Film ·Nordisches

Kinofilme aus dem hohen Norden

Winterland (Vinterland), Regie: Hisham Zaman, Norwegen 2007
WinterlandRenas (Raouf Sarag) ist irakischer Kurde. Er spricht Norwegisch, hat Arbeit und viele Bekannte. Was ihm zum Glück im nördlichen Norwegen fehlt, ist eine Frau. So hat er sich per Ferntrauung mit einer Kurdin verheiraten lassen, doch als diese leibhaftig vor ihm steht, ist Renas Enttäuschung groß. Fermesk (Shler Rahnoma) entspricht so gar nicht dem Bild, das er sich aufgrund eines Fotos von ihr gemacht hat. Fermesk ist alles andere als eine Prinzessin, und wenn doch, dann eine in XXL. Als sie ihm in der Hochzeitsnacht eröffnet, dass sie auch keine Jungfrau ist, platzt Renas der Kragen: Ein Jahr lang wird man zusammenleben, um vor der Familie den Schein wahren. Aber dann wird man sich scheiden lassen. Renas ahnt allerdings nicht, dass auch für tiefgefrorene Gefühle einmal das Tauwetter einsetzt. Mit leichter Hand und komödiantischen Tönen schildert der kurdischstämmige Regisseur Hisham Zaman, der sich schon im preisgekrönten Kurzfilm „Bawke“ (2005) mit Flüchtlingsschicksalen auseinandersetzte, das ganz persönliche Dilemma eines Emigranten – wobei der Kontrast zwischen tief verschneiter Landschaft und „orientalischen“ Temperamenten einen ganz spezifischen Charme entwickelt.

Mit offenen Armen (Underbara älskade), Regie: Johan Brisinger, Schweden 2006
Mit offenen ArmenEin schwerer Autounfall bricht wie eine Schicksalsmacht in das harmonische Leben einer vierköpfigen Mittelstandsfamilie ein. Die Mutter und der jüngste Sohn überleben ihn nicht. Der Vater Lasse (Michael Nyqvist) und sein ältester Sohn Jonas (Anastasios Soulis)bleiben allein zurück. Neun Monate später machen sich die beiden auf, die Sommerferien an der schwedischen Schärenküste zu verbringen. Eine harte Zeit beginnt, in der Lasse mit Depressionen zu kämpfen hat und Jonas sich mehr und mehr einigelt. Ob Vater und Sohn die emotionale Kraft aufbringen können, ihre Trauer zu überwinden und wieder mit offenen Armen aufeinander zuzugehen? Das intensive Drama war in Schweden ein großer Kassenerfolg.

Der Film war auch schon bei den Nordischen Filmtagen Lübeck zu sehen, wo er mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde.
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Bei Einbruch der Dunkelheit (När Mörkret Faller), Regie: Anders Nilsson, Schweden / Deutschland, 2006 (bereits 2007 in einigen deutschen Kinos gezeigt)
Bei Einbruch der DunkelheitLeyla, Carina, Aram. Drei Menschen, die Opfer eines Verbrechens werden und dies nicht hilflos hinnehmen wollen, stehen im Mittelpunkt dieses schwedischen Thrillers. Leyla ist die Tochter von Immigranten und in einer Vorstadtsiedlung aufgewachsen. Ihre 19 Jahre alte Schwester Nina gilt als das schwarze Schaf der Familie, weil sie angeblich mit den falschen Jungs abhängt, obwohl das gar nicht stimmt. Als ihre Angehörigen so weit gehen, Ninas Selbstmord zu inszenieren, unternimmt Leyla alles in ihrer Macht Stehende, um die Ehre ihrer Schwester wiederherzustellen …
Carina, um die 40, ist Fernsehjournalistin und lebt mit dem Kameramann Håkan zusammen. Das am gemeinsamen Arbeitsplatz ausgestellte Glück entspricht nicht der Wahrheit: Håkan schlägt seine Frau. Als sie dies nicht mehr erträgt, zeigt sie ihn an, und er wird verhaftet. Carinas Kollegen nehmen ihr das sehr übel. Sie sieht daraufhin keine andere Möglichkeit, als sich mit ihrem Fall an die Medien zu wenden. Als sie auch dort auf Ablehnung stößt, gibt sie den Journalismus auf und schlägt eine politische Lauf bahn ein. Sie kandidiert für das Europäische Parlament, um dort „Gewalt gegen Frauen“ zum Thema zu machen. Rasch wird klar, dass sie keine Wahlchancen hat. Aber so schnell gibt Carina nicht auf …
Aram hat mit seinen zwei Geschwistern sein ganzes Geld in ein kleines Restaurant gesteckt. Nach kurzer Zeit läuft der Laden so gut, dass er auch für Kriminelle interessant zu werden verspricht. Nachdem die Türsteher drei jungen Gangstern den Zutritt verboten haben, wird das Restaurant Zielscheibe eines nächtlichen Überfalls, bei dem mehrere Personen angeschossen werden. Aram ist der einzige, der die Täter identifizieren kann.

Der Film wurde im letzten Jahr auf der Berlinale mit dem Amnesty International Filmpreis ausgezeichnet.

Darling, Regie: Johan Kling, Schweden 2007
DarlingEva (Michelle Meadows) ist eine junge, überhebliche Vertreterin der Oberschicht. Ein einziger Fehler löst Reaktionen aus, die ihren sozialen Abstieg in Windeseile vorantreiben. Ihre bisherige Lebenswelt wendet sich plötzlich boshaft gegen sie. An der untersten Stufe angekommen, begegnet sie dem gutherzigen Bernhard (Michael Segerström). Der Sechzigjährige kämpft unermüdlich gegen seine Arbeitslosigkeit und für ein besseres Leben. DARLING beschreibt in zwei parallel verlaufenden Erzählsträngen die Geschichte zweier ungleicher Menschen, die für kurze Zeit Halt aneinander finden.

Darling lief unter anderem im Wettbewerb des San Sebastian Film Festival und war Gewinner des Nordic Film Award im Festival in Göteborg.

Das Wolfsjahr (Suden vuosi), Regie: Olli Saarela, Finnland 2007
DarlingSari (Krista Kosonen) schwimmt und studiert. Doch die sportliche, kluge und gut aussehende junge Frau hat ein Geheimnis: Sie ist Epileptikerin. Bei einem Anfall hat sie das Gefühl zu ertrinken, auch hat sie Visionen, in denen ein Wolf sie verfolgt. Sari hat ein lockeres Verhältnis mit ihrem Kommilitonen Ilari (Kai Vaine). Ihr wahre Liebe aber gehört dem „post-romantischen“ Universitätsdozenten Mikko (Kari Heiskanen), dessen Vorlesungen über Baudelaire sie besucht. Als Mikko von seiner untreuen Ehefrau vor die Tür gesetzt wird, ziehen Sari und er in eine gemeinsame Wohnung – allein aus praktischen Erwägungen,wie sie erklären. Aber weder ihre Familienangehörigen noch Mikkos Vorgesetzter wollen dies glauben. Für Mikko steht die Ernennung zum Professor auf dem Spiel. Doch für die verunsicherte, von ihrer Umwelt fürsorglich bedrängte Sari geht es um noch viel mehr – nämlich um das Leben. Der Film ist nach dem Erfolgsroman „Das Wolfsjahr“ von Virpi Hämeen-Anttila entstanden.
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Parents (Foreldrar), Regie: Ragnar Bragason, 2007
ForeldrarDer Film des isländischen Regisseur Ragnar Bragason gehört zu einer Film-Trilogie und bildet dabei den mittleren Teil. Der erste Film trug den Titel „Children“. „Parents“ thematisiert in drei lose miteinander verbundenen Geschichten das Eltern-Sein. Da gibt es einen Zahnarzt, der mit Frau und Stiefkindern lebt, aber von einem leiblichen Kind träumt. Ein Manager verheimlicht seiner Umwelt, dass seine Frau ihn vor die Tür gesetzt hat und er von seiner Familie getrennt lebt. Eine junge Frau kehrt nach Jahren im Ausland nach Hause zurück, wo ihr mittlerweile 11-jähriger Sohn bei ihren Eltern aufwächst. Wiederum legt der isländische Ausnahmeregisseur eine ebenso berührende wie ironische Symphonie über Lebensträume, Lebenslügen und unterschiedlichste Lebensmodelle vor, angesiedelt im familiären Milieu und unter Infragestellung aufgeweichter Eltern und Kinderrollen.
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Cold Trail (Köld slód), Regie:Björn Brynjulfur Björnsson, Island 2006
Cold TrailBaldur (Thröstur Leó Gunnarsson) ist Journalist bei einer Tageszeitung in Reykjavik. Seine letzte Story hat er gerade verpatzt, als seine Mutter ihn zu sich zitiert: Ihr Blick ist starr auf das Foto eines Zeitungsartikels gerichtet, während sie kurz und knapp verkündet, dass der abgebildete Mann Baldurs Vater war. Baldur ist sprachlos. Sein Leben lang ist ihm die Antwort auf die Frage nach seinem Vater verwehrt geblieben und plötzlich ist dieser tot – angeblich durch einen mysteriösen Unfall im Norden Islands ums Leben gekommen. Um mehr über diesen Mann herauszufinden, macht sich Baldur auf den Weg zu jenem Industriekomplex im Eis, in dem sein Vater als Sicherheitsmann gearbeitet hat. Inmitten von Schneemassen trifft er auf eine kleine, eingeschworene Gruppe von Menschen, die offensichtlich etwas zu verbergen hat. Als neuer Sicherheitsmann fängt er „undercover“ zu recherchieren an und gerät dabei in ein mysteriöses Netz aus Intrigen, bis plötzlich auch sein Leben bedroht wird.

Sons (Sønner), Regie: Erik Richter Strand, Norwegen 2006
SønnerLars (Nils Jørgen Kaalstad), ein 25-jähriger Bademeister, geht gewissenhaft seiner Arbeit nach. Den Feierabend vertreibt er sich mit Bier und Fußball vor der Glotze. Manchmal leistet er auch „Nachbarschaftshilfe“, indem er den Lohn für eine Prostituierte eintreibt, die über ihm wohnt. Unkontrollierte Aggressionsausbrüche sind dabei nicht selten.

Lars unterdrückte Wut bekommt plötzlich ein Ziel, als er im Schwimmbad einen Mann beobachtet, der offenbar die Gegenwart von Teenagern sucht. Mit der Videokamera spioniert er ihm hinterher; schließlich soll der Mann Hausverbot im Schwimmbad erhalten und Lars braucht dafür handfeste Beweise. Was anfangs wie ein edles Vorhaben erscheint, gerät immer mehr außer Kontrolle. – Der Racheengel ist überfordert.

Der Film wurde schon auf dem Filmfestival Mannheim-Heidelberg gezeigt, wo er mit dem Rainer-Werner-Fassbinder-Preis ausgezeichnet wurde.
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