Privates

Aufgesammelt

Frau Mützenfalterin hat gefragt, Frau Wildgans hat geantwortet, ich hab’s da gelesen und voilá …

1. Was macht Dich müde?
* Immer wieder festzustellen, wie wenig wir Menschen tatsächlich in der Lage sind, uns zum Guten hin zu verändern.
* Die Versuche nicht aufzugeben, und es trotzdem immer wieder neu zu versuchen und sei es nur im ganz ganz Kleinen.
* Das Dauerfeuer an (angeblich ach so wichtigen und furchtbaren) Nachrichten aus aller Welt, das heute auf uns alle einprasselt
* Werbung, der wir in unseren Breiten schlicht nicht mehr ausweichen können, die uns überall untergejubelt wird, meist schreiend daherkommend, oft aber auch so subtil, dass wir es kaum merken und in der wir nach Strich und Faden belogen werden.

2. Was kannst Du nicht ernst nehmen?
Fassaden, die Menschen sich selbst zulegen. Ich möchte lieber den echten wahren Menschen kennenlernen und ernstnehmen.

3. Deine Lieblingsmalerin?
Ich habe nicht „eine“ Lieblingsmalerin. Ich mag all die Malerinnen, die es gegeben hat, die oft gegen alle Widerstände und trotz besonders schwieriger Umstände ihre Kunst ausgeübt haben, und die doch weitestgehend in Vergessenheit geraten und nicht angemessen gewürdigt worden sind und werden. Höchstens spezialisierte Kunsthistoriker kennen noch ihre Namen und Werke.

4. Was macht Dir Mut?
* dass die Sonne immer wieder aufgeht
* Menschen mit denen ich in authentischer Freundschaft verbunden durch mein Leben gehen darf
* dass Menschen, in weit schlimmeren Lebensumständen als ich, immer noch lachen, sich freuen und das Bestmögliche aus ihrem Leben machen können
* das Wissen, dass ich zwar Vergangenes nicht mehr ungeschehen machen und verändern kann, aber dass ich sehr wohl Einfluß darauf habe, wie es weitergeht … und zwar jeden Morgen neu.
* kleine Kinder, die hinfallen (und dann vielleicht sogar kurz weinen) und wieder aufstehen, fallen und wieder aufstehen, fallen und wieder aufstehen. Keines dieser Kinder kommt auf die Idee einfach nie mehr aufzustehen. Sie fallen und sie stehen wieder auf und versuchen es noch einmal und noch einmal und noch einmal

5. Glaubst Du, dass der Tod eine Frau ist?
Nein. Der Tod ist die Bezeichnung für einen Zustand, keine Persönlichkeit.

6. Wem wärst Du lieber nie begegnet?
* manchen Lehrern, die einem die Freude am Lernen (des jeweiligen Faches) komplett vergällt und nicht Neugier und Wissen, sondern Angst und Schrecken gesät haben

7. Welche Rolle spielen die Toten in Deinem Leben?
An manche erinnere ich mich mit großer Dankbarkeit und einem Lächeln, andere jagen mich noch heute manchmal in meinen (Alb)Träumen oder versuchen ihren Einfluß über den Tod hinaus auszuüben

8. Und die Ungeborenen?
Ab und an denke ich darüber nach, wie sie als Menschen gewesen wären, welche Stärken und welche Schwächen sie gehabt hätten, wie ihr Lächeln ausgesehen hätte, worüber sie geweint hätten, was sie begeistert hätte, was sie gefürchtet hätten und vor allem, ob wir uns geliebt hätten.

9. Dein erster Kuss
(selbst erhalten) an den kann ich mich nicht erinnern, ich war ja noch sehr klein
(selbst vergeben) keine Ahnung – ich bin kein „Kuss-Typ“ (und sehr sehr dankbar, dass ich nicht in einer Kultur großgeworden bin, in der es üblich ist/war jeden bei der Begrüßung abzuküssen)

10. Deine letzte Ohrfeige
Da gab’s viele von, so viele, dass ich aufhörte, sie zu zählen. Ich nahm sie hin wie den Regen und den Sonnenschein. Irgendwann hat es dann so unerwartet aufgehört, dass mir erst später auffiel, dass es aufgehört hatte und daher weiß ich nicht mehr, welches die letzte Ohrfeige war. Wofür schon gar nicht, dass wusste ich eh meist nicht.

11. Was ist Heimat für Dich?
Ein Thema, an dem ich mich lange aufgerieben und abgearbeitet habe. Meine ursprüngliche Heimat liegt in einem unerreichbaren Land, mit dem mich nur Ahnungen und unsichtbare Fäden verbinden. Meine tatsächliche Heimat ist zweigeteilt – ein winziger Teil liegt tief in mir verborgen, der größere Teil sind die Menschen, die ich liebe (und ist damit, weil wir ja alle vergänglich sind, immer vom Verlust bedroht).

4 Gedanken zu „Aufgesammelt

  1. Tatsächlich, das mit den Lehrern beispielsweise….so schade!
    Doch es waren nicht alles Banausen oder Sadisten…
    Mein erster lieber Lateinlehrer Dr. Knödel – oder dieser kleine, zartgliedrige Biolehrer namens Dr. Liebe – oder die Klavierlehrerin mit den fettigen Haaren, Frau Löcherbach….
    Zum Glück, zum Glück….
    Habe Deine Antworten mit großem Interesse gelesen, kann was Tolles sein, diese Fragebogenfacette!

  2. @ Sonja – nein, natürlich waren nicht alle Lehrer so. Nach Horror-Lehrern im Fach Mathe, kam am Schluß Frau Sinke, die zum einen Mathematik so zu erklären verstand, dass selbst ich endlich verstand und Noten erhielt, von denen ich vorher nicht zu träumen gewagt hätte und zum anderen nicht nur Zahlen sah, sondern auch die Psyche ihrer Schüler zu deuten wusste. Außerdem war sie immer, wirklich immer fröhlich. Oder die Erdkundelehrerin Frau Lagrange, die tollen spannenden Unterricht hielt und sich auch sonst sehr für uns Schüler engagierte.

  3. So eine Frau Sinke hat mir SEHR gefehlt!
    Und daheim, so als Hausaufgabenhilfe, kam, wenn ich nicht schnell genug rechnete oder Schlüsse zog, prompt eine kräftige „Backpfeife“- wie soll das nicht zum Angstfach werden…
    Und Frau Lagrange konnte Dir ein wenig das Reisen schmackhaft machen?
    Mittwochsgruß von Sonja

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