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Sanddorn, Erkältung, Landluft und ein Loblied auf Mecklenburger Briefträger

Sanddorn - © Liisa

Die Erkältung 1. Klasse hätte jetzt wirklich nicht sein müssen. Andererseits kein Wunder, dass unser Immunsystem nach den aufreibenden vergangenen Wochen irgendwann auch mal schlapp macht. Da hat nicht mal der frisch gepresste tägliche Orangensaft geholfen - obwohl: ohne den, wäre es vielleicht noch viel schlimmer gekommen. Jedenfalls bellen (Husten) und niesen (Schnupfen) wir hier um die Wette.

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Landluft! Wie stellt das Stadtkind sich Landluft vor? Bisschen Geruch nach Kuhfladen, bisschen Kuh- oder Schweinestall, richtig? Leute! Landluft ist das, was wir hier die letzten Tage haben und zwar die volle Dröhnung. Sämtliche Bauern der Umgebung haben sich nämlich plötzlich gleichzeitig1 entschlossen, ihre über Monate angesammelte Gülle auf die riesigen Wiesen und Äcker auszubringen. Ich sach nur »flächendeckend« und ich bin ziemlich sicher, dass man noch aus dem Weltraum von der ISS aus die Gestanksruchsglocke über Mecklenburg sehen kann! Man/wir möchten weglaufen aber das geht ja nicht - wir wohnen ja jetzt hier2.

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Die Briefträger hier auf Land scheinen übriggeblieben aus einer Zeit »weit weit vor unserer Zeit« - so erscheint es uns jedenfalls. Hier sind die Briefträger/innen freundliche Menschen, die sich weder von kleinen noch großen Hunden - oder auch mal entlaufenen Kühen - aus der Ruhe bringen lassen; die, wenn keiner da ist, nicht einfach nur einen Abholzettel in den Briefkasten werfen, sondern erstmal bei den Nachbarn anklingeln und die Päckchen dort deponieren; die abgehende Post (wenn sie von uns am [nicht im!] eigenen Briefkasten deponiert wurde), mit in das nächstes Städtchen zur dortigen Postfiliale nehmen und von denen wir schon heroische Geschichten gehört haben, wie sie sich z.B. in strengen Wintern mit meterhohen Schneeverwehungen allerorten auch noch in das abgelegenste Fleckchen zu Oma Meta und Opa Hinrich durchgeschlagen haben, um eine Postkarte zuzustellen (und notfalls nach dem Rechten zu sehen).

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1 Inzwischen habe ich gelernt, dass die Gleichzeitigkeit daran liegt, dass den Bauern genau vorgeschrieben ist, wann sie ihre Gülle ausbringen dürfen und wann nicht. Es kann also nicht jeder Bauer einfach die Gülle ausbringen, wenn es ihm in den Zeitplan passt oder angebracht erscheint, was in manchen Jahren auch dazu führt, dass die Gülle-Depots quasi fast am Überlaufen sind und die armen Bauern kaum noch wissen, wohin mit der Jauche. Wer dann eigenmächtig die Gülle irgendwo ausbringt und erwischt oder angezeigt wird, muss empfindliches Bußgeld zahlen.

2 Die alteingesessenen und leidgeprüften Dorfbewohner haben trocken mitgeteilt, dass wir alle noch dankbar sein können, dass es »nur« Kuhgülle war, die da in den letzten Tagen ausgebracht wurde und nicht etwa Schweinegülle. In letzterem Fall würden selbst sie erwägen, davonzulaufen. Nach der Geruchserfahrung der vergangenen Tage möchte ich mir ehrlich gesagt eine gravierende Steigerung ins Negative gar nicht vorstellen bzw. kann es fast nicht!

7 Gedanken zu „Sanddorn, Erkältung, Landluft und ein Loblied auf Mecklenburger Briefträger

  1. Wenn die Landluft trotz Erkältung zu Deinem Geruchssinn durchgedrungen ist, muss sie wirklich stark gewesen sein. Gute Besserung.

  2. Diese Güllezeit ist wirklich schrecklich auf dem Land. Manchmal stinkt das so sehr, dass man draußen keine Wäsche trocknen sollte, bä…
    LG von Rana

  3. Ich kann mich noch erinnern, wie es zur Güllebeschränkung kam (80er?): Durch die Massentierhaltung fiel extrem viel Jauche an, die die Bauern wie gewohnt und weil am billigsten auf die Felder gossen. Irgendwann stieg dadurch die Nitratbelastung des Trinkwassers ins Gesundheitsgefährdende. Gegenmittel: Strenge Regeln für das Düngen mit Jauche.

  4. Gute Besserung! Und hoffentlich geht der Gestank weg *bevor* Deine Nase wieder voll funktionstüchtig ist.

  5. Und keiner hat was über den Briefträger geschrieben. Um den kann man euch nur beneiden. Ein bisschen klingt das wie aus alten Zeiten, wo er noch eine soziale Funktion hatte. Bei uns wechseln sie ständig und das finde ich sehr schade und unpersönlich.

  6. @ all - inzwischen hat sich die Luft wieder etwas geklärt, was gut ist, denn der Schnupfen bzw. die verstopfte Nase lässt langsam nach.

    @ Rana - den Hinweis, besser keine Wäsche rauszuhängen von ringsum ge«jauch(z)t« wird, haben wir auch schon bekommen.

    @ Kaltmamsell - von meinem Alter her, sollte ich mich auch daran erinnern können aber zu der Zeit war ich noch dermaßen Stadtkind, da ist sowas komplett an mir vorbeigegangen.

    @ April - ich muss gestehen, ich war auch etwas erstaunt, dass (außer Dir) keiner auf die wunderbaren Briefträger eingegangen ist. ;o) Wir sind jedenfalls höchst angetan und hegen und pflegen unsere Briefträger, was diese uns wiederum mit großer Servicebereitschaft danken. Das sind noch Menschen, die ihren Job mit Freude und Hingabe tun und nicht moderne Dienstleister oder Service-Mitarbeiter. 🙂

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