Computer & IT

Magenta-Dämmerung

Tragisches Schauspiel in mehreren Akten mit überraschendem Ausgang

Der Vorhang hebt sich

Akt 1
Klingelt doch vor einer guten Woche das Telefon und dran ist eine Mitarbeiterin der Firma, die das Magenta allein für sich beansprucht. Ja, sie hätte da ein suuuper Angebot! Ich würde doch zur Zeit DSL 6000 nutzen und ja, jetzt könnte ich DSL 16000 bekommen. Und haste nich gesehen, es würde mich keinen Pfennig Cent mehr kosten.

Okay, man kennt das ja inzwischen und deshalb habe ich nochmal gaaanz genau nachgefragt, ob das auch wirklich so ist. Doch, doch, hat sie gemeint, ganz sicher kein Cent mehr zu zahlen für mich. Auf meine Frage: »Und was hat die TC davon?« rückte sie dann schließlich damit heraus, dass wir dann aber natürlich für weitere zwei Jahre an die TC gebunden wären. Naja gut, wir hatten eh nicht vor zu wechseln, das wäre also zu verschmerzen gewesen.

Aaaber ich hatte natürlich noch weitere skeptische Rückfragen. Z.B. die, ob denn unsere schon ziemlich veraltete Telefonanlage und das auch schon nicht mehr taufrische DSL-Modem denn überhaupt für solche Geschwindigkeiten ausgelegt sind?
»Ja klar«, meinte die Dame, im Brustton der Überzeugung.
»Wirklich? Ganz, ganz sicher?«, fragte ich immer noch skeptisch zurück.
»Doch, ganz ganz sicher!« Sie habe das eben noch selbst überprüft.
Ich war schon fast überzeugt aber da alle guten Dinge drei sind, habe ich nochmal gefragt, ob das gaaaanz gaaaanz sicher ist.
Die Dame schwor mir Stein und Bein, das sei ganz sicher, wirklich, ungelogen, auf jeden Fall, kein Schatten eines Zweifels, etc. etc.

»Also gut, dann machen wir das also«, sagte ich und sie versprach am Freitag den 28.11. würde das ganze dann umgestellt und ich hätte fortan noch mehr Freude beim Surfen im Internet weil ja sooooo schnell! (Ich vergaß noch zu erwähnen, dass ich die Dame natürlich auch gefragt hatte, ob überhaupt die entsprechenden Leitungen in unser Dorf gelegt sind, was sie ebenfalls bejahte)

Beim Stichwort »Freitag« hätte ich eigentlich schon stutzig werden müssen. Eine Umstellung kurz vor dem Wochenende, wenn es da Probleme gibt, sitzt man unter Umständen mindestens übers Wochenende blöd da. Aber gut, ich wurde nicht stutzig. Donnerstag saß ich noch bis spät nachts am Rechner (online) und alles lief bestens.

Akt 2
Es graute der Morgen des Freitags und meinereiner schwang sich guter Dinge vor den Rechner, fuhr ihn hoch und wollte online gehen. Tja, Pustekuchen! Ich kam nicht online. Rechner nochmal neu gestartet und neuen Versuch unternommen mit dem gleichen Ergebnis. Alle Kabel überprüft und alle ordnungsgemäß eingesteckt vorgefunden. Ein Reset am Modem vorgenommen und immer noch nicht online gekommen. Dann fiel mir wieder das Telefonat mit der Dame ein und dass sie gesagt hatte, die Umstellung würde am Freitag erfolgen. Sofort stand der Verdacht im Raum, das könnte der Grund dafür sein, dass ich nicht mehr online kam. Den (zwischenzeitlich) zugesandten neuen Vertrag aus dem Stapel Post rausgesucht und die dort angegebene Nummer angerufen.

Nicht, wie erwartet mit irgendeinem nervigen Liedchen empfangen worden sondern von einer anderen Damenstimme, die mir als erstes irgendeine Werbung ins Ohr quatschte. Dann sollte ich sagen aus welchem von vier Gründen ich denn anriefe. Ich nannte den entsprechenden Grund, es folgte eine weitere Frage von der Dame und ich machte den Fehler einen leisen Seufzer von mir zu geben. Daraufhin teilte mir die Dame mit, diese Antwort sei unzulässig und ich solle bitte nur mit »Ja« oder »Nein« antworten und mir dämmerte, dass die »Dame« ein Spracherkennungsprogramm war. Also wurden die Fragen nochmal wiederholt, während ich mich krampfhaft bemühte ja nicht zu stöhnen. Schließlich teilte mir die »Dame«, die keine war mit, dass ich gleich mit einem freien Mitarbeiter verbunden werden würde.

Akt 3
Es meldete sich ein Mann, der sehr sehr leise und dazu noch ziemlich nuschelig sprach. Ich verstand also nicht gleich, was er sagte, geschweige denn seinen Namen (ich habe inzwischen eh den Verdacht, dass die da alle mit Decknamen arbeiten). Ich beschloß mich eben besonders anzustrengen und hörte seeehr genau hin, verstand aber trotzdem nur etwa die Hälfte von dem, was der gute Mann so sagte. Ich schilderte also den Fall und fragte ob es sein könne, dass die Umstellung vorgenommen worden sei und ich nun deswegen nicht mehr ins Internet käme. Der gute Mann sagte, er würde das überprüfen und teilte mir mit, ja die Umstellung sei erfolgt. Woraufhin ich fragte, warum ich dann bitte nicht ins Internet käme?

Nachdem wir die üblichen Dau-Fragen abgehandelt hatten (Kabel überprüft? Modem noch ganz? Welche Lämpchen leuchten etc. etc.), fragte ich ihn, ob denn mein Modem überhaupt für diese Geschwindigkeit ausgelegt sei? (Man erinnere sich bitte daran, dass diese Frage schon beim ersten Telefonat mit der Dame, die mir die neue Geschwindigkeit schmackhaft machen wollte, eine bedeutende Rolle gespielt hatte!) Der gute Mann fragte also, was ich denn für ein Modem hätte und nachdem ich es ihm gesagt hatte, herrschte einen Moment unheilschwangeres Schweigen in der Leitung.

Als er wieder losnuschelte verstand ich, dass mein Modem für diese Geschwindigkeit nicht ausgelegt ist, jedenfalls nicht ohne ein entsprechendes update, das ich mir aber aus dem Internet herunterladen könne.
Na sauber! Ich antwortete leicht angesäuert, dass ich im Moment ja gar nicht ins Internet käme, mir also auch kein update herunterladen könne und im Übrigen habe seine Kollegin mir Stein und Bein geschworen, das Modem wäre für diese Geschwindigkeit ausgelegt und zwar ohne ein update zu erwähnen.

»Ähm ja, das wäre dann wohl eine falsche Auskunft gewesen«, nuschelte der Gute und meinte es gäbe noch eine andere Möglichkeit. Ich solle mein Modem abbauen und damit zu einem T-Punkt in meiner Nähe fahren, die könnten mir dann das entsprechende Update aufspielen und dann sei das Problem gelöst.

Super! Nachdem ich mittlerweile ja nicht mehr selber motorisiert bin und der öffentliche Verkehr hier auf den schwäbischen Alb-Dörfern auch nicht gerade der Beste ist, fand ich diese Lösungsvariante auch nicht gerade toll. Das teilte ich dem guten Mann auch mit, ebenso wie meine Verärgerung über seine Kollegin, die offenbar nur erstmal den Vertragsabschluß in der Tasche haben wollte zu dem Preis, dass ich nun den Ärger am Bein hätte. Nicht nur, dass ich statt die wichtigen Dinge zu tun, die ich an diesem Morgen eigentlich hätte tun müssen, nun schon eine ganze Weile am Telefon hinge, nein, nun sollte ich auch noch in die nächstgelegene Stadt fahren und mir da ein update besorgen etc. etc.

Ich schwöre, ich habe das ganze sachlich und ruhig vorgetragen, wenn auch vielleicht mit einem leicht verärgerten Grollen in der Stimme. Der Gute meinte, er würde mal eben bei einem Kollegen nachfragen und ich kam dann doch noch in den »Genuß« mir das übliche Warteschleifen-Gedudel anhören zu dürfen.

Akt 4
Selbstverständlich erwartete ich den Guten zurück in der Leitung und unserem Gespräch. Stattdessen meldete sich plötzlich ein anderer Mitarbeiter der TC, der offenbar genauso überrascht davon war, wie ich. Er wußte auch nicht, worum es überhaupt ging. Also mußte ich die ganze Geschichte nochmal erzählen. *seufz*

»Tja, das sei natürlich ärgerlich«, aber was sein Kollege gesagt habe stimme, mein Modem sei ohne entsprechendes Update nicht brauchbar. Dann fuhr er fort: »Aber warten Sie mal! Bei mir steht die Umstellung ist bei Ihnen noch gar nicht erfolgt!«
Jetzt war es wieder an mir, zu staunen. »Nicht? Ihr Kollege hat mir gesagt, die Umstellung wäre schon erfolgt!« »Nö, hier wird mir nichts dergleichen angezeigt.«
»Hmm… und warum komme ich dann bitte nicht ins Internet?«
»Keine Ahnung! Naja, vielleicht war die Umstellung ja doch schon, wird mir aber im Rechner noch nicht angezeigt!«
Ich dachte mir im Stillen: Super, wenn die rechte Hand nicht weiß, was die Linke tut! 🙁

Dann kam mir eine glorreiche Idee! »Wie wäre es«, fragte ich, »wenn Sie die Umstellung jetzt einfach canceln und ich bleibe beim bisherigen DSL 6000 (das reicht mir ja im Prinzip und hat ja problemlos funktioniert!). Dann wäre das Problem ja behoben!?«
»Das geht leider nicht!«, war die lakonische Antwort.
»Warum nicht?«
»Sie haben ja den Vertrag mit uns abgeschlossen! Aber ich könnte folgendes machen: Ich setze Sie kurzfristig nochmal auf die alte DSL-Geschwindigkeit zurück. Dann kommen Sie zumindest für eine Übergangszeit wieder ins Internet und können sich das Update runterladen oder sie fahren in den nächsten T-Punkt und holen sich das Update da.«

Ich war mit dem Vorschlag nicht wirklich glücklich und versuchte noch einmal ihn dazu zu bringen, den Vertrag einfach zurückzunehmen und mich bei meiner alten DSL-Geschwindigkeit zu lassen. Er erzählte mir darauf hin was von völlig getrennt arbeitenden Kreisläufen bei der TC und deshalb könne er das gar nicht veranlassen und überhaupt das ginge nicht etc. etc.

Inzwischen war ich wirklich sauer, immerhin hing ich schon über 30 Minuten am Telefon und war immer noch keinen Schritt weiter. Ich sagte ihm, mein Ärger sei nicht gegen ihn persönlich gerichtet aber ja, ich sei sehr ärgerlich, zumal ich seine Kollegin dreimal explizit gefragt hatte, ob das Modem für die Geschwindigkeit ausgelegt sei und sie hatte jedesmal mit »ja« geantwortet. Daraufhin meinte er, das stimme ja im Prinzip auch - ich brauche halt eben nur das entsprechende firm update.

Super!

Alles was er für mich tun könne, sei mich kurzfristig nochmal auf die alte DSL-Geschwindigkeit zurückzustellen und dann müsse ich halt sehen, wie ich an das update käme. Dann meinte er plötzlich, ich solle noch einen Moment warten, er würde nochmal bei einer Kollegin nachfragen. Im nächsten Moment dudelte mir wieder die Warteschleifen-Musik in die Ohren.

Akt 5
Kurz darauf war er wieder in der Leitung aber nur, um mir kurz mitzuteilen, dass er mich nun mit seiner Kollegin verbinden würde und bevor ich nur »piep« sagen konnte, war er weg und ich fürchtete, nun wieder die ganze Geschichte von vorne erzählen zu müssen. Es meldete sich eine junge Frau, sehr freundlich, kompetent und tatsächlich mit echtem Verständnis für meinem Ärger. Außerdem war sie von ihrem Kollegen entsprechend informiert und ich mußte nicht nochmal alles wiederholen.

Ohne Ausflüchte gab sie zu, dass die Kollegin mir die falsche Auskunft gegeben hatte und nicht einfach hätte voraussetzen dürfen, dass ich mich dann schon um die nötigen Voraussetzungen bemühen würde, um wieder online zu kommen und die 16000er-Geschwindigkeit nutzen zu können.

Ich erzählte der jungen Frau, dass der erste Kollege den ich an diesem Tag in der Leitung hatte, gemeint habe ich solle einfach zum nächsten T-Punkt gehen und mir da das update aufspielen lassen.
»Hmm«, tönte es zurück. »Da rufen Sie aber lieber vorher mal in dem T-Punkt an. Das nötige update aufspielen können nur T-Punkte, die relativ neu eröffnet sind, weil nur die über die entsprechend nötige Technik verfügen!« (Im Stillen malte ich mir aus, wie ich auf abenteuerlichen Wegen irgendwie doch zum nächsten T-Punkt gekommen wäre, nur um dort zu erfahren, dass die mir auch nicht hätten weiterhelfen können!) Sie vermute also, dass kein T-Punkt in meiner Umgebung dazu in der Lage sei.

Auf meine Frage, was ich denn nun machen könne - Ich müsse unbedingt schnellstmöglich wieder ans Netz - überlegte sie einen Moment. Ich beschloß auch ihr nochmal meinen Vorschlag vorzutragen, ob man den Vertrag nicht einfach canceln könne, so dass ich beim bisherigen 6000-DSL bleiben könne und das ganze einfach technisch zurückzusetzen. Ja, das sei natürlich auch möglich und überhaupt kein Problem (da hatte mir ihr Kollege aber ganz was anderes erzählt!, was ich ihr aber natürlich nicht sagte). »Warten Sie mal bitte einen Moment, ich rufe mal eben einen Kollegen an!«, sagte sie und ja, genau, die Warteschleifenmusik …

Kurz drauf war sie wieder in der Leitung und teilte mir mit, sie habe einen Kollegen aus der Technik in Dortmund (oder war es Düsseldorf?) angerufen und würde mich jetzt mit dem verbinden, der würde alles nötige mit mir besprechen. Wir verabschiedeten uns höflich voneinander und ich bedankte mich und wünschte ihr eine schöne Adventszeit.

Akt 6
Eine kräftige Männerstimme tönte aus dem Telefon. Ja, er sei aus der Technik, die Kollegin habe ihn über alles informiert. Es sei überhaupt kein Problem, mich wieder auf die 6000er Geschwindigkeit zurückzusetzen. Den Vertrag würde er stornieren und das auch an die entsprechende Abteilung weitergeben. Er würde den Auftrag sofort an einen Spezialtrupp Techniker weitergeben und ich könne damit rechnen spätestens in 1 bis 2 Stunden wieder online gehen zu können. Dann bat er noch um eine Rückrufnummer für die Techniker, falls doch noch eine Rückfrage von denen nötig sei bzw. falls die sich bei mir rückversichern wollten, ob ich wieder online käme. Ich gab ihm die Nummer, wir verabschiedeten uns freundlich voneinander und wünschten uns ebenfalls eine schöne Adventszeit.

Akt 7
Und dann nach nur 15 Minuten klingelte bei mir das Telefon. Am Apparat ein Techniker der Spezialtruppe. Sie hätten mich soeben wieder auf die alte DSL-Geschwindigkeit zurückgestellt und ich solle doch bitte mal prüfen, ob ich wieder online käme. Gesagt, getan und juchu, das grüne Lämpchen am Modem leuchtete, Verbindung ins Internet blitzschnell und ohne Probleme wieder hergestellt, die Internet-Welt hatte mich wieder. Techniker glücklich, ich glücklich.

Der Vorhang fällt

6 Gedanken zu „Magenta-Dämmerung

  1. Tolles Stück mit vielen dramatischen Wendungen. Doch leider weiß ich aus Erfahrung nur allzu gut, dass das nicht der Phantasie eines begabten Theaterschriftstellers entsprungen ist. Jetzt, beim Lesen Deines Textes konnte ich an mehreren Stellen gelassen schmunzeln. Aber wenn ich an vergleichbare Telefonate mit der Magentafraktion aus meiner Vergangenheit denke, vergeht mir das Grinsen sofort. Ich kann mir vorstellen, dass solche Gespräche sogar bei Mahatma Gandhi Gewaltphantasien hervorgerufen hätten.

    Super, wenn die rechte Hand nicht weiß, was die Linke tut! 🙁

    Ich vermute ja schon lange, das ist bei denen kein Versehen sondern Teil der Firmenphilosophie.

  2. Das Stück ist deshalb so gut, weil es eine Handlung, die sich bei mir über mehrere Wochen hingezogen hat, auf eine gute halbe Stunde strafft. (Bei mir gehörte zu den Personen noch ein Techniker, der, um herauszufinden, daß er die Verkabelung der Magentameute nicht begriff, eine Stunde bei mir zwischen Wohnung und Keller auf und ab flitzte.)

  3. Ich sehe, es ist hat auch seine Vorteile, dass hier bei 3000 Schluss ist und ich bzgl. 16000 wohl als hoffnungsloser Fall geführt werde.

    Abgesehen davon: welcher Server ist schon schnell genug, um Daten mit 2 MBit/s zu liefern?

  4. Gibt eigentlich irgendjemand in dieser Republik, der noch nicht Probleme mit Magenta hatte? Ende gut, alles gut.

  5. Ähm, ich weiß nicht, ob ich es hier hinschreiben soll - vielleicht liest Magenta mit und merkt, dass ihnen ein Fehler passiert ist, aber …

    … ich hatte bisher noch keine Probleme …

  6. @Bhuti:
    Solange alles läuft, kommt man auch mit ‘ner Magenta-Verbindung gut zurecht. Und mal ein Problem mit der eigenen Internet-Verbindung zu haben, ist allein auch noch nicht dramatisch (kann ja immer mal vorkommen, dass man umzieht oder technische Neuerungen anstehen). Das wird’s erst, wenn Du auf die Mithilfe der Magenta-‘Service’-Hotline angewiesen bist, um es zu lösen.

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