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Bemerkenswerte Frauen: Louise Firouz

Louise Firouz - © Caren Firouz

Louise Firouz wurde am 24. Dezember 1933 als Louise Laylin in Great Falls, Virginia, USA, geboren. Schon als Kind begann ihre Liebe zu Pferden, da ihre Eltern auf ihrem Anwesen mehrere Pferde hielten. Zur Schule ritt die kleine Louise zu Pferd und auch in der Freizeit wurden häufig spontane Ausritte mit Freunden unternommen.

Nach der Schule begann sie an der angesehenen Cornell University zu studieren und ging während des Studiums für ein Jahr als Austauschstudentin nach Beirut. Ein Freund, den sie dort fand, lud sie nach Teheran ein und dort lernte sie Narcy Firouz kennen, der aus der Kadscharen-Dynastie (manchmal auch Qajar oder Kadjar) stammte, die vor den Pahlavis als Alleinherrscher im Iran den »Pfauenthron« innehatten (1779-1925).

Narcy Firouz machte ihr sofort einen Heiratsantrag, doch Louise lehnte ab. Sie wollte ihr Studium beenden und ihr Leben in Amerika fortsetzen. Dann allerdings kam es zu einem Ereignis, das ihre Meinung ändern sollte und ihrem Leben eine völlig andere Richtung gab:
Am Ende des Studiums wurde den Studenten eine Art »Berufsberatung« angeboten. Der Berufsberater fragte sie, ob sie sich denn gar keine Sorgen um ihre Altersversorgung mache und fand ihre Verneinung bedenklich. Das wiederum fand nun Louise absurd und abstoßend. Sie stand noch am Anfang ihres Lebens, alles lag noch vor ihr und da fragte sie jemand von welchem Geld sie ihr Leben beschließen wolle. Kurz entschlossen ging sie zurück nach Beirut und nahm den Heiratsantrag von Narcy Firouz an.

1957 ging sie mit ihrem Mann in den Iran, wo sie zunächst in Teheran, dann in den 50er und 60er Jahren in Schiras lebten, wo ein steter Strom von Besuchern durch ihr Haus wanderte, darunter viele Botschafter, Diplomaten, Forscher, Schriftsteller, Künstler, Geschäftsleute und andere Prominente. Nebenbei zog sie ihre drei Kinder auf. Ihr Sohn Caren Firouz ist heute Foto-Redakteur für Reuters im Iran und auch außerhalb des Irans für Reuters als Photojournalist tätig.

Sie gründete die erste Kinderreitschule des Landes. Doch die feurige Pferde waren für die Kinder eher ungeeignet und so überlegte sie, ob es vielleicht eine passendere Pferde- oder Pony-Rasse gäbe. So erfuhr sie von einer kleinen, wendigen Pferderasse aus der Antike, die in Persien in der Region des Kaspischen Meeres heimisch war aber angeblich ausgestorben sein sollte, das sog. »Kaspische Pferd« (oder auch als »Kaspisches Pony« bezeichnet). Louise Firouz hörte nun aber auch Gerüchte über einige wenige Exemplare, die angeblich noch in den Vorbergen oberhalb der südkaspischen Region überlebt haben sollten. So machte sie sich auf Expeditionen, um diese Pferde zu suchen und siehe da, 1965 fand sie tatsächlich einige überlebende Tiere dieser Rasse, die allerdings in jämmerlichem Zustand und akut vom tatsächlichen Aussterben bedroht waren. Louise Firouz verstärkte ihre Suche und rettete schließlich sechs Hengste und sieben Stuten, der Grundstock für die erste kaspische Zuchtstation.

Ihr Interesse wandte sich noch einer anderen alten Pferderasse zu, den Turkmenen, die sich schon bei den antiken Griechen großen Ansehens erfreuten, und die sie für eine der Stammrassen aller besseren europäischen Rassen hielt. In der Hippologie und Pferdewelt erregten diese Entdeckungen und Thesen großes Aufsehen und brachte lang angenommene Thesen zum Einsturz. Sie machte sich mit ihren Bemühungen die Reinheit dieser alten Rassen zu erhalten aber nicht nur Freunde im Iran und Ausland. Sie züchtete das Kaspische Pferd weiter, doch nach wenigen Jahren schon war klar, dass die Kosten für ein Privatunternehmen nicht zu finanzieren waren und so übernahm die Iranian Royal Horse Society die Herde.

Louise und ihr Mann begannen wieder von vorn und bauten den Bestand ein zweites Mal auf, doch 1977 verhängte die Regierung einen Exportstop für die Pferde so dass die Finanzierung wieder schwierig wurde. Nach der Revolution erließ die Regierung einen Erlaß, der es Besitzern und Züchtern in den iranischen Steppen untersagte, mehr als ein Pferd zu besitzen. Louise war gezwungen alle Pferde bis auf eine Stute herauszugeben und stand damit wieder bei null. Spätere genetische Untersuchungen erbrachten dann übrigens den Beweis, dass das Kaspische Pferd tatsächlich das älteste in der Ahnenreihe aller orientalischen Pferderassen war, dicht gefolgt von den Turkmenen.

Die Iranische Islamische Revolution 1979 brachte für die Familie ihres Mannes und damit auch für sie selbst eine massiver Veränderung der Lebensumstände. Als Angehörige einer früheren Herrscherfamilie waren sie den neuen Machthabern natürlich suspekt. Trotz allem entschlossen sie sich aber das Land nicht zu verlassen, obwohl sie auf dem Höhepunkt der Revolution täglich Todesanzeigen von Freunden in der Zeitung lesen mußten. Auch die Erfahrung ins Gefängnis zu kommen, machten sowohl Louise Firouz als auch ihr Mann. Die Revolutionspolizei ließ sie nicht aus den Augen und schikanierte sie wo es nur ging. Dann kam 1980 auch noch der acht Jahre dauernde Iran-Irak-Krieg (1. Golfkrieg). Eines Tages krachte sogar das Triebwerk einer irakischen Scud-Rakete durch das Dach ihres Hauses in Teheran und richtete Verwüstungen an.

Nach und nach baute die Familie ihr Leben wieder neu auf. Die Familie lebte in Teheran und Louise baute auch wieder eine neue Pferdefarm im Dorf Ghara Tepe Sheikh, in der Nähe der Grenze zu Turkmenistan, auf. 1994 starb ihr Mann Narcy Firouz.

Heute lebt Louise Firouz, die im vergangenen Jahr ihren 75 Geburtstag erlebte, zusammen mit fünf Hunden und 45 Pferden auf der Farm in Ghara Tepe Sheikh. Hilfe hat sie durch einige Bewohner des Dorfes. Finanziell kämpft die Farm immer noch ums Überleben und ihre Bemühungen, die Erlaubnis zu bekommen, die Pferde zu exportieren, um so die Finanzierung zu sichern, blieben bislang erfolglos. Deshalb hat sie in den vergangenen Jahren Touristen die Möglichkeit geboten, Reitsafaris im Iran zu machen. Den Bericht über eine solche Safari kann man hier nachlesen. Seit diesem Jahr gibt es diese Reitsafaris nicht mehr, da Louise Firouz erkrankt ist und nicht mehr in der Lage zu reiten und diese Safaris anzubieten

Louise Firouz hat ein Leben mit vielen Auf und Abs gelebt, teilweise mit fast märchenhaften Zügen. Sie hat miterlebt, wie der Iran von einer mit den USA allierten Monarchie zu einer Islamischen Republik wurde, die von George Bush als Teil der sog. »Achse des Bösen« angesehen wird und deren Machthaber umgekehrt die USA als »den großen Satan« bezeichnen. Sie selbst steht der Iran- und Außenpolitik der USA skeptisch bis ablehnend gegenüber. Sie hat den Großteil ihres Lebens im Iran verbracht und Land und Leute lieben gelernt. Freiwillig verlassen würde sie den Iran nicht.

Nachtrag vom 17. Juni 2008
Wie jetzt bekannt wurde, ist Louise Firouz am 25. Mai 2008, im Krankenhaus Borzuye in der Stadt Gonbad, 74jährig verstorben. Damit ist ein langes und wahrlich bewegtes Leben zu Ende gegangen.
Durch ihre jahrzehntelangen Bemühungen um das Kaspische Pferd und die ebenfalls uralte Rasse der Turkmenen und ihre wissenschaftlichen Arbeiten wird sie auch der Fachwelt und interessierten Pferdeliebhabern in Erinnerung bleiben.

Sie hinterläßt ihre beiden Töchter, Roshan und Atesheh, ihren Sohn Caren und sieben Enkelkinder.

3 Gedanken zu „Bemerkenswerte Frauen: Louise Firouz

  1. Das ist hochinteressant. In der Seele weh tut mir immer, auch hierbei wieder, wie so wunderbare, mutige Herzensmenschen zu leiden haben!
    Bin SO froh über deine weitreichenden Recherchen und Anregungen!
    Gruß von Sonia

  2. Miss Luoise, wie wir sie immer nannten, war eine unglaublich liebenswuerdige Frau und ich bedauere es sehr hier von ihrem Tod zu erfahren. Sie hatte eine wunderbare Farm im Iran sowie in Turkmeistan, die ich einige male besuchen durfte und auf der ich mich stets wie zuhause fuehlen durfte uud konnte. Ich schaetzte mich sehr gluecklich Miss Louise und ihre Familie kennen gelernt zu haben und werde immer von meinen Erfahrungen dort zaehren, denn ich Uebertreibe nicht wenn ich sage, dass der schoenste Ort, den ich in meinem Leben bisher besuchen durfte, die Farm in Turkmenistan war, mit all den lieben Dorfbewohnern, die uns (14-Jaehrigen) Abenteurern das Teppichknuepfen beibrachten und so viel Tee einschaenkten, dass wir die ganze Nacht nicht schlafen konnten, bis wir erfuhren, das auch sie verwundert waren, dass wir so viel Tee tranken und wir uns daraufhin endlich trauten »nein« zu sagen, wenn sie uns mal wieder nachschenken wollten 🙂 Am allerliebsten denke ich jedoch an die Ausritte in der Steppe. Jeder der den Ruecken der Pferde liebt kann seinen/ihren schoensten Ausritt multiplizieren mit einer unglaublichen Landschaft, die eine Weite in sich hat, die einem das Gefuehl gibt der Herr der Welt zu sein. Dazu die unglaublichsten Pferde unter einem und ein Gefuehl der absoluten Freiheit. Es war so unglaublich schoen und ich koennte noch Seiten ueber Seiten von diesen herrlich Erlebnissen fuellen. Ich bin sehr traurig, dass ich es wohl nie wieder erleben kann, aber auch sehr dankbar, dass ich es mal erleben durfte. Ich denke sehr oft an diese schoene Zeit, die ich Miss Louise zu verdanken habe und werde sie immer in guter Erinnerung haben.

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