Privates

Klagelied im Winter, ach nee Frühling

„I go to nature to be soothed and healed, and to have my senses put in order.“
John Burroughs

Echt jetzt! Ich hab mich wirklich gut gehalten durch diesen elend langen Winter, aber jetzt geht mir langsam doch die Puste aus.

Ich mag Schnee, wirklich! Und ich war sogar richtig dankbar für den vielen Schnee diesen Winter, denn der Schnee hat die Landschaft wenigstens etwas aufgehellt. Sonst wäre der Winter hier nämlich sozusagen anthrazit-dunkel-grau gewesen und das wäre noch schlimmer gewesen. Also, ich hab mich arrangiert und bin wirklich tapfer gewesen.

Was mir allerdings jetzt langsam doch den Rest gibt, ist dieser Ostwind, der seine Wiege irgendwo im tiefsten Sibirien haben muss. Der weht hier inzwischen fast pausenlos und zwar heftigst und das seit mindestens zwei Wochen. Er setzt sich in jede Ritze, rüttelt an allem, was nicht niet- und nagelfest ist, wirbelt den Schnee – der fällt auch immer wieder – zu Schneewehen auf und treibt ihn auch in alle Kleidungsöffnungen, die sich dafür auch nur ansatzweise anbieten.

Doch, ab und an kommt hier auch die Sonne mal raus. Ganz ganz toll! So richtig strahlend und teilweise sogar mal vor wolkenlosem Blau. Sehr verlockend und ich falle natürlich drauf rein und stürze nach draußen und da lauert er schon wieder, der evil Ostwind und haut mich fast aus den Schuhen. Man hält es schier nicht aus da draußen. Jedenfalls nicht für lange, selbst nicht dick angezogen. Der Ostwind reißt und heult und sägt so an meinen Nerven.

Ich nenne das Folter! Die Sehnsucht nach der Sonne und Wärme ist so groß und dann hältst Du es draußen nicht lange aus. Frust hoch zehn!

Die armen Vögel leiden auch. Wildenten, Wildgänse und zu optimistische Kraniche, die nicht rechtzeitig wieder umgekehrt sind in wärmere Gefielde stehen auf den schneebedeckten Feldern und Wiesen und suchen meist vergeblich nach Futter, von Wärme wollen wir gar nicht sprechen. Die Gartenvögel stimmen beim kleinsten morgendlichen Sonnenstrahl ihr Frühlingsgezwitscher an und hoffen dabei vielleicht auf diese Weise den Winter endlich zu vertreiben. Tja, klappt bisher nicht so wirklich und dann sammeln sie sich in verfrorenen kleinen Schwärmen am „Fly-In“, das wir wieder aufgehängt haben, damit sie nicht so lange nach (wenig) vorhandenem Futter suchen müssen und ihre letzten Energien in der Kälte verpulvern.

So und jetzt kommt auch noch der Vollmond. Also nicht heute, sondern morgen. D.h. er ist schon so gut wie voll. Der steht da am wolkenlosen Nachthimmel, die Sterne blinkern was das Zeugs hält. Sehr schön. Eigentlich. Aber er zwinkert mir hämisch zu und tut sich mit seinem alten Freund dem sibirischen Ostwind zusammen und dann sägen beide weiter an meinen letzten Nerven. Ach ja, die armen Wildenten, -gänse und Kraniche, die tagsüber vor Hunger und Kälte rumkrakeelen, können wegen dem Vollmond offensichtlich nicht schlafen und krakeelen deswegen einfach auch nach Einbruch der Dunkelheit weiter. Und das fängt dann irgendwann auch an, einem an die Nerven zu gehen.

Und der Rest vom Fest? Wenn dem Winter dann endlich doch mal die Schneeflocken ausgehen und der Ostwind sich müde getobt hat und es endlich endlich wirklich Frühling wird? Dann, ja dann, brauche ich garantiert Wochen, um mich halbwegs von den vergangenen Wintermonaten aufzurappeln und obendrein befällt mich vermutlich auch noch eine mega-Frühjahrsmüdigkeit.

Ihr meint, das sei Klagen auf hohem Niveau? Mag sein, aber das Klagelied musste jetzt einfach mal sein.

7 Gedanken zu „Klagelied im Winter, ach nee Frühling

  1. ..ach, jaaaaaaaaaaa…ich singe dieses Lied der 1000 Strophen mal mit..ein kleines Jammersolo schieb ich noch ein…denn seit wir das Hundemädel haben verschiebt sich meine Temperaturwahrnehmung enorm negativ…und ich hasse meine Wintermütze mittlerweile geradezu..
    Ich glaube , sollte die demnächst nicht mehr nötig sein, weiß der arme Hund garnicht mehr , was jetzt angesagt ist, seufz.
    *jaja..jammern eint ;o)*

  2. Ist auch egal, ob das Jammern auf hohem Niveau ist: es nervt einfach total und alle, mit denen ich zu tun habe. Sonst liebe ich ja den Wind als Küstenkind, aber dieser eisige Wind ist wirklich das Letzte und dauert einfach zu lange. Und die Vögel tun mir auch total Leid. Ich habe gehört, dass schon überdurchschnittlich viele Vögel verendet sind. Ich versuche natürlich auch zu helfen. Das Futter im Vogelhäuschen (pro Tag ein Kilo) verschwindet immer ganz schnell. Alle Kreaturen sehnen sich ganz klar nach echtem Frühling. Vielleicht sollten wir eine gemeinsame Petition einreichen ;-)).

  3. @ Frau Gräde – ich habe schon alle Hundebesitzer bemitleidet, die ja jeden Tag raus mussten, egal wie kalt der Wind über das Land tobte. Da war ich doppelt dankbar für meine Katerschar, die mir geschlossen demonstrierte, was man bei solchem Wetter am allerbesten macht. Sprich: sich ein warmes, kuscheliges Plätzchen suchen, dort zusammenrollen und einfach eine Runde schlafen. ;o)

    @ Anne – für die gemeinsame Petition bin ich sofort zu haben, aber ob’s was nützt? Obwohl, jetzt hab ich gestern dieses Klagelied hier gepostet und prompt war der Wind heute nur noch halb so heftig. Dafür schien die Sonne zwar nicht mehr ganz so strahlend aber kämpfte sich doch immer mal wieder etwas durch und so konnten wir doch wirklich und wahrhaftig mal drei Stunden am Stück draußen sein, ohne in Eiszapfen verwandelt worden zu sein. Yeah! 🙂

  4. Sehr verständlich. Man könnte Hasstiraden schreiben gegen diese sibirische Kälte- und dieses Nie-Aufhören-Wollen – es ist schier unglaublich. Obwohl Leute erzählen, sie hätten früher auch mal ihre Ostereier im Schnee gesucht. Ja, gut, ABER…..

  5. @ Sonja … genau ABER!! 🙂 Wir sind so etwas halt auch wirklich nicht mehr gewöhnt. Aber vielleicht müssen wir uns wieder dran gewöhnen. Man wird sehen. Tröstlich ist ja: in ein paar Wochen, wenn der Sommer da ist und die Temperaturen steigen, wird sich vermutlich ein kollektives Ächzen und Stöhnen erheben und es wird geklagt werden, dass die Hitze ja schier nicht mehr zum Aushalten ist. ;o)

  6. Immerhin geht es aufwärts: Seit Montag jeden Tag ein halbes Grad, wenn ich hier morgens aufs Thermometer schaue. Wenn das so weiter geht, sind in der zweiten Aprilhälfte zehn Grad erreicht…

    Schöne Ostertage + danke für den freundlichen Zuspruch.

  7. @ Kelly – höhö, Du bist ja hochoptimistisch! Ich freu mich schon auf die zweite Aprilhälfte! ;o)

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