Privates ·Tagesprosa

Tagesprosa

Bedeckter Himmel am 1. August, die Temperaturen immer noch erträglich. Ich genieße es einige Zeit auf dem Balkon zu stehen und den Schwalben zuzusehen, wie sie so elegant rasant vorbeisegeln und einander dabei ununterbrochen zuzwitschern. Schwalben haben sich scheint’s immer viel zu erzählen. Nun, was mögen Schwalben zu erzählen haben? »Ätsch, ich war wieder schneller als Du!« oder »Hast Du mein tolles Abbremsmanöver gesehen, hast Du?« oder »Wer zuerst einen Kilometer in die Höhe geflogen ist, hat gewonnen!« oder »Vorsicht, die Krähen kommen wieder!« Vielleicht diskutieren sie aber auch ganz lässig irgendwelche naturwissenschaftlichen Fragen oder philosophische Themen. Wer weiß das schon? Überlege, ob schon mal jemand Alternativ-Philosophien entworfen hat. Also z.B. eine Vogel-Philosophie oder eine Katzen-Philosophie oder eine Kakteen-Philosophie.

Die Kühe der ansässigen landwirtschaftlichen Genossenschaft schlendern gemächlich auf dem »Deich«. Eigentlich ist es gar kein echter Deich aber von uns aus sieht der Teil der Weidefläche, den wir sehen können, aus wie ein Deich. Ein schmaler Grat, auf dem die Kühe in einer Reihe oder höchstens mal zu zweit nebeneinander dahinwandern. Ich höre das Meer dahinter rauschen, aber es ist ein grünes Meer, ein Meer aus Gras. Wenn sich die Kühe dort blicken lassen, rufen wir uns gerne zu »Die Kühe sind wieder auf dem Deich!«, und freuen uns diebisch.

Auf dem Land ist man für andere Dinge dankbar, als in der Stadt. Wir sind gerade dankbar, dass die Windrichtung günstig steht, denn seit Tagen fahren die Bauern Gülle auf die Felder. Wir bleiben von dem alles durchdringenden Dunst verschont und ich habe unsinnigerweise etwas Mitleid mit denen, die in der Windrichtung wohnen. Unsinnigerweise, weil die Menschen hier den Geruch gewohnt sind und ihn hinnehmen wie das Wetter. Wir alten Städter zucken nicht mit der Wimper, wenn es um Benzingeruch und Abgase geht, aber wehe die Gülle-Geruchsschwaden legen sich wie eine Decke über das Land.

Irgendwann am Nachmittag kommt die Meldung über die Nachrichtenticker, dass Edward Snowden vorläufig Asyl in Russland erhält und nach mehr als einem Monat die Transitzone des Moskauer Flughafens Scheremetjewo verlassen konnte. In den USA schäumt man derweil.
Die zweite große Nachricht des Tages: Silvio Berlusconi ist endgültig wegen Steuerbetrugs verurteilt. Von den vier Jahren Haft, werden ihm drei wegen einer allgemeinen Strafamnestie erlassen. Ins Gefängnis muss er wohl trotzdem nicht. Wegen seines hohen Alters wird er das verbliebene Haftjahr wohl im Hausarrest zubringen dürfen. Das ebenfalls gegen ihn erlassene Verbot in den nächsten fünf Jahren ein politisches Amt zu bekleiden, muss allerdings erneut verhandelt werden.

Ansonsten ist der Tag ziemlich dahingeplätschert. Irgendwann habe ich meinen Beitrag für die Blogparade »Das Leben ist kein Ponyhof« geschrieben und online gestellt und einen Gutteil des Abends haben wir in trauter Runde verbracht, während ich die Beiträge zur Blogparade vorgelesen habe. Danach noch Jean Reno dabei zugeguckt, wie er in Paris einen weiteren Mord aufgeklärt hat.

3 Gedanken zu „Tagesprosa

  1. Im Falle Berlusconi tippe ich ja darauf, dass er das restliche Gefängnisjahr im Frauenknast absitzen wird dürfen. (Davon einmal abgesehen danke ich für den angenehm leichten Sommerbeitrag von »vorm Deich«.)

  2. @ Wortmischer - aber gerne doch! 🙂

    bzgl. Berlusconi: ich bin nicht sicher, ob das für ihn so schön würde, wie er sich das vermutlich ausmalen würde. Da sitzt dann glaube ich doch ein etwas anderer Typ Frau als er das bisher gewöhnt ist. Könnte sein, dass er da nix mehr zu lachen hätte.

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