der Stadt besonders verehrten Artemis, der Göttin der Jagd, des Waldes und Hüterin der Frauen und Kinder, wurde ein riesiger Tempel, das Artemision, errichtet. Dieser Bau war so beeindruckend, dass man überall davon sprach und er bald als eines der sieben Weltwunder galt und Besucher aus allen Himmelsrichtungen anzog.

Ephesos - Relief der Nike - © Liisa

Die geflügelte Siegesgöttin Nike, Botin und Mittlerin zwischen den griechischen Göttern und den siegreichen Menschen

Breite Straßen, wie die marmorne Kuretenstraße durchzogen die Stadt, luxuriöse Wohnhäuser (Hanghäuser) mit herrlichen Wandmalereien und Mosaikböden und große Geschäftshäuser säumten diese Straßen. Prächtige Brunnen, Wasserspiele und Denkmäler verschönerten Straßen und Plätze, an denen sich die Menschen gerne trafen. Es gab eine funktionierende Kanalisation, öffentliche Toiletten, Bäder und Thermen, die allen Luxus boten.

Ephesos - Mosaikboden - © Liisa

erhaltener Mosaikboden aus einem der Hanghäuser

Ephesos - der Trajanbrunnens - © Liisa

der Trajanbrunnen

Ephesos - Teil der öffentlichen Latrinenanlage - © Liisa

Teil der öffentlichen Latrinenanlage, man saß auf Marmor! 😉

Ephesos - Ruinen und Säulen - © Liisa

Ephesos verstand es auch zur Römerzeit seine Bedeutung zu bewahren und war eine der größten Städte des Römischen Reiches sowie der Sitz des römischen Prokonsuls der Provinz Asia. Die Erfolgreichen, Wohlhabenden und Schönen siedelten sich an und gaben reichlich Geld, um weitere beeindruckende Bauwerke errichten zu lassen. Die Tempel für die Kaiser Vespasian und Hadrian, die man als göttlich verehrte, wurden errichtet. Tiberius Iulius Aquila Polemaeanus errichtete zu Ehren seines Vaters Tiberius Iulius Celsus Polemaeanus die Celsus Bibliothek, die bis zu 12.000 Bücher in Rollenform besaß und in deren Unterbau Celsus schließlich in einem Marmorsarkophag bestattet wurde.

Ephesos - Fassade der Celsus Bibliothek - © Liisa

Fassade der Celsus Bibliothek

Ephesos - Detail der Fassade der Celsus Bibliothek - © Liisa

Detail der Fassade der Celsus Bibliothek

Ephesos - Statue der Sophia (Weisheit) an der Celsus Bibliothek - © Liisa

Statue der Sophia (Weisheit) an der Celsus Bibliothek,
insgesamt stehen dort vier Statue für vier Tugenden:
Sophia (Weisheit), Arete (Tapferkeit), Ennoia (Rücksicht) und Episteme (Kenntnis)

Außerdem gab es natürlich das grandiose großen Theater, wo wahrscheinlich der in der Bibel beschriebene Aufstand der Silberschmiede stattfand. Die riesigen Zuschauerränge boten 25 000 Zuschauern Platz. Heute strömt das Publikum zum Internationalen Festival von Ephesos in das restaurierte Theater und genießt dieses beeindruckende Bauwerk und den Blick auf die antiken Ruinen und die umgebende Landschaft.

Ephesos - das große Theater - © Liisa

das große Theater

Ephesos war ein Traumziel der damaligen Reisenden. Ephesos musste man gesehen haben, auf seinen Straßen flanniert sein. Viele Reisende kamen in die Stadt, Handelsreisende aus aller Herren Länder, Glückssucher, Bildungsreisende, Künstler und reisende Handwerker. Manche zogen nach einer Zeit weiter, andere ließen sich nieder und halfen, den Ruhm der Stadt weiter zu vergrößern und zu verbreiten. Ephesos war ein Schmelztiegel, nicht nur für Menschen aus aller Herren Länder sondern auch für Philosophien, Ideen und Religionen.

Durch einige Einwohner, so z.B. ein Ehepaar namens Aquila und Priszilla kamen erste Nachrichten über eine neue Religion in die Stadt. Apollos, ein gelehrter, redegewandter Jude aus Alexandria kam ebenfalls nach Ephesos und berichtet von dieser neuen Religion. Eine kleine Gruppe von Anhängern dieser neuen Religion begann sich zu versammeln. Schließlich kam auch ein gewisser Paulus, einer der Führer dieser neuen Religion, deren Anhänger sich Christen nannten, in die Stadt. Zunächst predigte er die neue Lehre drei Monate in der dortigen Synagoge, bis es zu Spannungen kam und er im Lehrsaal des reichen Tyrannus, die neue Lehre verkündete und verbreitete und die junge Gemeinde etwas mehr als zwei weitere Jahre betreute. Eine gute Strategie, denn so erreichte Paulus nicht nur die Epheser sondern auch viele Menschen, die in die berühmte Stadt kamen. Von Ephesos aus schrieb er zahlreiche Briefe an andere christliche Gemeinden in Kleinasien, die sich heute im Neuen Testament nachlesen lassen. Die Gemeinde in Ephesos wurde eine der bedeutendsten christlichen Gemeinden in Kleinasien.

Ephesos - das Südtor zur Agora - © Liisa

das Südtor zur Agora

Ephesos - das Südtor zur Agora - © Liisa

das Südtor
im Hintergrund die Agora, der zentrale Fest-, Versammlungs- und Marktplatz der Stadt

Der frühchristlichen Tradition nach soll auch Johannes, der Lieblingsjünger Jesu und spätere Apostel, um 37-48 n.Chr. nach Ephesus gekommen sein und Maria, die Mutter Jesu, mitgebracht haben. Im Meryemana (Haus der Jungfrau Maria) auf den Hügeln außerhalb der Stadt soll sie ihre letzten Jahre verbracht haben. 1896 erklärte Papst Leo XIII. Marias Haus zum Wallfahrtsort. Viele Päpste bis in unsere Zeit hinein, sind auf Wallfahrten zur kleinen Kapelle, die heute dort steht, gekommen, so z.B. Papst Paul VI. (1967), Papst Johannes Paul II. (1979) und Papst Benedikt XVI. (2006). Johannes soll ebenfalls in Ephesos gestorben und dort bestattet sein. Über seinem Grab wurde später die Johanneskirche bzw. Johannesbasilika errichtet.

Die orthodoxe Kirche geht davon aus, dass auch Maria Magdalena am Ende ihres Lebens in Ephesos weilte und dort starb.

Ephesos - Ruinen und Mohnblumen - © Liisa

In Ephesos wurde das ehemalige Hadrianeum teilweise von den Christen übernommen und eine repräsentative Halle dieses Tempelbaus umgebaut zur Marienkirche, in der im Jahr 431 das Konzil von Ephesos, auf dem der Titel Marias als »theotokos« ( »Gottesgebärerin«), bestätigte wurde, stattfand.

Irgendwann ging dann die große Zeit von Ephesos ihrem Ende entgegen. Der lebenswichtige Hafen versandete, der Handel wurde dadurch gravierend behindert, die Geschichte und arabische und türkische Eroberer gingen über die Stadt hinweg. Ihr Einfluß ging zurück und ihre Pracht versank für lange Zeit. Bis sie Ende des 19. Jahrhunderts von britischen und schließlich österreichischen Archäologen wiederentdeckt und ab dann wieder ausgegraben und zumindest in Teilen restauriert wurde und wird.

Die Ruinen des antiken Ephesos also waren unser Ziel an diesem Urlaubstag. Es war schon sehr beeindruckend durch die große Anlage zu laufen, und eine Ahnung davon zu bekommen, wie groß und bedeutend diese Stadt einmal gewesen sein muss. Hier und da glaubte ich den Hauch der Geschichte zu verspüren. Da ja noch keine Hauptsaison war, waren zwar schon viele Besuchergruppen dort, aber noch war es erträglich, und man konnte doch Momente für Fotos abpassen, wo nicht gerade mehrere Touristengruppen ein restauriertes Gebäude »belagerten«. Wie es zur Hochsaison in Ephesos zugeht, möchte ich mir da lieber nicht ausmalen. Auch wettertechnisch hatten wir Glück, denn gerade an diesem Tag war es kühler und bewölkt, blieb aber trocken. In der größten Sommerhitze ist ein Besuch auf dem Gelände sicher wesentlich anstrengender und kraftraubender. Ich selbst war glaube ich am beeindrucksten von den herrlichen Überresten der Celsus Bibliothek. Wie gerne hätte ich sie zu ihrer Blütezeit gesehen und wäre durch ihre Räume gelaufen und hätte mir die Schriftrollen angeschaut! Auf jeden Fall braucht man seine Zeit, das riesige Gelände zu erkunden.

Ephesos - Tempel des Domitian - © Liisa

Tempel des Domitian

Die nahegelegene heutige Stadt Selçuk, die Nachfolgesiedlung von Ephesos, wollten wir eigentlich auch noch besuchen, um z.B. die berühmte Isabey-Moschee, die mächtige Zitadelle und weitere antike Ruinen im Stadtgebiet zu sehen, aber aufgrund der schon fortgeschrittenen Zeit und dem Müdigkeitsgrad der kleinen Kinder, die überaus tapfer durch Ephesos marschiert waren, haben wir das dann doch gecancelt. Bei der Fahrt durch die Stadt waren wir aber noch sehr beeindruckt über ein Storchenpaar, das mitten in der Stadt gerade seine Jungen aufzog und über die vielen Apfelsinenbäume, entlang der Hauptstraßen, die schon reife Früchte trugen.

Einen kleinen fotografischen »Nachschlag« zu Ephesos habe ich noch für Euch. Mehr verrate ich aber noch nicht. 🙂

2 Gedanken zu „Ephesos - auf den Spuren der Geschichte

  1. Wunderbare Bilder! Ich liebe es, durch alte Stätten zu wandern und mir einfach vorzustellen, wie es dort damals ausgesehen hat!

    Bei unseren Besuchen auf Samos sind wir leider immer vor dem recht anstrengenden und stressigen Tagesausflug nach Ephesos zurückgeschreckt. Die Einreisekontrollen auf den Fähren von Griechenland in die Türkei sollen die reinste Schikane sein.
    Wenn ich deine Bilder so sehe, bereue ich allerdings, es nicht auf mich genommen zu haben…

  2. @ Zitronenkojotin - Freut mich sehr, dass ich Dir Ephesos wenigstens via Fotos zeigen konnte! 🙂

    Für solche Situationen, wie Du sie beschreibst und ich sie auch schon ähnlich erlebt habe, hab ich ja immer die Devise: MACHEN! Wer weiß, ob man jemals wieder so nah an den jeweiligen Ort kommt, bzw. ob man die Chance nochmal bekommt. So haben wir z.B. mal einen »Abstecher« (über Nacht gefahren, dann den ganzen Tag in Kairo unterwegs gewesen, eine Nacht übernachtet, nächsten Tag zurück) nach Kairo gemacht. Heute sind wir sehr froh, den strapaziösen Trip gemacht zu haben, denn so wie die Lage sich entwickelt hat, ist fraglich ob wir in diesem Leben noch eine zweite Chance bekommen würden.

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