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Der Bloemaert-Effekt! ? Farbe im Goldenen Zeitalter

Portrait Abraham Bloemaert von Paulus Moreelse - © Liisa

Portrait von Abraham Bloemaert von Paulus Moreelse

So groß der Einfluss des niederländischen Malers Abraham Bloemaerts (1566-1651) auf die Malerei war, so erstaunlich ist, wie unbekannt er heute außerhalb der Niederlande ist. Die AusstellungDer Bloemaert Effekt! – Farbe im Goldenen Zeitalter„, die zur Zeit die weltweit erste umfassende Schau des gesamten Oeuvres des Künstlers im Staatlichen Museum Schwerin zeigt, soll daran etwas ändern.

Detail Anbetung der Könige - © Liisa

Detail Anbetung der Könige von Abraham Bloemaert

Als ich von dieser Ausstellung hörte, war mir sofort klar, dass ich sie besuchen und mir diesen Leckerbissen nicht entgehen lassen wollte und so sind wir gestern nach Schwerin gefahren und haben die Ausstellung besucht.

Abraham Bloemaert war neben Rembrandt der größte Lehrmeister des Goldenen Zeitalters und einer der subtilsten Koloristen. Man schätzt, dass er etwa 100 Schüler hatte, darunter einige der wichtigsten Meister der Utrechter Schule (weswegen er auch als „Vater der Utrechter Schule“ bezeichnet wird, sowie italienische Landschaftsmaler. So bedeutende Maler wie Hendrick ter Brugghen, Gerard van Honthorst und Cornelis van Poelenburg waren seine Schüler.

Anbetung der Hirten - © Liisa

Anbetung der Hirten von Abraham Bloemaert

Bloemaert malte Themen aus Mythologie und Religion. Der überzeugte Katholik bekam Aufträge zu großen Altarbildern für Kirchen der Niederlande vor allem aber auch für die sog. „verborgenen Kirchen“ der Katholiken, die damals keinen leichten Stand hatten in den überwiegend protestantisch geprägten Niederlanden und arbeitete für den Hof des Statthalters in Den Haag sowie für Königin Elisabeth von Böhmen. Er entwickelte seinen eigenen Stil vom Manierismus zum Caravaggismus und schließlich zum Klassizismus.

Heilige Apostel Paulus - © Liisa

Der Heilige Apostel Paulus von Abraham Bloemaert

Wir waren sehr beeindruckt von den Gemälden die in der Ausstellung neben zahlreichen zeichnerischen Studien, Stichen und Grafiken gezeigt werden. Wunderbare Farben, häufig überraschende Kompositionen (z.B. ein ziemlich großer aber sehr feminin wirkender Jesus im Gemälde „Auferweckung des Lazarus“ oder der ebenfalls sehr feminin wirkende Josef im Gemälde „Josef und seine Brüder“ oder das beeindruckende Gemälde von „Jesus als Schmerzensmann“ umgeben von all den Marterwerkzeugen seines Leidens) oder eine für die damalige Zeit ungewöhnliche Farbwahl (z.B. im Gemälde „Josef und seine Brüder„, in dem sich Farbkombinationen finden, die erst viel später im Rokoko erneut vermehrt verwendet werden würden).

Allegorie des Winters - © Liisa

Allegorie des Winters von Abraham Bloemaert

Auch wenn ich hier hauptsächlich Fotos von Gemälden biblischer Szenen zeige, sind in der Ausstellung auch viele Gemälde mit Bezug zu mythischen Figuren und Szenen zu sehen oder auch einfach Alltagsszenen aus dem von Bloemaert romantisierten schlichten Landleben der Hirten und des einfachen bäuerlichen Volks.

Die vier Evangelisten - © Liisa

Die vier Evangelisten von Abraham Bloemaert

Nach gut eineinhalb Stunden haben wir zufrieden und beeindruckt diese außergewöhnliche Ausstellung verlassen. Wer die Möglichkeit hat, sollte sich die Ausstellung nicht entgehen lassen!

Noch bis zum 28. Mai 2012 ist diese Auswahl der besten Gemälde Abraham Bloemaerts aus Museen und Sammlungen der ganzen Welt zu sehen.
Abgesehen von der tollen Kunst-Ausstellung ist Schwerin auch ansonsten durchaus einen Besuch wert, wie man z.B. auch an diesen Fotos sehen kann.

5 Gedanken zu „Der Bloemaert-Effekt! ? Farbe im Goldenen Zeitalter

  1. Vielen Dank für die Vorstellung dieses mir völlig unbekannten Malers! Mir gefallen besonders die Anbetungs-Bilder – zuerst dieser herrlich wissende Blick des Jesusknaben auf den König, und dann Josef mit so einer Miene, als ob er gleich sagt, „Was haben wir für einen süüüßen Sohn!“

    Die Körperhaltund des Matthäus, der den geduldig diktierenden Engel zu fragen scheint: „WAS soll ich schreiben???“ hat es auch in sich.

  2. Liebe Liisa,
    ein schöner Bericht über einen leider etwas in Vergessenheit geratenen Maler. Seine Bilder sind wunderbare Beispiele der gekonnten Lichtführung, die die großen Barockmaler auszeichnet. Mit geht es mit Bildern wie mit Musik: der Wechsel macht den Reiz aus. So sehr ich die Expressionisten und die Abstrakten schätze, so sehr begeistern mich auch die alten Meister. Abraham Bloemaerts ist einer, der alles, was sie so reizvoll macht, in seinen Bildern vereint.
    LG, Susanne

  3. Ach ja, eine Frage noch: Wie hast Du es mit den Fotos der Gemälde gehalten? Sind sie eingescannt, abfotografiert oder vom Museum zur Verfügung gestellt? Wie abfotografiert sehen sie nicht aus, keine Spiegelung oder Lichtreflexe.

  4. @ Claudia Sperlich – Freue mich sehr, dass ich Dir mit diesem Bericht eine Freude machen konnte! 🙂

    @ Susanne – Mich hat die Lichtführung bei Bloemaert auch sehr begeistert und mehrfach auch an Rembrandts Nutzung von Licht und Schatten erinnert.

    Zu Deiner Frage: Ich habe die Fotos im Museum selbst gemacht. Man konnte eine Fotografier-Erlaubnis erwerben, bekam einen kleinen Aufkleber, der an der Kleidung angebracht werden musste, so dass die Museumswärter gleich sehen konnten, dass man berechtigt war zu fotografieren und dann konnte ich fotografieren so viel ich wollte. Spiegelungen oder Lichtreflexe gibt es deswegen nicht, weil die Gemälde in Rahmen aber ohne Glasabdeckung steckten und ich natürlich auch versucht habe, darauf zu achten evtl. Lichtreflexe durch Strahler etc. möglichst zu vermeiden.

  5. …so noch ein Grund alles sofort sehen zu lassen und nach Schwerin zu fahren….

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