Musik

Blog-Tour Selma-Projekt

Im Moment läuft gerade in diversen Blogs die Blog-Tour Selma-Projekt und ich weiß nicht so recht, was ich davon halte. Einerseits ist es schön, richtig und wichtig auf das Schicksal von Selma Meerbaum-Eisinger hinzuweisen und ihre Geschichte aber vor allem ihre Gedichte wieder mehr ins öffentliche Bewußtsein zu holen. Andererseits gibt es das Projekt ja nun schon eine ganze Weile, ich berichtete z.B. hier und im Litblog bereits vor zwei Jahren ausführlich über Selma und ihre Gedichte sowie über die Vertonung ihrer Gedichte. Warum also nun mit zwei Jahren Verspätung plötzlich diese Blog-Tour? Dafür wurde auch extra eine neue Webpage ins Netz gestellt.

Tatsächlich werden bei der Blog-Tour Selma Projekt hauptsächlich die beteiligten Macher und Künstler des Projekts interviewt und vorgestellt. Das riecht irgendwie ziemlich nach Kommerz auch wenn beteuert wird, es ginge darum Selma und ihr Schicksal vorzustellen. Da das Vertonungsprojekt ihrer Gedichte nicht von der Musikindustrie unterstützt wurde, sind die Macher natürlich darauf angewiesen, dass das Projekt bekannt wird, um die Kosten für das Projekt wieder hereinzubekommen. Wie gesagt, ich weiß nicht so recht, was ich von der Blog-Tour halten soll aber da ich zumindest unterstützen kann, dass Selma Meerbaum-Eisinger, ihre Gedichte und ihr Schicksal möglichst vielen bekannt werden, auch hier der Hinweis auf die Blogtour. An dieser Stelle auch noch der Hinweis auf die Selma Meerbaum-Eisinger-Seite bei Mari.

Nachtrag: David Klein hat sich in den Kommentaren zu Wort gemeldet und durchaus angebrachte Kritik an meinem Eintrag geäußert. Ich nehme mir zwar durchaus das Recht auch Unsicherheiten oder Zweifel an einem Projekt bzw. Aspekten eines Projekts zu äußern bin aber auch bereit mich korrigieren und/oder von anderem überzeugen zu lassen. Was in meinem ursprünglichen Eintrag vielleicht nicht klar genug zum Ausdruck gekommen ist: Ich unterstützte das Selma Projekt grundsätzlich. Nicht beabsichtigt war ein Statement abzugeben das behauptet, es ginge den Machern nur um Profit, was ich meine auch nicht getan zu haben. Andererseits hat David natürlich auch Recht, dass man dazu neigt manchmal zweierlei Maß anzulegen. Seine Aufrichtigkeit im Engagement für dieses Projekt möchte ich keineswegs in Zweifel ziehen und auch über die beteiligten Künstler kann ich mir in dieser Hinsicht kein Urteil erlauben.

Unterm Strich bleibt: Es ist ein wichtiges, gutes und unterstützenswertes Projekt und sicher für den ein oder anderen auch ein geeignetes Weihnachtsgeschenk – bis dahin ist es ja nicht mehr weit.

8 Gedanken zu „Blog-Tour Selma-Projekt

  1. Hallo

    Ich habe seinerzeits Deinen Artikel zu „Selma“ mit großer Begeisterung gelesen. Ich wünschte, das wäre diesmal erneut der Fall. Warum wir immer wieder neue Wege gehen müssen, um „Selma“ bekannt zu machen, erläutere ich ja in meinem Interview bei Bernd Röthlingshöfer. Was ist denn Deiner Ansicht nach daran nicht in Ordnung? Die Website zu „Selma“ gibt es übrigens seit der Veröffentlichung. Wenn die Stones auf Tour gehen und das beworben wird, sagst Du dann auch: warum gehen die jetzt mit 45 Jahren Verspätung auf Tour? Du monierst, dass die „Macher“ und Künstler interviewt werden. Ja wer denn sonst? Selma? Sicher hast Du keine Ahnung, was es bedeutet, so ein Projekt auf die Beine zu stellen und zu finanzieren. Natürlich will ich, dass „Selma“ bekannt wird! Aber nicht, wie von Dir angedeutet, aus Profitgier, sondern weil Deutschland es bitter nötig hat, immer wieder daran erinnert zu werden, was passiert ist! Darum habe ich auch ein bundesweites Schulprojekt auf die Beine gestellt. Manchmal ist es schon schwer nachzuvollziehen, was in Euren Köpfen vor sich geht.

    Gruss
    David

  2. Hallo David, gemach, gemach! Ich unterstütze das Projekt ja grundsätzlich, deswegen weise ich ja auch erneut wieder darauf hin. Dass ich diesmal etwas „unsicher“ bin, was ich von der Blog-Tour halte, darf ich doch aber trotzdem äußern. Über die Stones würde ich z.B. keinen solchen Eintrag schreiben! ;o)) Dass es schwierig ist, die Finanzierung für ein solches Projekt auf die Beine zu stellen, weiß ich sehr wohl und habe ich ja auch erwähnt und damit durchaus in Erwägung gezogen, dass die Blog-Tour einfach nur ein anderes Mittel ist, das Projekt bekannt zu machen und wieder etwas ins öffentliche Bewußtsein zu rufen – auch wenn ich das nicht explizit im Eintrag erwähnt habe, was ich vielleicht in dieser Deutlichkeit hätte tun sollen. Was die Interviews angeht, hast Du natürlich recht, Selma kann man nicht mehr interviewen, also warum nicht die Macher und Künstler? Das habe ich nicht wirklich zuende gedacht.

    Ich habe übrigens eben noch einen Nachtrag zu meinem ursprünglichen Eintrag geschrieben, wo ich auf Deine Kritik reagiere. Nichts für ungut!

  3. Liisa, ich finde, Du hast Dich überhaupt nicht im Ton vergriffen. Ich war richtig erleichtert, Deine Bedenken zu lesen. Anscheinend geht es nicht nur mir so! Wenn David gleich wie eine beleidigte Leberwurst reagiert, dann spricht das Bände, wenn auch nicht unbedingt für das Projekt. Das verstärkt meine Vorbehalte nur noch.

  4. Vielleicht ist seine Reaktion einfach nur menschlich und weniger die einer „beleidigten Leberwurst“ – stell Dir vor, Du setzt Dich aufrichtig für so ein Projekt ein und dann schlägt Dir von überall nur Kritik oder Misstrauen entgegen – da kann einem tatsächlich mal der Kragen platzen, wie er schreibt.

    Es ist klar, dass so ein Projekt finanziert werden will und muss und dass es sehr schwierig wird Geldgeber dafür zu motivieren ebenso kann man von jemandem der ein solches Projekt auf die Beine stellt nicht erwarten, das für „umsonst“ oder „einen Apfel und ein Ei“ zu machen. Auch David muß ja schauen, wo er dabei bleibt.

    Es ist halt schlicht blauäugig oder überidealistisch zu erwarten, dass ein solches Projekt heutzutage komplett kommerzfrei aufgezogen und durchgeführt werden kann, es sei denn man findet einen millionenschweren Förderer, der das alles übernimmt. ;o)

    Ich weiß nicht und kann nicht beurteilen, wieviel „Kommerz“ bei der Sache tatsächlich im Spiel ist und es ist sicher „per se“ auch nichts Verwerfliches dabei, wenn man mit diesem Projekt auch etwas Geld macht/machen kann – allemal ist das wenigstens ein wirklich gutes und vernünftiges Projekt und nicht irgendwelcher Schrott oder Blödsinn, der da unter die Leute gebracht wird. Da gibt es tatsächlich ganz andere Dinge, mit denen Millionen gemacht werden, die reine Volksverdummung sind und niemand regt sich darüber auf.

  5. Liebe Liisa

    Wie Recht Du hast! Nur nochmal zur Klärung: ich habe an diesem Projekt noch keinen Eurocent verdient. Allein für das Schulprojekt habe ich drei Jahre gearbeitet, bin etliche Male nach Hamburg geflogen, alles auf meine Kosten. Die Zeit, die ich in das Projekt investiert habe, ist gar nicht zu bezahlen. Aber wie gesagt ist Profit auch nicht mein Anliegen. Und @Noga: wie ich reagiere hat doch nichts mit dem Projekt zu tun…! Den Zusammenhang kann ich nun beim besten Willen nicht erkennen.

    Lieber Gruss
    David

  6. Was ein Eiertanz!

    Meine Güte, Mißverständnisse hier und Mißverständnisse dort.

    Wie immer: das Gegenteil von Gut Gemacht ist Gut Gemeint….

    Und so scheint es mir hier auch.
    Dann kommen noch Eitelkeiten und aufsFüßchengetreten hinzu und worum geht es eigentlich?

    Nicht um irgendwelche Befindlichkeiten.
    Es geht um die Gedichte von Selma Meerbaum-Eisinger.

    Darum.

    Da sind sich hier wohl alle einig.

    Ja, dann besorgt Euch die Gedichte und lest sie!

    Und dann merkt Ihr hoffentlich:
    Wahre Kunst hat nichts zu tun mit dem kleinen mickrigen Alltag.

    Hoffentlich.

    Denn alles Getue ist ein Bärendienst für die Dichterin.

  7. Ich bin jetzt 67 Jahre alt, also Silverblogger (gelernter Maurer mit Volksschulabschluss und ein paar Semestern Seefahrtschule). Anschließend bin ich 36 Jahre lang zur See gefahren.

    Die Frau, die ich bisher am meisten bewunderte, hieß Sophie Scholl. Die Tagebücher der Anne Frank sind mir bekannt. Von dem Projekt Selma und ihren Gedichten habe ich erst durch das Interview von David Klein bei Roethlingshoefer erfahren und mir daraufhin CD und Buch bestellt. Sehr lange lese ich noch nicht hier, hergeführt hat mich Kid37.

    Den Kommentar meines Vorgängers Connie empfinde ich als arrogant. Eine solche Empfehlung hätte mich vom Erwerb des Buches eher abgehalten.

  8. Zu dem Kommentar von „Connie“: „Wahre Kunst hat nichts zu tun mit dem kleinen mickrigen Alltag“ ? – Da verschlägt es einem doch wirklich die Sprache Was ist denn das für ein furchtbarer, unsensibler Kommentar! (der zudem noch völlig unzutreffend ist!) Ich bin schockiert und traurig! Und werde Frau Cornelie Müller-Gödecke sicherlich nicht weiterempfehlen!

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