Fotografie ·Kultur ·Kunst

Margareta Kern

Julka, Clothes For Death Series - © Margareta Kern

Jelka, Clothes For Death Series - © Margareta Kern

Ljublica, Clothes For Death Series - © Margareta Kern

Liza, Clothes For Death Series - © Margareta Kern

Obige Fotos wurden von der 1974 in Kroatien/Bosnien-Herzegowina und heute in London lebenden Fotografin Margareta Kern für ihr fortlaufendes Dokumentations-Fotoprojekt „Clothes For Death“ (Kleider für den Tod) darüber, wie Frauen aus Kroatien und Bosnien-Herzegovina die Kleidung, in der sie beerdigt werden möchten, vorbereiten, aufgenommen.

Sie ließ sich von den Frauen, die sie traf und fotografierte, zeigen welche Kleider sie gewählt haben, um sich einmal darin beerdigen zu lassen. Einige Frauen, die Margareta Kern getroffen hat, sind bereits um die 90 und ihr Leben ist bewegt worden von der unruhigen Geschichte und dem Krieg in den Balkanländern. Die Grabkleider werden von den Frauen wohl verwahrt und verpackt in Stoff oder Plastiktüten und Taschen, damit sie bereit liegen, wenn die Zeit gekommen ist, vor den Schöpfer zu treten, oder auch um den Familien den Abschied auf diese Weise vorbereitet zu erleichtern.

Wie ich finde ein sehr berührendes Fotoprojekt. Erstaunlich, dass diese alten Frauen sich der jungen Margareta Kern öffneten und ihr diese doch sehr intimen Einblicke in ihr Leben erlaubten. Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass in dieser Region das Thema Tod noch längst nicht so tabuisiert ist, wie bei uns. Vielleicht auch weil dort so häufig Krieg war und den Menschen so viel bewußter ist, dass der Tod ein Teil des Lebens ist. Vielleicht spielt auch die tiefe Religiosität, die auf vielen der Fotos anhand der Bilder, Kreuze etc. an den jeweiligen Wänden, dokumentiert ist dabei eine Rolle.

Auf mich wirken viele der Fotos durch die Art und Weise wie Margareta Kern sie aufgenommen hat auch so, als ob die alten Frauen fertig vorbereitet wirklich nur noch auf den offensichtlich herannahenden Tod warten. Genauso wie ich mich beim Anblick der Gesichter und teilweise auch Hände gefragt habe, was für Lebensgeschichten diese alten Frauen wohl zu erzählen hatten, welche Verluste sie in ihrem Leben erlitten haben und was ihre Sicht auf das Leben und den Tod geprägt hat. Abgesehen davon, finde ich es auch sehr interessant, bei diesen Fotos den Blick nicht nur auf die alten Frauen und die bereitliegende Kleidung zu richten, sondern die jeweilige abgebildete Lebenswelt zu betrachten. Diese Fotos erzählen sehr viel mehr als es auf den ersten und schnellen Blick scheinen mag.

Sehr interessant und informativ sind auch die zusätzlichen Notizen (direkt unter den auf ihrer Webseite gezeigten Fotos), die sie zu diesem Fotoprojekt gemacht hat.

Übrigens werden die Fotos dieser Serie von Margareta Kern zusammen mit Fotos ihrer Serie „Graduation Dresses“ (Abschlußballkleider) seit dem 11. Oktober und noch bis zum 8. November in der Ausstellung „Kleider für Leben und Tod“ im Kunstverein Worms gezeigt.

2 Gedanken zu „Margareta Kern

  1. Sehr berührend, auch die Vorstellung, wie ein derartiges Ansinnen hierzulande betrachtet würde. Und wenn ich mir die Fotografin anschaue, wird mir recht plastisch, wie hier Lebenswelten aufeinandertreffen. Weit mehr als ein memento mori.

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