Privates

Lass fahren dahin! oder: Zwischen den Jahren

Jahresende
So sehr ich Weihnachten liebe, so sehr verabscheue ich den Jahreswechsel, den ich glatt verschlafen würde, wäre ich nicht ein Nachtmensch und um die Zeit auch sonst immer noch wach (außer ich liege mit über 40°C Fieber danieder). So aber kann ich an diesem Tag natürlich erst recht nicht um 20 Uhr in seligen Schlummer fallen sondern muss hindurch durch das Theater. Was die Böllerei und verordnete Lustigkeit angeht, bin ich hocherfreut, damit nicht allein zu sein!

Überhaupt, diese Zeit »zwischen den Jahren«, eine Art Niemandsland in dem man durch den Nebel stolpert und nicht weiß, was da draußen so alles lauert wartet. Das alte Jahr versinkt schon langsam im Nebel der Vergangenheit, das neue liegt ebenfalls noch ganz im Nebel und enthüllt höchstens hier und da Schemen, die einen ahnen lassen, was da kommen könnte oder ab und an mal einen Berggipfel, Verheißung des ein oder anderen Höhepunktes, den das neue Jahr vielleicht bringen könnte wobei Berge ja auch immer entsprechend tiefe Täler mit sich bringen.

Jedenfalls Silvester steht vor der Tür und ich kann mich nicht mal mit was Gescheitem im Fernsehen ablenken, denn auf den meisten Sendern herrschen verordneter Jubel, Trubel und Heiterkeit und auf den anderen läuft auch nicht wirklich was Brauchbares.
3sat bietet zwar wieder den Thementag »Pop around the clock« aber alle Konzerte (nicht sehr viele), die mich interessieren, laufen schon vor 20 Uhr und auch ARTE kann mich leider diesmal so gar nicht locken. Wobei mir einfällt, ich könnte mir vielleicht ein paar Videos aus der Videothek meiner Wahl holen. Das bedeutet aber frühes Aufstehen denn vergangene Erfahrungen zeigen, dass die wirklich guten Filme spätestens ab 10 Uhr 9 Uhr vormittags schon alle weg sind.

Abgesehen davon verabschiede ich mich leichten Herzens vom vergangenen Jahr - es war nicht meins. Tatsächlich würde ich es unter »eines von den harten« verbuchen. Schwere Erkrankungen gleich mehrfach im engsten Umfeld (zwei der Erkrankten dazu noch sehr jung) und die eigene Lebensplanung steckt nach wie vor tief im Morast, das heißt es geht nicht oder nur sehr zäh überhaupt voran.
Ein Jahr, das weiter an meinem Optimismus und meiner Zuversicht geknabbert hat und langsam aber sicher zeigen sich die ersten Risse und Löcher, die sich zu Abgründen auszuweiten drohen.
Auch der Tod hat leider dieses Jahr im Freundes- und Bekanntenkreis (zu) reichlich Ernte gehalten und auch an meinen kleinen treuen Casimir konnte er leider nicht ohne kräftigen Sensenschwung vorbeigehen.

Doch, doch natürlich gab es auch Schönes und Positives im vergangenen Jahr, großes und kleines und ich habe es entsprechend dankbar angenommen und mich daran gefreut. Freundschaften, die nun ein weiteres Jahr älter sind und an Tiefe gewonnen haben, ein konfliktfreies Miteinander in der WG, Zuwachs in der Katerbande, Hilfen verschiedener Art in einer Zeit, wo das beileibe nicht mehr selbstverständlich ist. Froh war ich auch als sich der defekte Computer entgegen erster Befürchtungen für wirklich wenig Geld wieder reparieren ließ - eine Neuanschaffung wäre eine mittlere Katastrophe gewesen.

Im Grunde bin ich eigentlich für jeden Tag dankbar, sind wir hier doch (durch engen Bezug zu einer Wachkoma-Station) ständig mit traurigen Schicksalen konfrontiert, die zeigen, dass es manchmal wirklich nur eine Kleinigkeit bzw. Sekunden braucht und nichts ist mehr wie vorher. Das macht dankbar - es ist halt alles eine Frage der Perspektive.

Und doch gefühlt war das Jahr alles in allem ein schweres und daher lass ich es gerne hinter mir und versuche die Reste meines Optimismus und meiner Zuversicht zusammen zu sammeln und zu hoffen, dass das neue Jahr auch »gefühlt« wieder ein besseres wird.

Dankbar bin ich auch für die vielen Kontakte, die über das Internet entstanden sind und was etliche darunter angeht auch wieder ein Jahr älter geworden sind. Manche Blogger begleite ich (und sie mich) nun schon über Jahre und man nimmt Anteil daran, wie sich auch ihr Leben weiter entwickelt. Kinder haben sich eingestellt (was mich in diesem Fall aus verschiedenen Gründen ganz besonders gefreut hat), andere Kinder sind weiter gewachsen, Hochzeiten hat es gegeben und leider auch einen Todesfall.

Es wurde umgezogen, neu disponiert, umdekoriert, es wurden Feste gefeiert, die Prinzregententorte gerettet, neue Hobbies begonnen, in Gedanken mitgereist, Erfolge gefeiert, um Arbeitsplätze gebangt und über neue (alte) Arbeitsplätze gefreut, diverse Male gemeinsam Flagge gezeigt und und und.

In dieser Hinsicht habe ich viel Schönes erleben dürfen und danke an dieser Stelle allen, die hier im vergangenen Jahr mitgelesen und mitkommentiert haben, denen, die das schon lange tun und denen, die im vergangenen Jahr neu hinzugekommen sind. Ohne Euch wäre das Ganze nur halb so schön, ach was sag ich, 1/1000tel schön! Und natürlich hoffe ich auch, dass Ihr mir bzw. diesem Blog hier auch im kommenden neuen Jahr gewogen bleibt.

9 Gedanken zu „Lass fahren dahin! oder: Zwischen den Jahren

  1. Das ist das Positive daran, daß es mir seit 15 Jahren schlecht geht: Man ist schon unten. Es ist schon dunkel. Nichts hat sich verändert. Dagegen stelle ich mir die Achterbahnfahrt des Lebens anstrengender vor. Mal auf, mal ab. Trotzdem danke für dein Resümee und alles Gute im Neuen Jahr!

  2. Ein nachdenklich stimmender Text, bei dem es einem schwer fällt, den richtigen Ton im Kommentar zu treffen. Ehe ich jedoch zu lange darüber nachdenke, antworte ich jetzt spontan:

    Ich habe großen Respekt davor, wie du die Dinge (die positiven wie die negativen) angehst. Du hast ganz offensichtlich etliche Schicksalsschläge erlitten, manche waren auch in deinem Blog zu lesen, manches wurde in Zwischentönen deiner E-Mails deutlich. Danke, dass du dieses Resümee mit uns teilst und - auch wenn es dir naiv erscheinen mag - wünsche ich dir im wahrsten Sinn des Wortes ein Gutes Jahr 2008, eines, dass du am nächsten Jahresende nicht nur abhakst im Sinne von »endlich vorbei«, sondern eines, bei dem im Rückblick die positiven Erfahrungen die negativen überragen.

    Ach so, und Danke für ein weiteres Jahr Charming Quark. 😉

  3. Liebe Liisa, eigentlich bin ja eher Leser Deines Litblogs, habe jetzt aber auch den Charming Quark über bloglines abonniert. 😉 Deine Bilanz ist ein guter Anlaß, Dir auf diesem Wege ein gutes, entspannteres Neues Jahr zu wünschen, das Dir dann einen freudigeren Rückblick erlaubt. Gegönnt sei es dir von Herzen. Du bist ja für mich nicht nur der Anlaß / Auslöser zum Bloggen, sondern auch Vorbild gewesen. 😉 Ich wünsche Dir also Glück, Gesundheit, Nähe, viele inspirierende Bücher, viele Anlässe zur Freude und weiterhin Spaß beim Bloggen. LG tinius

  4. Frau Liisa, nicht in schlimme Gedanken versinken! Silvester soll ja Spaß machen! Bei uns zu Lande sagt man ja, dass das kommende Jahr genauso wird, wie man es in den ersten Minuten anfängt. Also Kopf hoch und immer schön mit Optimismus nach vorne blicken übermorgen früh! 😉

    Auf jeden Fall bin ich Ihnen für den wunderbaren Deko-, Design- und Catcontent mit den Sie uns immer wieder erfreuen dankbar 🙂 Und natürlich auch für Ihre tollen Kommentare 🙂

  5. Frau Liisa!

    Da waren bei Ihnen wohl deutliche Höhen und Tiefen in diesem Jahr. Ich hoffe, dass 2008 ein glückliches Jahr für Sie werde. Aber wenn Sie sich selbst treu bleiben, dann mach ich mir überhaupt keine Sorgen.

    An der Stelle darf ich mich den Vorrednern anschließen und mich für die lieben Blogbeiträge mit aufmunterndem, nachdenklichem und schönem Inhalt bedanken! Schließlich hat ja ganz viel in diesem Blog angefangen! Was Sie da oben verlinkt haben, sind ja irgendwie die Folgen daraus!

  6. Liebe Liisa, wir bleiben auch in 2008 in deiner Nähe, so wie wir alle miteinander verbunden sind und uns (auch wenn in nonvirtuell einige hunderte Kilometer dazwischen liegen) miteinander immer wieder aufs Neue verbinden. Du hast die Stärke, all das Schwierige zu ertragen, gerade, weil du die Schwächen zulässt. Ich wünsche dir, dass du diese Art von Stärke im neuen Jahr deutlich weniger brauchst - und einfach wieder mehr genießen kannst, ohne vorher viel Schwieriges bewältigen zu müssen.

    Alles Gute für 2008, bleiben Sie weiter so anregend, spannend und den schönen Dingen gewogen, hier in Ihrem Blog und in Ihrem anderen…

    Sie haben das Talent zu verbinden - immerhin haben Sie ein Verlöbnis gestiftet, das bis heute in innigster Herzlichkeit hält. Auch wenn ich mich gerade aus dem Zeitbann retten lassen muss, aber auch dafür gibt’s ja viel Unterstützung aus dem Netzwerk…

    Mögen alle Wünsche, die Ihnen gut tun, in Erfüllung gehen, in diesem Jahr!

  7. Liebe Liisa! Seit langer Zeit vergeht kaum eine Woche, in der ich nicht bei dir reinschaue. Ich liebe deine kleinen Designer-Beiträge, die vielen Fotografinnen und Fotografen-Tips, die Bücher natürlich und die dazwischen blitzende Sozialkritik und auch die bisweilige Tonart in Moll.

    Ich wünschte dir vor allem weniger existenzielle Sorgen. Dass du dir um deines und die vielen Leben Gedanken machen kannst, die du so sensibel verfolgst und weniger bangen brauchst um eine Computer-Reparatur.

    Mögen die Esel endlich Goldstücke spucken, wenn man an ihrem Schwanz zieht!

    Liebe Grüsse

    Tanja

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