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Klärungsbedarf

Es gibt Leute, die aufgrund dieses Blogs hier tatsächlich glauben, im Hause Charming Quark herrsche (überdurchschnittlich oft) eitel Sonnenschein und alles sei voller Schönheit und Freude und Heiterkeit und überhaupt jetzt im Dezember gäbe es nur Jauchzen und Frohlocken. Schön wäre das, aber dem ist beileibe nicht so (Ja, es gibt Leute, die wirklich und wahrhaftig so etwas wie »Neid« entwickeln, weil sie diesem Irrtum aufsitzen)! Vielmehr ist dieses Weblog hier zu einem guten Teil, der Versuch dem rauhen und eiskalten Wind, der mir ins Gesicht weht, etwas postives, schönes, etc. entgegenzusetzen, um in den Unbillen der Realität nicht endgültig unterzugehen.

Weihnachtlich gestimmt zu sein, fällt nämlich ziemlich schwer, wenn

  • es im engen Freundes- und Bekanntenkreis, Menschen gibt, die schwer erkrankt sind und eine mehr als ungünstige Prognose haben
  • man die Nachricht bekommt, dass ein Mensch, der einem sehr viel bedeutet, einen Herzinfarkt erlitten hat und nur mit viel Glück überlebt hat
  • man selber sich eine Gehirnerschütterung eingefangen hat und die daraus resultierenden Kopfschmerzen und Übelkeit einfach nicht weichen wollen
  • man trotzdem jede Woche wenigstens einmal mit einem der Kater zum Tierarzt muss, weil die Jungs die Fackel von einem zum anderen weiterreichen (vorzugsweise am Wochenende, so dass auch noch die Notfall-Pauschale auf die ohnehin gesalzenen Tierarztkosten kommt. Ich schätze, inzwischen werden beim Tierarzt schon Wetten angenommen, mit welchem Kater ich am nächsten Wochenende aufschlage. 🙁 Im übrigen wird 2009 für mich - was die Tierarztkosten angeht - als Annus horribilis in die Annalen eingehen. Ich hoffe sehr, das geht in 2010 nicht so weiter!)
  • man dringend, dringend, dringend die Weihnachtspost angehen und losschicken sollte und die Kurve dazu einfach nicht kriegt, während sich über einem der riesige Schatten eines schlechten Gewissens aufbaut, der dräuend auf einen herunterschaut
  • nahestehende Menschen Erwartungen an einen herantragen, die - gelinde gesagt - völlig überzogen sind
  • man sich eigentlich nur noch die Decke über den Kopf ziehen oder sonstwohin verschwinden möchte, um endlich von solchen und weiteren unerfreulichen Dingen verschont zu bleiben - wenigstens eine Weile

Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was sich hier in den vergangenen, sagen wir drei Wochen, zugetragen hat und z.T. eben noch abspielt.

Ehrlich, ich versuche mein Bestes, mit all dem umzugehen aber irgendwie habe ich mir den Dezember doch etwas anders vorgestellt. Und nein, ich schreibe das hier nicht deshalb, damit ich jetzt eine Runde Mitleid oder gute Ratschläge einkassieren kann, sondern damit dem ein oder anderen Leser vielleicht (mal wieder) klar wird, dass ein Blog immer nur ein Mini-Ausschnitt aus dem Leben der Person ist, die hinter einem solchen Blog steckt und dass es fatal sein kann, aus einem Weblog Rückschlüsse auf die Lebensumstände eines Menschen zu ziehen, was manche tatsächlich tun, geschweige denn »neidisch« auf die scheinbar goldenen Lebensumstände einer Person zu werden.
Nur, damit das mal geklärt ist!

P.S. Endgültig stimmungsmäßig über die Kante schubsen, kann mich dann die Konfrontation mit all dem Terror, der Gewalt, den Machtkämpfen, der Ungerechtigkeit und der Heuchelei, die in dieser Welt ihre hässlichen Fratzen zeigen und Menschen das Leben wirklich schwer, wenn nicht sogar unmöglich machen, während ich mich hier schon wegen einiger, im Vergleich dazu als Banalitäten und Kinkerlitzen erscheinenenden, »Problemchen« am liebsten in ein Mauseloch irgendwo in der finnisch/schwedisch-lappländischen Pampa verkriechen möchte.

P.S.2 Und doch, es gab natürlich auch am zurückliegenden Wochenende Schönes, dass ich erleben durfte, wie z.B. der Lucia-Morgen mit viel Licht, Pepparkakor und Gesang oder die Überraschung plötzlich vor einem oberleckeren schwedischen Julbord zu sitzen oder dass es endlich endlich auch hier bei uns wenigstens ein paar Schneeflocken gab

19 Gedanken zu „Klärungsbedarf

  1. Auch ich finde es mehr als kurios, dass es Leute gibt, die von den vielen schönen Dingen, die du hier täglich in dein Blog stellst, auf deine Lebensumstände schliessen und dich im Paradies wähnen. Mögen all diejenigen deinen heutigen Beitrag lesen - und verstehen!

    Ich wünsche dir trotz und auch wegen der belastenden Dinge, mit denen du momentan konfrontiert bist, eine besinnliche und schöne Weihnachtszeit.

  2. Neid ist ebenso dumm wie häßlich. Ich freue mich immer wieder an Deinem schönen Blog und mache mir nicht vor, daß dahinter eine großbürgerliche Dame mit Dienstboten und ohne Sorgen steht.
    Von Herzen wünsche ich Dir und den Deinen (Menschen wie Katzen) alles Gute und so viel Gesundheit wie irgend möglich.

  3. Das Leben ist überall gleich. Berg- und Talfahrten… überall…

    Von daher… KEEP CALM AND CARRY ON…

    Und Weihnachten und des ganze drumherum wird sowieso
    wahnsinnig überbewertet und alle haben Erwartungen.
    Gut, dass man nicht jeden zufriedenstellen muss.

    *alles gute*

  4. Das habe ich mir wohl so gedacht, wie Du es realistisch beschreibst.
    Die Paradiesidee hatte ich nie.
    Wo leben wir denn?
    🙂
    Gruß und alles Gute!!!
    Sonia

  5. Natürlich ist es naiv zu glauben, man könne vom Blog auf den Menschen dahinter schließen.

    Im Gegenteil, ich bin beeindruckt, die Du angesichts solcher Belastungen überhaupt noch die Energie findest, ein Blog zu schreiben und dass Du Deinen Humor (immer noch) nicht verloren hast. Ehrlich gesagt, ich glaube nicht, dass ich das könnte.

  6. Ach Liisa, das ist das Schicksal aller derer, die eine rote Nase tragen…
    🙂
    Fühl’ Dich mal eben ganz fest umarmt.

  7. Ich kenne Dein blog nun schon seit… ach, keine Ahnung. Aber eine Ewigkeit sicher:-) Und ich kann mich meinen Vorschreibern nur anschliessen.

    Und auch wenn es sicher einfacher klingt als es ist, aber lass Dich nicht unterkriegen…!!

    Liebe Grüsse für DIch, kho

  8. Wer vom Blog auf den Menschen schließt, und denkt, er habe ihn damit erfasst, hat vieles nicht verstanden. Neid kann auf der nach unten offenen Skala nur noch von unbegründetem Neid getoppt werden. Von daher würde ich mir auch nicht allzu viele weitere Gedanken darüber machen. Du hast ja schon genug andere Probleme, die Du hinreichend und eindringlich hier beschreibst.

    Ich wünsche Dir von ganzem Herzen, dass die Krankheiten in Deinem Umfeld weniger statt mehr werden und dass Du selbst Dich bald wieder besser fühlen wirst.

  9. Jene merkwürdigen Folgerungen von dem eigenen Blog auf die eigene Person hatte eine einstige Freundschaft von mir sehr belastet. Ich hoffe dies bleibt dir erspart, denn ich muss Markus zustimmen. Derartige Folgerungen sind ein Zeichen von Unverständnis.

    Auch ich wünsche dir, dass sich diese bedauernswerten Umstände wieder ändern mögen.

  10. Herzlichen Dank Euch allen, für die lieben Wünsche und ermutigenden Worte!

  11. Keine Runde Mitleid, aber doch Mitgefühl von meiner Seite. Zusätzlich ist das ein schöner, wichtiger Beitrag über das »bloggende Ich«.

    Herzliche Grüsse aus Bern

  12. Lass Dich nicht von der Kante schubsen liebe Liisa. Ich denke auch, wer immer von den Blogeinträgen auf den Menschen schließt versteht vieles nicht. Man kann und will doch nicht immer jeden Kummer veröffentlichen. Und wenn auch ein Blog viel Freude ausstrahlt muss nicht immer eitel Sonnenschein dahinter sein. Und wenn es deshalb Neider gibt…., ich finde das sind sehr arme Menschen.
    Lass Dich nicht unterkriegen liebe Liisa, ich finde Du *handelts* die Sache total gut. Ich kann das sagen, denn ich lese ja schon viele Jahre bei Dir.
    Ganz liebe Grüße
    Thea

  13. Liebe Thea und liebe Tanja, auch Euch ein Dankeschön für die ermutigenden und mitfühlenden Worte!

  14. Ich habe über deinen Artikel lange nachgedacht. Dabei muss ich gestehen, dass ich schon Blogs kenne, bei denen ich mir öfters gedacht habe »geht es derjenigen immer gut, ist dort immer eitel Sonnenschein?«. Dort habe ich nie was Negatives gelesen, einen Aufreger oder ähnliches, während ich das Gefühl habe, dass es bei mir pausenlos rauf und runter geht. Doch wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, dann schreibe ich über ganz viele Dinge auch nicht, weil ich sie nicht vor fremden Personen offen legen will. Ab und zu schreibe ich mir schlimme Dinge von der Seele und schützte sie durch ein Passwort.

    Ich habe hier in den Kommentaren den Satz gelesen: »Wer vom Blog auf den Menschen schließt, und denkt, er habe ihn damit erfasst, hat vieles nicht verstanden.« So einfach ist das m.E. nicht. Man macht sich ein Bild von einem Menschen, von dem man liest - vor allem wenn man es über Monate und Jahre macht. Dann entsteht ein Bild. Ob das richtig oder falsch ist, das kann niemand sagen. Wenn jemand nur Positives schreibt, dann kann man vielleicht daraus ableiten, dass er sich hinter einer Maske versteckt oder das derjenige Angst hat, sich wirklich zu zeigen. Doch das ist nur eine Vermutung. Vielleicht ist diese Person aber eine Frohnatur, die sich von nichts beeindrucken läßt und die einfach das Glück im Leben hat, dass alles für sie prima läuft.

    Letztens habe ich einen Kommentar bekommen, in der mir vorgehalten wurde, ich zitiere »Ich finde diesen Blog sowieso nur ein ständiges Anerkennungsbetteln der Inhaberin. Die bekommts du wohl nicht außerhalb des Webs? Und zum Thema “anonym” nur soviel. Du gibst doch hier auch nur einen Teil von dir preis. Die wahre Jana ist das sicher nicht.« Darüber habe ich auch sehr lange nachgedacht. Vielleicht kommen meine Artikel bei der Leserin wirklich so an, auch wenn ich mich dann frage, warum sie bei mir ständig liest (dank Statistik sehe ich das 🙂 ) Sicherlich ist mein Blog nicht die ganze Jana, aber ich finde schon, dass man da sehr viel von mir erfahren kann. Und genauso sehe ich das bei anderen Blogs.

    Ich lese deinen Blog sehr gerne. Laß dich nicht unterkriegen und »schreib« einfach so weiter wie bisher!

  15. Auch ich denke, man kann durch ein Blog auf einige Aspekte der Persönlichkeit seines Autors schließen. Ein Blog sagt mir, was dem Autor wichtig ist, wie er es darstellt, sagt etwas über Bildung und Geschmack des Bloggers.
    Nur - wenn jemand z.B. über seine Begeisterung für Picasso bloggt und ich schließe daraus, daß bei ihm zu Hause Millionenwerte an der Wand hängen, dann bin ich naiv. Wenn jemand sagt »Mir geht es heute richtig gut«, so kann ich daraus absolut nichts über seinen gesundheitlichen und finanziellen Allgemeinzustand schließen.
    Dies Blog lese ich gerne, weil Geschmack, Bildung und Stil der Autorin mir gefallen. Das ist eine ganze Menge Persönlichkeit. Ich gehe nicht davon aus, daß die lichtdurchflutete Wohnung der Autorin mit Kostbarkeiten schwedischer Designer eingerichtet ist. Aber wenn sie es wäre - könnte ich mich für die Autorin so richtig freuen; ich gönn es ihr nämlich. 😉

  16. Aber das gibt es ja auch im richtigen Leben. Ich kenne von den meisten Leuten nur eine Teilpersönlichkeit. Vielleicht taut die stille Kollegin im Kreise ihrer Freundinnen auf und der Sportsfreund hat ungeahnte Fähigkeiten, die ich ihm niemals zugetraut hätte. Selbst die besten Freunde sind - in einem anderen Rahmen gesehen - auf einmal anders.

    Ich denke, es ist wichtig, sich das immer mal wieder klar zu machen, weil man es immer wieder vergisst. Dazu ist so ein Eintrag sehr wichtig.

    Eine ganz andere Schiene ist das mit dem Neid, das ist was, was ich absolut nicht verstehe. Denn wenn hier eitel Sonnenschein wäre, wäre es doch schön und Dir absolut zu gönnen. Ich finde es absolut bewundernswert, wie Du hier immer versuchst, das Positive zu sehen und hier täglich ein Stückchen - nicht heile Welt, aber ein Stückchen schöne Welt zu zeigen.

    (Ich selbst kenne im Moment das Gefühl, wenn mir selbst alles zu viel wird, dass ich tatsächlich ein wenig neidisch auf andere werde, die etwas haben, das ich nicht habe - Zeit oder eine verständnisvolle Familie z.b. Das ist nicht schön, aber es ist so. Aber es liegt doch an mir, daraus etwas zu machen, damit hat doch jemand anders nichts zu tun, es geht doch mehr darum meine Sehnsüchte da rauszufinden als dem anderen etwas nicht zu gönnen…. aber das nur als Randbemerkung)

    Jetzt ist es doch länger geworden, lass Dich nicht unterkriegen und habe so schöne Weihnachtstage wie möglich!!!

  17. @ Jana - Du hast natürlich recht, dass es sich nicht vermeiden lässt, dass ein gewisses Bild von einem Blogschreiber/in entsteht, wenn man ein Blog lange mitverfolgt und manche Dinge erfährt man so natürlich schon über den/die Schreiber/in. Hängt natürlich auch ein bisschen davon ab, wie so ein Blog geschrieben wird. Manche sind auch in ihren Blogs sehr offen und schreiben sehr viel über ihr Ergehen und Erleben und andere sind eher zurückhaltender mit solchen privaten Dingen, aber auch das muss nichts heißen. Kann ja sein, dass die Person, die in ihrem Blog sehr mitteilsam ist, das gerade ist, weil es ein Blog ist und im 3D-Leben eher nicht so viel mitteilt und die Person, die sich im Blog eher zurückhält ist in der direkten Begegnung vielleicht viel mitteilsamer, weil sie einfach besser einschätzen kann, mit wem sie es zu tun hat. Die Gefahr Dinge falsch einzuschätzen und zu beurteilen ist denke ich immer da und niemand ist davor gefeit. Allerdings erwarte ich schon, dass man sich dessen wenigstens bewusst ist und eben von daher doppelt vorsichtig damit Urteile zu fällen oder Rückschlüsse nur aufgrund von Blogeinträgen zu ziehen.

    Danke Dir für Deine Gedanken zum Thema und die ermutigenden Worte!

  18. @ Claudia - *lach* … also »lichtdurchflutete Wohnung« kommt hin aber die »Kostbarkeiten schwedischer Designer« wird man bei mir eher vergeblich suchen, bis auf ganz wenige Ausnahmen und die sind auch nicht unbedingt materiell »kostbar« sondern eher aufgrund der damit verbundenen Erinnerungen und Erlebnisse. 🙂 Schön zu wissen, dass Du es mir aber gönnen würdest! 🙂

  19. @ Tine - Du hast vollkommen recht, dass das Problem des »sich ein (falsches) Bild von jemandem zu machen« auch im 3D-Leben vorhanden ist. Wir Menschen neigen halt leider zum »einkaschteln« anderer und die Gefahr auch eigene Erwartungen und Wünsche in andere hinein zu projizieren ist immer gegeben. Aber wie Du ja auch schreibst, sich dessen bewusst zu sein oder es sich immer mal wieder bewusst zu machen, ist da schon sehr hilfreich, um sich nicht total zu verrennen und halbwegs auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben.

    Ich habe allerdings auch schon festgestellt, dass es auch Menschen gibt, denen ihre »Bilder«, die sie sich von anderen gemacht haben, lieber und wichtiger waren, als die Tatsachen. Dass sie damit eine echte Begegnung im Grunde völlig torpedieren bzw. boykottieren, fällt ihnen dabei nicht auf, bzw. ist ihnen dann auch egal. So etwas ist immer traurig.

    Noch komplizierter wird es, wenn derjenige, von dem sich ein Bild gemacht wurde, dazu neigt, gerne dem Bild anderer entsprechen zu wollen. Dann irren quasi zwei Blinde im Raum umher und wundern sich, warum sie sich nicht begegnen. Das ist ein Thema, da könnte man lange drüber diskutieren.

    Was Du zum Thema »Neid« schreibst, kann ich auch nur unterschreiben. Mir ist »Neid« auch eher fremd, bzw. da wo mich mal ein Anflug von Neid ankommt, bin ich dann wieder analytisch genug, das schnell zu erkennen und ähnlich wie Du damit umzugehen, sprich die Tatsachen als solche zu akzeptieren und eher bei mir selbst zu schauen, was diese Reaktion ausgelöst hat und was ich bei mir da ändern kann. Ich glaube auch, dass sich im Leben vieles wieder ausgleicht. Alles, wirklich alles hat seine zwei (wenn nicht noch mehr) Seiten und wer vordergründig zu beneiden zu sein scheint, wäre hintergründig vielleicht sogar eher zu bemitleiden. Ich habe Menschen kennengelernt, die buchstäblich nix hatten und wesentlich glücklicher und zufriedener waren als andere, die buchstäblich alles hatten und trotzdem zutiefst unglücklich waren.

    Hier und da hatte ich auch schon mit Menschen zu tun, die sehr mit Neid zu kämpfen hatten, weil andere dies oder das besaßen. Aber die Frage ist auch da wieder, zu welchem Preis, besitzen die, die sie beneiden, was sie besitzen?

    Ist vielleicht ein Großteil der Dinge, die sie besitzen und um die andere sie beneiden, nur auf Pump ihr eigen geworden und tatsächlich bewegen sie sich ständig am Rande der Privatinsolvenz oder sind schon bis über die Halskrause verschuldet (was man ihnen natürlich von außen nicht ansieht)?

    Oder haben sie zwar alles und können sich alles leisten, können sich aber im Grunde an nix mehr freuen, weil ihnen alles immer mehr oder weniger in den Schoß gefallen ist?

    Oder ist ihr ganzes Selbstwertgefühl nur auf ihren Besitz und ihre Errungenschaften gegründet? Was passiert mit diesen Menschen und ihrem Selbstwertgefühl, wenn sie aus irgendwelchen Gründen ihren Besitz verlieren oder die scheinbar grandiose Karriere ein abruptes Ende findet?

    Oder: sind diese Menschen wirklich so sehr zu beneiden, wenn ihr Reichtum darauf gründet, dass sie andere Menschen ausgebeutet haben oder noch ausbeuten (z.B. ein Firmenbesitzer, der seine Mitarbeiter ausbluten lässt) oder Leute, die mit Rohstoffen bzw. Produkten daraus handeln, die in den Förderländern zu blutigen Konflikten führen (Stichwort Kongo, etc.).

    Ein bisschen anders ist es natürlich mit solchen Dingen, wie »eine verständnisvolle Familie haben« oder eben nicht haben. Da kann ich sehr sehr gut verstehen, dass einen manchmal so etwas wie Neid (oder ist es vielleicht eher eine Sehnsucht) überfallen kann, wenn man eine wirklich gut funktionierende und einander liebevoll zugetane Familie erlebt. Da hilft meiner Erfahrung nach wirklich nur, sich mit den Tatsachen abzufinden. Wer eine solche Familie nicht hatte, kann das nicht mehr rückgängig machen und man verdirbt sich höchstens noch das hier und jetzt, wenn man ständig darüber trauert, dass man sie nicht hatte. Man kann höchstens versuchen vielleicht selber eine Familie zu gründen, in der es dann besser als in der eigenen Herkunftsfamilie zugeht. Allerdings kann der Schuss auch nach hinten losgehen, denn leider zeigt die Erfahrung, dass es für jemanden, der selber nie eine intakte gesunde Familie erlebt hat, sehr schwierig ist ohne die damit gemachten positiven Erfahrungen eine Familie aufzubauen, die anders funktioniert und ist. Aber versuchen kann man es auf jeden Fall. Und wenn es mit einem Partner fürs Leben nicht klappt bzw. nicht mit der kleinen oder großen eigenen Familie (also mit Kindern), dann kann man halt versuchen mit den Menschen, die einem sonst nahe stehen, wie z.B. Freunden etc. verlässliche und gute Beziehungen zu leben. Aber ich weiß, dass das schwer ist und eine nicht gehabte positive Familie nicht ungeschehen machen kann.

    Was das Thema »Zeit« angeht, das ist wieder etwas, wo ich denken würde, das hat man schon weitgehend in der eigenen Hand. Wir können entscheiden, wieviel unserer Zeit wir wofür investieren wollen. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich keine Zeit habe, weil mich z.B. mein Beruf auffrisst, dann habe ich es in der Hand, das zu ändern - indem ich z.B. eine andere Arbeitsstelle suche oder ganz umsattele, so dass mir mehr Zeit zur Verfügung steht. Ich muss dann halt nur bereit sein, mit den daraus resultierenden Konsequenzen, wie z.B. weniger Gehalt, weniger Ansehen, einem Umzug, oder was auch immer, zu leben.

    Ähm, ja, so tief wolltest Du vermutlich gar nicht in diese Themen einsteigen. Sind halt nur die Gedanken, die mir dazu so kamen.

    Jedenfalls danke ich Dir, dass Du Dich so offen geäußert hast und auch für Deine lieben Wünsche für mich. Auch Dir ein schönes Weihnachtsfest und dass Du in diesen Tagen auch ausreichend Zeit für Dich selbst und die Menschen oder Dinge, die Dir wichtig sind, findest.

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