Musik

Aus der Reihe Musik zum Wochenende: Ach, Michael …

Er ist heute in aller Munde: Michael Jackson, der gestern im Alter von nur 50 Jahren überraschend starb. Pop-Geschichte hat er geschrieben, mehr Alben verkauft als irgendein anderer Musikstar, Konzerte und Live-Auftritte hingelegt, die noch Jahrzehnte später als spektakulär gelten. Ein echter Star und für meine Generation einer der prägenden Musiker überhaupt.

Für mich stand aber im Vordergrund immer sein tragisches Schicksal. Vom Vater in die Musik und den Erfolg geprügelt. Ein kleiner Junge, der nie gefragt worden ist, was er eigentlich selber wollte. Für ihn sollte es nur die Musik geben. Heraus kam ein Star, ja, aber auch ein zutiefst einsamer und unglücklicher Mensch, immer auf der Suche nach echter Liebe, nach sich selbst. Ein zerrissener Mensch, der schon lange am Abgrund balancierte und dem Urteil der ganzen Welt ausgesetzt. Für einen Menschen, der seiner selbst nicht gewiß ist, der nicht wirklich wußte, wem er vertrauen konnte und wem nicht, der sensibel und verletzlich war, sicher ein Albtraum.

Wenn ich Michael Jackson sah, stieg in mir immer auch der Zorn auf seinen Vater hoch, der seinen Sohn zwar zum Star gemacht ihn aber dabei zugleich zerstört hat. Es ist traurig, dass Michael Jackson sein Leben nicht wirklich hat genießen können, dass es so ein Kampf war und so früh und so tragisch enden mußte. Aber vielleicht ist es für ihn auch eine Art Erlösung, denn wie wäre es denn weitergegangen?

Wäre sein angekündigtes Comeback wirklich ein Erfolg geworden oder hätte irgendwann die Ansicht „Er ist ein Freak/Monster“ in der weltweiten Beurteilung die Überhand gewonnen. Wie wäre er mit dem Alter und den damit einhergehenden (auch äußeren) Veränderungen fertiggeworden? Wir wissen es nicht, natürlich nicht, aber man ahnt, dass sein Leben nicht plötzlich eine Wendung zu einem wirklich guten, glücklichen und zufriedenen Leben genommen hätte. Man kann nur hoffen und ihm wünschen, dass er nun endlich den Frieden findet, der ihm Zeit seines Lebens nicht vergönnt war.


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Jackson Five mit „The Love You Save“ (das Video ist nicht sehr lang und klanglich nicht sehr gut aber es zeigt die große Begabung und das Talent von Michael Jackson schon in seinen jungen Jahren)

8 Gedanken zu „Aus der Reihe Musik zum Wochenende: Ach, Michael …

  1. ich werde es nie verstehen, wie man sich diesem unendlich tristen Zombie so untertan macht

    ich halte ihn für eine ganz schlimme Verirrung und dieser Hype, den er jetzt ausgelöst hat, zeigt mir, daß anscheinend aber auch jeder Verstand ad acta gelegt ist

    als ob es nichts Wichtigeres als diesen armen degenerierten Irren gibt.

    Meine Güte, bringt ihn endlich unter die Erde und sorgt dafür daß er nie wieder kommt!

  2. @ Connie: Ich sehe nicht, wo ich mich hier „untertan“ mache. Was ich aber sehe, ist, dass Du Dich hier mit dieser Art des Kommentars selbst disqualifizierst. Tut mir leid, Connie aber das ist unterste Schublade, egal was man von M.J. gedacht und gehalten haben mag.

  3. Er war ein begnadeter Musiker und Tänzer, prägend für die Popwelt – egal, ob man seine Musik mag oder nicht. Und eine tragische Figur, die offenbar nur auf der Bühne sicher auftreten konnte. Im wahren Leben schien ihm das weniger zu gelingen. Mit den bekannten Folgen.

    Bei mir überwog in den letzten Jahren, in denen es mit ihm mehr bergab als bergauf ging, das Mitleid. Auch ich wünsche ihm, Frieden zu finden.

  4. .

    @Connie
    Na ja, also ich hatte mit MJ auch nichts am Hut, ihn nun als Zombie zu bezeichnen finde ich allerdings doch recht fehlinterpretiert. Im übrigen darf man anderen Menschen ihr Fansein und die Liebe zur Musik selbst überlassen, alles andere wäre nämlich auch so etwas wie zomibesques Verhalten.

  5. Nur, um das hier nochmal klarzustellen: Ich war auch kein Michael Jackson „Fan“. In meiner CD-Sammlung ist nur ein einziges seiner Alben. Trotzdem habe ich natürlich seine Entwicklung über viele Jahre bzw. Jahrzehnte mitbekommen und (manche Songs habe ich gemocht, andere weniger) ihn aus anderen Gründen immer etwas im Auge behalten. Wie ich im Eintrag schrieb hat bei mir immer eher das Mitgefühl für ihn überwogen. Ein Glück bekommt er jetzt (hoffentlich) nicht mehr mit, was manche aus seinem Tod noch für ein Geschäft machen. Die Reaktion des Vaters war ja auch wieder sehr bezeichnend.

  6. Liebe Liisa,

    ich schätze mitfühlende Menschen – u.a. deshalb mochte ich auch immer Deine Internetpräsenz.

    @Connie:
    Ich kann nicht verstehen, wie man so gehässig über jemanden denken und schreiben kann, den man gar nicht persönlich kennt und allen, die diese respektlose Haltung nicht teilen, den Verstand absprechen kann, nur weil man einen anderen Musikgeschmack hat. Das finde ich – gelinde gesagt – ziemlich oberflächlich und intolerant.

  7. De mortuis nihil nisi bene – Ãœber Tote nichts, wenn nichts Gutes. Da MJ seinen Fans aber anscheinend als unsterblich gilt, darf auch ich vielleicht einmal von der Anstandsregel abweichen, denn eins wundert mich in dem ganzen Abgesang auf ihn über die Maßen: kaum ist der Mensch gestorben, der musikalisch bereits in der Versenkung verschwunden war (hätte er sonst ein Comeback vorbereiten müssen?), da scheint auf einmal komplett aus dem kollektiven Gedächtnis gelöscht zu sein, daß der Kerl mehrfach wegen Kindesmißbrauchs vor Gericht gestanden hat.
    Mit welchem Abscheu wird sonst jeder Kinderschänder in der Öffentlichkeit zu recht gebrandmarkt? Einer abgewrackten, geschmacklosen Popikone aber vergißt und verzeiht man solche Kollateralentgleisungen offenbar von einer Minute auf die andere und weint ihr millionenfach Krokodilstränen nach. Das verstehe wer will, ich nicht.

  8. @ ulfur grai: Nein, es ist sicher nicht vergessen, dass er wegen Kindesmißbrauch vor Gericht gestanden hat. ABER er ist in allen Anklagepunkten frei gesprochen worden und hat so wie jeder andere Mensch auch ein Recht auf die Unschuldsvermutung. Ich persönlich glaube bis heute nicht, dass er sich in dieser Weise wirklich schuldig gemacht hat und daran halte ich fest, bis ich wirklich unwiderlegbare Beweise sehe und das obwohl ich kein hardcore fan gewesen bin. Ob er wirklich durch seine Musik „unsterblich“ sein wird, wird die Zukunft zeigen und ist für mich persönlich auch nicht wirklich wichtig.

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