Nordisches ·Soziales

H&M und die Kinderarbeit

Beim schwedischen Unternehmen H&M (Hennes & Mauritz), dass ja auch in Deutschland weit verbreitet ist und dieses Jahr sein 60jähriges Firmenjubiläum feiert, heißt es auf deren Website u.a.

Wir übernehmen die Verantwortung für den Einfluss, den unsere Tätigkeit auf die Menschen und die Umwelt ausübt. … Der Verhaltenskodex beinhaltet folgende Forderungen:
Befolgung des lokalen Arbeitsrechts
tarifliche Bezahlung und Arbeitszeiten
das Recht, sich zu organisieren und gemeinsam zu handeln
das Verbot von Kinderarbeit
das Verbot von Diskriminierungen
das Verbot von Zwangsarbeit
Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz
Befolgung der lokal geltenden Umweltgesetze
Alle hersteller werden kontrolliert

Alle Hersteller, die an der Produktion von H&M-Erzeugnissen beteiligt sind, haben sich nach dem Verhaltenskodex zu richten.
Quelle

Soweit so gut und schön. Die Realität sieht aber wohl etwas anders aus. Jetzt wurde nämlich bekannt, dass H&M Baumwolle bezieht, die von Kindern geerntet wurde. Das berichtete jedenfalls eine Reportage im schwedischen Fernsehen und auch mehrere schwedische Tageszeitungen. Demnach arbeiten in Usbekistan rund 450.000 Kinder auf Baumwollfeldern. H&M ist eines der europäischen Unternehmen, das Baumwolle von diesen Feldern bezieht. Es ist nicht das erste Mal, dass H&M wegen Verstößen gegen die eigenen Richtlinien in die Kritik gerät. So wurden im vergangenen Jahr in Deutschland schwere Vorwürfe gegen Hennes & Mauritz erhoben, weil Mitarbeiter und Betriebsräte massiv unter Druck gesetzt wurden.

Deutschland ist für Hennes & Maritz mit 311 von weltweit über 1400 Filialen der mit Abstand wichtigste Markt. Hierzulande erwirtschaftete der Konzern im vergangenen Jahr 2,2 Mrd. Euro Umsatz.

9 Gedanken zu „H&M und die Kinderarbeit

  1. Wenn das stimmt, und wir dürfen ja wohl vermuten, dass das stimmt, muss H&M Konsequenzen ziehen, sonst war der deutsche Markt die längste Zeit der erfolgreichste für das schwedische Unternehmen gewesen.

    Ich hatte ja neulich schon bei Herrn Sabbeljan auf das Übel der Kinderarbeit im Textilsektor hingewiesen. Furchtbar sowas.

  2. nicht furchtbar, sondern in vielen bereichen durchwegs üblich: wir pofitieren davon durch niedrige preise und vermeintlich schicke fast designer-klamotten.
    sauseschritt darf aber an dieser stelle darauf hinweisen, dass zumindest bei h&m durch die anhaltende öffentliche kritik durchaus dinge in bewegung geraten sind. das österreichische verbrauchermagazin konsument hat in seiner septemberausgabe darüber berichtet:
    (…) Gleichzeitig versuchten die großen Handelsketten, durch die Verpflichtung zu einem freiwilligen Verhaltenskodex (Code of Conduct) aus dem Schussfeld der Kritik zu kommen. Kinderarbeit, Zwangsarbeit, Diskriminierung oder Behinderung gewerkschaftlicher Aktivitäten waren fortan verpönt. In unserer Untersuchung trifft dies für die meisten Unternehmen zu. Nur Benetton, Promod und Stefanel haben bis heute keinen Code of Conduct, der diesen Namen verdient (…)

  3. Sehr wohl furchtbar, da hilft’s auch nichts, dass es üblich ist - im Gegenteil! Seltsame Einschätzung, moncay.
    Aber danke für den Hinweis auf die Konsument-Meldung.

  4. Diese freiwilligen Verhaltenskodizes sind inzwischen wirklich ziemlich in Mode gekommen. Die Frage ist aber, wer überprüft eigentlich, ob diese dann in der Praxis tatsächlich eingehalten werden. Mir ist es schon öfter so vorgekommen, dass die Unternehmen sich gerne damit schmücken und die Masse der Konsumenten das dann auch blind glaubt. Nur ab und an, wenn irgendein Journalist wieder sowas aufdeckt, gibt’s Ärger. Aber gemessen an der Zahl der Unternehmen und der beteiligten Subunternehmer etc. ist die Überprüfung doch gleich Null.

  5. ja liisa, ich natürlich wüßte natürlich auch gerne, wer das überprüft. den derartiger handel bemisst sich nicht am guten, wahren und schönen, sondern allein am komperativen vorteil. und wen kümmerts tatsächlich? den/die konsument/inn/en etwa? die politik?

    nur eine letzte bemerkung zu markus und sauseschritt’s seltsamer einschätzung: kinderarbeit ist faktum, kinderarbeit ist billig, kinderarbeit wird von den regierungen und konsument/inn/en akzeptiert. kinderarbeit erhält familien. da hilft moralisches entsetzen rein gar nichts, im gegenteil: es entlastet beim nächsten einkauf. denn: furchtbar, was man/frau heutzutage alles kaufen muss und furchtbar, wie es doch in dieser welt zugeht. furchtbar ist billige münze.

  6. Ich las vor einiger Zeit einen Artikel über kleine Jungen in Indien, die als Sklaven in einem Fabrikschuppen Pailletten auf Tops sticken. Die Kriminellen, die davon leben, können ohne Schwierigkeiten ehe die Polizei kommt in einen anderen Bundesstaat fahren - mit den Kindern oder auch ohne sie, da man ja überall Kinder kaufen kann.
    Wenn man solche Dinge akzeptiert und nicht mehr furchtbar findet, kann man auch ohne Probleme paillettengestickte Tops tragen. Wenn man, wie ich, solche Dinge abstoßend und zum Heulen findet, trägt man eben keine Paillettentops - oder stickt die Dinger selber. So simpel ist das.

  7. Um zu sehen, dass bei dieser Firma etwas nicht stimmt, muss man nicht ins Ausland blicken. Auch hier zu Lande sind die Arbeitsbedingungen in weiten Teilen unwürdig. Sie betreffen dann zwar eher Teenager und Berufseinsteiger, besser macht es das aber auch nicht. Siehe ver.diim Allgemeinen oder (m)ein ganz spezieller Fall hier.

  8. Ich finde es etwas traurig moncay, was du für eine einstellung zur welt hast !
    Jeder kann sich das Leben so einfach machen, indem man einfach alle schlimmen und bedrückenden Sachen akzeptiert und findet dass das ja jetzt üblich ist …
    Wenn aber jeder so eine Einstellung hätte wie du(Eine Tatsache , die gar nicht so weit von der Realität entfernt ist) ,dann ist das eine gesellschaft, bei der es nur noch um Profit , Gier und MASSLOSIGKEIT geht.

Kommentare sind geschlossen.