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Teterower Impressionen (VIII)

Turm der Stadtkirche St. Peter und Paul, Teterow - © Liisa

Teil des Turms der Stadtkirche St. Peter und Paul

Heute ist kirchenhistorisch gesehen ein besonderer Tag, denn nach über 1000 Jahren wird heute der letzte Gottesdienst der selbständigen Mecklenburgischen Landeskirche gefeiert. Am nächsten Sonntag (Pfingstsonntag) gründet sich die neue »Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland«. Dazu schließen sich die Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche, die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Mecklenburgs und die Pommersche Evangelische Kirche zusammen. Gleichzeitig endet damit die Kirchengeschichtsschreibung der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburg. Es mag vielen egal sein aber ich finde, das sollte heute doch mal erwähnt werden und deshalb besuchen wir auf unserem heutigen Teil des (virtuellen) Spaziergangs durch Teterow die Evangelisch-Lutherische Stadtkirche St. Peter und Paul in Teterow.

Die Stadtkirche St. Peter und Paul ist ein markanter Punkt in der Stadt und taucht bei Blicken aus verschiedensten Richtungen auf die Stadt immer wieder auf, wie Ihr ja auch schon in den vergangenen Tagen, den ein oder anderen Blick auf sie entdecken konntet.

Stadtkirche St. Peter und Paul, Teterow - © Liisa

Von der Grundsteinlegung 1215 bis zur kompletten Fertigstellung gingen gut 200 Jahre ins Land. Dadurch zeigt die Kirche zwei unterschiedliche Baustile. Während der Altarraum mit der Sakristei auf der Nordseite im spätromanischen Stil errichtet wurde, sind das Langhaus und der Turm bereits gotisch.

Turm der Stadtkirche St. Peter und Paul, Teterow - © Liisa

Die Kirche weist Merkmale einer so genannten Pseudobasilika auf, was heute noch am südlichen Seitenschiff zu sehen ist: niedrigeres Seitenschiff, angedeutete Obergaden, außen eine Dachfläche wie bei einer westfälischen Hallenkirche.

Stadtkirche St. Peter und Paul, Teterow - © Liisa

Die ältesten Teile der Kirche mit dem Chor und der Sakristei auf der Nordseite sind spätromanisch. Der Chor hat drei Fenster in der gerade ausgeführten Altarwand und zwei weitere Fensterpaare in den beiden Seitenwänden. Die beiden Chorgewölbe ruhen auf Pilastern. Der aus Backstein errichtete Altarraum hat ein Kreuzrippengewölbe.

Stadtkirche St. Peter und Paul, Teterow - © Liisa

Im 15. Jahrhundert wurden die zwei Seitenschiffe ergänzt, und dabei sehr hoch ausgeführt, so dass sie die ursprüngliche Konstruktion des Mittelschiffes überdecken. Der in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts errichtete quadratische Turm hat eine Höhe von fast 40 Metern. 1877 bis 1880 erfolgte eine größere Erneuerung im Stil der Zeit, bei dem die Nordseite stark verändert und auch die Sakristei von der Nordseite auf die Südseite verlegt wurde.

Seitentor Stadtkirche St. Peter und Paul, Teterow - © Liisa

Marienbild Stadtkirche St. Peter und Paul, Teterow - © Liisa

Innenraum Stadtkirche St. Peter und Paul, Teterow - © Liisa

Blick durch das Kirchenschiff, Richtung Hauptaltar

Auf diesem Bild zu sehen auch das sog. große Triumphkreuz: ein Kruzifix, gerahmt von den Figuren der Jungfrau Maria und dem Evangelisten Johannes. Das Kreuz ist an den vier Enden mit den vier Evangelistensymbolen und an den Rändern mit großen Blättern besetzt.

Innenraum Stadtkirche St. Peter und Paul, Teterow - © Liisa

Blick durch das Kirchenschiff, Richtung Hauptaltar mit Taufstein

Der alte große Taufstein (Fünte) aus Granit mit Verzierungen gehört zu den besten Arbeiten dieser Art im Lande, wurde aber leider teilweise beschädigt.

Kanzel Stadtkirche St. Peter und Paul, Teterow - © Liisa

Die heutige Kanzel stammt aus der Zeit der neugotischen Erneuerung von 1877/80. Eine ehemalige Kanzel stammt ebenfalls aus der Renaissance und ist heute im Turmraum aufgestellt.

Altar Stadtkirche St. Peter und Paul, Teterow - © Liisa

Der jetzige Altar stammt ebenfalls etwa aus der Zeit von 1877/80 und zeigt als Bild eine Darstellung der Auferstehung, eine Kopie nach Bernhard Plockhorst.

Ausschnitt aus der Marienkrönung des alten Altars Stadtkirche St. Peter und Paul, Teterow - © Liisa

Ausschnitt aus der Marienkrönung des alten Altars

Der als Doppelflügelaltar gestaltete geschnitzte frühere Hauptaltar (Marienkrönungsaltar) zeigt ganz geöffnet eine Marienkrönung und die zwölf Apostel mit Paulus und Stephanus sowie weitere 17 Heilige in einem schmaleren Streifen darunter. Wird das erste Flügelpaar geschlossen, so zeigt sich ein Gemäldezyklus zur Passion in 16 Einzeldarstellungen, der dem Meister des Rostocker Dreikönigsaltars zugeschrieben wird. Die Malereien auf den Aussenflügeln, die sichtbar werden, wenn der Altar ganz geschlossen wird, sind hingegen verloren. Der Altar steht heute an der Westwand des nördlichen Seitenschiffs.

Ausschnitt der Freskenmalerei Stadtkirche St. Peter und Paul, Teterow - © Liisa

Ausschnitt der Freskenmalerei

Eine kulturhistorische Besonderheit der Kirche sind die Gewölbemalereien im Altarraum aus dem 13./14. Jahrhundert. In den acht Kappen der zwei Joche sind Motive der Geschichte Jesu mit der Schöpfungsgeschichte gemischt.

Ausschnitt der Freskenmalerei Stadtkirche St. Peter und Paul, Teterow - © Liisa

Ausschnitt der Freskenmalerei

Diese Malereien wurden bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wiederentdeckt und restauriert. 2009 wurden die Fresken dann dank modernster Laser- und Zellulosetechnik restauriert und ziehen heute viele Besucher in ihren Bann.

Orgel in der Stadtkirche St. Peter und Paul, Teterow - © Liisa

Orgel in der Stadtkirche St. Peter und Paul

Hinter dem historischen Orgelprospekt aus dem Jahr 1787 steht ein Neubau der Orgelbaufirma Mecklenburger Orgelbau von 1991 mit insgesamt 30 Registern auf zwei Manualen und Pedal

Gedenkstein Verrückte Kirche, Teterow - © Liisa

Gedenkstein Verrückte Kirche

Der kleine Gedenkstein erinnert an eine der Erzählungen über die Teterower Einwohner, über deren Einfältigkeit man schmunzeln kann. Das Kunstwerk wurde von Günter Kaden geschaffen und stellt den Schildbürgerstreich mit der verrückten Kirche dar. Die Sage geht so:

Wie die Teterower ihre Kirche weiter gerückt haben.
Früher stand die Kirche zu Teterow mitten auf dem Markte, gerade vor der
Straße, die vom Rostocker zum Malchiner Thor führt. Warum man sie gerade
dorthin gebaut, weiß man nicht; aber sie stand nun einmal da, und stand den
Teterowern im Wege, deshalb beschloß man, sie nach einer andern Stelle zu
schaffen. Aber wie dies anfangen? es wurde viel hin und her gerathen, der Eine
rieth dies, der Andere das; so meinte z.B. Jemand, man solle sie abbrechen und
nebenan wieder aufbauen, aber das schien doch den Meisten zu kostspielig und
zu närrisch. Endlich trat Einer auf und schlug vor, die Kirche auf Walzen zu
stellen und dann weiter zu rollen. Dieser Vorschlag fand allgemeinen Anklang
und wurde deshalb zum Beschluß erhoben. Am nächsten Tage schon ging es
frisch ans Werk. Man schlug an jedem Ende der Kirche zwei Löcher durch das
Fundament, steckte Walzen hindurch und hackte dann die ganze Ringmauer
rundum los. Als dies Alles glücklich vollbracht war, wurde ein Tag zur
feierlichen Fortrückung anberaumt. Der Küster, ein alter invalider
Kriegsmann, sollte den umgelegten Strick vorne ziehen und der ganze
Magistrat wollte selbst Hand anlegen und nachschieben. Allen sonstigen
Einwohnern der Stadt, Groß und Klein aber wurde es bei Todesstrafe verboten,
hierbei zu erscheinen, damit nicht beim etwaigen Umwurf der Kirche Jemand
zu Schaden kommen könne. So war denn Alles in Ordnung und es hieß nun
?Angefaßt!? Da aber schrie der Küster ?Halt!? und rief, er wisse nicht, wie weit
die Kirche solle. Daran hatten sie wirklich noch nicht gedacht. Der
Bürgermeister aber zog schnell seinen Rock aus, warf ihn vor der Kirche auf
die Erde und sprach ?So, just bis hier über den Kragen weg.? Der Küster aber
gedachte des schönen Bürgermeisterrockes und seines schäbigen, und wie es
doch jammerschade sei, ersteren unter der Kirche verkommen zu lassen;
darum trug er, während der Bürgermeister zurück an seinen Ort ging, eilig das
Röcklein heim, war mit einem Satze wieder da und rief ?Nun zu!? Ein Ruck
und noch einer, da schrie der Küster ?Halt! wir sind schon darüber weg!? Er
meinte, über den Rinnstein, der Bürgermeister aber dachte über den Kragen
und über seinen schönen Rock. Der Küster half ihm auch nicht aus seinem
Irrthum und sprach überhaupt nicht davon, daher denn zu Teterow die Rede
aufkam ?Uns’ Kirch steit uppen Burmeister sin’n Rock.?

Wer mag, kann sich hier noch einen zumindest kleinen Eindruck vom Geläut der Stadtkirche St. Peter und Paul verschaffen.

Auch das Geläut der Katholischen Pfarrkirche St. Petrus in Teterow kann sich, wer will, hier anhören und noch ein wenig über die Geschichte der Katholischen Gemeinde in Teterow erfahren.

Euch allen nun einen schönen Sonntag!

Teil I, II, III, IV, V, VI, VII der Teterower Impressionen und hier noch der letzte Teil IX

12 Gedanken zu „Teterower Impressionen (VIII)

  1. Wow, wunderbare Informationen. So umfassend, wie ich es liebe, inklusive Glockengeläut und Sage (danke für die viele Arbeit …). Ich staune übrigens immer wieder, wie man mit Backstein so zauberhaft schöne Kirchen gestaltet konnte. Das zeigt sich hier ganz besonders innen.
    LG

  2. Und Dir (mal wieder!) ein ganz herzliches Dankeschön, dass Du Dir sogar trotz Deiner Sommerpause und der Lese- und Kommentierpause, die Zeit genommen hast, hier vorbeizuschauen und zu kommentieren.

    Ja, diese Serie über Teterow ist sehr arbeitsintensiv, weil ich ja vieles auch noch recherchieren musste und so freut es mich, wenn dann wenigstens ein Kommentar abgegeben wird!

    Manchmal ist es schon etwas traurig, dass zwar viele offensichtlich die Einträge lesen aber keinen Kommentar hinterlassen - vielleicht weil ein Kommentar eben doch etwas mehr erfordert, als nur auf einen »Like-Button« o.ä. wie z.B. bei Facebook und Co. zu klicken. Andererseits, wenn ich sehe, wie viele z.B. auch bei Dir kommentieren, frage ich mich manchmal schon ein bisschen, woran es liegt. Aber ich will nicht jammern, sondern mich lieber freuen, über Dein Feedback. 🙂 Morgen gibt es noch einen Eintrag über Teterow und dann ist die Serie beendet.

    Mit Backstein sind nicht nur beeindruckende Kirchen sondern auch Dome, große Rathäuser und weitere gewaltige Bauten errichtet worden. Ich glaube, Backstein wird heute von vielen unterschätzt aber wer einmal die alten Hansestädte besucht hat - die ja fast alle Gebäude aus der Backsteingotik haben - der erkennt schnell, wie kunstvoll und sogar nachhaltig man damit bauen konnte. Auch klimatechnisch war und ist Backstein nicht die schlechteste Wahl.

  3. Ich finde es auch sehr traurig. Wenn du schreibst: ‘Es regnet gerade …’ kriegst du bestimmt mehr Kommentare 😉 Ein Grund ist auch sicher, dass du selber nicht viel kommentierst.

    Ich kenne eine, die grottenschlechte Fotos zeigt, aber unheimlich viele Kommentare bekommt und für diese Fotos auch noch gelobt wird. (Da gibt es mehrere.) Warum? Weil sie selbst durch alle Blogs saust. Sie ist ‘überall’ anzutreffen. So ist das leider …

    Ach, übrigens der Irgendlink, der um die Nordsee radelt und live bloggt, der kriegt auch nicht viele Kommentare und da bin ich manchmal richtig entsetzt.

    Einträge dieser Art (Teterow) bekommen generell weniger Feedback. Man muss dann ‘lesen’ und sich hinein vertiefen und das ist in den heutigen Zeiten nicht ‘in’. Schnell durch huschen, es gibt ja noch so viele andere Blogs, hier ein ‘like’ und dort ein ‘Wie schön’ und das war’s dann. Ãœbrigens … mein Köln-Blog hat auch nicht viel Rückmeldung, obwohl auch da viel Arbeit drin steckt.

    Was dein Recherchieren anbetrifft … sieh es mal so: es hat dir bestimmt Spaß gemacht und du hast eine Menge gelernt.

  4. @ April - vorab erstmal: Mir hat diese Reihe in erster Linie viel Freude gemacht, mich in zweiter Linie aber auch wesentlich mehr Arbeit und Zeit gekostet, als ich das vorab gedacht hätte, und Du hast natürlich auch recht damit, dass ich selber eine Menge dabei über Teterow gelernt habe, was mir zukünftig sicher zugute kommen wird. 🙂

    Zum Thema selber kommentieren: Oh, ich finde, ich kommentiere durchaus noch eine ganze Menge (allerdings vielleicht in den »falschen« ;o) Blogs. Da habe ich gerade gestern drüber nachgedacht, dass ich von den meisten, bei denen ich relativ regelmäßig (allerdings meist nicht täglich!) kommentiere, hier im Blog so gut wie nie auch mal einen Kommentar sehe. Meine Kommentare nehmen sie alle natürlich gerne. 😉

    Nun geht es mir aber ganz sicher nicht darum plötzlich Kommentare gegeneinander aufzurechnen aber wie gesagt ab und an mal, fragt man sich schon, wieso der ein oder andere gerne Kommentare bekommt aber selber nicht bereit ist, auch ab und an mal so ein Feedback zu geben.

    Was ich allerdings tatsächlich selber nicht mehr tue, ist einfach eine Masse an Blogs abzu«arbeiten« und überall einen Kommentar zu hinterlassen, egal, ob ich etwas dazu zu sagen habe oder nicht. Dafür fehlt mir inzwischen schlicht die Zeit im Alltag aber auch meine Lebenszeit ist mir da ein bisschen zu schade für. Wie gesagt, ich besuche und lese eine ganze Reihe von Blogs und wenn mich ein Thema, ein Aspekt im Eintrag oder auch Fotos besonders ansprechen und ich etwas dazu zu sagen habe oder das dringende emotionale Bedürfnis habe etwas dazu beizutragen, dann mache ich das auch. Wenn aber schon jede Menge Leute vor mir eigentlich alles zum Thema gesagt haben, was ich auch sagen würde, dann schreibe ich auch nicht noch einen Kommentar, in dem nochmal dasselbe steht (jedenfalls nur in Ausnahmefällen). Ausnahmen bestätigen die Regel. ;o) Das führt dazu, dass meine Kommentare relativ breit gestreut sind und ich aber nicht in Blogs jeden Tag unter den Kommentierenden zu finden bin (so dort überhaupt täglich gebloggt wird).

    Interessanterweise sind unter meinen treuesten regelmäßigsten Kommentierern einige, die selber gar kein Blog schreiben und auch nie eines hatten. 🙂

    Was Du schreibst zu Einträge dieser Art (Teterow) ist mir natürlich auch klar und ich habe jetzt auch nicht damit gerechnet, dass plötzlich massenhaft Kommentare reinkommen aber war dann doch ein bisschen traurig zu beobachten, wie die Schere aufging zwischen denjenigen die »nur« die Beiträge gelesen haben und denjenigen, die zusätzlich eben doch wenigstens einen Kommentar (zur kompletten Serie) hinterlassen haben. Es ist schon so, viele sind leider nicht mehr bereit, sich auf Einträge einzulassen, die nicht nur »mal so eben« zu überfliegen und abzuhaken sind oder in 140 Zeichen abschließend zu beantworten.

  5. Ich gehöre auch zu deinen treuen Leserinnen, wenngleich ich eher selten kommentiere. Wozu auch - denn oft ist schon bereits alles geschrieben, was ich auch zu deinen Bildern schreiben würde…. Wenn es dich aber freut, hinterlasse ich dir jetzt jedes Mal ein 🙂 - dann siehst du, Holunder war da…. Es ist mir zur lieben Gewohnheit geworden, so jeden 2. Tag mal auf deine Seite zu gehen und zu schauen. Gerade eben mache ich eine Hausputzpause und sitze hier mit einer Tasse Kaffee. Ich empfinde deinen Blog als richtige Bereicherung 🙂 und bin froh, dich gefunden zu haben - so wie ich auch über einige andere Blogs froh bin, sie zu kennen. Wissenswertes, gemischt mit schönen, wunderschönen Bildern und Gedanken, Anregungen… Allerdings nimmt das Stöbern dann oft recht viel Zeit in Anspruch und ich möchte mir gar nicht ausmalen, wieviel Zeit es braucht, um einen Blog zu gestalten und zu pflegen…. Von mir wirds also keinen geben. Nur hin und wieder einen kurzen Kommentar. Soweit ganz kurz von mir. Grüße aus dem Schwabenlande. Und, ach ja, die Kirche finde ich einfach wunderschön…

  6. @ Holunder - ja, Du bist auch eine der treuen Leserinnen und Du hinterlässt ja auch immer mal wieder einen Kommentar und ich freue mich über jeden davon sehr. 🙂

    Es ist halt auch ein Phänomen, dass jedesmal, wenn man so ein Thema mal anspricht, eher diejenigen darauf reagieren, die sich den Schuh gar nicht anzuziehen brauchen, während - meistens jedenfalls - diejenigen, für die der Schuh gedacht ist, sich auch dann nicht äußern. Aber das Recht hat ja auch jeder. Kommentare kann man nicht »erzwingen« (wobei ich auch schon gelesen habe, dass es die Möglichkeit gibt sich Kommentare quasi zu »bestellen« sprich sie zu »kaufen« aber darum geht es hier ja nicht und sowas fände ich auch total daneben).

    Wie gesagt, ich erwarte gar nicht, dass hier jeder der liest auch zu jedem Eintrag einen Kommentar hinterlässt - egal ob er oder sie nun was dazu zu sagen hat oder nicht. Andererseits, lebt ein Blog nun mal auch ein bisschen von und mit Kommentaren. Es soll ja keine »Einbahnstraße« sein sondern ein wechselseitiger Austausch - wenigstens hin und wieder. Ein Blog, in dem keine oder kaum Kommentare zu finden sind, wirkt ja irgendwie »halbtot« und das ist schade.

    Hinzu kommt natürlich, dass Kommentare, die man als Blogschreiber bekommt durchaus auch motivierend wirken - das will ich gar nicht abstreiten. Wer lange ein Blog schreibt, weiß, dass es immer wieder Phasen gibt, in denen einen Selbstzweifel befallen oder in denen man sich schwer tut, sein Blog zu befüllen, sei es weil einen eine Art Schreibblockade befällt oder weil das Leben gerade sehr anstregend ist und man jede freie Minute für das Bloggen erstmal mühselig freischaufeln muss oder sich eben spät nachts noch hinsetzen muss, um einen neuen Eintrag auf die Beine zu stellen. Jetzt kann man natürlich argumentieren: Du bist es ja selber schuld, Du wolltest ja ein Blog haben und schreiben, dann beklag Dich auch nicht. Ist auch was dran, wobei wenn man in über 12 Jahren Bloggen auch mal etwas klagt oder besser jammert, geht das auch in Ordnung - finde ich. ;o)

    Vielleicht hat mich diesmal auch meine eigene Begeisterung über diese Serie etwas »mitgerissen«. Mir hat gefallen, was ich in Teterow entdeckt habe und ich wollte es nicht nur für mich behalten, sondern mit anderen, mit Euch, teilen und meine Begeisterung ein bisschen übertragen oder Euch damit ein wenig »anstecken« und da hab ich vielleicht unbewusst doch mit etwas mehr (sichtbaren) Reaktionen (in Form von Rückfragen, kleineren Diskussionen oder Meinungsäußerungen in Kommentaren) »gerechnet«.

    Ich hab jetzt doch nochmal genau hingeschaut (um zu überprüfen, ob mich mein »Eindruck« oder »Gefühl« bzgl. der Differenz zwischen Leseranzahl und Kommentaren vielleicht doch getäuscht hat (kann ja auch mal passieren)

    Hier die »nackten« Zahlen/Fakten:
    Teil I: 206 Leser => 5 Kommentare => davon einer von mir, drei von verschiedenen Lesern
    Teil II: 157 Leser => 4 Kommentare => davon zwei von mir, zwei von verschiedenen Lesern
    Teil III: 149 Leser => 5 Kommentare => davon zwei von mir, drei von verschiedenen Lesern
    Teil IV: 118 Leser => 4 Kommentare => davon einer von mir, drei von verschiedenen Lesern
    Teil V: 147 Leser => 5 Kommentare => davon zwei von mir, zwei von verschiedenen Lesern
    Teil VI: 90 Leser => 2 Kommentare => einer davon von mir
    Teil VII: 83 Leser => 0 Kommentare
    Teil VIII: 73 Leser => bisher 6 Kommentare => davon drei von mir, zwei bzw. drei von verschiedenen Lesern
    Teil IX: bis jetzt 39 Leser (ist ja erst heute online gegangen) => davon einer von mir.

    Im Prinzip war die Anzahl der Leser relativ ausgewogen (die höheren Zahlen bei den ersten Einträgen gegenüber den letzten Einträgen erklärt sich daraus, dass sie eben schon ein paar Tage länger online sind, die Zahlen bei den jüngeren Einträgen werden wahrscheinlich noch weiter ansteigen, was die Leseranzahl und vielleicht auch noch die Kommentaranzahl angeht). Die abgegebenen Kommentare die nicht meine eigenen sind, sind zusammen von sieben unterschiedlichen Lesern abgegeben worden, von denen fünf während der kompletten Serie einmal kommentiert haben und zwei mehrfach.

    Wie gesagt, es geht mir nicht darum hier ständig aufzurechnen, aber ich möchte mal das Verhältnis zwischen Leseranzahl und Kommentaranzahl verdeutlichen und da klafft schon eine ziemlich Differenz. Wären die beiden mehrfach-kommentierenden Leserinnen nicht gewesen, hätte es noch trauriger ausgesehen (was die Anzahl der Kommentare angeht).

    Aber wie schon gesagt, vielleicht habe ich mich von meiner eigenen Begeisterung zu zu viel Erwartung verleiten lassen. 🙂

  7. Ich finde es durchaus berechtigt und auch mal angebracht, dass du deine Enttäuschung ehrlich offenlegst. Ich denke ja auch schon seit geraumer Zeit über dieses Massenphänomen ‘Bloggen’ nach und auch über das Konsumverhalten beim Lesen. Natürlich möchte man Kommentare haben, aber solche, mit denen man auch etwas anfangen kann. Ich denke an deine beiden wunderbaren Kommentar neulich bei mir im Blog … Mir geht es auch um Austausch. Klar, nicht jedes Thema ist dazu geeignet, aber deine Teterow-Serie war sehr vielseitig. Wenn von 206 Lesern nur vier kommentieren, das ist schon traurig. Es ist nichts anderes als ein Spiegelbild unserer Gesellschaft: gedankenloses Konsumieren und zuviel von allem.
    Eine Lösung weiß ich nicht wirklich …

  8. Ich schätze, die einzige Lösung ist, keine Erwartungen zu haben und sich einfach freuen, wenn dann doch mal ein oder gar mehrere Kommentare kommen. 🙂

  9. So. Haus aufgeräumt, Tochter bekocht und bevor es jetzt auf die Liege geht, hier noch meine Gedanken. Liisa, es fällt mir auch in anderen Blogs oft schwer, einen Kommentar abzugeben, weil halt alles, was auch ich so kommentieren würde, bereits schon geschrieben wurde… Mir fallen dann oft keine passenden Worte dazu ein als nochmals zu wiederholen. Und das finde ich nicht so prickelnd… In den Handarbeitsblogs z.B. ist es bei beliebten Bloggerinnen so, dass sich dann eben 20 oder mehr Kommentare ähneln. Da findet dann auch kein wirklicher Austausch statt - so wie bei dir. Da stimme ich April zu. Also würde ich doch sagen, lieber wenige und dafür gute Kommentare als nur zuckersüßes Lob… Und 🙂 vielleicht liegt es ja auch am Alter ???? Vielleicht kommentieren ältere Leute wie ich (50 ;D) nicht mehr ganz so flott??? Und vielleicht wäre es interessant zu wissen, wie alt deine Leser so im Schnitt sind???

    Und ja, bis ich so an einem Abend meine Favoriten durch bin, das dauert. Ich habe da einige langjährige Lieblingsblogs… Wenn ich mich dann noch dazu verleiten lassen, neue Blogs anzuklicken, dann dauert es noch viel länger. Und da kommentiere ich dann eben nur gaaanz selten. Doch werde ich das ab jetzt - angeregt durch den heutigen Austausch mit euch - wohl öfters tun. Stimmt schon, ihr macht euch die Mühe und dann kommt keine Rückmeldung - so habe ich das als reine Leserin noch nie gesehen.

    Ãœberhaupt, mal etwas zu kommentieren habe ich erst so richtig im vergangenen Jahr angefangen, als es hier die Einladung zum Sommerfest gab. Das fand ich richtig, richtig gut und interessant.

    Herzlichst, Holunder

  10. @ Liisa: Da bin ich rigoroser. Wenn ich mehrmals irgendwo kommentiert habe und weiterhin ‘Luft’ bin, dann verlinke ich auch nicht. Dann muss ich allerdings auch davon ausgehen, dass mein Blog nicht gefällt und manchen Alphabloggern zu banal ist. Klar, ist es ja wahrscheinlich auch. Ich hab’ mir mal deine Links angeguckt …

    @ Holunder: Ich bin 63 😉 und glaube nicht, dass es am Alter liegt. Im Gegenteil: lesen und kommentieren regt an, finde ich. Aber ich stimme dir voll und ganz zu: keine banalen Kommentare. Ich halte das im Großen und Ganzen auch so und kommentiere lieber seltener, dafür aber auch ‘richtig’. Was hab’ ich von ‘Ach, wie schön.’ Und der-/diejenige hat meinen Beitrag gar nicht gelesen. auch hier finde ich: Qualität geht vor Quantität. Und ‘zuckersüßes Lob’ - bloß nicht.

    Aber hier hätten einfach mehr Kommentare sein müssen: wunderbare Fotos, gut zusammengestellte Info, alles mit Herzblut und Engagement geschrieben. Liebe Liisa, ich hoffe, du lässt dich nicht entmutigen.

  11. Liebe Holunder, ich kann schon verstehen, dass es manchmal nicht so einfach ist, einen Kommentar zu schreiben, wenn man eben nicht das 10. »oh, wie süß« oder »ach, wie toll« schreiben will. Im Prinzip ist zwar gegen solche Kommentare erstmal auch nichts einzuwenden, wenn sie tatsächlich ehrlich und ernstgemeint sind (was man an manchen Stellen anzweifeln mag, aber letztlich steckt man auch da nicht in den jeweiligen Kommentatoren. Sie mögen tatsächlich in dem Moment ganz ehrlich wie »oh, wie süß« oder »ach, wie toll« empfinden und das eben dann auch zum Ausdruck bringen).

    Ich denke, solange Kommentare nicht total daneben sind (wie z.B. rassistisch oder lediglich negativ-kritisch oder sonst von der Wortwahl daneben (Schimpfwörter, sexistische Wortwahl, etc.) oder sich gar gegen andere Kommentierende richten, sind sie okay.

    Der/die jeweilige Blogschreiber muss für sich selbst entscheiden, wieviel Gewicht er oder sie den Kommentaren beimisst. Es gibt ja durchaus auch Beispiele dafür, dass manchmal Blogger ihren tatsächlichen Selbstwert von der Anzahl ihrer Blogleser und Kommentare abhängig machen und dann ist das ganze natürlich schnell hochdramatisch. Aber ich denke, wir hier sind größtenteils doch recht realistisch und von unserem Alter her auch nicht mehr ganz so in der Gefahr, dass wir bei vielen Kommentaren in dieser Richtung abheben.

    Die Leser, die ich hier »kenne« sind in der Ãœberzahl auch nicht mehr blutjung. Vielleicht so zwischen Anfang 30 bis Mitte 60 ist alles dabei. Die ganz Jungen treiben sich ja eher auf Facebook und so herum.

    Ja, das virtuelle Sommerfest letztes Jahr lief wirklich gut, auch was die Kommentare anging aber es war auch recht viel Aufwand und »Stress« für mich, jeden Tag einen neuen Eintrag vorbereitet zu haben und mir Fragen oder Diskussionsthemen auszudenken und kaum war das Fest vorbei sind die Kommentarzahlen auch wieder recht schnell eingebrochen. Um Leser zum Kommentieren zu animieren muss man heute ganz schön was »bieten« und das schaffe ich z.B. auch nicht ständig. Da fehlt mir dann selber die Zeit das alles vorzubereiten. Ich versuche manchmal in meinen Einträgen mal wieder eine Frage zu stellen oder ein Thema anzureißen, in der Hoffnung es könnte sich eine kleine Unterhaltung, ein Austausch oder eine konstruktive Diskussion ergeben aber das klappt auch nicht immer.

  12. @ April - Die Links hier sind ja auch nur ein Teil der Blogs, die ich tatsächlich lese, im Feedreader habe ich viel mehr Blogs (Du erinnerst mich aber daran, dass ich meine Linkliste auch mal wieder durchgehen und überprüfen und ggfs. aktualisieren muss. Die Verlinkung ist ja nochmal eine andere Sache als das Kommentieren. Teilweise bin ich auch »rigoros« und wenn es dabei bleibt, dass jemand a) nie auch mal hier kommentiert und b) auf Kommentare, die ich dort hinterlasse auch nie reagiert, dann hab ich auch schon Blogs aus meinem Feedreader rausgeworfen. Es gibt aber auch Blogs, die ich so gerne lese, dass ich damit leben kann, wenn von den jeweiligen Blogschreibern keine Reaktion kommt. Es sind halt immer mehrere Faktoren, die mit hineinspielen.

    Und nein, ich lasse mich nicht (dauerhaft) »entmutigen«, zumal ich ja jetzt meinen kleinen »Frust« auch artikuliert habe. Das musste mal wieder raus und dann ist auch wieder gut. Aber klar, manchmal kann so eine Erfahrung auch eine Langzeitwirkung nach sich ziehen, das man sich beim nächsten Mal eben doch überlegt, ob man eine so umfangreiche und arbeitsreiche Serie macht oder es bei einem Eintrag mit nur einer handvoll Bilder belässt. Doch wie gesagt, ich habe mich selber daran gefreut, diese Serie zu machen und mehr als anbieten kann man Inhalte nicht. Und wer weiß, vielleicht liest irgendwann in der Zukunft noch jemand die Serie und zieht auch noch Gewinn daraus, dann ist es ja auch gut so.

    Jedenfalls danke ich für Euer Feedback und Eure Gedanken auch zu diesem Thema. Manchmal hilft auch einfach mal drüber zu reden. 🙂

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