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25 Jahre Französische Filmtage Tübingen-Stuttgart

Plakat 25 Jahre Französische FilmtageDiesen Monat ist es soweit: In Tübingen und Stuttgart werden die Sektgläser gehoben, denn die Französischen Filmtage feiern »Silbernes Jubiläum«.

Vom 11. bis 19. November 2008 wird in Tübingen und Stuttgart gefeiert und natürlich wieder mit einem vollgepackten Programm. Mehr als 90 Filme aller Genres, darunter vielen deutschen Erstaufführungen, werden die gesamte Bandbreite der aktuellen frankophonen Filmkunst auf dem Festival repräsentieren.

Ehrengast der diesjährigen Filmtage ist die 80jährige Grande Dame des französischen Films Agnès Varda. Anlässlich der 25. Französische Filmtage verleiht die Universitätsstadt Tübingen Varda einen Ehrenpreis. Seit 50 Jahren gehört sie zu den führenden Regisseurinnen Frankreichs und ist eine Schlüsselfigur des modernen Films. »Les plages d’Agnès«, Vardas neues Werk, ist eine filmische Begegnung mit sich selbst:

»Wenn man die Leute öffnen würde, kämen Landschaften hervor, wenn man mich aufmachen würde, wären es Strände.«

Außerdem werden noch ihre Filme »Le bonheur« und »sans toit ni loi« gezeigt.

Eröffnet wird das Festival mit dem einfühlsamen Melodram »Séraphine« von Regisseur Martin Provost und dem Hauptdarsteller Ulrich Tukur, der sich im französischen Kino besonders über die Zusammenarbeitarbeit mit Costa-Gavras als ein gefragter Schauspieler etabliert hat. In »Séraphine« spielt er den berühmten Kunstsammler Wilhelm Uhde, der 1914 das malerische Talent seiner einfachen Haushälterin Séraphine Louis entdeckt. Ulrich Tukur wird selber in Tübingen anwesend sein.

Während des Festivals werden zahlreiche weitere Gäste erwartet, so z.B. die Regisseure Cédric Anger (mit seinem Film »Le tueur«, Claus Drexel (mit seinem Film »Affaire de famille«, Joana Hadjithomas (mit ihrem Film »Je veux voir« mit Cathérine Deneuve in der Hauptrolle) und Lyes Salem (mit seinem Film »Mascarades«, der für Algerien bei der Oscar-Verleihung ins Rennen geht)

Weitere Regisseure und Schauspieler, die die Filmtage Tübingen beehren werden sind: Rabah Ameur-Zaïmeche, Taylan Barman, Silvia Bazzoli & Christian Lelong, Kader Boukhanef, Denis Coté, Philippe Fernandez, Françoise Hugier, Henri-François Imbert, Abel Jafri, Jean-Michel Kibushi, Benjamin Maquet, Ursula Meier, Monique Phoba Alain Raoust und Djo Tunda Wa Munga.

Neun herausragende Nachwuchsfilme mit Mut zur eigenen Handschrift konkurrieren im Internationalen Wettbewerb um die ausgelobten fünf Preise:
Erstmalig vergibt eine internationale Jury im Internationalen Wettbewerb den Filmtage-Tübingen Preis, dotiert mit 5.000 Euro. Junge französische und deutsche Juroren vergeben den mit 5.000 Euro dotierten Deutsch-Französischen Preis. Der Tübinger Publikumspreis für die beste Regiearbeit ist mit 2.500 Euro dotiert. Die Landeshauptstadt Stuttgart stattet den Stuttgarter Publikumspreis mit 2.500 Euro aus.

Für den Internationalen Wettbewerb beim diesjährigen Festival sind folgende Filme nominiert:

Wettbewerbsfilme

Borderline von Lyne Charlebois, Kanada 2007
Mascerades von Lyes Salem, Frankreich / Algerien 2008
Ce que mes yeux ont vu von Laurent de Bartillat, Frankreich 2007
Lads et Jockeys von Benjamin Marquet, Frankreich / Schweiz 2008
57000 km entre nous von Delphine Kreuter, Frankreich 2008
9mm von Taylan Barman, Frankreich / Belgien 2008
Home von Ursula Meier, Frankreich / Belgien / Schweiz 2008
Française von Souad El Bouhati, Frankreich / Marokko 2008
Le tueur von Cédric Anger, Frankreich 2008

Im Französischen Wettbewerb konkurrieren zum zehnten Mal aktuelle Filme aus dem Nachbarland um den Verleihförderpreis in Höhe von 20.000 ?. Nominierte Filme:

Entre les murs von Laurent Cantet, Frankreich 2008;
Un secret von Claude Miller, Frankreich 2007;
Louise-Michel von Benoît Delépine und Gustave Kervern, Frankreich/ Belgien/ Luxemburg 2008;
Nuit de chien von Werner Schroeter, Frankreich/ Deutschland 2008;
Les grandes personnes von Anna Novion, Frankreich/ Schweden 2008

Mit dem Preis der Schülerjury stimmen Tübinger Schüler von 16 bis 17 Jahren über den besten Jugendfilm ab. Zum zweiten Mal findet auch ein Kurzfilmwettbewerb statt: Zwölf aktuelle frankophone Filme konkurrieren um den Tübinger Kurzfilmpreis.

Afrikafilme

Im diesjährigen Afrika-Schwerpunkt thematisieren aktuelle Filme die sozialen und politischen Spannungen in der Demokratischen Republik Kongo. Drei kongolesische Filmemacher, Monique Phoba (»Entre la coupe et l’élection«), Djo Tunda Wa Munga ( »Papy, mon histoire«) und Jean-Michel Kibushi (dem die Französischen Filmtage eine Retrospektive widmen), erörtern bei einer Podiumsdiskussion mögliche Perspektiven jenseits des Bürgerkriegs.

Anläßlich des 400jährigen Bestehens von Québec-Stadt legen die 25. Französischen Filmtage einen Schwerpunkt auf das Kino aus Québec: Drei aktuelle Produktionen und ein Programm mit Klassikern aus den 1960er und -80er Jahren bieten die Gelegenheit, die Entwicklung des dortigen Filmgeschehens zu reflektieren.

Alles in allem also wieder ein sehr interessantes Programm mit Beiträgen für alle Geschmäcker. Wann welcher Film wo gezeigt wird, kann man im Spielplan sehen. Und wer während des Festivals absolut nicht nach Tübingen oder Stuttgart kommen kann um mitzufeiern und trotzdem nah dran sein möchte, dem empfehle ich einen Blick in das Festival-Blog, wo die Französischen Filmtage auch mit Videos, nah dran an den Gästen und Filmen, begleitet werden (zur Zeit sind da noch die Beiträge aus dem vergangenen Jahr zu sehen). Wer mag kann die Wartezeit bis zum Start des diesjährigen Jubiläums-Festivals ja damit verbringen, sich die Beiträge der vergangenen Jahre anzuschauen.