Privates ·Tagesprosa

Tagesprosa

Schon um 9 Uhr legt sich der Sommer als warme Decke über das Land und mich. Der Himmel so blau, wie es nicht blauer geht und kein Wölkchen zu sehen. Die Blumen im Garten lassen ihre Köpfchen ergeben hängen. Fast glaube ich ihren leisen kollektiven Seufzer zu hören. Nur der Oleander und die Bougainvillea scheinen sich wohlig der gleißenden Sonne an den Hals zu werfen.

Als nächstes erfahre ich, dass die New Yorker schon seit Monaten von einem neuen Wahn bzw. einer Hysterie ergriffen sind. Einerseits bin ich nicht sonderlich überrascht, das zu lesen. Niemand hat je die Unglücklichen gezählt, die diese Stadt um ihren Verstand gebracht hat. In dieser Stadt zählt nur der Erfolg und für jeden, der dort sein Glück gemacht hat, gibt es vermutlich sehr viele die in ihr, still und leise, untergegangen sind, wenn ihnen nicht rechtzeitig die Flucht gelang. Andererseits vermag es mich immer noch in Erstaunen zu versetzen, was Menschen den Verstand verlieren lässt oder in Hysterie zu versetzen mag.

Diesmal ist es ein „Gebäckhybrid„. „Gebäckhybrid“! Ich meine „Gebäckhybrid“!? Das Gebäck trägt den Namen „Cronut“ und ist im Grunde ein Mischling aus Croissant und Donut. Dafür stellen sich die New Yorker am frühen Morgen stundenlang beim Erfinder-Bäcker an und bilden eine Warteschlange über mehrere Straßenzüge hinweg. „Cronut Craze“ nennen sie das inzwischen in New York. 5(!) Dollar zahlen die New Yorker für ein solches Teil und manche sogar noch viel mehr, denn: die findigen Geschäftlemacher sind längst auch zur Stelle und versuchen ein bisschen vom finanziellen Erfolg des Bäckers abzuzwacken. So werden Plätze in der Warteschlange teuer verkauft. In Abwandlung eines berühmten Spruches kann ich nur sagen „Die spinnen, die New Yorker!“ (Link)

Das Abo auf’s Spinnen ist natürlich nicht auf die New Yorker allein gebucht. In Berlin hat das (angeblich) erste Katzen-Café eröffnet. Die Betreiberin verkündet, das Konzept stamme aus Japan! Oho! Aus Japan also! Und was ist das Konzept? Also das ist ein ganz großartiges Konzept, wirklich! Die Betreiberin hat zwei Kater, und die sollen sich frei durch das Café bewegen dürfen. Während die Gäste Muffins oder vielleicht ja sogar bald Cronuts (die nur anders heißen werden, weil sich der New Yorker Erfinderbäcker den Namen schon hat schützen lassen!) verspeisen und Kaffee trinken. Also das nenn ich jetzt mal wirklich revolutionär und sensationell! Auf so eine Geschäftsidee muss man wirklich erstmal kommen! Katzen, einfach so durch ein Café laufen lassen! Exotisch! Naja, kommt ja aus Japan! Ich sehe schon wie sich lange Warteschlangen vor diesem Katzen-Café bilden. So richtig lange, über mehrere Straßenzüge hinweg! Das nennen wir dann KaCa Wahnsinn/Hysterie oder besser, damit es die New Yorker dann auch verstehen, wenn sie in der Zeitung darüber lesen „Caca Craze“. Die Wiener hat’s auch schon erwischt! Gleich zweifach. Wenn wir uns anstrengen, reicht die Warteschlange vor dem Berliner Katzen-Café ja bald nahtlos bis zu den zwei Wiener Katzen-Cafés. Um mich nicht dauernd zu wiederholen, drück ich es aus, wie es bei Twitter immer so schön heißt: „Alle bekloppt!“, die New Yorker, die Berliner, die Wiener und ach, die Menschen überhaupt! (Link)

Ein Genuß, das Schwimmen im abendlichen See. Die Sonne stand immer noch hoch und strahlend. Das Wasser angenehm temperiert, nicht zu kalt, nicht zu warm. Aber jedes Paradies hat auch seinen Schatten. In diesem Fall: stechwütige Bremsen. Weit und breit kein Pferd in Sicht aber das interessierte die Bremsen nicht weiter. Es waren ja genug Menschen da. Bis weit auf den See hinaus flogen sie und versuchten an ihre Mahlzeit zu kommen. Da half im Fall der Attacke nur ein rasches Abtauchen. Familie Bläßhuhn wagte sich auch wieder aus dem Schilf. Die Kleinen schienen sehr hungrig zu sein, so ausdauernd schrien sie nach ihrem abendlichen Mahl.

Sonnengesättigt und wenigstens ein wenig abgekühlt dann später abends noch den Blick hinauf in den nächtlichen Himmel genossen. An der Sternenpracht hier werde ich mich wohl auch nie sattsehen. Jetzt nur noch ein wenig lesen und dann ab ins Land der Träume.

2 Gedanken zu „Tagesprosa

  1. Cronuts und Katzen-Cafés… alles klar…

    Manchen Staaten geht´s halt einfach zu gut und da man
    ja sonst keine Probleme hat… muss man sich halt was einfallen lassen… nee?

    Ach ja… wenigstens gibt´s noch Seen und Natur, die sich
    seit Jahrtausenden „normal“ verhalten und einfach „da“ sind.

    *

  2. ich habe vor Jahren im Fernsehen einen Bericht über Yoga für Hunde gesehen. Es gibt wohl nichts, was es nicht gibt….

Kommentare sind geschlossen.