Literatur & Lyrik ·Musik

Musik und Amnesie

Clive Wearing war/ist ein britischen Musikwissenschaftler, Dirigent und angesehenen Experten für Alte Musik. 1985 erlitt er in Folge einer Herpes-Infektion eine Enzephalitis und in Folge eine schwere und lang anhaltende anterograde Amnesie.
Durch die Erkrankung wurde sein Hippocampus − der Teil des Gehirns, der maßgeblich für die Verarbeitung von Sinneseindrücken zur dauerhaften Speicherung verantwortlich ist − dauerhaft geschädigt. Auch der Schläfen- sowie der Frontallappen wurden geschädigt. Letzterer beherbergt mit dem Amygdala, einen Teil des Gehirns, der maßgeblich für die Steuerung von Emotionen verantwortlich ist.

Er hat darüber hinaus nur wenige bewusste Erinnerungen aus der Zeit vor seiner Erkrankung. So weiß er beispielsweise, dass er Kinder aus früherer Ehe hat, kann sich aber an deren Namen nicht erinnern. Die Liebe zu seiner zweiten Frau Deborah, die er 1984 geheiratet hatte, ist ungebrochen. Er begrüßt sie überschwänglich, jedes Mal, wenn sie sich treffen − glaubend, dass er sie über Jahre nicht gesehen habe, auch wenn sie nur kurz den Raum verlassen hat, um ein Glas Wasser holen.

Jetzt hat Oliver Sachs im in »New Yorker« einen bewegenden Artikel über Clive Wearing geschrieben: The Abyss: Music and amnesia.

Clive Wearings Frau Deborah hat inzwischen auch ein Buch über ihren Mann und ihre gemeinsame Geschichte geschrieben: »Gefangen im Augenblick. Die Geschichte einer Amnesie«