Kulinarisches

Kameruner

Karneval, Fastnacht oder Fasching kommt früh dieses Jahr. Noch in den Januar fällt heute Wieverfastelovend oder Weiberfastnacht oder wie es hier im Süden heißt: der Schmotzige Dunschtig.

Auch viele Jahre im Kerngebiet des rheinischen Karnevals haben mir diesen Volksbrauch nicht nahebringen können. Ist einfach nicht mein Ding die verordnete Fröhlichkeit und das Bedürfnis mal richtig auf die Pauke zu hauen hab ich auch nicht – wer mich darum Spielverderber schimpfen will, kann das gerne tun.

Ich erinnere mich an ein Jahr, in dem meine Mutter sich beizeiten eine alte Krawatte meines Vaters vornahm, sie vorsichtig an einer Seite auftrennte, dann mit Moltofill füllte und wieder zunähte. An Weiberfastnacht überredete sie meinen Vater diese Krawatte zu tragen. Natürlich stürzten sich die „Weiber“ auf der Dienststelle begeistert mit ihren Scheren auf meinen Vater bzw. seine Krawatte als dieser dort eintraf. Doch oh Überraschung, die Krawatte ließ sich nicht so leicht wie erwartet abschneiden. Ratlose Blicke, Inspektion der Scheren, erneuter Versuch mit einer anderen Schere, wieder ratlose Blicke bis mein Vater das Geheimnis lüftete. Das fanden nun wiederum die „Weiber“ im ersten Moment nicht so wirklich lustig. Am Ende lachten aber alle doch kräftig darüber und die Geschichte geisterte noch Jahre später durch die Amtsstuben wenn mal wieder Weiberfastnacht war.

Wie gesagt, Karneval ist nicht mein Ding und auch die schwäbische Fastnacht, die sich ja durchaus vom rheinischen Karneval unterscheidet, kann mich nicht wirklich überzeugen. Eines aber gibt es in dieser fünften Jahreszeit, für das ich mich begeistern kann: das Fettgebackene! Also Berliner, Krapfen, Nonnenfürzle und wie die Köstlichkeiten alle heißen. Da kann ich in diesen Tagen kaum genug von bekommen und muß mich schon heftig zur Ordnung rufen um mich nicht ausschließlich von diesen Köstlichkeiten zu ernähren. Hier in der Gegend gibt es zur Fastnacht die sogenannten „Kameruner“.

Kameruner - © Liisa

Lecker, noch leckerer, am leckersten! Nur warum diese riesen Teile ausgerechnet „Kameruner“ heißen habe ich bisher noch nicht herausgefunden und stürzt mich doch etwas in Grübeleien.

12 Gedanken zu „Kameruner

  1. Über die Wahrnehmung von Fasching als „verordnete Fröhlichkeit“ habe ich mich immer gewundert – dann wären ja auch Geburtstagsfeiern und Hochzeiten verordnete Fröhlichkeit, wenn nicht sogar jede Party:
    „Gudrun hat uns für 14. Februar zu einer Party bei sich eingeladen.“
    „Achnee, lass mal, immer diese verordnete Fröhlichkeit.“
    Wo liegt der Unterschied?
    (Dass man sich nicht verkleiden möchte, nicht unter Massen alkoholisierter Menschen sein, kann ich durchaus verstehen.)

  2. Den Begriff „Nonnenfürzle“ für Faschingsbackwerk kannte ich noch nicht. Wieder was gelernt. 😉

  3. Vielleicht ist es ja nicht die „verordnete Fröhlichkeit“ an sich, sondern die spezielle Art an Lustigkeit, bei der es an Fasching geht.

    Ich denke, das ist wie mit Musik: manchen kann es nicht laut genug sein, andere mögens eher leise und nachdenklich.

  4. Frau Kaltmamsell, da haben Sie recht, was die „verordnete Fröhlichkeit“ angeht. Vielleicht war ich auch deswegen nie so die große Partygängerin. Hochzeiten habe ich allerdings so viele als Gast gesehen, dass es für mindestens drei Leben reicht und fröhlich war ich da durchaus. Ich weiß nicht, vielleicht empfinde ich es was Karneval angeht so besonders stark, weil man da durch die schiere Masse (im Rheinland) schier erschlagen wird vom Erwartungsdruck doch bitte voll mit einzusteigen – so war es jedenfalls zu den Zeiten als ich noch dort lebte. Tatsächlich ist meine Meinung die, dass wer Karneval feiern will, soll das tun und fröhlich dabei sein aber bitte diejenigen nicht ins Abseits stellen, die dafür nicht so die Ader haben.

    Herr Markus, die Nonnenfürzle sind zumindest hier im Südwesten recht verbreitet, vorher kannte ich die auch nicht.

    Michael, mit der Vermutung liegst Du nicht daneben – Fröhlich sein und Fröhlich sein kann sehr verschieden aussehen.

    Frau creezy, da bin ich aber beruhigt, dass auch schon andere mit offensichtlich wesentlich mehr Recherchemöglichkeiten an dieser Frage gescheitert sind. Dass es Kameruner aber angeblich nur in Berlin gibt, wie im Artikel behauptet ist spätestens mit meinem Eintrag hier inklusive Foto widerlegt. 🙂

  5. „Kameruner“ ist übrigens großartig. Es gilt noch, ein Lexikon der Gebäckbezeichnungen zu erstellen (Kniekiechle, Amerikaner, Boxer, Pfennigmuckerl…).

  6. Hach Herr Exit, das hatte ich seinerzeit gar nicht mitbekommen, dass Sie auch ein Anhänger der Kameruner sind! Aber sie haben Recht, was den PGL angeht – langsam fürchte ich, mir ist nicht mehr zu helfen und fasten müßte ich bis zum Sankt Nimmerleinstag um wieder halbwegs in akzeptable Gewichtsklassen vorzudringen. *läßtKopfhängen*

  7. Wenigstens war die Faschings(krapfen)saison 2007/8 relativ kurz. Das alleine reduziert die Gesamtkalorienzahl um einige tausend…

  8. Stimmt im Prinzip, Michael … allerdings kann man ja die Kürze der Zeit einfach durch entsprechende verzehrte Masse ausgleichen. ;o)

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